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Veröffentlicht am 21.06.2025

Familie forever

Nacht der Verräter
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Nachdem bei einem Einsatz eine Kollegin des Polizisten Max Bauer getötet und er selbst schwer verletzt wurde, kann er keinen Streifendienst mehr erledigen. Seit seiner relativen Genesung arbeitet Max im ...

Nachdem bei einem Einsatz eine Kollegin des Polizisten Max Bauer getötet und er selbst schwer verletzt wurde, kann er keinen Streifendienst mehr erledigen. Seit seiner relativen Genesung arbeitet Max im Innendienst. Eine große Hilfe ist ihm seine Frau Julia. Sie hat ihre Tochter Emilia mit in die Ehe gebracht. Die Brüder von Max sind Julia etwas suspekt, dennoch erklärt sie sich bereit, zu einer Party mitzukommen. Im Laufe der Feier verschwindet Julia spurlos. Max ist verzweifelt. Welchen Grund kann Julia für ihr Handeln gehabt haben? Sofort macht sich Max auf die Suche. Als Polizist weiß er, dass jede Minute zählt.

Aus dem Kosmos der Düsseldorfer Polizei findet man hier einen Fall, der sich ganz anders entwickelt als gedacht. Natürlich bedeutet es nichts Gutes, wenn ein Mensch einfach so verschwindet. Freiwillig wird Julia nicht gegangen sein. Nie hätte sie ihre Tochter zurückgelassen. Max steht vor einem Rätsel. Sie waren doch glücklich. Auch die Kollegen können nicht viel helfen. Schließlich ist Julia erwachsen und kann selbst bestimmen, wo sie sein will. So schnell wird dann keine Vermisstenanzeige aufgenommen. Auch ist gerade ein Mord geschehen, der die Ressourcen der Kollegen bindet. Verständlich. Erschreckend für Max, er kannte das Opfer.

Es handelt sich nicht um einen Politthriller wie man sie von dem Autor kennt. Eher findet man einen rasant geschriebenes Rätsel, bei dem vieles hinterher anders ist als man vorher gedacht hat. Durch die meist relativ kurzen Kapitel bekommt die Handlung noch mehr Tempo als sie sowieso schon hat. Man lernt Max’ Familie aus ganz verschiedenen Blickwinkeln kennen und staunt manchmal nicht schlecht. Vielleicht schüttelt sich der Autor manchmal einfach was aus dem Ärmel. Das hat nicht die Tiefe der Politthriller, mit denen er aktuelle Themen aufgreift, doch man ist gut unterhalten, fällt hin und wieder vom Glauben ab und merkt garnicht wie die Zeit vergeht.

Veröffentlicht am 21.06.2025

Besser?

Kein Teil der Welt
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Esther ist noch klein als Lidia und ihre Tochter Sulamith in die Gemeinschaft kommen. Die beiden Mädchen verstehen sich sofort gut. In der Schule merken sie zwar, dass sie in der Gemeinschaft der Zeugen ...

Esther ist noch klein als Lidia und ihre Tochter Sulamith in die Gemeinschaft kommen. Die beiden Mädchen verstehen sich sofort gut. In der Schule merken sie zwar, dass sie in der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas einiges anders machen, aber das macht ihnen nichts aus. Sie haben ja sich. Auch als Jugendliche gilt das noch. Jedenfalls bis Sulamith anfängt über das System nachzudenken und den jungen Daniel kennenlernt. Sulamith beginnt immer mehr Fragen zu stellen, die die Gemeinschaft nicht beantworten kann oder auch nicht beantworten will. Und wegen Daniel kommt sich Esther manchmal vor wie das fünfte Rad am Wagen.

Eine Welt, in die Außenstehende nur wenig Einblick haben. Eine abgeschiedene Gemeinschaft, die diejenigen verstößt, die über den Tellerrand hinausblicken wollen. Was macht es mit denen, wenn ein Gemeindemitglied es wagt, selbst zu denken und die Glaubenssätze in Zweifel zu ziehen? Ein Geschiebe und Gezerre beginnt. Eine Zeit in der es auch für Esther nicht leicht ist. Sie will, dass ihre Freundin bleibt, sie will aber auch, dass es ihrer Freundin gut geht. Und irgendwann kurz nach der Grenzöffnung landet Esther mit ihren Eltern in der ehemaligen Heimat ihres Vaters, wo eine neue Gemeinde aufgebaut werden soll.

Gerade zu Beginn dieses Romans fühlt man sich doch ein wenig fremd. Mit den Ritualen, Gebräuchen oder Lehrsätzen dieser Wachturm-Gesellschaft hat man sich noch nicht befasst und hat es auch nicht vor. Dennoch ist das Buch interessant, weil es zum einen einen gewissen Einblick gibt und auch an den inneren Kämpfen besonders von Sulamith, aber auch Esther teilhaben lässt als diese beginnen zu zweifeln. Wie die Gemeindemitglieder, zu denen ja auch die Eltern gehören, doch sehr intensiv darauf bestehen, dass von der Welt nichts Gutes ausgeht. Es stößt einen schon ab, auch wenn man versteht, dass die Eltern ihre Kinder bei sich behalten wollen. Bleiben Kinder aber nicht eher, wenn man sie gehen lässt? Das scheint etwas zu sein, was diese allzu engen Gemeinschaften nicht sehen wollen. Da bleibt man doch lieber in dieser Welt und sagt sich, gut den Roman gelesen zu haben.

Veröffentlicht am 19.06.2025

Das Messer

Die feindliche Zeugin
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In einem Londoner Park wird ein weißer Krankenpfleger erstochen. Mehre Mensch geben an, die Tat beobachtet zu haben. Der junge Schwarze Emmett Hamilton wird an der Seite des Opfers buchstäblich mit blutigen ...

In einem Londoner Park wird ein weißer Krankenpfleger erstochen. Mehre Mensch geben an, die Tat beobachtet zu haben. Der junge Schwarze Emmett Hamilton wird an der Seite des Opfers buchstäblich mit blutigen Händen aufgegriffen und verhaftet. Die junge Anwältin Rosa Higgins bekommt von dem Solicitor Craig Rowlins den Auftrag, den jungen Mann zu vertreten. Wenn Rosa denkt, weil sie selbst schwarz ist, würde sie schnell einen Zugang zu ihrem Mandanten finden, hat sie sich allerdings getäuscht. Außer der Beteuerung, er habe die Tat nicht begangen, sagt Emmett nicht viel. Und viele Indizien sprechen gegen ihn.

Wird das System einen fairen Prozess erlauben? Wird ein Weißer umgebracht und ein Schwarzer neben ihm aufgefunden, kommt dann unweigerlich der Gedanke auf, das muss der Mörder sein? Man bekommt fast den Eindruck. Wenn es dann auch noch Zeugen gibt, scheint die Sache gelaufen. Emmett wird angeklagt und in Untersuchungshaft genommen. Er bleibt jedoch bei seiner Aussage, dass er kein Mörder ist. Rosa hat es mit der Verteidigung nicht ganz leicht. Obwohl Emmett eher schweigsam ist, glaubt sie ihm, dass er keinen Menschen töten würde. Sie macht sich deshalb auf den Weg, mehr über die Ereignisse an dem fraglichen Tag herauszufinden.

Die Autorin ist selbst Juristin und Anwältin, sie weiß dementsprechend, wovon sie schreibt. Ihre Sachkenntnis sticht aus ihren Worten hervor. Die Anwältin Rosa kommt selbst aus einfachen Verhältnissen, sie kann sich in Emmett hineinführen. Als Leser fällt einem das etwas schwerer. Dennoch erkennt man, dass es Vorverurteilungen gibt und nach und nach verspürt man den Wunsch, Rosa möge etwas finden, womit sie Emmett helfen kann. Immer größer wird auch die Spannung, schließlich läuft das Verfahren und die Zeit für Emmett wird knapp. Neben ihrer Tätigkeit als Anwältin ist Rosa Mercedes Higgins auch Tochter, Enkelin und Schwester. Dieser private Rahmen macht sie authentisch und sympathisch. Man selbst zweifelt manchmal an der Gerechtigkeit im Rechtssystem, doch die Hoffnung, dass es Gerechtigkeit geben kann, versiegt nie ganz.

Beim Anblick des Covers bekommt man sowohl einen guten Eindruck von der britischen Welt der Gerichte als auch eine kleine Vorstellung von der Anwältin Rosa.

Veröffentlicht am 17.06.2025

Sweetie

Strandgut
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Ach, du ahnst es nicht. Bucky Bronco, um die siebzig Jahre, seit einem Jahr Witwer, lebt in der Nähe von Chicago. In seiner Jugend hat er ein paar Soul-Songs geschrieben und aufgenommen. Er träumte von ...

Ach, du ahnst es nicht. Bucky Bronco, um die siebzig Jahre, seit einem Jahr Witwer, lebt in der Nähe von Chicago. In seiner Jugend hat er ein paar Soul-Songs geschrieben und aufgenommen. Er träumte von einer Karriere als Musiker, doch das Leben kam dazwischen und seine Musik ist längst vergessen. Doch dann kommt eine Einladung zu einem Soul-Festival nach England. Das ist ganz schön weit weg und Bucky ist sich auch nicht sicher, ob er einen Auftritt überhaupt schaffen würde nach all der Zeit. Es gibt aber sogar eine Gage und den Flug und das Hotel. Verlockend.

Damit rechnet man im Alter nicht mehr, dass auf einmal fremde Leute Interesse an einem haben. Eigentlich hat Bucky mit allem abgeschlossen, seine geliebte Frau ist tot, es schmerzt an allen Ecken und Enden. Am liebsten möchte er sich nur betäuben. Und dann haben diese Leute in England seine Songs über die Jahre immer noch und immer wieder gehört, Donnerwetter. So ganz wohl fühlt er sich bei der Ankunft in Scarborough nicht. Dinah gegenüber, die ihn abholt und dabei begeistert berichtet, wie viel seine Songs ihr bedeuten, versucht er das zu überspielen. Ob ihm das gelingt?

Bei dem Meerblick, den das farblich schön gestaltete Cover des Romans bietet, kann man sich die Aussicht aus Buckys Hotelfenster gut vorstellen, vielleicht sogar in der Morgendämmerung.

Irgendwie ist dieser Roman einfach schön. Er zeigt, dass das Leben in gewissem Alter nicht einfach vorbei ist. Manchmal kommt ganz unverhofft ein neuer Impuls, durch den man einen anderen Blick bekommt und sich vieles ändern kann. Insbesondere auch die eigene Einstellung. Auch wie Jüngere und Ältere sich gut verstehen können und der Altersunterschied nicht viel ausmacht. Dabei gilt das nicht nur für Bucky, der wirklich nochmal durchatmet und überlegen kann, ob er die Änderung akzeptiert oder nicht. Auch ein paar weitere Personen zeigen sich bereit, noch etwas zu ändern. Ein kleines Manko, neugierig gemacht auf die Musik, muss man bei vereinzelten Versuchen feststellen, dass diese nicht ohne Weiteres zu finden ist. Es wäre ein kleines i-Tüpfelchen gewesen. Dennoch stimmt dieser vielschichtige Roman beim Lesen sowohl mit Inhalt als auch mit seiner Sprache froh.

Veröffentlicht am 15.06.2025

Die Privatdetektivin

Vermisst - Der Fall Emily
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Nachdem sie aus dem Polizeidienst ausgestiegen ist, wartet Malou Löwenberg auf ihren ersten Fall. Sie will sich auf Vermisstenfälle konzentrieren. Eine erste Mandantin ist Vera König, die schon seit Jahren ...

Nachdem sie aus dem Polizeidienst ausgestiegen ist, wartet Malou Löwenberg auf ihren ersten Fall. Sie will sich auf Vermisstenfälle konzentrieren. Eine erste Mandantin ist Vera König, die schon seit Jahren nach ihrer Tochter sucht. Die damals vierjährige Emily wurde von einem Spielplatz entführt. So richtig kann sich Vera nicht erinnern, was passiert ist. Aber sie hat nach ihrem Kind gesucht und ist fast sofort zur Polizei gegangen, um das Fehlen ihrer kleinen Emily zu melden. Das ist nun schon ungefähr vier Jahre her, doch Vera ist sich sicher, ihre Tochter lebt noch. Manchmal kann es vorkommen, dass kleine Details übersehen werden und genau die will Malou finden.

Malou Löwenberg kümmert sich hier um ihren zweiten Cold Case und zum ersten Mal in ihrer neuen Funktion als selbstständige Privatdetektivin. Gibt es überhaupt so viele Fälle? Schließlich müssen ihre Kunden auf sie zukommen Zumindest ihre zweite Kunden Vera König mit ihrer Überzeugung, dass ihre Tochter noch lebt, scheint genau die Fragen zu haben, die Malou gerne beantworten möchte. Erste Spuren führen zum Vater des Kindes nach Frankreich. Dieser verhält sich allerdings sehr abweisend. Trauert er nicht um seine kleine Tochter? Malou stellt fest, dass doch mehr Kinder verschwinden als sie gedacht hat.

Wer die Bücher der Autorin kennt, kennt die kreative und energische Ermittlerin Malou Löwenberg bereits. Hier nun geht sie eigene Wege, ohne ihre alten Verbindungen komplett aufzugeben. Das gibt der Handlung gleich etwas Vertrautes. Das Verschwinden von Emily entwickelt sich zu einem unheimlichen Fall, der Malou durch einige Länger Europas führt. Es ergeben sich mögliche Zusammenhänge, auf die man nie kommen würde. Es ist hart, wie Menschen mitunter mit Menschen umgehen. Für ein unegales bedarf es nicht unbedingt eines Verbrechens. Liebenswert sind die Schilderungen von Malous Umgang mit ihrem Ziehvater, den sie inzwischen in einem Heim unterbringen musste. Überhaupt handelt es sich bei Malou um eine vielschichtige Persönlichkeit, über die man mehr erfahren möchte.