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Veröffentlicht am 24.04.2020

Sanftes Ruhekissen

Marta schläft
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Eigentlich waren Nadja und Laura Freundinnen, doch in den letzten Jahren hatten sie nicht mehr so viel miteinander zu tun. Dennoch eilt Nadja zu ihrer Freundin als diese sie verzweifelt um Hilfe bittet. ...

Eigentlich waren Nadja und Laura Freundinnen, doch in den letzten Jahren hatten sie nicht mehr so viel miteinander zu tun. Dennoch eilt Nadja zu ihrer Freundin als diese sie verzweifelt um Hilfe bittet. Der Anblick, der sich Nadja bietet, jagt ihr einen Schauder über den Rücken. Es ist jemand zu Tode gekommen. Und mit dem Tod hatte Nadja schon eine Begegnung, die ihre ganze Jugend geprägt hat. Die Folgen hat sie bis heute nicht richtig überwunden. Ihrer Freundin aber will sie helfen und sie erklärt sich bereit, den Toten verschwinden zu lassen.

Wer wird bei diesem geschickt inszenierten Verwirrspiel die Oberhand behalten? Nadja ist sich ihrer selbst nicht sicher und manchmal weiß sie nicht, ob sie ihren Erinnerungen trauen kann. Trotzdem zögert sie keine Sekunde, um an Lauras Seite zu eilen. Doch die Lage, die sie vorfindet, ist unklar. Warum ist da überhaupt jemand tot. Wenn Nadja ehrlich ist, führt Laura das Leben, nach dem sie sich insgeheim sehnt, für dass sie sich aber nicht bereit fühlt. Das kann doch nicht zerstört werden. Kann es überhaupt gelingen, heil aus der Situation herauszukommen? Die beiden Frauen schmieden einen gewagten Plan.

Das ist mal ein Thriller, den man in einem Rutsch durchlesen kann. Dabei ist Nadjas Persönlichkeit durchaus faszinierend und facettenreich, während Laura eher blass wirkt. Nadjas Trauma wirkt sehr authentisch, man kann gut nachvollziehen, dass sie mit den Ereignissen ihrer Jugend nie abschließen konnte. Vielleicht geben ihr die aktuellen Ereignisse genau den Anstoß, den sie gebraucht hat. Allerdings muss sie dann aus der Zwickmühle herauskommen. Ob ihr das gelingt, ist ausgesprochen spannend zu verfolgen. Positiv ist zu vermerken, dass die Autorin ihrem Stil treu bleibt, aber es dennoch schafft, eine neue Geschichte zu schreiben. Nach dem hervorragend aufgenommenen Erstling „Liebes Kind“, kann auch dieses zweite Werk mit einer dicken Leseempfehlung versehen werden. Zweite Bücher müssen sich immer wieder an ersten messen lassen und hier braucht der zweite den Vergleich nicht zu scheuen.

Veröffentlicht am 23.04.2020

Der Besucher

Die Patientin
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Der 4jährige Silas kennt seine Mutter nur schlafend in einem Krankenhausbett liegend. Bei seiner Geburt ist sie ins Koma gefallen. Sein Patenonkel, der blinde Nathaniel, besucht sie gemeinsam mit ihm regelmäßig. ...

Der 4jährige Silas kennt seine Mutter nur schlafend in einem Krankenhausbett liegend. Bei seiner Geburt ist sie ins Koma gefallen. Sein Patenonkel, der blinde Nathaniel, besucht sie gemeinsam mit ihm regelmäßig. Vielleicht besteht doch ein Fünkchen Hoffnung. Eines Tages liegt eine Fremde in dem Bett. Nathaniel erhält die Auskunft, Carole sei verstorben, es sei allerdings nicht bekannt, wo sie begraben ist. Da kann doch irgendetwas nicht stimmen, sie leben schließlich in der Schweiz und da gehen Tote nicht einfach verloren. Nathaniel informiert seine Freundin die Journalistin Milla Nova, die ist allerdings noch an einer anderen Sache dran.

Milla Nova und Nathaniel sind auch bei ihren zweiten Auftritt ein cooles Team, obwohl sie nicht mal ein richtiges Team sind. Durch seine Behinderung ist er schon etwas eingeschränkt, lässt sich aber nicht unterkriegen und gemeinsam mit seiner Blindenhündin Alisha schafft er beinahe alles, was er sich vornimmt. Milla schreibt gerade an einem Artikel über psychoaktive Pilze und lernt dabei ein paar interessante Menschen kennen. Doch auch Nathaniels Anliegen beschäftigt sie. Millas Freund der Polizist Sandro bekommt es mit einem Todesfall zu tun, der zunächst als Selbstmord durchgehen könnte. Doch die Rechtsmedizinerin ist misstrauisch.

Man wünscht sich mal einen Fall, in dem Milla und Nathaniel richtig eng zusammenarbeiten. Doch auch so und zusammen mit der polizeilichen Ermittlung ergibt sich ein spannendes Bild, Was geschah mit den Komapatienten? Und gibt es doch etwas wie das ewige Leben? Die vielen Ansätze scheinen alle zusammenzuhängen. Natürlich ist lange nicht klar, was der wahre Hintergrund ist. Millas leicht chaotische Art und wie sie manchmal auf Abwege gerät, bildet dabei eine humorvolle Variante. Die angerissenen Themen sind informativ aufbereitet und passen in ihrer Unterschiedlichkeit doch gut zusammen. Zwar fragt man sich manchmal, wie weit die Wissenschaft tatsächlich ist. Man bleibt während der Lektüre des ganzen Buches gefesselt, denn Milla und Nathaniel sind echt ein tolles Team.

Veröffentlicht am 20.04.2020

Der Aussteiger

Jenseits
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Seit Jahren ist Gent Sassenthin nicht mehr er selbst, den Selbstmord seiner Zwillingsschwester konnte er nicht ertragen. Die besorgten Eltern fanden keinen Zugang mehr zu ihm. Nach einem Besäufnis lernte ...

Seit Jahren ist Gent Sassenthin nicht mehr er selbst, den Selbstmord seiner Zwillingsschwester konnte er nicht ertragen. Die besorgten Eltern fanden keinen Zugang mehr zu ihm. Nach einem Besäufnis lernte Gent Abu Karim kennen, der ihm den Islam nahebringt. Schließlich konvertiert Gent und verschwindet zum IS. Dort ist er später als Arzt bekannt. Titus Brandt, ein Sozialarbeiter, der Aussteiger betreut, kümmert sich auch um Gents Eltern. Als Gents Mutter eine seltsame email erhält, ist er sehr aufgeregt. Sollte das ein Zeichen sein, dass Gent gewillt ist, auszusteigen. Es ist das erste Lebenszeichen des jungen Mannes seit langer Zeit.

Sozialarbeiter, Eltern, Geheimdienste, Journalisten und europäische IS-Kämpfer. Wie kann das alles zusammenpassen? Wie kann ein junger Mensch da rein geraten? Natürlich muss es besonders schlimm sein, wenn die Zwillingsschwester sich umbringt, wenn alles seinen Sinn verliert, das Studium keinen Nutzen hat. Aber wieso kann dann einer daherkommen und etwas als erstrebenswert hinstellen und wieso ist ein anderer dann so unreflektiert, dass er einfach überläuft. Möglicherweise ist es schwierig dafür echtes Verständnis aufzubringen. Eher schon dafür, dass jemand feststellt, dass Töten wohl doch nicht das Richtige ist. Doch kann man so einem glauben, dass er aussteigen will.

Die Gier der Journalisten nach der Story, das Schweigen des Sozialarbeiters und die Beamtenseelen der Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, die Schläue der IS Oberen. Daraus formt sich eine Geschichte, die sehr spannend ist, die in Teilbereichen allerdings fremd bleibt und die in den Bereichen, die verständlich sind, durch das Versagen derer geprägt,von denen man eigentlich mehr Durchblick erhofft hätte. So eine Welt mag man sich kaum vorstellen, es ist sehr ernüchternd allerdings auch glaubwürdig. Es ist nicht schön, aber so könnte es laufen. Auch wenn nicht jeder Teil der Handlung wirklich durchschaubar erscheint und einige Passagen sogar Widerwillen auslösen, so ist man doch gefesselt von der Darstellung einer sehr fremden Welt.

Veröffentlicht am 19.04.2020

Die Suche

Power
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Power, der Hund von Hitschke, ist verschwunden. Hitschke, die zu den älteren Bewohnern des Dorfes gehört, ist untröstlich. Das kann die 11jährige Kerze nicht mit ansehen. Sie verspricht der Nachbarin, ...

Power, der Hund von Hitschke, ist verschwunden. Hitschke, die zu den älteren Bewohnern des Dorfes gehört, ist untröstlich. Das kann die 11jährige Kerze nicht mit ansehen. Sie verspricht der Nachbarin, den Hund zu suchen und nicht aufzugeben bis sie ihn gefunden hat. Es ist Ferienzeit und was kann in den Ferien besser sein, als eine so ehrenvolle Aufgabe zu haben. Nach und nach beteiligen sich immer mehr der Dorfkinder an der Suche. Doch Hitschke hat Kerze nicht alles erzählt. Und als die Kinder sich immer mehr in die Suche hineinsteigern, droht die Situation zu entgleisen.

Dieses Hörbuch wird von der Autorin selbst gelesen und ihre Stimme passt sehr gut zum Buch. Bei der Hauptprotagonistin handelt es sich um die 11jährige Kerze, die ihren Spitznamen von der Oma hat. Sie ist zwar erst 11 Jahre, aber sie weiß schon einiges besser als die Erwachsenen und sie lässt sich nicht mehr alles sagen. Ihr ist die Suche nach dem Hund so wichtig, dass sie die anderen Kinder dazu verführen kann, sich ganz in Power hineinzuversetzen. Der Gedanke, dass die Eltern sauer auf Hitschke werden könnten, die das Ganze vermeintlich angezettelt hat, kommt Kerze allerdings nicht. Dafür ist sie dann doch noch zu jung.

Der Beginn dieses (Hör)Buches ist ganz hinreißend. Es kommt sehr gut rüber, wie Kerze der Nachbarin helfen will den Hund zu finden. Doch je weiter es geht, desto mehr fragt man sich, wieso Kerze doch auf einige sehr eigene Ideen kommt, wieso die anderen Kinder mitmachen, wieso die Eltern nicht eingreifen und wieso dann der Einfachheit halber die Schuld Hitschke in die Schuhe geschoben wird. Aus der sympathischen Detektivin vom Beginn wird eine herrische Anführerin. Aus der netten Nachbarin, die allerdings auch hätte ehrlicher sein können, wird der Sündenbock, aus normalen Eltern werden Rächer. Aus einem kleinen Dorf wird ein sehr eigenartiger Ort, der nicht sehr einladend wirkt. Und so löst das Buch zwar Einiges aus, lenkt ab, stellt aber nicht sonderlich zufrieden. Sicher braucht man keine ideale Welt, kein Märchen, aber so einen Ausraster braucht man auch nicht.

Veröffentlicht am 16.04.2020

Der Staatsanwalt

Bei aller Liebe
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Auf Sizilien wird der deutsche Staatsanwalt Gregor Kampmann ermordet aufgefunden. Pikanterweise ausgerechnet auf dem Transenstrich. Die sizilianische Staatsanwältin Serena Vitale hat eigentlich genug andere ...

Auf Sizilien wird der deutsche Staatsanwalt Gregor Kampmann ermordet aufgefunden. Pikanterweise ausgerechnet auf dem Transenstrich. Die sizilianische Staatsanwältin Serena Vitale hat eigentlich genug andere Fälle. Deshalb lässt sie ihren Kollegen Jerry abblitzen als er sie bittet, den Fall zu übernehmen. Sie ist mit Schlepperbanden beschäftigt, denen sie das Handwerk legen will. Genauso wie sie die Machenschaften der Mafia bekämpft, obwohl hier die Ermittlungen häufig im Sande verlaufen. Sollte der Tod des Deutschen vielleicht doch etwas mit der Mafia zu tun haben? So ganz aus den Augen lassen wird sie den Fall nicht.

Die Staatsanwältin Serena Vitale feiert mit diesem Roman ihren dritten Auftritt, wobei zum Verständnis des Falls die Kenntnis der Vorbände nicht notwendig ist. In Deutschland ist der Journalist Wolfgang W. Wieneke auch mit Fall befasst, der auf die Mafia hinzudeuten scheint. Allerdings ist es nicht so leicht für ihn voranzukommen. Ihm als Freiberufler muss ein Artikel erstmal abgenommen werden. Und bei der Presse laufen Mafia-Geschichten im Moment offensichtlich nicht. Auf Sizilien reibt sich Serena Vitale dagegen mehr an ihren Kollegen auf, die von der Mafia ebenfalls nicht viel wissen wollen. Der Fall des toten Staatsanwalts wurde doch allzu schnell zu den Akten gelegt.

Die Verwicklungen zwischen der Verwaltung, dem Staat und der Mafia, sollte es eigentlich nicht geben, sie sind aber da. Serena Vitale, die in Deutschland aufgewachsen ist, setzt sich sehr dafür ein, dass die Mafia bekämpft wird. Manchmal scheint sie allerdings gegen Windmühlen anzurennen. Doch auch in Deutschland, wo man doch eigentlich meint, da gibt es sowas nicht, hat die Mafia in mehr Bereichen die Hände im Spiel als man meint. Und so eignet es sich, die Sache von beiden Seiten anzugreifen. Getrennt ermitteln und vereint schlagen, so könnte man das Zusammenwirken zwischen Serena und Wolfgang beschreiben. Auch wenn es etwas ernüchternd ist, davon zu lesen wie weit die Tentakeln des Verbrechens in die Staaten reichen und der Roman sehr realistisch beschreibt, wie einige mitunter doch zu leicht davon kommen, so denkt man trotzdem, der Kampf darf nicht aufgegeben werden. Vielleicht gibt es irgendwann doch einen Erfolgt. Dieser ruhige Kriminalroman lässt tiefe Einblicke in die Verbrechen der Mafia zu.