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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2025

Leben mit einem Soziopathen

Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen
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Hier gibt es eine interessante serbische Autorin erstmals auf Deutsch zu entdecken. Milica Vučković beschreibt eine toxische Beziehung.
Eva ist eine junge alleinerziehende Mutter, die den egozentrischen ...

Hier gibt es eine interessante serbische Autorin erstmals auf Deutsch zu entdecken. Milica Vučković beschreibt eine toxische Beziehung.
Eva ist eine junge alleinerziehende Mutter, die den egozentrischen Viktor kennen lernt, der sie und das Baby mit nach Deutschland nimmt.
Schon bald erweist sich Viktor als Kontrollfreak, der Eva physisch und psychisch misshandelt. Er hat soziopathische Züge und versteht es, Eva zu manipulieren.
Das Buch ist geprägt durch die Erzählperspektive mit Eva als Icherzählerin. Sie erzählt ruhig, manchmal fast gelassen, bis dann die eskalierenden Momente kommen. Trotz ein paar Versuche kann Eva sich nicht von Viktor lösen.

Das Thema der toxischen Beziehung ist weiterhin relevant und die Autorin schafft es sprachlich Ausdruck dafür zu finden.

Veröffentlicht am 26.03.2025

Innenarchitekt der Literatur

Air
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Der Innenarchitekt Paul ist ein ambivalenter Typ. Zum Beispiel mag er keine Katzen, kümmert sich dann aber doch sehr um eine einäugige Katze, die ihm zugelaufen ist.
Kracht erzeugt mit seiner Sprache großartige ...

Der Innenarchitekt Paul ist ein ambivalenter Typ. Zum Beispiel mag er keine Katzen, kümmert sich dann aber doch sehr um eine einäugige Katze, die ihm zugelaufen ist.
Kracht erzeugt mit seiner Sprache großartige Bilder auch aus dem Alltäglichen, z.B. wie Paul in Schottland sich auf dem Fahrrad den Weg hinaufkämpft und dann auf dem Rückweg die Fahrt mit den Füssen in der Luft geniest.

Es gibt einen realistische Plotanteil, und einen der mit fantastischen Elementen angereichert ist. Das wechselt sich kapitelweise ab, bis es gegen Ende geschickt zusammengeführt wird. Wirklich beeindruckend. Christian Kracht ist ein Innenarchitekt der Literatur.

Veröffentlicht am 26.03.2025

Das gedankliche Überschreiten des realen.

Der etwa vierzigjährige Mann
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Hartmut Lange ist Spezialist für Erzählungen und auch dieses Buch besteht aus 3 Erzählungen.
Wie immer schreibt der inzwischen 87jährige Schriftsteller sehr sorgfältig und genau und von enormer Dichte.

Zur ...

Hartmut Lange ist Spezialist für Erzählungen und auch dieses Buch besteht aus 3 Erzählungen.
Wie immer schreibt der inzwischen 87jährige Schriftsteller sehr sorgfältig und genau und von enormer Dichte.

Zur Titelgeschichte:
Ein Mann von etwa vierzig Jahren steht an der Elbe, in Gedanken versunken, als er plötzlich eine Zeitreise antritt. Zunächst 2000 Jahre zurück. Dort ist er im Kolosseum, trifft später Seneca. Dann geht es Richtung Renaissance, die Zeit der Medici. Botticellis Kunst fasziniert ihn.
Dann das ausgehende 18 Jahrhundert in Weimar. Schließlich Versailles. Aber all das wird von Gewalt und Schrecken begleitet. Am Ende steht der schrecklichste Ort.
Doch der etwa vierzigjährige Mann sucht nach Kunst, nicht nach der Wirklichkeit.

Es folgt eine längere, sehr originelle Geschichte in Form eines Dramas und noch eine kürzere, sehr fein gemachte Story, in der ein philosophisches Gespräch geführt wird. Doch die Titelgeschichte hatte mich am meisten erreicht, da das gedankliche Überschreiten des realen faszinierend ist.

Veröffentlicht am 25.03.2025

Brooklyn Crime Novel

Der Fall Brooklyn
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Jonathan Lethem ist ein amerikanischer Autor, den ich schon lange lese und der schon öfter über Brooklyn geschrieben hat. In seinem neuen Buch fasst er in zahlreichen Kürzestgeschichten kaleidoskopmäßig ...

Jonathan Lethem ist ein amerikanischer Autor, den ich schon lange lese und der schon öfter über Brooklyn geschrieben hat. In seinem neuen Buch fasst er in zahlreichen Kürzestgeschichten kaleidoskopmäßig viele kleine Fragmente zu einem großen Ganzen zusammen und zeigt ein Gesellschaftsbild Brooklyns ab den 1960ziger Jahren bis in die Achtziger und wenige Male darüber hinaus.
Eine Reihe ungewöhnlicher Figuren bevölkert Lethems Buch und da er selbst in Brooklyn aufwuchs ist auch ein Stück von ihm selbst dabei.

Veröffentlicht am 23.03.2025

Drawing Hands

Wackelkontakt
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Wolf Haas ist bekannt für seine Ironie und Originalität seiner Bücher und das gilt für Wackelkontakt im ganz besonderen.
Das Buch hat Leichtigkeit und eine anspruchsvolle Konstruktion gleichzeitig. Es ...

Wolf Haas ist bekannt für seine Ironie und Originalität seiner Bücher und das gilt für Wackelkontakt im ganz besonderen.
Das Buch hat Leichtigkeit und eine anspruchsvolle Konstruktion gleichzeitig. Es ist sehr gut lesbar und überrascht den Leser vielfach.

Es gibt zwei gleichwertige Hauptfiguren, die im Plot des Romans eng miteinander verbunden sind.
Franz Escher ist Trauerredner und begeisterter Puzzler sowie Leser von Mafia-Bücher.
In einem seiner Bücher kommt jemand vor, der im Zeugenschutz ist, da er gegen die Mafia aussagte.
Dieser Mann wiederum liest ein Buch, in dem ein Franz Escher wegen einem Wackelkontakt auf einen Elektriker wartet.
Der Roman hat zwei Teile, betitelt ON und OFF.
Beide Handlungsebenen werden stark miteinander verquickt und nähern sich immer näher aneinander an. Die Spannung steigt.
Die Romankonstruktion erinnert an M.C.Eschers bekanntes Werk Drawing hands, indem zwei Hände sich gegenseitig zeichnen. Ein solcher ausgeklügelter, raffinierter Plot ist selten.
Ein grandioses Lesevergnügen.