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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.06.2021

Absolut hörenswert

Vom Aufstehen
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Ruth Reinecke ist die Sprecherin dieses absolut hörenswerten Hörbuchs. Ihrer Erzählstimme lässt sich gut folgen.
Erzählt wird aus dem Leben der bis zur Wende in Ostdeutschland lebenden und schreibenden ...

Ruth Reinecke ist die Sprecherin dieses absolut hörenswerten Hörbuchs. Ihrer Erzählstimme lässt sich gut folgen.
Erzählt wird aus dem Leben der bis zur Wende in Ostdeutschland lebenden und schreibenden Autorin Helga Schubert, die letztes Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt. In einzelnen Kapiteln wird eingegangen auf das unfreie Leben der Autorin in der DDR, ihre Schriftstellerei und immer wieder auf ihr schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter, von sie sich nicht geliebt fühlte.
Sehr interessant vor allem für jene mit Interesse am Leben in der DDR.

Veröffentlicht am 04.06.2021

Schöner Einblick in die marokkanisch-französische Gesellschaft vor 70 Jahren

Das Land der Anderen
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Mit seinem mir bislang nur wenig geläufigen geschichtlichen Hintergrund hat mich dieser Roman in den Bann gezogen.
Es geht um die Mischlingsehe, die die lebenshungrige Elsässerin Mathilde 1945 aus Liebe ...

Mit seinem mir bislang nur wenig geläufigen geschichtlichen Hintergrund hat mich dieser Roman in den Bann gezogen.
Es geht um die Mischlingsehe, die die lebenshungrige Elsässerin Mathilde 1945 aus Liebe mit dem für die Befreiung Frankreichs kämpfenden marokkanischen, einen Kopf kleineren Offizier Amine eingeht. Beide ziehen in das karge marokkanische Hinterland, um eine eigene Landwirtschaft zu betreiben. Mathilde findet nicht das erhoffte Glück. Sie bleibt fremd in der patriarchalischen Gesellschaft mit den so gänzlich anderen, strengen Moralvorstellungen, in der auch ihre französischen Landsleute sie und ihre Tochter wegen ihrer Mischehe nicht anerkennen. Amine wiederum wird von seinen Landsleuten als Verräter an seinem Volk beäugt und kann mit den von Mathilde begangenen europäischen christlichenTraditionen nichts anfangen. Ihr gegenüber wandelt er sich zum Tyrannen und fordert ihren Gehorsam.
Wie schon gesagt, ist der Zeitraum, in dem die Geschichte spielt – die Zeit der Unabhängigkeitsbestrebungen Marokkos von der Kolonialmacht Frankreich - sehr interessant und facettenreich dargestellt. Die Protagonisten stehen hier quasi zwischen den Fronten. Die Rolle der Frau in der traditionellen Ordnung wird gelungen beschrieben und löst bei europäischen Lesern geradezu Entsetzen aus, wenn ausgeführt wird, welcher brutalen Gewalt und Unterwerfung die Frauen ausgesetzt waren. Etwas mehr Handlung hätte ich mir gewünscht.
Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 01.06.2021

Ein charmant geschriebenes Buch über die eigene Kindheit der Autorin

Vater. Mutter. Kind. Kriegserklärungen
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In gewisser Weise fühlte ich mich beim Lesen erinnert an die „Geschichten vom Franz“ der wie die Autorin aus Österreich stammenden Schriftstellerin Christine Nöstlinger. Auch hier steht ein pfiffiges österreichisches ...

In gewisser Weise fühlte ich mich beim Lesen erinnert an die „Geschichten vom Franz“ der wie die Autorin aus Österreich stammenden Schriftstellerin Christine Nöstlinger. Auch hier steht ein pfiffiges österreichisches Kind im Vordergrund. Während ersteres ein Kinderbuch ist, ist Schreiners Buch ein Roman für Erwachsene, wenngleich inhaltlich über ihre Kindheit zwischen dem 7. Und 10. Lebensjahr. Diese Zeit ist, wie es die Autorin zutreffend ausführt, enorm prägend im Leben eines Kindes, weil es hier seine wichtigsten Erfahrungen macht und sich der Ernst des Lebens in die Unbeschwertheit der Kindheit schleicht. Von eben diesen Erfahrungen lässt sie die kleine Margit aus der Ich-Perspektive erzählen. Herausgekommen sind anekdotenhafte, charmant und humorvoll dargebotene Erlebnisse aus dem familiären und weiteren sozialen Umfeld wie z.B. das gemeinsame Spielen mit den Nachbarskindern im Hof, ein Verwandtenbesuch, ein imaginärer Hund, der erste Abend ohne Eltern allein zu Hause, der Besuch im Büro des Vaters. Alles zeugt von einer übersprühenden Fantasie des Mädchens. Wiedergegeben im Erzählton eines Kindes, kommt es dann schon einmal zur Verwendung von Wörtern aus der Fäkalsprache, was einen einfach nur schmunzeln lässt. Da Margits Kindheit wie meine eigene in die 1960er Jahre fiel, wurden bei mir viele schöne Erinnerungen geweckt. Gelungen ist die vergleichende Bezugnahme auf das Leben der Autorin in der Gegenwart sechs Jahrzehnte später.
Ein sehr lesenswertes Buch, dessen Titel allerdings abschreckend auf mich wirkt.

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Veröffentlicht am 30.05.2021

Moderne Version von Eichendorffs Taugenichts

Fahrtwind
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Gesprochen von dem Schauspieler Frank Stieren, lässt sich diesem Hörbuch gut folgen. Inhaltlich allerdings frage ich mich, ob dieses Buch wirklich Not getan hat. Inspiriert von Joseph von Eichendorffs ...

Gesprochen von dem Schauspieler Frank Stieren, lässt sich diesem Hörbuch gut folgen. Inhaltlich allerdings frage ich mich, ob dieses Buch wirklich Not getan hat. Inspiriert von Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ hat Klaus Modick eine moderne Version dieser romantischen Novelle verfasst, die allerdings so modern gar nicht ist, spielt die Handlung doch bereits Anfang der 1970er Jahre. Ein junger Mann, vornamenlos bleibend, Müller mit Nachnamen heißend, nimmt nach abgebrochenem Studium Reißaus aus seinem spießigen Elternhaus und begibt sich nur mit seiner Gitarre im Gepäck auf eine Reise in den Süden. Unterwegs trifft er auf skurrile Typen und steuert Stationen in Wien, Rom und am Gardasee an, sich als Musiker verdingend.
Die Reise des Protagonisten erscheint mir wenig aufgeregt, ähnlich irreal wie die verschiedenen Bekanntschaften. Sein Blick auf Mitmenschen und Orte ist recht distanziert. Ein gewisser Unterhaltungswert resultiert aus den Texten verschiedener echter und von Müller gedichteter Musikstücke.

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Veröffentlicht am 30.05.2021

Generationenkonflikte und Einblicke in die chinesische Kultur

Im Reich der Schuhe
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Die Geschichte ist im Jahr 2015 in Südchina angesiedelt. Der jüdische Amerikaner Fedor Cohen betreibt dort eine Schuhfabrik. Sein Wort ist Gesetz. Seinen 26 Jahre alten Sohn Alex holt er als Partner in ...

Die Geschichte ist im Jahr 2015 in Südchina angesiedelt. Der jüdische Amerikaner Fedor Cohen betreibt dort eine Schuhfabrik. Sein Wort ist Gesetz. Seinen 26 Jahre alten Sohn Alex holt er als Partner in das Familiengeschäft. Dieser erkennt, dass die Produktion nicht mehr zeitgemäß ist. Durch seine Bekanntschaft mit der Fabrikarbeiterin und Aktivistin Ivy wird er darauf gestoßen, unter welch unmenschlichen Arbeitsbedingungen die Wanderarbeiter tätig sind. Er hat neue Ideen. Es bahnt sich ein Vater-Sohn-Konflikt an. Ivy wiederum will Alex auf ihre Seite ziehen.
Das Buch ist wirklich lesenswert. Es vermittelt viele Kenntnisse über den jüdischen Glauben sowie chinesische Kultur und Traditionen. Hilfreich wäre ein Glossar zu den benutzten jüdischen und chinesischen Begriffen gewesen. 25 Jahre nach den Ereignissen auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking wird China als ein Ort dargestellt, der reif ist für Demokratie, aber von wenigen kontrolliert wird, die jedes Mittel benutzen, um ihre Position beizubehalten. Im Wesentlichen dreht sich der Roman um zwei Beziehungen. Zum einen um die zwischen Vater und Sohn. Alex ist äußerst loyal und versucht sehr behutsam das zu ändern, wofür sein Vater steht. Alles, was er will, ist, dass sein Vater stolz auf ihn ist. Fedor wird nicht gerade als ein liebenswerter Mensch dargestellt. Dennoch respektieren sie sich. Zum anderen um die zwischen Alex und Ivy, die bis zum Schluss ein Rätsel bleibt und bei der man sich fragt, ob sie Alex nur manipuliert.
Ein viel versprechender Debütroman.

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