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Veröffentlicht am 30.12.2023

Almost Shakespeare

If We Were Villains. Wenn aus Freunden Feinde werden
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Sie sind die Sieben. Die Schüler einer Theaterklasse in einem kleinen Eliteinternat. Drei Jahre lang lief alles bestens. Sie waren richtig eng. Egal, das Meredith und Richard zusammen waren. James und ...

Sie sind die Sieben. Die Schüler einer Theaterklasse in einem kleinen Eliteinternat. Drei Jahre lang lief alles bestens. Sie waren richtig eng. Egal, das Meredith und Richard zusammen waren. James und Oliver ein Zimmer teilten. Wren und Pippa gut mit einander konnten. Alexander lieber Männer mochte. Sie waren ein Team. Und so hätte das Abschlussjahr zwar stressig werden sollen, aber es hätte in einer herausragenden Abschlussaufführung münden sollen. Doch die Veranstaltung zu Halloween gerät aus den Fugen. Und bei Caesar eskaliert die Unstimmigkeit so, dass einer von ihnen sein Leben verliert.

Eine Schule, an der ausschließlich Stücke von Shakespeare gespielt und gelehrt werden. Das ist doch interessant. Obwohl man sich fragt, wie so eine Schauspielausbildung auf eine Karriere vorbereiten soll. Oder kann Shakespeare alles lehren, was man später braucht. Wie sehen die Schüler das? Oder sind sie so mit ihren Studien, dem Lernen der Stücke, verbunden, dass sie die Welt da draußen nicht mehr brauchen? Oliver Marks ist nicht der große Schauspieler. Er ist der Nette. Manchmal wirkt er wie der Stichwortgeber. Und doch hat er gegen den Willen seiner Familie das Schauspielstudium aufgenommen. Er brennt genauso wie die anderen, wenn nicht mehr.

Shakespeare in die Moderne übertragen, so wirkt dieser Krimi, der eigentlich keiner ist. Denn eigentlich scheint alles klar als die Handlung zehn Jahre später einsetzt. Nur der ermittelnde Detektive hat seine Zweifel. Und er überredet Oliver Marks ihm von dem Abschlussjahr zu erzählen. Dadurch bekommt der Roman eine ganz besondere Form, die fesselt und das Buch aus der Masse heraushebt. In die Tiefe kennen muss man die Stücke von Shakespeare nicht, er wird genug erklärt. Mögen sollte man Shakespeare vielleicht schon. Jedenfalls hat das Geflecht zwischen den sieben Studenten dieses Abschlussjahrgangs eine Wildheit und Zartheit, wie man sie auch in der klassischen Tragödie finden kann. Nicht alles wird bis zum letzten entschlüsselt, doch das passt zu diesem packenden Roman, der die positive Überraschung des Jahresausklangs darstellt.

Veröffentlicht am 30.12.2023

Zentrum des Wissens

Babel
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Robin Swift wurde in China geboren. Er lebt in ärmlichen Verhältnissen und als seine Mutter an Cholera erkrankt und stirbt, holt sein Vater ihn zu sich nach England. Im Jahr 1836 darf Robin endlich an ...

Robin Swift wurde in China geboren. Er lebt in ärmlichen Verhältnissen und als seine Mutter an Cholera erkrankt und stirbt, holt sein Vater ihn zu sich nach England. Im Jahr 1836 darf Robin endlich an das königliche Institut für Übersetzungen, auch Babel genannt. Robin ist so stolz. Mit seinem Zimmernachbarn Ramy, der aus Kalkutta stammt, versteht er sich bestens. Ihr Jahrgang ist klein. Zu den beiden Jungen gehören noch Letty und Victoire. Ihre Sprachen sind erwünscht in Babel. Seltene Sprachen versprechen neue Übersetzungspaare. Doch das kommt später. Erstmal tauchen die Jugendlichen in die Welt der Universität mit ihren verschiedenen Fakultäten ein.

Wie toll für die neuen Studenten, sie dürfen in Babel studieren und sie haben Stipendien. So können sie sich mal neue Kleidung leisten oder einen Abend in der Kneipe. Allerdings merken Ramy und Robin schnell, dass sie wegen ihrer Herkunft keine guten Stand haben. Ein Inder und ein Chinese, mit ihnen wollen die elitären Engländer nichts zu tun haben. Letty und Victoire sind halt weiblich und damit sind sie auch raus. Das schweißt die Vier noch fester zusammen. Sie freuen sich auf ihre Studienzeit. Doch plötzlich trifft Robin einen jungen Mann, der aussieht wie er selbst und damit ändert sich vieles.

Ein Institut für Wörter, Sprache und Übersetzungen. Das ist doch klasse und ein einen Roman zu solch einem Thema muss man unbedingt lesen. Und der Anfang ist dabei sehr berührend. Der bedauerliche Tod von Robins Mutter, seine Rettung, seine erste Zeit im Institut, der geheimnisvolle Fremde, die Freundschaft der vier Studierenden. Zwar mäandert die Handlung etwas langsam dahin und die berührenden Momente könnten etwas häufiger beschrieben werden, doch man ist voller Hoffnung ob des ansprechenden Themas und denkt, es wird schon. Allerdings erlebt man doch eine Enttäuschung, irgendwie geht alles den Bach runter. Zwar ist es spannend, die Geschichte dahinter zu erkennen, insbesondere die Reise nach China ist sehr erhellend. Was jedoch danach folgt, zieht einen beim Lesen runter und das ist nicht das, was man sich von einem Fantasy Roman wünscht, gerade in der heutigen Zeit, wo sowieso alles den Bach runtergeht, möchte man doch lieber Bücher, deren Ausgang eine gewisse Hoffnung weckt.

Vielleicht haben die Berichte über das Buch, die Beschreibungen und der übliche Gang die eigene Phantasie zu sehr in Gang gesetzt, so dass man sich schon zu viel ausgemalt hatte, wie wunderbar dieser Roman sein muss, dass es nur noch eine Enttäuschung geben konnte. Die Notwendigkeit von Gewalt erschließt sich nicht.

Veröffentlicht am 29.12.2023

Die Stunde Null

Zero Days
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Jack betreibt mit ihrem Ehemann Gabe gemeinsam eine Firma, die Sicherheitslücken in Unternehmen aufspürt. Gabe betreut die technische Seite und Jack ist mehr fürs Praktische zuständig. Über Headphone verbunden ...

Jack betreibt mit ihrem Ehemann Gabe gemeinsam eine Firma, die Sicherheitslücken in Unternehmen aufspürt. Gabe betreut die technische Seite und Jack ist mehr fürs Praktische zuständig. Über Headphone verbunden überprüfen sie eine Versicherungsgesellschaft. Dummerweise fliegt Jack auf und weil der Firmeninhaber nicht erreicht werden kann, wird sie in Gewahrsam genommen. Als sie endlich zu Hause ankommt, findet sie Gabe ermordet auf. Jack ist entsetzt. Noch entsetzter ist sie als sie feststellt, dass die Polizei sie des Mordes verdächtigt. Das kann ja wohl nicht wahr sein. Sie sieht nur eine Chance, sie muss den Mörder selbst finden.

Was für eine unvorstellbare Situation. Zum einen trauert sie um Gabe und zum anderen ist sie auf der Flucht. Verzweiflung und Trauer drücken sie nieder, doch sie kann dem nicht nachgeben. „Du schaffst das.“, hat Gabe immer gesagt. Und sie muss es einfach schaffen, den Mörder zu finden. Gabe soll Gerechtigkeit widerfahren und der Mörder soll seine Strafe erhalten. Leider weiß Jack nur eins, sie hat Gabe nicht getötet. Für die Polizei ist sie nicht glaubwürdig. Die Ermittler sehen Widersprüche in ihren Aussagen und damit ist sie die offensichtliche Verdächtige. Wozu also noch in eine andere Richtung ermitteln?

Was für ein spannender Thriller. Der liest sich weg wie nichts. Von der ersten Seite ist man gepackt. Man erfährt etwas über die Tätigkeit von Gabe und Jack und ahnt nicht, dass ausgerechnet Gabe in Gefahr schweben könnte. Vielleicht hätte man klischeehaft angenommen, eher würde Gabe den Außenjob übernommen, doch Jack macht ihren Job gut und ihre Erfahrung hilft ihr auch nach Gabes Tod die wenigen Spuren zu verfolgen, die sie hat. Ihre Schwester Hel unterstützt sie, dabei ist sie manchmal schlauer, als man erwarten würde. Dennoch ist die Handlung so mitreißend, dass man schnell verzeiht, wenn hin und wieder der Gedanke aufkommt, so würde es im wirklichen Leben nicht passieren. Doch insgesamt ist die Story so rasant, dass man einfach nicht aufhören kann zu lesen. Das schreit fast nach einem Film. Toller Thriller zum Jahresabschluss.

Veröffentlicht am 27.12.2023

Das liebe Vieh

Delikatessen
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Im Leben des Stadtpolizisten Bruno geht es mal wieder turbulent zu. Beruflich muss er sich mit Tierschützern herumplagen, die sich gegen die Haltungsbedingungen für Enten und Gänse wenden. Dabei ist die ...

Im Leben des Stadtpolizisten Bruno geht es mal wieder turbulent zu. Beruflich muss er sich mit Tierschützern herumplagen, die sich gegen die Haltungsbedingungen für Enten und Gänse wenden. Dabei ist die Leberpastete doch eine Art Nationalheiligtum. Und dann soll in St. Denis eine Treffen zwischen dem französischen und dem spanischen Minister stattfinden, wodurch die höchste Sicherheitsstufe ausgelöst wird. Da gerät die Grabung des Archäologen Horst mit seinen spektakulären Funden fast schon zur Nebensache. Allerdings hat einer der Grabungsteilnehmer menschliche Überreste gefunden, die garantiert noch nicht alt genug sind, um archäologisch genannt zu werden. Und alles deutet auf einen Mord hin.

Und das ist nicht alles, was Bruno, Chef de Police, in seinem vierten Fall begegnet. Privat kann er sich seinen Kochkünsten widmen, den Spaziergängen mit Gigi, seinem Hund, und er hat begonnen Reiten zu lernen. Seine Arbeit geht er auf die übliche Weise heran. Zum Wohle der Stadt St. Denis und seiner Bewohner, die ihn wohlwollend aufgenommen haben, biegt er die Ereignisse manchmal etwas zurecht. Diesmal gerät er jedoch in einige Schwierigkeiten. Dennoch steht Bruno zu seinen Ansichten. Er schafft es mit seiner bedächtigen Art gewissermaßen die Spreu vom Weizen zu trennen und dafür zu sorgen, dass kleinere Probleme nicht an die große Glocke gehängt werden.

Wie ein kleiner Urlaub wirken die Romane von Martin Walker. Man fühlt sich nach Frankreich versetzt. Vielleicht möchte man nicht gleich die Gänseleber probieren, aber Verständnis für die Bedeutung dieser nationalen Delikatesse wird geweckt. Und mal wieder kann man den Menschen nur vor den Kopf schauen. Ihre Vergangenheit ist manchmal ganz anderes als man vermuten könnte. Aus den Geheimnissen der Menschen, ihrer Vergangenheit entspinnt sich eine spannende Geschichte, in der es auch Opfer gibt, über die man nicht so erfreut ist. Burnos Privatleben gerät durcheinander, da Isabelle für einen kurzen beruflichen Aufenthalt wieder da ist. Dies und viele andere Begebenheiten gibt es zu entdecken. Obwohl ein paar herbe Momente zu bestehen sind, insgesamt ein freundlicher und lesenswerter Krimi.

Veröffentlicht am 26.12.2023

Kurlaub

Die Insel der Tausend Leuchttürme
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So einfach ist es ja heutzutage nicht, eine Kur verschrieben zu bekommen. Doch Hildegunst von Mythenmetz schafft es, er darf seine Bücherstauballergie während eines Kuraufenthalts auf der Insel Eydernorn ...

So einfach ist es ja heutzutage nicht, eine Kur verschrieben zu bekommen. Doch Hildegunst von Mythenmetz schafft es, er darf seine Bücherstauballergie während eines Kuraufenthalts auf der Insel Eydernorn behandeln lassen. Gleich zwei Monate sind ihm gewährt worden. Schon auf der Überfahrt zur Insel ereignet sich ein außergewöhnlich starker Sturm, nachdem der Schiffsverkehr zum Festland bis auf Weiteres unterbrochen ist. Die Briefe, die Hildegunst mit seinem besten Freund Hachmed ben Kibitzer austauschen wollte, geraten deshalb etwas einseitig, weil es eben keine Gelegenheit gibt, sie abzuschicken. Unermüdlich jedoch berichtet Hildegunst von seinen Entdeckungen und Erlebnissen auf dieser Insel, deren Klima die Gesundheit über die Maßen fördert.

In diesem neuen Zamonien-Abenteuer bewegt sich der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz aus seiner gewohnten Umgebung heraus. Als überzeugter Hypochonder können seine Wehwehchen eigentlich keine Besserung erfahren. Das erkennt auch der Kurarzt recht schnell. Hildegunst würde während der Kur also mit einigen Erfahrungen als quasi Kassenpatient rechnen müssen, wäre der Arzt nicht Fan seiner Bücher. Und so bekommt er das volle Programm bevorzugter und schneller Behandlung. Dabei wird seine Mehrwasserallergie entdeckt, die es eigentlich nicht geben darf. Denn gerade wegen der nicht vorhandenen Reizstoffe kommen die Patienten auf die Insel. Hildegunst ahnt nicht, dass er nicht nur deshalb in den Fokus einer geheimen Gesellschaft gerät.

Ein neuer Zamonien-Roman ist schon mal per se ein Kaufgrund. Aber eine Reisebeschreibung, Briefe, auf die es keine Antwort gibt? Hm, was ist das für ein Weihnachtsgeschenk? Nun ja, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, wie die Mutter zu sagen pflegte. Und in diesem Fall liegt man damit goldrichtig. Diese Reisebeschreibung in Briefen entwickelt sich zu einem ausgesprochen spannenden Abenteuer. Es wird gewitzelt unter anderem über Hypochonder, man schmunzelt über die sympathisch knorrigen Inselgnome, man mag das Flöten der Hummdudel, man leidet mit unter den Anwendungen und man erfährt die immer lauter werdende Mahnung des „Es ist Fünf vor Zwölf“. Schließlich ist man so gefesselt, dass man sich innerhalb von zwei Tagen zu dem erschreckenden und fulminanten Finale vorgelesen hat. Das Geheimnis der Leuchttürme muss dabei jeder Leser oder jede Leserin selbst entschlüsseln.

Ein aufregender neuer Zamonien-Roman, der ein wenig wie eine Allegorie auf die heutige Welt wirkt. Mit einer wunderbar in die Reihe passenden Aufmachung und vielen Illustrationen, die einem die Vorstellung der Inselwelt sehr anschaulich erleichtern.