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Veröffentlicht am 03.11.2024

Der unschuldige Mörder

Gegen alle Regeln
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Als das FBI an den Anwalt Eddy Flynn herantritt, weil er einen mutmaßlichen Mörder dazu bringen soll, gegen eine korrupte Anwaltskanzlei auszusagen, ist Flynn nicht angetan. Doch das FBI argumentiert, ...

Als das FBI an den Anwalt Eddy Flynn herantritt, weil er einen mutmaßlichen Mörder dazu bringen soll, gegen eine korrupte Anwaltskanzlei auszusagen, ist Flynn nicht angetan. Doch das FBI argumentiert, es habe belastendes Material gegen Flinns Ehefrau Christine. Eddy sieht sich gezwungen, die Sache zu übernehmen. Ein erstes Gespräch mit seinem Mandanten leitet ihn allerdings zu der Überzeugung, dass dieser unschuldig ist, trotz der erdrückenden Beweise. Eddy Flynn steht also vor der nahezu unlösbaren Aufgabe gleichzeitig die Unschuld seines Mandanten zu beweisen und seiner Frau aus einer bedrohlichen Klemme zu helfen.

Bei seinem zweiten Auftritt muss der Anwalt Eddy Flynn wieder das Unmögliche möglich machen. Sein Mandant David Child wird beschuldigt, seine Freundin getötet zu haben. Die Beweise sind mehr als eindeutig. Und doch nach seinem ganzen Wesen wirkt David einfach glaubhaft, er hat nichts getan. Und er hat Flynn überzeugt. Doch die Bedingungen des FBI, seine Frau von irgendwelchen Anschuldigungen freizustellen, gehen nicht in Richtung, verteidige den Mandanten wie es sich gehört, sondern bringe den Mandanten dazu, in unserem Sinne zu handeln. Ein echtes Dilemma, das unlösbar scheint. Doch Eddy Flynn ist nicht einer, der schnell aufgibt oder sich fügt. Er muss einfach beides schaffen.

Ein typischer Thriller amerikanischer Art, ein Spiel mit dem Rechtssystem, in dem alles anders sein kann. Nichts ist so wie es scheint, beim Lesen fängt man an, jedem zu misstrauen. Man verdächtigt beinahe alle beteiligten Personen und bastelt sich die wildesten Lösungsansätze zurecht. Und doch erlebt man immer wieder Überraschungen und immer neue Ermittlungsergebnisse führen in unerwartete Richtungen. Natürlich kann es sein, dass man mit den Vermutungen auch mal richtig liegt, das ändert jedoch nichts an der außerordentlichen Anspannung, unter der man während des Lesens steht. Der Autor peitscht einen förmlich durch das rasante Geschehen. In diesem packenden Thriller ist hauptsächlich einer unschuldig, nämlich der Mörder.

Veröffentlicht am 02.11.2024

Unbeschwerte Jugend

Schatten der Welt
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Sie sind um die vierzehn Jahre, Carl, Artur und Isi, im westpreußischen Thorn des Jahres 1910. Alle drei kommen aus eher einfachen Verhältnissen. Carl ist der Sohn des Schneiders Friedländer, Artur Vater ...

Sie sind um die vierzehn Jahre, Carl, Artur und Isi, im westpreußischen Thorn des Jahres 1910. Alle drei kommen aus eher einfachen Verhältnissen. Carl ist der Sohn des Schneiders Friedländer, Artur Vater ist eine Art Fuhrmann und Isis Vater arbeitet als Lehrer. Während Carl und Artur sich aus der Schule kennen, trifft Isi später zu ihnen. Mit ihren Ideen und frechen Sprüchen passt sie ausgezeichnet zu Arturs Unternehmergeist. Carl dagegen ist eher ruhig und bedacht, aber auch er kann sein Herz mal über die Hürde werfen. Zusammen sind sie ein unschlagbares Team, dem die Welt offen steht. Wenn da nach ein paar Jahren nicht ein Krieg drohen würde.

Dies ist der erste Band einer bisher dreibändigen Reihe. Hier bildet sich die kleine Clique bestehend aus den drei Jugendlichen Carl, Artur und Isi. Artur heckt manchmal Streiche aus, die beinahe schon gefährlich sein könnten. Und irgendwie ist Carl immer mit dabei. Als dann auch Isi dabei ist, schafft diese es mitunter, Artur noch zu übertrumpfen. Wenn es doch ewig so weitergehen würde, dann stünde ihnen eine große Zukunft bevor. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs macht jedoch alles zunichte. Die Träume platzen, denn Carl und Artur werden eingezogen und Isi kämpft um ihre Unabhängigkeit.

Gerade zu Beginn besticht dieser historische Roman durch die Personenzeichnung und die frechen Ideen, bei deren Ausführung gegen alle Umstände doch irgendwie alles gutgeht. Leider und doch verständlicherweise verliert sich das, wenn der Krieg ausbricht. Die Jugend endet dann jäh und die Art des Berichts ändert sich zwangsweise, weil sie die Wege der Protagonisten trennen. Die Wahl der Personalpronomen ist dann nicht immer nachvollziehbar und ihre einzelnen Schicksale, obschon schwer und auch tragisch, berühren nicht so wie zuvor. Dennoch verfolgt man den Weg der Drei weiterhin. Zusätzlich erschwert wird die Lektüre ein wenig, wenn beim Kauf nicht klar ist, dass es sich um einen Reihenbeginn handelt. Dann nämlich erwartet man eine größere Abgeschlossenheit und weniger offene Fragen. Natürlich sieht man dass Ganze anders in dem Wissen, dass, wenn man es wünscht, es mehr über die weiteren Schicksale von Carl, Artur und Isi zu erfahren gibt.

Veröffentlicht am 31.10.2024

Bücherviertel

Die Tage in der Buchhandlung Morisaki
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Die 25jährige Takako glaubt in ihrem Leben läuft alles rund. Job, Wohnung, Freund. Bis Letzterer ihr wie aus heiterem Himmel erzählt, er werde heiraten. Und Takako ist nicht die Glückliche. Takakos Welt ...

Die 25jährige Takako glaubt in ihrem Leben läuft alles rund. Job, Wohnung, Freund. Bis Letzterer ihr wie aus heiterem Himmel erzählt, er werde heiraten. Und Takako ist nicht die Glückliche. Takakos Welt bricht zusammen. Sie flüchtet sich ins Bücherviertel Tokios, wo ihr Onkel ein Antiquariat betreibt. Anfangs kann Takako die Bücher um sich herum nicht genießen. Sie schläft viel und kann sich kaum aufraffen, den Laden aufzuschließen. Nach einer Weile jedoch beginnt sie in den Büchern zu blättern und zu lesen. Sie kann in den Büchern versinken und bald kommt ihre Lebensenergie wieder. Zwar heißt das nicht, dass alles überwunden ist, aber langsam werden die Tage wieder heller.

Tatsächlich gibt es in Tokio ein paar Straßenzüge, die viele Buchläden beherbergen. Antiquariate, die sich auf Epochen oder Genres spezialisiert haben. Laden an Laden reiht sich aneinander. Mit dem besonderen Flair ist die Gegend auch für Touristen ein Anziehungspunkt. Hier im Laden ihres Onkels versucht Takako ihre Trauer und Wut zu überwinden. Was erst unmöglich erscheint gelingt ihr durch die Bücher. Nach und nach beginnt sie wieder Freude am Leben zu empfinden. Langsam öffnet sie sich gegenüber neuen Menschen. Und auch ihren Onkel gewinnt sie immer mehr lieb.

Dieser unaufgeregte Roman wird als Hörbuch vorgetragen von Julia Preuss, die einem Takako und ihre Weggefährten auf angenehme Weise nahebringt. Nicht in jedem Moment gelingt es beim Zuhören, sich wirklich in die handelnden Personen hineinzuversetzen, deren Aktionen wirken doch manchmal etwas aufgesetzt. Sehr schon ist es dagegen, wenn man mitbekommt, wie Takako durch die Bücher wieder ins Leben findet. Auch ihre Emanzipation gegenüber ihrem falschen Freund, sollte Mut machen. Sie schafft es, Hilfe anzunehmen und sich zu behaupten. Dies wird im der angemessenen Intensität vorgetragen. Ein unterhaltsamer Roman von einem japanischen Autor, der es sehr gut versteht auch europäische Leser für sich und seine Bücher einzunehmen.

Veröffentlicht am 29.10.2024

Die Alpe

Regen
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Als Folge einer großen Überschwemmung wird das Haus von Elisabeths Großmutter zur Hälfte davongetragen. Elisabeth ist der sehr froh, dass ihre Oma das nicht mehr miterleben musste. Als Versicherungsangestellte ...

Als Folge einer großen Überschwemmung wird das Haus von Elisabeths Großmutter zur Hälfte davongetragen. Elisabeth ist der sehr froh, dass ihre Oma das nicht mehr miterleben musste. Als Versicherungsangestellte würde Elisabeth von sich erwarten, dass sich ein Plan auftut. Aber ihr Mann, ein Musiker, ist sonst wo unterwegs. Den Regen hat sie auf dem Parkplatz eines Supermarktes erlebt und überlebt. Während Elisabeth wartet, beobachtet sie, wie Männer zwei Taschen neben einem Auto abstellen und davonfahren. Lange beobachtet Elisabeth den Platz; die Taschen werden nicht abgeholt. Die ganzen aufwühlenden Ereignisse bringen Elisabeth Stiller-Henley dazu, ihrem Leben als Versicherungsangestellte den Rücken zu kehren.

Was empfindet Elisabeth als ihre Erinnerungen an ihre so wichtige, so innig geliebte Großmutter davon geschwommen sind. Sie ist sehr traurig, aber sie sieht auch die Chance, ihr Leben zu verändern. Ihren Mann wird sie nicht übermäßig vermissen, er wartet schon seit Jahren auf den Flügel. Ist sie nun auf der Flucht? Schließlich muss das Fehlen der Taschen doch irgendwann bemerkt worden sein. Mit dem roten Kater, der während des Regens in ihrem Auto breit gemacht hat, findet Elisabeth Zuflucht auf einer der alltäglichen Zivilisation fernen Alpe. Dort will sie ihren Gedanken nachhängen und ihre weiteren Ziele überdenken.

Regen kann manchmal etwas melancholisch stimmen, besonders, wenn er überhaupt nicht aufhören will. Eine gewisse Tristesse in Elisabeths Leben ist da schon nachvollziehbar. Die Spontanität, mit der sich Elisabeth auf den Weg macht, ist dann überraschend und vermittelt das Gefühl von Aufbruch. Doch kann das gut gehen? Fremdes Eigentum, einfach ins Auto packen und losfahren? Man ist beeindruckt, wie sich Elisabeth auf den Weg macht letztlich ohne zurückzuschauen. Elisabeth packt das Leben beim Schopf und sie erlebt in der Folge ganz erstaunliche Dinge, sie lernt neue Menschen kennen, die Einfluss nehmen, sie es manchmal weniger positiv, sei es manchmal sehr positiv. Obwohl manche Beschreibungen vielleicht etwas ausführlich geraten, wird man doch von Elisabeths Persönlichkeit gepackt und freut sich über ihre Geradlinigkeit, die sie letztlich etwas schaffen lässt, mit zu Beginn nicht zu rechnen war. Ein Roman, in dem erzählende Elemente mit solchen des Kriminalromans sehr ansprechend vermischt werden.

Veröffentlicht am 28.10.2024

Partytime

Das Fest
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Für Jakob hört das Leben mit fünfzig eher auf, deshalb will er von seinem Geburtstag auch nichts wissen und vom feiern schon garnicht. Seine Karriere als Regisseur läuft nicht und in Liebesdingen sieht ...

Für Jakob hört das Leben mit fünfzig eher auf, deshalb will er von seinem Geburtstag auch nichts wissen und vom feiern schon garnicht. Seine Karriere als Regisseur läuft nicht und in Liebesdingen sieht es auch eher mau aus. Doch seine langjährige Freundin Ellen schickt ihn los und wie es der Zufall so will trifft er die Menschen aus seinem Leben. Und so kommen Erinnerungen hoch. Was ist aus Mentoren, Mentorinnen, Freunden und Freundinnen geworden? Ist sein Leben tatsächlich so deprimierend? Hat er es wirklich so schlecht getroffen? Entgegen aller Erwartungen und entgegen aller Unbill fängt Jakob langsam an, sich an dem Geburtstag zu erfreuen.

Runde Geburtstage können schon Meilensteine sein im Leben. Auf manche freut man sich, manche sehnt man herbei, andere bedeuten, der Höhepunkt ist erreicht. Und dann? Vielleicht hat man dann wirklich kein großes Interesse mehr am Feiern. Doch was ist, wenn man eine Freundin hat, die nicht zulassen will, dass man sich davonstiehlt? Vielleicht findet man doch Gefallen an dem Tag findet. Und die Freundin? Warum macht sie sich die Mühe? Sie kann nicht sicher sein, dass der Tag oder die Party ein Erfolg wird. Jedoch sie muss es einfach versuchen.

Die etwas melancholische Grundstimmung dieses Geburtstagskinds wird von der Vorleserin dieses knapp zweieinhalb Stunden langen Hörbuchs sehr gut dargebracht. Man folgt ihr gerne auf Jakobs Weg durch seinen Geburtstag. Manchmal denkt man, das kann doch jetzt nicht sein. Manchmal freut man sich mit ihm, wenn er alte Weggefährten trifft und sie gemeinsamen Erinnerungen nachhängen. Wie unterschiedlich die Erinnerungen sind, intensiv, tragisch, lustig und auch schön. Vielleicht findet man selbst beim Zuhören schneller Gefallen an diesem Geburtstag als der Jubilar selbst. Wenn aber auch der sich langsam für seinen Tag erwärmt, ist es umso schöner. Wie eine Glocke, die sich hebt, so hebt sich im Verlauf des Buches auch die Stimmung. Das ruhige Covermotiv rundet das stimmig Bild ab.