Profilbild von walli007

walli007

Lesejury Star
offline

walli007 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit walli007 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.11.2024

Wintermord

Die Kriminalistinnen. Acht Schüsse im Schnee
0

Die Kriminalistinnen haben inzwischen die Abteilungen gewechselt und sie befinden sich im zweiten Lehrjahr. Im Februar 1970 wird der wohlhabende Theo Ellerbeck vor seiner Haustür durch mehrere Schüsse ...

Die Kriminalistinnen haben inzwischen die Abteilungen gewechselt und sie befinden sich im zweiten Lehrjahr. Im Februar 1970 wird der wohlhabende Theo Ellerbeck vor seiner Haustür durch mehrere Schüsse getötet. Seine minderjährige Tochter Michaela musste die Tat mit ansehen. Befragt wird sie von Lucia Specht, zu der sie Vertrauen gefasst hat, als sie als Minderjährige kurz zuvor in einem Lokal aufgegriffen wurde. Fieberhaft ermitteln Lucia und ihre Kolleginnen. Immer noch herausfinden, wie ihre Mutter vor Jahren zu Tode gekommen ist. Dafür nutzt sie ihre Kanäle, um herauszufinden, wer Schuld am Tod ihrer Mutter ist.

Der zweite Fall der Kriminalistinnen hat es wirklich in sich. Ein Mord aus heiterem Himmel an einem Familienvater, der allseits beliebt schien. Wer profitiert von diesem Todesfall? Die Ehefrau des Toten trauert schon auf eine Art, die Tochter wirkt etwas distanziert. Im zweiten Lehrjahr sind die ersten jungen Frauen bei der Polizei immer noch neu. Ihre Einstellung war und ist ein Experiment und die Sechs tun ihr Möglichstes, damit es zum Erfolg wird und anderen weiblichen Polizistinnen den Weg ebnet. Einfach ist es nicht für sie, denn sie müssen besser sein als die Männer und wie es in der damaligen Zeit war, müssen sie sich auch blöder Sprüche erwehren und dabei die Form wahren, um ihre Weiterbeschäftigung zu sichern.

Beim Hören dieses Buches denkt man manchmal, ach, die gute alte Zeit. Dann aber wieder möchte man in die Tischkante beißen, wenn man sich über die Stellung der Frau in Gesellschaft und Beruf klar werden muss. Was ehedem selbstverständlich schien, geht echt auf keine Kuhhaut. Das hat der Autor mit deutlichen Worten beschrieben. Das Ergebnis ist, den Frauen wird heute in den meisten Fällen zum Glück mehr Respekt entgegen gebracht. Der Mordfall Ellerbeck führt zu einer spannenden Ermittlung, bei dessen Aufklärung die jungen Frauen eine große Rolle spielen. Dass sie andere Ansätze wählen und damit zum Erfolg kommen, sollte den Arbeitgeber eigentlich überzeugen, das Frauen bei der Kripo an der richtigen Stelle sind. Auch die Nachforschungen, die Lucia über den Tod ihrer Mutter anstellt, sind ausgesprochen fesselnd. Zum Glück ist ein dritter Band der Reihe angekündigt.

Dieses Hörbuch wird sehr akzentuiert und den jeweiligen Situationen angemessen vorgetragen von Regine Lange.

Veröffentlicht am 03.11.2024

Der unschuldige Mörder

Gegen alle Regeln
0

Als das FBI an den Anwalt Eddy Flynn herantritt, weil er einen mutmaßlichen Mörder dazu bringen soll, gegen eine korrupte Anwaltskanzlei auszusagen, ist Flynn nicht angetan. Doch das FBI argumentiert, ...

Als das FBI an den Anwalt Eddy Flynn herantritt, weil er einen mutmaßlichen Mörder dazu bringen soll, gegen eine korrupte Anwaltskanzlei auszusagen, ist Flynn nicht angetan. Doch das FBI argumentiert, es habe belastendes Material gegen Flinns Ehefrau Christine. Eddy sieht sich gezwungen, die Sache zu übernehmen. Ein erstes Gespräch mit seinem Mandanten leitet ihn allerdings zu der Überzeugung, dass dieser unschuldig ist, trotz der erdrückenden Beweise. Eddy Flynn steht also vor der nahezu unlösbaren Aufgabe gleichzeitig die Unschuld seines Mandanten zu beweisen und seiner Frau aus einer bedrohlichen Klemme zu helfen.

Bei seinem zweiten Auftritt muss der Anwalt Eddy Flynn wieder das Unmögliche möglich machen. Sein Mandant David Child wird beschuldigt, seine Freundin getötet zu haben. Die Beweise sind mehr als eindeutig. Und doch nach seinem ganzen Wesen wirkt David einfach glaubhaft, er hat nichts getan. Und er hat Flynn überzeugt. Doch die Bedingungen des FBI, seine Frau von irgendwelchen Anschuldigungen freizustellen, gehen nicht in Richtung, verteidige den Mandanten wie es sich gehört, sondern bringe den Mandanten dazu, in unserem Sinne zu handeln. Ein echtes Dilemma, das unlösbar scheint. Doch Eddy Flynn ist nicht einer, der schnell aufgibt oder sich fügt. Er muss einfach beides schaffen.

Ein typischer Thriller amerikanischer Art, ein Spiel mit dem Rechtssystem, in dem alles anders sein kann. Nichts ist so wie es scheint, beim Lesen fängt man an, jedem zu misstrauen. Man verdächtigt beinahe alle beteiligten Personen und bastelt sich die wildesten Lösungsansätze zurecht. Und doch erlebt man immer wieder Überraschungen und immer neue Ermittlungsergebnisse führen in unerwartete Richtungen. Natürlich kann es sein, dass man mit den Vermutungen auch mal richtig liegt, das ändert jedoch nichts an der außerordentlichen Anspannung, unter der man während des Lesens steht. Der Autor peitscht einen förmlich durch das rasante Geschehen. In diesem packenden Thriller ist hauptsächlich einer unschuldig, nämlich der Mörder.

Veröffentlicht am 02.11.2024

Unbeschwerte Jugend

Schatten der Welt
0

Sie sind um die vierzehn Jahre, Carl, Artur und Isi, im westpreußischen Thorn des Jahres 1910. Alle drei kommen aus eher einfachen Verhältnissen. Carl ist der Sohn des Schneiders Friedländer, Artur Vater ...

Sie sind um die vierzehn Jahre, Carl, Artur und Isi, im westpreußischen Thorn des Jahres 1910. Alle drei kommen aus eher einfachen Verhältnissen. Carl ist der Sohn des Schneiders Friedländer, Artur Vater ist eine Art Fuhrmann und Isis Vater arbeitet als Lehrer. Während Carl und Artur sich aus der Schule kennen, trifft Isi später zu ihnen. Mit ihren Ideen und frechen Sprüchen passt sie ausgezeichnet zu Arturs Unternehmergeist. Carl dagegen ist eher ruhig und bedacht, aber auch er kann sein Herz mal über die Hürde werfen. Zusammen sind sie ein unschlagbares Team, dem die Welt offen steht. Wenn da nach ein paar Jahren nicht ein Krieg drohen würde.

Dies ist der erste Band einer bisher dreibändigen Reihe. Hier bildet sich die kleine Clique bestehend aus den drei Jugendlichen Carl, Artur und Isi. Artur heckt manchmal Streiche aus, die beinahe schon gefährlich sein könnten. Und irgendwie ist Carl immer mit dabei. Als dann auch Isi dabei ist, schafft diese es mitunter, Artur noch zu übertrumpfen. Wenn es doch ewig so weitergehen würde, dann stünde ihnen eine große Zukunft bevor. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs macht jedoch alles zunichte. Die Träume platzen, denn Carl und Artur werden eingezogen und Isi kämpft um ihre Unabhängigkeit.

Gerade zu Beginn besticht dieser historische Roman durch die Personenzeichnung und die frechen Ideen, bei deren Ausführung gegen alle Umstände doch irgendwie alles gutgeht. Leider und doch verständlicherweise verliert sich das, wenn der Krieg ausbricht. Die Jugend endet dann jäh und die Art des Berichts ändert sich zwangsweise, weil sie die Wege der Protagonisten trennen. Die Wahl der Personalpronomen ist dann nicht immer nachvollziehbar und ihre einzelnen Schicksale, obschon schwer und auch tragisch, berühren nicht so wie zuvor. Dennoch verfolgt man den Weg der Drei weiterhin. Zusätzlich erschwert wird die Lektüre ein wenig, wenn beim Kauf nicht klar ist, dass es sich um einen Reihenbeginn handelt. Dann nämlich erwartet man eine größere Abgeschlossenheit und weniger offene Fragen. Natürlich sieht man dass Ganze anders in dem Wissen, dass, wenn man es wünscht, es mehr über die weiteren Schicksale von Carl, Artur und Isi zu erfahren gibt.

Veröffentlicht am 31.10.2024

Bücherviertel

Die Tage in der Buchhandlung Morisaki
0

Die 25jährige Takako glaubt in ihrem Leben läuft alles rund. Job, Wohnung, Freund. Bis Letzterer ihr wie aus heiterem Himmel erzählt, er werde heiraten. Und Takako ist nicht die Glückliche. Takakos Welt ...

Die 25jährige Takako glaubt in ihrem Leben läuft alles rund. Job, Wohnung, Freund. Bis Letzterer ihr wie aus heiterem Himmel erzählt, er werde heiraten. Und Takako ist nicht die Glückliche. Takakos Welt bricht zusammen. Sie flüchtet sich ins Bücherviertel Tokios, wo ihr Onkel ein Antiquariat betreibt. Anfangs kann Takako die Bücher um sich herum nicht genießen. Sie schläft viel und kann sich kaum aufraffen, den Laden aufzuschließen. Nach einer Weile jedoch beginnt sie in den Büchern zu blättern und zu lesen. Sie kann in den Büchern versinken und bald kommt ihre Lebensenergie wieder. Zwar heißt das nicht, dass alles überwunden ist, aber langsam werden die Tage wieder heller.

Tatsächlich gibt es in Tokio ein paar Straßenzüge, die viele Buchläden beherbergen. Antiquariate, die sich auf Epochen oder Genres spezialisiert haben. Laden an Laden reiht sich aneinander. Mit dem besonderen Flair ist die Gegend auch für Touristen ein Anziehungspunkt. Hier im Laden ihres Onkels versucht Takako ihre Trauer und Wut zu überwinden. Was erst unmöglich erscheint gelingt ihr durch die Bücher. Nach und nach beginnt sie wieder Freude am Leben zu empfinden. Langsam öffnet sie sich gegenüber neuen Menschen. Und auch ihren Onkel gewinnt sie immer mehr lieb.

Dieser unaufgeregte Roman wird als Hörbuch vorgetragen von Julia Preuss, die einem Takako und ihre Weggefährten auf angenehme Weise nahebringt. Nicht in jedem Moment gelingt es beim Zuhören, sich wirklich in die handelnden Personen hineinzuversetzen, deren Aktionen wirken doch manchmal etwas aufgesetzt. Sehr schon ist es dagegen, wenn man mitbekommt, wie Takako durch die Bücher wieder ins Leben findet. Auch ihre Emanzipation gegenüber ihrem falschen Freund, sollte Mut machen. Sie schafft es, Hilfe anzunehmen und sich zu behaupten. Dies wird im der angemessenen Intensität vorgetragen. Ein unterhaltsamer Roman von einem japanischen Autor, der es sehr gut versteht auch europäische Leser für sich und seine Bücher einzunehmen.

Veröffentlicht am 29.10.2024

Die Alpe

Regen
0

Als Folge einer großen Überschwemmung wird das Haus von Elisabeths Großmutter zur Hälfte davongetragen. Elisabeth ist der sehr froh, dass ihre Oma das nicht mehr miterleben musste. Als Versicherungsangestellte ...

Als Folge einer großen Überschwemmung wird das Haus von Elisabeths Großmutter zur Hälfte davongetragen. Elisabeth ist der sehr froh, dass ihre Oma das nicht mehr miterleben musste. Als Versicherungsangestellte würde Elisabeth von sich erwarten, dass sich ein Plan auftut. Aber ihr Mann, ein Musiker, ist sonst wo unterwegs. Den Regen hat sie auf dem Parkplatz eines Supermarktes erlebt und überlebt. Während Elisabeth wartet, beobachtet sie, wie Männer zwei Taschen neben einem Auto abstellen und davonfahren. Lange beobachtet Elisabeth den Platz; die Taschen werden nicht abgeholt. Die ganzen aufwühlenden Ereignisse bringen Elisabeth Stiller-Henley dazu, ihrem Leben als Versicherungsangestellte den Rücken zu kehren.

Was empfindet Elisabeth als ihre Erinnerungen an ihre so wichtige, so innig geliebte Großmutter davon geschwommen sind. Sie ist sehr traurig, aber sie sieht auch die Chance, ihr Leben zu verändern. Ihren Mann wird sie nicht übermäßig vermissen, er wartet schon seit Jahren auf den Flügel. Ist sie nun auf der Flucht? Schließlich muss das Fehlen der Taschen doch irgendwann bemerkt worden sein. Mit dem roten Kater, der während des Regens in ihrem Auto breit gemacht hat, findet Elisabeth Zuflucht auf einer der alltäglichen Zivilisation fernen Alpe. Dort will sie ihren Gedanken nachhängen und ihre weiteren Ziele überdenken.

Regen kann manchmal etwas melancholisch stimmen, besonders, wenn er überhaupt nicht aufhören will. Eine gewisse Tristesse in Elisabeths Leben ist da schon nachvollziehbar. Die Spontanität, mit der sich Elisabeth auf den Weg macht, ist dann überraschend und vermittelt das Gefühl von Aufbruch. Doch kann das gut gehen? Fremdes Eigentum, einfach ins Auto packen und losfahren? Man ist beeindruckt, wie sich Elisabeth auf den Weg macht letztlich ohne zurückzuschauen. Elisabeth packt das Leben beim Schopf und sie erlebt in der Folge ganz erstaunliche Dinge, sie lernt neue Menschen kennen, die Einfluss nehmen, sie es manchmal weniger positiv, sei es manchmal sehr positiv. Obwohl manche Beschreibungen vielleicht etwas ausführlich geraten, wird man doch von Elisabeths Persönlichkeit gepackt und freut sich über ihre Geradlinigkeit, die sie letztlich etwas schaffen lässt, mit zu Beginn nicht zu rechnen war. Ein Roman, in dem erzählende Elemente mit solchen des Kriminalromans sehr ansprechend vermischt werden.