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Veröffentlicht am 26.04.2023

Auf und Ab des Lebens

Das Café ohne Namen
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Wien im Jahr 1966. Der 31jährige Robert Simon hat als Gelegenheitsarbeiter auf dem Karmelitermarkt gearbeitet und als sich die Chance eröffnet eine Gastwirtschaft zu pachten, da greift er zu und erfüllt ...

Wien im Jahr 1966. Der 31jährige Robert Simon hat als Gelegenheitsarbeiter auf dem Karmelitermarkt gearbeitet und als sich die Chance eröffnet eine Gastwirtschaft zu pachten, da greift er zu und erfüllt sich damit einen Lebenstraum. Bier, Wein, Limo, Schmalzstullen und Salzgurken, dazu im Winter Punsch, das Angebot ist überschaubar. Trotzdem entwickelt sich das Café zum Treffpunkt für die umliegende Bevölkerung. Robert ist mit seiner ruhigen Art der Ruhepol in der Gegend, er bietet den Menschen etwas wie eine zweite Heimat, in der man Karten spielen, reden oder einfach nur sitzen kann. Die Menschen kommen und gehen, bekommen Kinder, werden krank oder sterben und das alles ziemlich unbeeindruckt von der Welt da draußen. Auch das Ende des Café nimmt Simon hin und ändert sein Leben erneut.
Ich mag Seethalers ruhige, unaufgeregte Art zu schreiben. Man hat den Eindruck, dass er in sich ruht und das vermittelt er auch in seinen Büchern. Die ständige Aufgeregtheit der Medien und der sozialen Netzwerke sind ihm fremd. Trotzdem ist das Buch nie langweilig, man schlendert mit Seethaler durch Raum und Zeit und das gefällt mir sehr gut.
Ein Lesehighlight in diesem Jahr!

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Veröffentlicht am 25.04.2023

Sehr langsam

Der treue Spion
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Der Titel des Buches erschließt sich nicht auf Anhieb, man muss schon lange durchhalten, bis man weiß, warum er gewählt wurde.
Es geht um den Vermisstenfall eines französischen Diplomaten, der 1896 von ...

Der Titel des Buches erschließt sich nicht auf Anhieb, man muss schon lange durchhalten, bis man weiß, warum er gewählt wurde.
Es geht um den Vermisstenfall eines französischen Diplomaten, der 1896 von Berlin nach München reist und dort spurlos verschwindet. Der Polizeikommissar Gryszinski, der sich gern neuer Methoden bedient, vermutet, dass er wegen einer neuen Erfindung entführt oder ermordet wurde. Diese Erfindung könnte in den Wirren der Zeit vor dem 1. Weltkrieg eine wichtige Rolle spielen. Der Fall wird nicht aufgeklärt. 1916 muss Gryszinskis Sohn am 1. Weltkrieg teilnehmen und wird als Spion nach Paris geschickt. Dort findet er eine neue Spur...
Das Buch führt sehr authentisch in die Zeit der Jahrhundertwende und des Weltkriegs zurück. Allerdings fand ich es wenig spannend. Die Handlung zieht sich sehr und es gibt kaum ein Fortkommen. Es ist eher ein Roman als ein Krimi.
Gefallen hat mir die etwas altmodische Sprache, die gut zum Thema passt. Allerdings fand ich das Buch einfach zu langatmig.

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Veröffentlicht am 20.04.2023

Tragische Familiengeschichte

Solange wir leben
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David Safier kannte ich bisher als Autoren von eher lustigen, überspitzten Büchern wie "Mieses Karma". Nun erfährt man in diesem Buch viel über seinen familiären Hintergrund und die tragische Geschichte ...

David Safier kannte ich bisher als Autoren von eher lustigen, überspitzten Büchern wie "Mieses Karma". Nun erfährt man in diesem Buch viel über seinen familiären Hintergrund und die tragische Geschichte seiner Eltern.
In zwei verschiedenen Schriftarten berichtet er über Kindheit und Jugend von Joschi und Waltraut.
Joschi wächst in Wien auf und kann in letzter Minute vor den Nazis nach Israel fliehen. Außer seiner Schwester und seiner Cousine werden alle Familienmitglieder im Holocaust getötet. In Israel muss er sich ein neues Leben aufbauen, bleibt aber immer heimat- und ruhelos.
Waltraut dagegen lebt in ärmlichen Verhältnissen in Bremen und will sich hocharbeiten, um ein gesichertes Leben führen zu können. Sie macht eine Lehre bei Karstadt und findet mit dem Zimmermann Friedrich ihr Glück. Doch dann erkrankt Friedrich schwer, während Waltraut schwanger ist. Sie muss sich und die Tochter Gabi allein durchbringen.
Als Joschi und Waltraut sich treffen und lieben lernen, hoffen sie auf ein schönes gemeinsames Leben, doch es kommt anders.
Ich fand es sehr angenehm, dass die Geschichten der beiden Elternteile durch die unterschiedlichen Schriftarten voneinander abgesetzt sind. Das erleichtert die Orientierung sehr. Auch die Fotos der Familie im Einband fand ich sehr passend wie auch die ganze Aufmachung.
David Safier gelingt es mit leichter Hand das schwere Schicksal seiner Eltern aufzuschreiben, dabei spart er aber die traurigen und tragischen Elemente nicht aus. Das hat mir sehr gut gefallen. Oft liegen Freude und Leid sehr nah beieinander, aber das Buch ist auch in diesen Passagen nie kitschig. Auch ist das Buch nicht unpolitisch, der Hass auf Juden hat bis heute angehalten und wird immer schlimmer.
Das Buch hat mir durch den ernsthaften Hintergrund von allen Büchern Safiers am besten gefallen, es ist unbedingt lesenswert. Ihm gelingt der schwierige Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit ganz meisterhaft.

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Veröffentlicht am 03.04.2023

Für Banker

Die Zentrale
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Leider ist dieses Buch der mittlere Band einer Trilogie, was für mich sehr unbefriedigend war, denn den ersten Band hatte ich nicht gelesen und der dritte ist noch nicht erschienen. Da blieb das Ende offen ...

Leider ist dieses Buch der mittlere Band einer Trilogie, was für mich sehr unbefriedigend war, denn den ersten Band hatte ich nicht gelesen und der dritte ist noch nicht erschienen. Da blieb das Ende offen und das mag ich gar nicht.
Zwar nahm das Buch immer wieder Bezug auf die Ereignisse des ersten Bandes, aber es fehlten mir einige Vorinformationen über die junge Bankerin Laura Jacobs. Sie hat ein Gespür für krumme Dinger und wird deshalb in die Zentrale in FFM abgeordnet, wo sie dubiosen Praktiken auf die Spur kommen soll. Doch dann tun sich Abgründe auf und auch Laura gerät in direkte Gefahr.
Neben sehr viel Bankensprech, den ich nicht verstehe und der mich auch wenig interessiert, fand ich das Buch auch nicht spannend. Zwar gibt es eine ganze Reihe von Morden, aber die Geschichte bleibt flach und die Personen kann man nicht fassen.
Das ist eindeutig ein Buch für Banker und nicht für die normale Leserschaft. Von Veit Etzold bin ich eigentlich mehr gewohnt!

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Veröffentlicht am 02.04.2023

Wie eine Urlaubsreise

Südlich von Porto lauert der Tod
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Zuerst fällt das wirklich schöne Cover ins Auge, das so gar nichts von den üblichen schwarz-weiß-roten Krimicovern hat. Blau-weiße Azulejos und ein farbenfroher Hafen, das erzeugt gleich Urlaubsstimmung!
Doch ...

Zuerst fällt das wirklich schöne Cover ins Auge, das so gar nichts von den üblichen schwarz-weiß-roten Krimicovern hat. Blau-weiße Azulejos und ein farbenfroher Hafen, das erzeugt gleich Urlaubsstimmung!
Doch dann wird es ernst. Ria ist aus Stuttgart zur Beerdigung ihres Großvaters in den Küstenort Torreira gekommen und trifft dort die Verwandten ihres Vaters. Die Polizistin steckt in einer Krise und möchte ausspannen, doch als eine junge Frau tot aufgefunden wird, weckt das ihre Instinkte und zusammen mit ihrem Cousin, dem Dorfpolizisten Joao, macht sie sich auf die Suche nach der Ursache. Tragischer Todesfall oder Mord? Dann verschwindet die Leiche aus dem Beerdigungsinstitut...
Das Buch gehört für mich in die Kategorie "Cosy Krimi" und verbindet Urlaubsstimmung mit Kriminalfall. Das ist nett zu lesen und wird am überraschenden Ende noch richtig spannend.
Mich hat allerdings die etwas ungenaue und manchmal platte Sprache der Autorin gestört. "Gleich darauf strahlte ihnen nicht nur helles Licht wie aus einem Operationssaal entgegen, sondern auch aufgeregte Stimmen." (Seite 52/53). Das müsste doch einem Lektorat auffallen.
Insgesamt fand ich das Buch aber okay und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Sprachlich ist allerdings noch Luft nach oben.

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