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Veröffentlicht am 02.06.2026

Leuchtende Träume bis zum Zerplatzen

Träume aus Feuer
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Hinter dem traumhaft schönen Cover verbirgt sich ein schmaler Band, der uns Einblick gewährt in die geheimnisvolle Welt der Alchemie im späten 17. Jahrhundert. Der Alchemist Johannes Kunckel hat vom brandenburgischen ...

Hinter dem traumhaft schönen Cover verbirgt sich ein schmaler Band, der uns Einblick gewährt in die geheimnisvolle Welt der Alchemie im späten 17. Jahrhundert. Der Alchemist Johannes Kunckel hat vom brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, genannt der Große Kurfürst, die Pfaueninsel in der Havel bei Potsdam geschenkt bekommen, damit er dort im Geheimen sein Laboratorium errichten und seine feurigen Versuche durchführen kann. Natürlich träumt der Kurfürst davon, dass Kunckel den märkischen Sand und etliche geheimnisvolle Zutaten in Gold verwandeln könnte. Der aber ist schon zu sehr Naturwissenschaftler, um noch an solchen Zauber zu glauben, vielmehr zerreibt er Golddukaten zu feinem Pulver, um damit tiefrotes Glas von solcher Leuchtkraft herzustellen, dass auch dies einem Wunder gleicht – und dem Kurfürsten willkommene Einnahmen beschert. Sehr lebendig und mit einigem Witz erzählt Florian Illies die tadellos recherchierte Geschichte dieser zunächst glücklichen Zusammenarbeit, lässt auch den Intrigen am Hof ihren Raum und schildert anschaulich die Lebensumstände des barocken Fürsten ebenso wie der Arbeiter in Kunckels Glashütte auf der Pfaueninsel. Dass die Träume schließlich platzen werden war zu erwarten.
Diese Lektüre bildet nicht nur, sie ist eine Freude, und wir danken es Florian Illies, dass er diese Kunst so virtuos beherrscht.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Künstlerische Suche nach dem Wesen des Weiblichen

Fünf Tage im Licht
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Vier Frauen um die Dreißig, alle im Kunst-/Kulturbereich tätig, treffen sich zu einem Junggesellinnenabschied für fünf Tage auf einer griechischen Insel. Sie wohnen in der Villa des Vaters einer der Frauen, ...

Vier Frauen um die Dreißig, alle im Kunst-/Kulturbereich tätig, treffen sich zu einem Junggesellinnenabschied für fünf Tage auf einer griechischen Insel. Sie wohnen in der Villa des Vaters einer der Frauen, eines reichen Kunstsammlers und Galeristen, an einem Hang oberhalb einer idyllischen Badebucht. Nur diese fünf Tage haben sie für sich, dann werden ihre Partner kommen. Gleich zu Beginn wird klar, dass die Frauen sehr unterschiedlich sind und keineswegs alle einander schätzen. Zudem sind sie in einem kritischen Alter, in dem viele Fragen immer drängender werden, z.B. nach Kinderwunsch, Erfüllung in der Partnerschaft und beruflicher Entwicklung. Das lässt eine gewisse Spannung erwarten, zumal die Ich-Erzählerin, eine erfolglose Malerin auf der Suche nach ihrem Thema und ihrem Stil, schon auf den ersten Seiten Bezüge herstellt zu Künstlerinnen, die sich sehr jung umgebracht hatten und deren Werk erst posthum gewürdigt wurde. Der Schreibstil ist angenehm, die Stimmung beginnt zu knistern, aber in der Folge plätschert die Story etwas seicht vor sich hin. Erst im weiteren Verlauf verdichtet sich die Spannung, als sich die Erzählerin in eine heftige Liebesaffäre mit nie zuvor erlebter Intensität des sexuellen Begehrens stürzt, die ihr Leben aus der Bahn wirft. Gleichzeitig gewinnen die in die Erzählung eingestreuten Kunstbetrachtungen an Bedeutung, sehr persönliche Auseinandersetzungen der Protagonistin mit den Werken von Künstlerinnen, die sich der Darstellung des weiblichen Körpers aus weiblicher Sicht widmeten, häufig als Selbstportraits in schonungsloser Offenheit. Diese aufwühlenden Betrachtungen sprengen den zeitlichen Rahmen der Erzählung, sind teilweise Jahrzehnte später entstanden und deuten immer wieder den weiteren Verlauf ihres Lebens an. So entsteht eine Vielschichtigkeit, die dem Roman Tiefe verleiht und über die zunächst recht banale Rückblende auf jene fünf Tage im Licht weit hinausgeht. Ich hätte mir dennoch eine straffere Erzählweise gewünscht. Vor allem aber hätte ich mir gewünscht, dass die Kunstwerke, die der Erzählerin so viel bedeuten, im Buch abgebildet würden, und sei es auch nur in Briefmarkengröße, vielleicht im Anhang und mit Nennung einer Fundstelle im Internet. Mir hätte das die Lektüre sehr erleichtert, denn all die Werke im Internet zu suchen ist für Laien eine Zumutung.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Das Verblassen der Farben und des Lebens

Ins fahle Herz des Sommers
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Andreas Eschbach widmet sich offenbar gerne aktuellen Themen und deren möglichen Folgen, mit Blick auf den leider gar nicht so unwahrscheinlichen worst case. So auch hier: Die Warnungen der Klimaforscher ...

Andreas Eschbach widmet sich offenbar gerne aktuellen Themen und deren möglichen Folgen, mit Blick auf den leider gar nicht so unwahrscheinlichen worst case. So auch hier: Die Warnungen der Klimaforscher haben wir alle gehört und gehofft, dass es so schlimm schon nicht kommen würde, erst recht nicht so bald. Sonst hätten die Regierungen doch wohl rascher reagiert. Das ist doch ihre Aufgabe. Aber dieser Thriller führt uns in eine gar nicht mehr so ferne Zukunft, in der alle bisher als gemäßigt geltenden Regionen unter glühender trockener Hitze leiden und das Leben für Mensch und Tier und Pflanzen weitgehend erlischt, auch das der Staaten, der Wirtschaft und der gesellschaftlichen Konventionen. Bei der Lektüre dieses beklemmenden Romans mit dem Titel Ins fahle Herz des Sommers wurde mir klar, dass die ganze Farbenpracht unserer wunderschönen Erde auf dem perfekten Zusammenspiel von Sonne, Wasser und Wind basiert, während das einseitige Überhandnehmen von Sonne und Hitze nicht nur das Leben, sondern auch die Farben zerstört, sie verblassen, werden fahl.
In einem nordfranzösischen Dorf haben ein paar wenige Menschen überlebt und versuchen den widrigen Umständen zu trotzen, darunter auch Fausto. Die meisten sind längst in den hohen Norden geflohen, wo aber keine Flüchtlinge mehr willkommen sind. Eine Perspektive gibt es weder für die Geflüchteten noch für die wenigen Zurückgebliebenen. Da kommt eine Fremde ins Dorf, Valerie, eine junge Frau, der die Hitze weniger anzuhaben scheint. Eine Liebesgeschichte bahnt sich an zwischen Fausto und Valerie, das Schicksal nimmt seinen Lauf …
Der Roman spielt am Puls der Zeit, ist spannend geschrieben und liest sich gut. Ein Thriller eben, mit Lücken und unerwarteten Wendungen, aber aufrüttelnd und lesenswert.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Scharfsinniger Thriller mit Gruselgarantie

Meeresdunkel
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Schon das Cover für „Meeresdunkel“ fasziniert: Meer und Himmel leuchten golden, nur die Steilküsten sind schwarz, und die am Himmel dräuenden Wolken. Meeresdunkel, denkt man, da stimmt was nicht.
So auch ...

Schon das Cover für „Meeresdunkel“ fasziniert: Meer und Himmel leuchten golden, nur die Steilküsten sind schwarz, und die am Himmel dräuenden Wolken. Meeresdunkel, denkt man, da stimmt was nicht.
So auch im Prolog: ein Kind ohne Namen, nachts im Haus oberhalb der schwarzen Lavafelsenklippen, es hat Angst vor mörderischen Katzen, hört Schreie, geht barfuß nach draußen, hört und sieht Unheimliches, das ihm später niemand glaubt. Nach der Trauerfeier bekommt es ein Piratenschiff von Playmobil geschenkt, mit dem es nun nicht mehr spielen mag. Wessen Trauerfeier?
Zwei deutsche Mittelstandsfamilien mit ihren Kindern machen sich auf den Weg in den Urlaub, fliegen in der günstigen Nachsaison in den Urlaub nach Mallorca, eine scheinbar harmlose Geschichte, gut beobachtet und witzig erzählt. Aber stimmig ist da nichts, in den Ehen kriselt es gewaltig, und nicht einmal über das Urlaubsziel besteht Einigkeit. Mit scharfem, präzisem Blick beschreibt Till Raether die Beteiligten, Kinder wie Erwachsene, mit ihren Ängsten und Erwartungen, Vorbehalten und Ressentiments, ihren Kommunikationsschwierigkeiten und blinden Flecken.
Am Ziel angekommen, einem baufälligen Ferienhaus in atemberaubender Alleinlage oberhalb einer Bucht, stellen beide Familien fest, dass es offenbar eine Doppelbuchung gab, und von da an nimmt das Schicksal seinen grausamen Lauf …
Der ständige Wechsel der Erzählperspektive zwischen den mehr oder weniger hilflosen Erwachsenen und den Kindern, dem altklugen achtjährigen Juri und den lebenstüchtigen vierzehnjährigen Zwillingen Esmé und Finn, trägt viel zum Unterhaltungswert bei, ebenso wie die gegenseitige Verstrickung der Elternteile in düstere alte Geschichten, die sie zu verbergen suchen. Verkettungen von Lügen, Missverständnissen, Verdächtigungen und vertanen Chancen bilden ein wirres Knäuel. Ein gewaltiges Unwetter bringt die Eskalation, aber bringt diese auch Klarheit?
Die Leser erwartet ein scharfsinniger Psychothriller, locker geschrieben, spannend und sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Schonungslos offen erzählt und faszinierend gelesen

Vergiss mich
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Vergiss mich, sagt die alkoholkranke Mutter zu ihrem Sohn Alex, aber dieses Hörbuch kann man nicht vergessen, so wenig wie der Sohn seine Mutter. Es ist die sehr berührende, oft erschütternde autobiografische ...

Vergiss mich, sagt die alkoholkranke Mutter zu ihrem Sohn Alex, aber dieses Hörbuch kann man nicht vergessen, so wenig wie der Sohn seine Mutter. Es ist die sehr berührende, oft erschütternde autobiografische Schilderung der Beziehung zwischen Alex Schulman und seiner Mutter, von seinen ersten Erinnerungen Ende der Siebziger Jahre, geprägt von großer Liebe und fürsorglicher Zärtlichkeit über Jahre zunehmender Kälte und Zurückgezogenheit der Mutter bis hin zu ihrem Tod im Jahr 2015. Die sehr intelligente, belesene und wortgewandte Mutter und ihr viel älterer Ehemann waren beide beim Fernsehen im Mediengeschäft tätig. In zahlreichen Rückblenden lässt der Autor Szenen aus dem Familienleben erstehen, vorwiegend aus dem Sommerhaus am See, in dem die Eltern mit ihren drei Söhnen jeden Sommer verbrachten. Mit schonungsloser Offenheit schildert er die grausamen Auswirkungen der wachsenden Alkoholsucht der Mutter auf die Kinder, besonders die Härte ihrer Zurückweisungen. Die daraus entstandenen Verletzungen konnten die Söhne nie überwinden, hatten nur unterschiedliche Strategien entwickelt, um mit all dem Unsagbaren zu leben. Unsagbar war auch das Thema Alkoholsucht, von einem strengen Familientabu belegt. Immer wieder versuchte noch der erwachsene Alex die Mutter in ihrer selbst gewählten Isolation zu erreichen, zumal nach dem Tod des Vaters. Unvergesslich bleiben die Schilderungen ihres Blickes, wenn sie sich in sich selbst zurückzog und keine Wahrnehmung mehr zuließ.
Einen großen Anteil an der Faszination dieses Hörbuchs hat der herausragende Sprecher Fabian Busch, einer der ganz Großen dieses Metiers. Ich kannte seine angenehme Stimme schon vom Hörbuch „Demon Copperhead“, dessen Welt er in über 18 Stunden alleine vor den Hörern entstehen lässt. Und nun diese anrührenden autobiografischen Szenen, die er wieder atmosphärisch dicht alleine spricht und nie einen Zweifel aufkommen lässt, wessen Rolle er gerade vorträgt. Dieses Hörerlebnis ist kostbar.

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