Profilbild von uli123

uli123

Lesejury Star
offline

uli123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit uli123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.11.2017

Über den Zweiten Weltkrieg und Konzentrationslager in Polen

Karolinas Töchter
0

Verliert die Holocaust-Überlebende Lena ein zweites Mal ihre Freiheit? Wenn es nach ihrem Sohn geht, ja. Denn er will seine Mutter entmündigen und in einem Heim unterbringen lassen, nachdem sie sich von ...

Verliert die Holocaust-Überlebende Lena ein zweites Mal ihre Freiheit? Wenn es nach ihrem Sohn geht, ja. Denn er will seine Mutter entmündigen und in einem Heim unterbringen lassen, nachdem sie sich von Chicago aus 70 Jahre nach Ende des Holocausts mit Hilfe einer Rechtsanwältin und eines Privatermittlers auf die Suche nach zwei Babys macht, die sie 1943 in Polen auf dem Weg in ein Konzentrationslager aus dem fahrenden Zug geworfen hat, um sie vor dem sicheren Tod zu retten. Es gibt Anzeichen, dass Lena diesbezüglich unter Wahnvorstellungen leidet. Während in einem Handlungsstrang Lena ihrer an sie glaubenden Rechtsanwältin in aufeinanderfolgenden Gesprächssitzungen ihre Lebens- und Leidensgeschichte als Jüdin in Polen unter den Nazis erzählt und der Privatermittler Beweise aufspürt, die ihre Version stützen, liegt in einem zweiten Handlungsstrang der Fokus auf dem gerichtlichen Verfahren der Entmündigung Lenas.
Wer historische, im Dritten Reich angesiedelte Romane mag, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. Gut recherchiert und sehr realistisch stellt der Autor die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Polen, in der Stadt Chrzanów und in den Konzentrationslagern Groß-Rosen und Auschwitz dar, und zwar anhand der fiktiven Protagonistin Jüdin Lena. Ergebnis ist eine sehr berührende Lebensgeschichte einer den Holocaust Überlebenden, die alle Schrecken der damaligen Zeit durchlebt hat. Zu Recht stellt sich Lena wiederholt die Frage, wie Gott so etwas zulassen konnte. Die Geschichte geht so zu Herzen, dass ich das Buch entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten nur mit längeren Pausen lesen konnte. Erbauend war dabei zu lesen, wie viel Hilfe bei ihrem Überlebenskampf Lena von Dritten zu Teil wurde. Das Buch ist ein guter Beitrag, um die Erinnerung an das furchtbarste Kapitel deutscher Geschichte wachzuhalten. Interessant ist auch der juristische Nebenschauplatz, dem anzumerken ist, dass der Autor von Haus aus Rechtsanwalt ist. Gelungen ist der Einbau einer Überraschung betreffend die im Buchtitel erwähnten Töchter.
Von mir erhält das Buch eine absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 26.11.2017

Schnelle Rezepte für Kuchen, Torten, Kekse u.ä.

Einfach backen
0

Das Buch hält, was sein Titel verspricht. Auf 203 Seiten verrät uns die Autorin, Konditormeisterin, ihre besten Rezepte und Backgeheimnisse. Das Buch ist übersichtlich gegliedert in eine kurze Einleitung ...

Das Buch hält, was sein Titel verspricht. Auf 203 Seiten verrät uns die Autorin, Konditormeisterin, ihre besten Rezepte und Backgeheimnisse. Das Buch ist übersichtlich gegliedert in eine kurze Einleitung zur Person der Autorin, Tipps und Tricks beim Backen, Beschreibung von Backzubehör, Rezeptteil, Register und ein kleines Glossar, für das ich als aus Deutschland kommende Leserin besonders dankbar bin, weil ich ansonsten nicht gewusst hätte, das etwa Staubzucker Puderzucker und Topfen Quark ist. Der eigentliche Rezeptteil ist geordnet in Sonntagskuchen, Kaffeeklatsch-Gebäck, Cupcakes & Muffins, Backspass für Kinder, Backen wie früher, Montagskuchen und Backen quer durchs Jahr. Da die Autorin Österreicherin ist, sind natürlich auch landestypische Klassiker wie Sachertorte, Herrenkuchen oder Marillenschnitten vertreten. Man muss das Buch einfach einmal durchblättern und sich von den großformatigen Fotos inspirieren lassen. Finden lässt sich ganz sicher ein Rezept zum Nachbacken(und vielleicht zum leichten Variieren). Keinesfalls darf man anschließend niedergeschlagen sein, wenn das eigene Werk nicht den sehr perfekten bildnerischen Darstellungen entspricht. Sie machen eben deutlich, dass wie es in der Einleitung heißt, die Autorin es am meisten liebt, Torten in kleine Kunstwerke zu verwandeln. Die Rezepte sind wie allgemein üblich in eine Zutatenliste und eine genaue Zubereitungsanleitung unterteilt, ergänzt durch nützliche Meistertipps. Angaben zur Zubereitungsdauer fehlen allerdings. Einige Rezepte habe ich bereits nachgebacken und war zufrieden mit dem Resultat. Die optische Gestaltung des Buches ist liebevoll und gelungen. Der robuste, feste Einband ohne Schutzumschlag ist küchengeeignet.
Ein schönes Buch für kleine und große Bäcker.

Veröffentlicht am 18.11.2017

Wieviel Wahrheit gehört ans Licht?

In einem anderen Licht
0

Die Hamburger Journalistin Miriam gerät anlässlich ihrer Recherchen über die große Mäzenin und Wohltäterin Dorothea Sartorius in einen gehörigen Gewissenskonflikt. Gemeinsam bereiten sie die Verleihung ...

Die Hamburger Journalistin Miriam gerät anlässlich ihrer Recherchen über die große Mäzenin und Wohltäterin Dorothea Sartorius in einen gehörigen Gewissenskonflikt. Gemeinsam bereiten sie die Verleihung des von der Sartorius-Stiftung ausgelobten Preises für Zivilcourage vor. Doch kann Miriam noch hinter dem Projekt stehen, nachdem sie aufdeckt, dass die Stifterin als junge Frau ein Rädchen innerhalb der RAF-Terrorgruppe war und ihre Vergangenheit totgeschwiegen hat, als sie die anvisierte Zielperson, den schwerreichen Reeder und Senator Sartorius, kennen- und lieben gelernt hat?
Dieser Roman ist eine schöne Mischung aus Zeit- und Familiengeschichte. Einerseits erhalten wir einen guten Einblick in den Schrecken, den die RAF in den 1970er Jahren in Deutschland verbreitet hat. Ich selbst gehöre noch zu der Generation, die die auch im Roman erwähnten Schwarzweiß-Fahndungsplakate in Bank- und Postfilialen ausgehängt sah. Der geplante Anschlag von Dorothea Sartorius an der Schlei zum Nachteil ihres späteren Ehemannes ist zwar frei erfunden, entbehrt aber nicht völliger Realität und passt in das RAF-Schema. Andererseits nehmen auch die speziellen persönlichen Probleme von Miriam einen großen Raum ein. Nach zwei Jahren kann sie noch immer nicht die Trauer über ihren bei einer Fotoreportage im Ausland ums Leben gekommenen geliebten Mann verarbeiten. Vor allem für ihren fünfjährigen Sohn Max reißt sie sich zusammen. Insgesamt liest sich die Geschichte angenehm und ruhig. Sie hält dazu an darüber nachzudenken, wann Schweigen nicht mehr angemessen ist und stattdessen Mut zum Einmischen und zum Verkünden der Wahrheit (eben Zivilcourage) geboten ist. Dieser Zwiespalt ist anhand Miriams Situation gut herausgearbeitet. Sehr schön sind auch die Impressionen von Hamburg und dem Umland, die beweisen, dass Hamburg tatsächlich der Sehnsuchtsort der Autorin ist, wie es im rückwärtigen Klappentext heißt. Einen kleinen Wermutstropfen bedeutet es für mich, dass es etwas zu viele zu Tage tretende Verflechtungen der Romanfiguren untereinander und zu viele Zufälle gibt. Auch entsprechen Umgang und Sprache von Miriam mit ihrem erst fünfjährigen Sohn nicht dem natürlichen Verhalten einer Mutter gegenüber ihrem Kleinkind und wirkt Max zu erwachsen.
Alles in allem aber ein eindrucksvoller Roman.

Veröffentlicht am 12.11.2017

Bietet alles, was einen guten Psychothriller ausmacht

Heimweh
0

Ein ausgesprochener Krimi-/Thrillerfan bin ich nicht gerade, so dass ich aus diesem Genre eigentlich nur gezielt und sehr wählerisch auf Bücher deutscher Autoren zurückgreife. Das vorliegende Buch ist ...

Ein ausgesprochener Krimi-/Thrillerfan bin ich nicht gerade, so dass ich aus diesem Genre eigentlich nur gezielt und sehr wählerisch auf Bücher deutscher Autoren zurückgreife. Das vorliegende Buch ist meinen hohen Erwartungen gerecht geworden.
Doch worum geht es? Trotz eines guten Jobs als Kinderarzt und einer anhänglichen kleinen Tochter ist Jesse Berg nicht so recht glücklich. Ihn quält, dass er im Alter von 13 Jahren einen „Unfall“ gehabt haben soll, der seine Erinnerung an sein davor liegendes Leben ausgelöscht hat. In Albträumen wird er davon heimgesucht, wie er lebendig in einem Grab vergraben wird und in zugefrorenem Eis einbricht. Als seine Ex-Frau ermordet und seine Tochter entführt wird, kehrt er auf der Suche nach seinem Kind zurück in das Kinderheim, in dem er aufgewachsen ist. Dort trifft er auf seine früheren Freunde und den ehemaligen Heimleiter sowie auf weitere Leichen.

Wer Psychothriller gerne liest, speziell solche von Marc Raabe, sollte sich dessen drittes Buch nicht entgehen lassen. Spannend ist es von Anbeginn an und bleibt es bis fast zum Ende. Hier werden alle Fragen schlüssig aufgelöst. Dazwischen liegen zwei zu verschiedenen Zeiten angelegte und abwechselnd erzählte Handlungsstränge – Jesses Leben im Heim in den 70er/80er Jahren und seine Suche nach seinem Kind 32 Jahre später. Die Schilderungen aus dem Heim entsprechen allen Klischees, die man von solchen Einrichtungen hat – Strenge, Mobbing, Hackordnung – und gehen schon etwas an die Nieren. Dass in dieser Zeit der Schlüssel zu den gegenwärtigen Vorkommnissen liegt, ist klar, aber welche Verflechtungen dann tatsächlich bestehen, ist hanebüchen, aber nicht fern jeglicher Realität. An den Passagen zur Gegenwart fasziniert besonders, dass alle ehemaligen Heimbewohner und –mitarbeiter irgendwie verdächtig sind und sich nicht sagen lässt, wem man überhaupt trauen kann. Sogar die Person Jesses wirft Rätsel auf. Auf jeden Fall lässt sich gut über das Geschehen spekulieren. Obwohl es einige Leichen gibt und einige brutale Szenen beschrieben werden, hält sich die Blutrünstigkeit in Grenzen.
Genauso muss für mich ein guter Psychothriller sein.

Veröffentlicht am 07.11.2017

Mühevoll zu lesen

Ein Gentleman in Moskau
0

Im Jahre 1922 wird der russische Adlige Graf Rostov zum Hausarrest im Moskauer Nobel-Hotel Metropol verurteilt. Für einen freiheitsliebenden Menschen ist kaum vorstellbar, dass er dort sage und schreibe ...

Im Jahre 1922 wird der russische Adlige Graf Rostov zum Hausarrest im Moskauer Nobel-Hotel Metropol verurteilt. Für einen freiheitsliebenden Menschen ist kaum vorstellbar, dass er dort sage und schreibe 32 Jahre zubringt. Getreu dem Motto „Wer nicht über die Umstände herrscht, wird von den Umständen beherrscht“ gelingt es dem Grafen, sich in einer kleinen Dachkammer sein Leben einzurichten. Er schließt neue animierende Bekanntschaften, während sich draußen die Welt rasant verändert.
Ich fand es etwas beschwerlich, das Buch zu lesen. Die mir fremde russische Literatur spielt eine wichtige Rolle; oft wird auf die Politik und Geschichte Russlands nach der Oktoberrevolution eingegangen – beides Themen, für die man sich interessieren sollte. Umso dankbarer war ich dann für leichtere Passagen, in denen sich der Protagonist mit Hilfe seiner Manieren und seines Verhaltens nach Art eines Gentleman durch kritische Situationen rettet.