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Veröffentlicht am 11.08.2021

Unausgesprochenes in der Familie

Darüber reden wir später
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Dieses Buch spricht Leser/innen an, die Familiengeschichten mögen.
Die Protagonistin Margret ist um die 60 Jahre alt, als ihr Mann plötzlich nach einem schweren Schlaganfall zusammenbricht. Das berührt ...

Dieses Buch spricht Leser/innen an, die Familiengeschichten mögen.
Die Protagonistin Margret ist um die 60 Jahre alt, als ihr Mann plötzlich nach einem schweren Schlaganfall zusammenbricht. Das berührt sie zunächst überhaupt nicht. Sie richtet sich ihr Leben neu ein, beginnt allerdings, in ihrer familiären Herkunft zu forschen, in der Vieles ungesagt blieb, insbesondere in der Vergangenheit ihrer Eltern, die der Kriegsgeneration angehörten, dem Verhältnis zu ihren älteren Geschwistern und ihren eigenen Kindern. Auch ihr eigenes Leben beleuchtet sie – hat sie den Richtigen geheiratet? Warum hat sie ihren Lebenstraum vom Schreiben irgendwann aufgegeben? Margret ist mit ihrem ständigen Hadern und Zweifeln nicht unbedingt eine sympathische Romanfigur, wozu auch beiträgt, dass sie in einer Zeit der schweren Erkrankung ihres Mannes den Kontakt zu einem Mann sucht, für den sie dreißig Jahre zuvor wohl gerne ihr als spießbürgerlich empfundenes Leben aufgegeben hätte. Die leise Sprache des Buches hat mir aber gut gefallen ebenso wie die eingefügten, von Margret verfassten Passagen über ihre Beziehung zu ihren Liebsten, die sich in ihrer Situation wieder dem Schreiben zuwendet.

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Veröffentlicht am 08.08.2021

Ein liebenswerter Postbote und Vater

Der längste Tag im Leben des Pedro Fernández García
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Dieses Buch fand ich wirklich sehr beeindruckend. Das beginnt schon bei formalen Besonderheiten wie dem recht langen Buchtitel und den ebenso ausführlichen 40 Kapitelüberschriften sowie aufgenommenen Fotos ...

Dieses Buch fand ich wirklich sehr beeindruckend. Das beginnt schon bei formalen Besonderheiten wie dem recht langen Buchtitel und den ebenso ausführlichen 40 Kapitelüberschriften sowie aufgenommenen Fotos und Skizzen, setzt sich dann aber inhaltlich in der Geschichte selbst fort.
Diese dreht sich um den 40jährigen Pedro, einem Postboten in der dritten Generation mit Fleisch und Blut, dessen Job auf Lanzarote zusehends der Digitalisierung zum Opfer fällt, so dass ihm fast nur noch die Zustellung von Postwurfsendungen bleibt. Umso mehr Zeit hat er für die Erziehung seines kleinen Sohnes, mit dem ihn ein inniges Verhältnis verbindet. Eine Welt geht für ihn unter, als seine Freundin samt Kind ihn urplötzlich Richtung Barcelona verlässt. Sein verrückter Jugendfreund mit seinen immer neuen Geschäftsideen und ein schwarzer Flüchtling aus Afrika bringen ihn allmählich wieder in die Spur und spornen ihn an, zu seinem Sohn zu reisen.
Der Protagonist Pedro ist eine sehr sympathische Romanfigur, weil er trotz seines Alters ein Kind geblieben ist und sich so rührend um seinen Sohn kümmert. Da sieht man es ihm gerne nach, dass er so wenig Ehrgeiz hat, seine berufliche Situation zu ändern und stattdessen sinnlose Touren über die Insel mit dem Dienstmotorrad unternimmt, um seinem Dienstherrn die fortbestehende Notwendigkeit eines Postboten zu beweisen. Sehr interessant ist, dass Pedro zufällig auch mit seiner eigenen familiären Herkunft, insbesondere seiner Verbindung zum Vater konfrontiert wird. Der Autor belässt es nicht bei einer Familiengeschichte, sondern flicht sehr detailreich historische Fakten ein, wie den spanischen Bürgerkrieg ab 1936, die Verwicklung der Nationalsozialisten hierin, die Bedeutung Francos für Spanien, die Flucht von Afrikanern nach Spanien. Auch die verrückten Geschäftsideen seines Freundes rund um die Villa Winter und die versunkene Insel Atlantis sind von geschichtlicher Bedeutung. Nicht zuletzt werden Kenntnisse über Lanzarote als Vulkaninsel vermittelt, wenn auf die Vulkanausbrüche ab 1730 eingegangen wird.
Ein wirklich lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 02.08.2021

Eine tragische Familiengeschichte

Die Überlebenden
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Formal ist die Geschichte gekonnt aufgebaut. Zwei Handlungsstränge werden abwechselnd erzählt. Der erste beginnt damit, wie drei erwachsene Brüder die Asche ihrer verstorbenen Mutter an dem See verstreuen, ...

Formal ist die Geschichte gekonnt aufgebaut. Zwei Handlungsstränge werden abwechselnd erzählt. Der erste beginnt damit, wie drei erwachsene Brüder die Asche ihrer verstorbenen Mutter an dem See verstreuen, an dem die gesamte Familie einst regelmäßig die Ferien verbrachte. Im Zweistundentakt werden die Ereignisse rund um die Beisetzung rückwärts erzählt. Der zweite schildert einen vergangenen Ferienaufenthalt, der in eine Tragödie mündete, über die anschließend jahrelang Stillschweigen bewahrt wurde und die insbesondere das weitere Leben des mittleren Bruders und Erzählers Benjamin prägte. Inhaltlich haben wir es mit einer Familiengeschichte zu tun, die nicht nur durch ein schlimmes Ende einer Ferienzeit zu einer besonderen wird, sondern auch deshalb, weil die Familie insgesamt ziemlich verkorkst ist. Die Eltern sind offensichtlich Alkoholiker, vernachlässigen die Söhne, haben zu ihnen so recht keine Beziehung. Diese wiederum rivalisieren untereinander und spielen sich gegenseitig aus. Insgesamt gibt es wenig Handlung, wozu es gut passt, dass wesentliche Passagen an einem ruhigen Waldsee angesiedelt sind. Die Auflösung der Tragödie ganz am Ende finde ich etwas unfertig. Für mich bleibt unerklärt, wie Benjamin, ein seinerzeit immerhin Neunjähriger, mehrere Jahrzehnte die Erinnerung völlig ausblenden konnte. Zudem macht es sich die Mutter zu leicht.
Ein gut lesbarer Familienroman.

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Veröffentlicht am 02.08.2021

Sammlung unterschiedlicher Kurzgeschichten

In Liebe Dein Karl
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Ingrid Noll war mir bislang noch kein Begriff, so dass ich völlig unvoreingenommen an dieses Buch gegangen bin. Der erste von insgesamt fünf Abschnitten mit jeweils einer Ansammlung unterschiedlicher Kurzgeschichten ...

Ingrid Noll war mir bislang noch kein Begriff, so dass ich völlig unvoreingenommen an dieses Buch gegangen bin. Der erste von insgesamt fünf Abschnitten mit jeweils einer Ansammlung unterschiedlicher Kurzgeschichten vermochte mich sehr zu begeistern. Seine in ihm - „Diebe und Triebe“ – enthaltenen makabren Geschichten bestechen durch schwarzen Humor und sind recht witzig. Die weiteren Erzählungen in der Buchmitte konnten mich dann nicht mehr so einnehmen, erst der letzte Abschnitt hat mir wieder gut gefallen. Aber der Lesegeschmack ist halt sehr unterschiedlich. Irgendwo wird jeder auf seine Kosten kommen, zumal auch sehr persönliche Informationen aus dem Leben der Autorin eingearbeitet sind.

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Veröffentlicht am 28.07.2021

Geschwisterliche Rivalitäten

Erwachsene Menschen
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Dieses Buch ist flugs gelesen und spricht einen Aspekt an, der sicherlich bei so manchem Leser auch latent vorhanden ist: Rivalität unter Geschwistern noch im Erwachsenenalter. Die 40jährige Erzählerin ...

Dieses Buch ist flugs gelesen und spricht einen Aspekt an, der sicherlich bei so manchem Leser auch latent vorhanden ist: Rivalität unter Geschwistern noch im Erwachsenenalter. Die 40jährige Erzählerin Ida ist hiervon jedenfalls nicht frei. Bei einem gemeinsamen Urlaub mit ihrer jüngeren Schwester und deren Mann sowie Stieftochter und der eigenen Mutter mit Lebensgefährten im Sommerhaus der Familie lässt sie Neid und Missgunst ihrer Schwester Marthe gegenüber freien Lauf. Nicht nur lebt Marthe in glücklicher Beziehung, während sie selbst nur kurze Affären mit vergebenen Männern hat. Nein, sie ist auch noch schwanger und sie selbst erfährt, dass sie einen Kinderwunsch nicht mehr wird realisieren können. Da kommen in ihr Erlebnisse aus der Kindheit hervor, die sie sich gegenüber ihrer Schwester schon immer zurückgesetzt fühlen lassen. Ida geht ihren eigenen Weg, um sich an der Schwester zu rächen, indem sie mit deren Mann flirtet, ihr das Stiefkind abspenstig macht und Unfrieden in die Beziehung zwischen Marthe und ihrem Mann streut. Alles lässt die Protagonistin eher unsympathisch wirken. Aber so muss es sein bei der Thematik. Anders als das Cover und der Klappentext es vermuten lassen könnten, handelt es sich nicht um eine leichte Sommer-, sondern um eine psychologisch raffinierte Lektüre, die ich gerne gelesen habe.

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