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Veröffentlicht am 09.02.2026

Erwünschte Mädchen

Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen
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Im Midwatch-Institut für Waisen, Ausreißerinnen und unerwünschte Mädchen angekommen, staunt Maggie Fishbone gar nicht schlecht. Hier ist sie nicht unerwünscht, sondern willkommen. Sie bekommt die Gelegenheit, ...

Im Midwatch-Institut für Waisen, Ausreißerinnen und unerwünschte Mädchen angekommen, staunt Maggie Fishbone gar nicht schlecht. Hier ist sie nicht unerwünscht, sondern willkommen. Sie bekommt die Gelegenheit, etwas zu lernen und die Talente und Fähigkeiten der Mädchen werden gefördert. Schnell findet Maggie heraus, dass die älteren Mitschülerinnen besondere Aufgaben übernehmen. Und sie selbst hat ein kleines Püppchen erhalten, das ihr in heiklen Situationen helfen kann. Maggie ist schon gespannt, wann sie die Puppe zum ersten Mal einsetzen kann. Als in der Stadt ein Monster auftaucht, erfahren Maggie und ihre Freundinnen, dass die Mädchen mitunter dabei helfen, Kriminalfälle zu lösen oder auch Monster zu fangen.

Sie sind irgendwie nicht gewollt, bis sie ans Midwatch-Institute kommen. Auch da sind sie erstmal vorsichtig. Doch zum Glück erfahren sie schnell, dass sie an dieser Schule doch sehr erwünscht sind. Die Mädchen können sogar ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten. Mit Feuereifer beginnen sie an ihren nützlichen Fähigkeiten zu feilen. Sie suchen den Klassenraum für Verstecken, sie lernen das Morsealphabet oder auch wie man Schlösser knackt. Das wirkt zwar erst etwas seltsam, aber bald stellt sich heraus, dass in der Stadt noch seltsamere Dinge vor sich gehen. Zum Beispiel ist eine Bekannte eines Lehrers verschwunden.

Dieser Roman ist für Kinder ab zehn Jahren gedacht und das wird auch als angemessen empfunden. Auch für Erwachsene bietet das Buch gute Unterhaltung, das es kindgerecht ist, gehört bei einem Kinderbuch eben dazu. Es ist schön zu erfahren, dass Mädchen an dieser Schule erwünscht sind, dass sie gefördert und gemocht werden. Klasse, wie erfindungsreich die Mädchen sind und auch wie sie herausfinden, dass sie was können. Manchmal sind gerade die Kleinen ganz schön schlau und das beweisen sie hier. Die Gruppe von Mädchen, aus denen schnell Freundinnen geworden sind, ergänzt sich sehr gut. Da ist mal Eine, die eher handwerklich begabt ist, oder eine, die durch ihr großes Wissen auffällt. So hat jedes der Mädchen etwas Besonderes. Man denkt sich, dass das Selbstbewusstsein von jungen Mädchen durch die Lektüre solcher Bücher gestärkt werden könnte. Sie haben etwas drauf und nicht so schnell Angst haben. Was sie alleine nicht schaffen, können sie gemeinsam anpacken. Aus der Art einiger Sätze könnte man auf den Gedanken kommen, es könnte sich um den Start einer Reihe handeln, dafür war allerdings bisher kein weiterer Hinweis zu finden. Eigentlich ist das bei den sympathischen Protagonistinnen etwas schade.

Sehr schön vorgelesen wird dieses Hörbuch für Kinder von Merete Brettschneider und Maria Hartmann. Bei erwachsenen Hörern ist es mit der Aufmerksamkeit manchmal nicht so weit her. Man merkt daher vielleicht erst ein wenig später, dass zwei unterschiedliche Leserinnen ihre Kunst verteilen. Wenn man dann das wieso versteht, ist es ein zusätzliches Plus.

Veröffentlicht am 06.02.2026

Dicke Freunde

Sommer auf Perigo Island
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Auf Perigo Island vor der Kanadischen Atlantikküste leben die Freunde Pierce, Bennie und Thomas. Noch können die zwölfjährigen Jungen auf de Insel zur Schulde gehen. Allerdings müssen sie bald zur weiterführende ...

Auf Perigo Island vor der Kanadischen Atlantikküste leben die Freunde Pierce, Bennie und Thomas. Noch können die zwölfjährigen Jungen auf de Insel zur Schulde gehen. Allerdings müssen sie bald zur weiterführende Schule auf dem Festland. Aber in diesem Sommer wollen sie mit dem Zungenschneiden Geld verdienen. Davon will Pierce das Boot seines verstorbenen Vaters reparieren. Auch Bennies Cousine Emily ist in diesem Sommer mit dabei. Es könnte eine herrlich unbeschwerte Zeit werden, jedoch macht sich der ganze Ort Sorgen um Anna Tessier, die seit einigen Tagen spurlos verschwunden ist. Pierce ist sicher, dass sie noch auf der Insel ist.

Das Leben der Fischerfamilien auf Perigo Island ist Anfang der 1990er alles andere als einfach. Die Fischbestände gehen zurück und damit sinken auch die Fangerträge der Fischer. Nach des Vaters Tod ist es für Pierce` Mutter sehr schwer, ihre kleine Familie zu ernähren. Die Fischfabrik streicht immer häufiger die Schichten und der Nebenjob auf dem Festland bringt auch nicht so viel. Pierce will aber unbedingt in die Fußstapfen seines Vaters treten, den er auch drei Jahre nach seinem Tod noch sehr vermisst. Und jetzt ist Anna verschwunden, die Pierce mit ihrer besonders einfühlsamen Art getröstet hat. Es muss etwas passiert sein und Pierce hat auch einen Verdacht.

Dieser Debütroman entführt einen auf eine kanadische Insel, die ein besonderes Flair hat. Anfang der 1990er wirkt sie noch ursprünglich. Allerdings zeigen sich schon die Auswirkungen der Ausbeutung der Fischgründe. Man spürt, dass sich Veränderungen anbahnen. Ein Junge wie Pierce an der Grenze zur Pubertät will das natürlich nicht wahrhaben, zu schwer wiegt der Verlust seines Vaters. In diesem Sommer bahnen sich Änderungen an. Vielleicht auch durch Emilys Besuch. Die Freunde merken, dass etwas anders ist und bleiben doch noch Freunde. Die Lektüre weckt Erinnerungen an die eigene Jugend, an eine Zeit der Veränderungen. Vielleicht war es nicht ganz so dramatisch wie in diesem Sommer für Pierce. Dennoch kann man sich gut in die Zeit hineinversetzten. Diese Freiheit der späten Kindheit, die nie wieder kommt. Dieser schöne stimmungsvolle Roman bekommt eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 02.02.2026

Eine Mutter

Vergiss mich
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Könnte es doch nur wieder so sein wie früher. Die Kinder, seine Mutter, sein Vater, sie waren mal eine glückliche Familie. Doch irgendwann fing es an, der Blick. War es als seine Mutter auf dem Weg zum ...

Könnte es doch nur wieder so sein wie früher. Die Kinder, seine Mutter, sein Vater, sie waren mal eine glückliche Familie. Doch irgendwann fing es an, der Blick. War es als seine Mutter auf dem Weg zum Ferienhaus einfach vorbeigefahren ist, ohne ihn wahrzunehmen? Schon während ihrer Kindheit müssen Alex und seine Brüder auf Zehenspitzen um die Mutter herumtanzen. Ihre Wünsche müssen sie vorherahnen, ihre Launen aushalten. Jahr für Jahr wird es schlimmer. Die Söhne werden erwachsen und selber Väter. Gleichzeitig bleiben sie Kinder ihrer Mutter. Es ist schwierig eine Balance zu finden, einen Unterschied zwischen der Mutter und der Trinkerin.

Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist mitunter eh nicht einfach. Noch schwieriger wird es, wenn auf einer Seite eine Suchtproblematik hinzukommt. Lisette, die Mutter von Alex, trinkt schon seit langen Jahren. Ihre Söhne befürchten, dass sie sich bald zu Tode trinkt. Erst da, als sie wirklich Angst um ihre Mutter haben, sprechen sie das Thema ihrer Trinksucht an. Lässt sie sich überzeugen, dass ihr nur noch ein Entzug helfen kann? Weiß sie überhaupt, was sie ihren Söhnen angetan hat? Kann sie es schaffen, vom Alkohol loszukommen, nachdem sie so lange getrunken hat?

Fabian Busch liest dieses Hörbuch. Dabei schafft er es mit seiner Stimme, die Emotionen der handelnden Personen so darzustellen, dass man sie beinahe am eigenen Leibe spürt. Man fühlt einen Widerwillen gegen die Mutter und bekommt doch auch Verständnis für sie. Vielleicht wurde sie in ihrer eigenen Familie so geprägt, dass sie kaum eine andere Chance hatte. Man glaubt ihr, dass sie es versucht hat. Man fühlt auch mit dem Erzähler Alex, der seine Mutter immer mit Samthandschuhen anfasst. Als ob er seine Schultern einzieht, so wirkt es manchmal. Bis seine Mutter in ihrer betrunkenen Achtlosigkeit zu weit geht. Es ist einfach schwer. Und doch schafft es der Autor, seinen Charakteren mit einem liebenden Blick zu begegnen und den Leserinnen und Lesern ein positives Gefühl zu geben.

Veröffentlicht am 01.02.2026

Drachenreiter

Murtagh – Eine dunkle Bedrohung
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Murtagh und sein Drache Thorn wissen nicht so richtig, wo sie hingehören. Im Geheimen begeben sie sich auf eine vage Spur. Sie wissen nicht, wo sie sie hinführt und ob sie überhaupt etwas zu bedeuten hat. ...

Murtagh und sein Drache Thorn wissen nicht so richtig, wo sie hingehören. Im Geheimen begeben sie sich auf eine vage Spur. Sie wissen nicht, wo sie sie hinführt und ob sie überhaupt etwas zu bedeuten hat. Murtagh will seine Identität nicht offenbaren und Thorn bleibt außerhalb der Siedlungen. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass Murtagh seine Kräfte zumindest teilweise offenbart. Immer wieder droht seine Tarnung aufzufliegen. Doch nach und nach erfährt er doch einiges, was seinen Weg leitet. Die Gefahren, in die er und Thorn geraten, beachtet Murtagh vielleicht zu wenig.

Bei Murtagh handelt es sich um den fünften Roman aus dem Eragon-Universum. Wie der Autor schreibt handelt es sich aber eigentlich um ein Standanlone mit Bezügen zu Eragon. Es scheint allerdings nicht verkehrt, wenn man sich einigermaßen auskennt. Bei seiner Wanderung durch dieses Buch hat Murtagh einiges auszustehen. Was zunächst eher wie eine Schatzsuche erscheint, wird später ausnehmend gefährlich. Murtagh muss sich finstersten Mächten stellen. Auch die Kämpfe, die er bestehen muss, werden immer bedrohlicher. Beinahe ist zu befürchten, dass die gemeinsame Kraft von Murtagh und Thorn nicht ausreichen könnte.

In der heutigen Zeit wird High Fantasy nicht mehr ganz so prominent präsentiert. Mit Murtagh bietet sich also eine Gelegenheit mal wieder in die Welt der Drachenreiter einzutauchen. Zwar macht es einem der Autor nicht immer ganz leicht mit epischen teils grausamen Kampf- und Traumszenen. Dann wieder verfolgt man gebannt Murtaghs Weg und fragt sich, was ihm im Weiteren begegnen wird. Schön, dass Murtagh neue Freunde und Verbündete findet. Dieser Band erklärt einiges zu Murtaghs Geschichte. Und wie der Autor selbst ankündigt, ist er mit Eragons Universum noch nicht fertig. Man darf also gespannt sein, wie sich dieser Band schließlich einfügt.

Veröffentlicht am 31.01.2026

Ausnahmestudent

Ravage & Son
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Im Manhattan des Jahres im frühen zwanzigsten Jahrhundert hat sich der Waisenjunge Ben Ravage einen Namen gemacht. Er wurde aufgelesen, zur Schule geschickt und er bekam die Möglichkeit in Harvard zu studieren. ...

Im Manhattan des Jahres im frühen zwanzigsten Jahrhundert hat sich der Waisenjunge Ben Ravage einen Namen gemacht. Er wurde aufgelesen, zur Schule geschickt und er bekam die Möglichkeit in Harvard zu studieren. Mit seinem Jury-Abschluss hätte er alles schaffen können, doch er zog es vor, nach Manhattan zurückzukehren. Dort wird er Detektiv der Kehilah, einer Art Polizei, die allerdings von Geschäftsleuten eingesetzt wird. Ben Ravage ist auf der Suche nach einem Täter, der wohlmöglich mehrere Frauen umgebracht hat. Aber er such auch nach seinem Vater, der seine Mutter in den Tod getrieben hat und sich nicht um Ben kümmerte.

Verbissen kämpft sich Ben durch sein Leben. Er könnte es einfach haben. Sein Gönner der Chefredakteur des Jewish Daily Forward hätte sich etwas anderes für seinen Schützling vorgestellt. Aber er kann Ben nicht überzeugen, dass er außerhalb von seinem Kiez mehr Erfolg haben könnte. Ben jedoch möchte für etwas Ordnung im Viertel sorgen und er möchte den Vater bestrafen, der ihn nicht anerkannt hat und wegen dem die Mutter so früh starb. Dafür nimmt er viel in Kauf. Schließlich besteht die Gefahr bei seinen Nachforschungen mal den Falschen in die Hände zu fallen.

Unter einem Kriminalroman würde man sich wohl etwas anderes vorstellen. Eher bekommt man mit diesem Roman eine Milieustudie des New Yorker Stadtteils Manhattan. Mietskasernen, in denen arme Leute zusammengepfercht werden, Mietwucher, Zwangsräumungen. Man könnte auch an das Berlin der 1920er denken. Ein Miethai, der eine Braut an jeder Ecke hat. Viele Menschen bezahlen ihre Lebensumstände mit dem Verlust des Verstands oder gar des Lebens. Man vermisst allerdings eine richte fortlaufende Geschichte. Vielleicht ist sie da, man sieht sie nur nicht wegen des ganzen Milieus. Man glaubt immerhin das harte Leben. Es geht ruppig zu, es fließt Blut und so manches Leben verschwindet. Werden sich Bens Träume erfüllen?
Man fragt sich, ob man sich hat von dem Klappentext in die Irre führen ließ oder ob man die Zeichen einfach nicht richtig gedeutet hat. Jedenfalls kann man nicht behaupten, dass dieses Buch jedermanns Sache sein wird. Für einige wird es jedoch sicher spannend sein.