Sommer im Tessin
Was wir scheinenIm Sommer 1975 reist die Publizistin Hannah Arendt in die Schweiz. Sie hat vor einiger Zeit einen Herzinfarkt überstanden und will nun einen mehrwöchigen Urlaub an einem ihrer Lieblingsorte verbringen. ...
Im Sommer 1975 reist die Publizistin Hannah Arendt in die Schweiz. Sie hat vor einiger Zeit einen Herzinfarkt überstanden und will nun einen mehrwöchigen Urlaub an einem ihrer Lieblingsorte verbringen. Sie freut sich über die Ruhe. Ihren Mann Heinrich, der vor einigen Jahren verstorben ist, vermisst sie immer noch. Doch sie blickt auch zuversichtlich in die Zukunft. Natürlich ist sie schon Ende Sechzig, doch das muss ja nichts heißen. Während des Aufenthaltes lässt sie die Erinnerungen in sich aufsteigen. Die erste Zeit in Amerika, zum Glück sind sie den Nazis entkommen. Ihr Austausch mit Personen, die ihr teure waren. Der Eichmann-Report und die Reaktionen darauf.
Eine beeindruckende Persönlichkeit reflektiert hier zu ihrem Leben, das in der Rückschau als wirklich außergewöhnlich bezeichnet werden kann. Eine Frau, der das Denken wichtig ist, eine Frau, die Denken kann. Sie konnte studieren und promovieren. Mit ihrem Doktorvater hielt sie Kontakt. Sie führte eine glückliche Ehe. Sie veröffentliche ihre Gedanken und Gedichte, Werke, die noch immer Beachtung finden. Ihr Bericht zu dem Eichmann-Prozess, der ein kontroverses Echo auslöste, auch von Seiten, von denen sie es nicht so erwartet hätte. Und immer wieder die entspannende Urlaubsatmosphäre an einem Ort, an den sie immer wieder zurückgekehrt ist.
Wenn man immer schon mal mehr über diese außerordentliche Persönlichkeit wissen wollte, sich aber noch nicht an ihre Werken herantraut, dann könnte dieser Roman, der Teile ihres Lebens ein toller Einstieg sein. Leben und Werk werden auf ansprechende Art und Weise dargestellt. Die Person Hannah Arendt wird einem nahegebracht. Ihre Verhaftetheit im Denken, das genaue Durchdenken der Fragen, die sich ihr Stellen, aber auch ihr persönliches Leben in ihrer Ehe oder auch im Austausch mit Freunden und Weggefährten. Sie ging der Kontroverse nicht aus dem Weg und suchte doch ihre Gedanken zu erklären. Dieser Roman bietet eine beeindruckenden Überblick in das Leben von Hannah Arendt.