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Veröffentlicht am 24.03.2021

Sehr poetisch

Offene See
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Man muss Lyrik mögen und mit ihr etwas anzufangen wissen, um auch dieses Buch zu mögen. Im Roman tritt offen zu Tage, dass sein Autor auch Lyriker ist.
Er erzählt von seinem Protagonisten Robert, der sich ...

Man muss Lyrik mögen und mit ihr etwas anzufangen wissen, um auch dieses Buch zu mögen. Im Roman tritt offen zu Tage, dass sein Autor auch Lyriker ist.
Er erzählt von seinem Protagonisten Robert, der sich 1946 sechzehnjährig in seinem Bergbaudorf im Norden Englands auf die Wanderschaft begibt, um der Enge seines praktisch vorbestimmten Lebens zu entkommen. Im Süden findet er Aufnahme bei der recht unkonventionellen, belesenen Dulcie, deren Leben von einem Geheimnis überschattet ist. Sie führt ihn an Bücher und Lyrik, sogar ein literarisches Vermächtnis heran, was später sein Beruf werden soll.
Vor allem Handlung habe ich in der Geschichte vermisst. Viel anderes als Roberts Arbeitseinsätze auf Dulcies Anwesen gibt es hierzu nicht. Stattdessen gibt es zu Hauf bildhafte, poetische Naturbeschreibungen und diverse eingestreute Gedichte. Robert wird für sein Alter als zu erwachsen dargestellt. Unter Berücksichtigung seiner Herkunft aus dem Bergarbeiter-Milieu wirken seine schwülstigen Beobachtungen unpassend.

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Veröffentlicht am 18.03.2021

Eine Frauenfreundschaft auf den ersten Blick

Alte Sorten
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Der Roman handelt von einer ungewöhnlichen Freundschaft, einer Freundschaft auf den ersten Blick zwischen zwei zu sich selbst und anderen harten, unnachgiebigen Frauen.
Die 17jährige Sally ist aus einer ...

Der Roman handelt von einer ungewöhnlichen Freundschaft, einer Freundschaft auf den ersten Blick zwischen zwei zu sich selbst und anderen harten, unnachgiebigen Frauen.
Die 17jährige Sally ist aus einer Klinik für Essgestörte geflüchtet, weil sie einfach nur ihre Ruhe haben will. Sie findet Aufnahme auf dem landwirtschaftlichen Hof der älteren Liss. Dort findet sie Ruhe, niemand stellt Fragen. Andererseits tun sich bei Sally bzgl. Liss allerhand Fragen auf, denn von den anderen Dorfbewohnern wird sie gemieden. Doch auch Liss hüllt sich in Schweigen. Irgendwann kommt Sally hinter ein Geheimnis ihrer Wirtin …
Das Buch ist allein schon durch die Art, in der der Autor die Sprache einsetzt, lesenswert. Bezogen auf Liss hält er alles äußerst knapp, bei Sally ist sie zornig und frech. Gelungen ist auch die bildhafte Beschreibung des herbstlichen Lebens auf dem Gehöft, auch der dort angebauten alten Obstsorten, die durch das schöne Buchcover in den Fokus gerückt werden.
Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 18.03.2021

Neues aus Meyerhoffs Leben

Hamster im hinteren Stromgebiet
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Es handelt sich um den neuesten Band des Autors in seiner Reihe „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“, „Alle Toten fliegen hoch“, „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ und „Ach diese Lücke, diese ...

Es handelt sich um den neuesten Band des Autors in seiner Reihe „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“, „Alle Toten fliegen hoch“, „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ und „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Hier nun erzählt uns der Autor, langjähriger Schauspieler am Wiener Burgtheater, von neun Tagen kurz nach seinem 50. Geburtstag, als er einen Schlaganfall erlitt und sich im Krankenhaus befand. Außer zu seiner Behandlung und zu seinem Befinden streut er sehr ausführliche Passagen zu Erlebnissen vor allem mit seinen geliebten drei Kindern und seiner Lebensgefährtin ein, die oft den Charakter von Anekdoten haben.
Ein kurzweiliges und lesenswertes Buch, wenngleich ich sagen muss, dass ich weitere Bücher in dieser Reihe, so sie denn geplant sind, nicht mehr lesen werde, da ich mich an dem immer gleichen Stil einfach „überlesen“ habe.

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Veröffentlicht am 14.03.2021

Die Geschichte der sog. Brown Babies

Stay away from Gretchen
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Dieser Roman klärt über einen Aspekt der deutschen Nachkriegsgeschichte auf, der mir wie sicherlich so manch anderem bislang unbekannt war – das Schicksal der sog. Brown Babies, d.h. der aus den Beziehungen ...


Dieser Roman klärt über einen Aspekt der deutschen Nachkriegsgeschichte auf, der mir wie sicherlich so manch anderem bislang unbekannt war – das Schicksal der sog. Brown Babies, d.h. der aus den Beziehungen zwischen farbigen amerikanischen Besatzungssoldaten und deutschen Frauen hervorgegangenen Kinder.
Seinen Ursprung nimmt die Geschichte in Ostpreußen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Familie Schönaich flüchtet vor den nahenden Russen Richtung Westen. Nach grauenhaften Erlebnissen auf der Flucht lässt sie sich schließlich in Heidelberg in der amerikanischen Besatzungszone bei Verwandten nieder. Tochter Greta begegnet dem schwarzen GI Bobby und wird von ihm schwanger. Ihr Plan zu heiraten, stellt sich aufgrund der rassischen Beschränkungen, denen Farbige im Allgemeinen und als Armeeangehörige im Besonderen unterliegen, als unrealisierbar heraus. Greta wird als als „Negerliebchen“ und Mutter eines Mischlingskindes diskriminiert und muss ihr Kind in ein Kinderheim geben, von wo es schließlich gegen ihren Willen nach Amerika zur Adoption gegeben wird. Den Vater sieht sie aufgrund von Intrigen nicht mehr. Zeitlebens belastet sie dieses Trauma. Ihr Sohn Tom, der sich um seine Mutter kümmert, als sie zusehends der Demenz verfällt, deckt ihre ihm bis dahin unbekannte Geschichte in ihrer ganzen Tragik nach und nach auf.
Sehr eindrucksvoll und historisch interessant schildert die Autorin wesentliche Stationen ostpreußischer Flüchtlinge und zieht berechtigte Parallelen zu dem Schicksal syrischer Flüchtlinge im Jahr 2015 als der Zeit, in der Tom sich mit dem früheren Leben seiner Mutter zu beschäftigen beginnt. Die Diskriminierungen, denen schwarze Besatzungssoldaten und ihre deutschen Freundinnen ausgesetzt waren, berühren zutiefst. Auch mit dem Thema Demenz setzt sich die Autorin sehr einfühlsam und behutsam auseinander. Unpassend erscheint mir allerdings die Darstellung des Protagonisten Tom, der als bekannter Nachrichtensprecher und Frauenheld oberflächlich und mir unsympathisch geschildert wird.
Ein lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 14.03.2021

Der Spagat einer Frau zwischen Berufstätigkeit und Familie

Johanna spielt das Leben
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Das Thema dieses Romans ist nach wie vor aktuell, obwohl seine Geschichte vor gut 60 Jahren angesiedelt ist. Der Protagonistin Johanna geht es wie heute immer noch vielen jungen Frauen – sie ist auf gutem ...

Das Thema dieses Romans ist nach wie vor aktuell, obwohl seine Geschichte vor gut 60 Jahren angesiedelt ist. Der Protagonistin Johanna geht es wie heute immer noch vielen jungen Frauen – sie ist auf gutem Wege, als Bühnenschauspielerin am Wiener Burgtheater Karriere zu machen und ist ehrgeizig in ihrem Beruf. Da wird sie früh schwanger und heiratet den Vater, der als Justizbeamter recht bürgerliche Vorstellungen von Berufstätigkeit einer Ehefrau und Mutter hat. Wegen einer Fehlgeburt kann Johanna dann doch noch einige Jahre arbeiten, bis sie nach der Geburt ihrer Tochter sich gegen den Widerstand des Ehemannes zu emanzipieren und Kindererziehung und Tätigkeit am Theater unter einen Hut zu bringen versucht.
Die Geschichte gewinnt an Lebendigkeit durch die gelungene Darstellung der Protagonistin. Oftmals hat man den Eindruck, sie sieht auch das wirkliche Leben als Schauspiel, ist sehr keck und verwendet beim Reden auch schon mal abgewandelte Zitate aus berühmten Bühnenwerken. Was sie an ihrem Ehemann festhalten lässt, fragt man sich schon. In der Ehe fliegt durchaus einmal das Geschirr. Vermutlich harmonisieren beide auf sexueller Ebene wie von Anbeginn ihrer Beziehung. Gerne hätte ich zur Person Johannas noch erfahren, wie es ihr als Kind aus sehr einfachen Verhältnissen gelungen ist, den Fuß ins Burgtheater zu setzen. Sehr gut gefallen hat mir die charmante Sprache („Wiener Schmäh“) mit vielen typischen österreichischen Vokabeln und Schimpfworten.
Ein sehr lesenswertes Buch.

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