Sicht von Innen
HeimatlandDie Eltern der Autorin sind aus Anatolien über Istanbul nach Deutschland eingewandert. In ihrer Heimat hatten sie keine Chance voranzukommen. Ihre Kinder sollten es besser haben, sie sollten eine ordentliche ...
Die Eltern der Autorin sind aus Anatolien über Istanbul nach Deutschland eingewandert. In ihrer Heimat hatten sie keine Chance voranzukommen. Ihre Kinder sollten es besser haben, sie sollten eine ordentliche Schulbildung bekommen, auch die Mädchen. Den größten Teil ihrer Kindheit verbringt die Autorin in ihrem Berliner Kiez. Dort lebte sie eine gewisse Form von Multikulti, die allerdings auch Einschränkungen hatte. Im Viertel wohnten eher die ärmeren Leute, seien es Deutsche oder Eingewanderte. Auf der Straße ging es manchmal rau zu. Und doch durfte die Autorin alles, was die Jungs auch durften.
Mit warmen Worten beschreibt die Autorin wie sie aufgewachsen ist, dass zwar nicht immer alles Gold war, dass es aber doch so eine Hoffnung auf einen Aufstieg gab. Leiber scheiterten auch viele, aber einige boxten sich durch. Doch dann beschreibt sie, wie die Mädchen aus dem Straßenbild ihres Viertels verschwanden. Eine Entwicklung, die sich bis heute fortsetzt und die zu Rückschritten führt, weil niemand einschreitet. Was die Autorin im kleinen Umfeld erlebt hat, lässt sich auch auf größeren Rahmen projizieren.
Durch einen Artikel im Spiegel auf das Buch aufmerksam geworden, wird man neugierig mal die Sichtweise von jemandem zu erfahren, der aus einer Einwandererfamilie kommt. Wie hat die Autorin es erlebt, hier aufzuwachsen? Wie ist ihre Entwicklung verlaufen? Wie hat sich ihr Umfeld verändert? Und wenn etwas schief gelaufen ist, wo sieht sie eine Möglichkeit, die Situation für alle zu verbessern. Gerade der persönliche Ansatz macht das Buch auch für Laien sehr gut lesbar. Sie zeigt Probleme sehr anschaulich auf und gibt auch Hinweise, wo sie Lösungsansätze sieht. Die Gesetze, das Grundgesetz gilt halt für alle, die hier leben. Das müssten sich alle vor Augen halten. Dieses Buch kann zwar kein allgemein gültiges Rezept liefern, aber man bekommt Denkansätze, für die sich auch die Politik interessieren könnte.