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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.01.2026

Die Tränen des Jägersoldaten

Oxen. Interregnum
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Jens Henrik Jensens Oxen ist eine erfolgreiche Reihe, daher gibt es hier mit Oxen. Interregnum schon den siebten Band. Als Neueinsteiger in die Serie habe ich mich etwas schwer getan. Die Handlung ist ...

Jens Henrik Jensens Oxen ist eine erfolgreiche Reihe, daher gibt es hier mit Oxen. Interregnum schon den siebten Band. Als Neueinsteiger in die Serie habe ich mich etwas schwer getan. Die Handlung ist zwar einigermaßen eigenständig, aber natürlich hat die Figurenentwicklung schon in den früheren Teilen stattgefunden und ist im Prinzip abgeschlossen, Das Trauma von Oxen ist jedenfalls nicht mehr spürbar. Seine Gelassenheit und seinen inneren Frieden spürt man zum Beispiel im Gesprächen mit seinem Sohn Magnus schon in den frühen Kapiteln. Als Magnus überfallen und schwer verletzt wird, ist Oxen schwer getroffen.
Während mich die Handlung rund um den Sohn überzeugte, blieb mein Interesse an die Spionageanteil gering. Eine Spur Langeweile ist nicht ganz zu vermeiden.
Es ist insgesamt ein überraschend ruhiger Plot.
Literarisch geht es ziemlich gleichförmig zu, aber durchaus passend für skandinavische Thriller.
Meine Empfehlung aufgrund meiner doch sehr verhaltenen Leseerfahrung ist, nicht unbedingt mit diesem Teil zu starten.

Veröffentlicht am 08.01.2026

5 Erzählungen aus dem Nachlaß

Der Fluss der Zeit
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Diese 5 Erzählungen aus dem Nachlaß von Pascal Mercier sind wirklich ein Geschenk. Es sind sorgsam erstellte Erzählungen, sehr sensibel gemacht. Es gibt Einblicke in die Gefühlslage von Menschen in besonderen ...

Diese 5 Erzählungen aus dem Nachlaß von Pascal Mercier sind wirklich ein Geschenk. Es sind sorgsam erstellte Erzählungen, sehr sensibel gemacht. Es gibt Einblicke in die Gefühlslage von Menschen in besonderen Situatinen, sei es ein alter Mann, der aus seinem Haus ausziehen muss, wo er sein Leben lang gewohnt hat, oder die Sorge eines Mannes, der auf den Befund einer möglicherweise schweren Erkrankungen wartet.
Auch die Geschichte um den Pianisten, der von seinen Freunden eine Wohnung geschenkt bekommt, ist sehr fein ausgearbeitet. Es ist ein Glück für ihn, aber jetzt gibt es auch das Problem der Verpflichtung zur Dankbarkeit, die die Beziehung zu den Freunden belastet.
Entscheidend ist oft auch die Erzählperspektive, die immer gut und geschickt gewählt ist.
Die Erzählungen passen zueinander. Man hat das Gefühl, sie wären aus einem Guß.

Veröffentlicht am 03.01.2026

Die WG mit Alex

Lass uns noch bleiben
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Lass uns noch bleiben von Saskia Luka ist ein Roman, dessen Handlung in Berlin angesiedelt ist und Themen wie Beziehungen, Freundschaft und Einsamkeit in einer Großstadt beinhaltet.
Die verschlossene Anna ...

Lass uns noch bleiben von Saskia Luka ist ein Roman, dessen Handlung in Berlin angesiedelt ist und Themen wie Beziehungen, Freundschaft und Einsamkeit in einer Großstadt beinhaltet.
Die verschlossene Anna wurde gerade wortlos von ihrer Freundin Venka verlassen und ihre Stimmungslage ist nicht gut. Sie hat einen Pflanzenladen und eine latente Freundschaft mit dem Antiquar Henning, der auch sehr zurückhaltend ist.
Annas Leben ändert sich erst, als Alex in ihre Wohnung mit einzieht. Alex ist locker und offen. Ganz langsam öffnet Anna sich. Schließlich machen sie sich zusammen auf die Reise, um Venka aufzusuchen und eine Erklärung zu verlangen. Das verläuft zunächst enttäuschend.

Der Roman hat viele gute Ansätze, droht aber immer wieder zu verflachen. Letztlich vergibt die Autorin auch ein paar Chancen, mehr aus der Geschichte zu machen. Es bleibt aber ein lesenswerter Roman.

Veröffentlicht am 02.01.2026

Nach dem Krieg

Die weiße Nacht
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Anne Stern ist die Königin des historisch angehauchten Kriminalromans der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und ihr neuer Roman ist 1946 in Berlin angesiedelt. Da sie eine erfahrene Autorin des ...

Anne Stern ist die Königin des historisch angehauchten Kriminalromans der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und ihr neuer Roman ist 1946 in Berlin angesiedelt. Da sie eine erfahrene Autorin des Genres ist, gelingt ihr sofort eine dichte, beklemmende Atmosphäre, denn in Berlin ist es nach dem Krieg sehr hart. Viele hungern. Die Detailbeschreibungen von Berlin in dieser Zeit legen nahe, dass Anne Stern wieder genau recherchiert hat.

Die Autorin wählt zwei „Typen“ als Hauptfiguren aus. Der versehrte Kriminalkommissar König und die toughe Fotografin Lou. Beide sind von der Nazizeit persönlich unbelastet, dennoch leidtragende. Es wäre auch interessant gewesen, Hauptfiguren zu wählen, die Schuld auf sich geladen haben und damit fertig werden müssen, aber Anne Stern hat es anders geplant und sonst wäre es auch ein ganz anderes Buch geworden. Die Schuldfrage ist dennoch in den Plot integriert. Der Kriminalfall beginnt verhalten, entwickelt sich aber. Es überzeugte auch, wie die Protagonisten agieren und eine gewisse Spannung kann Anne Stern generieren.

Veröffentlicht am 22.12.2025

Ein Buch wie ein deftiger Eintopf

Zeit der Mutigen
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Der in Bulgarien geborene Österreicher Dimitre Dinev hat mit seinem Roman Zeit der Mutigen den Österreichischen Buchpreis gewonnen.
Eine überbordende Freude an Sprache und Erzählen kennzeichnet diesen ...

Der in Bulgarien geborene Österreicher Dimitre Dinev hat mit seinem Roman Zeit der Mutigen den Österreichischen Buchpreis gewonnen.
Eine überbordende Freude an Sprache und Erzählen kennzeichnet diesen Roman.
Es ist ein groß angelegter Roman mit Figuren, die Stärke und Haltung in schwierigen Zeiten zeigen. Dabei bleiben sie alle irgendwie eigenwillige Sonderlinge und Außenseiter.
Das Buch zeigt das zwanzigste Jahrhundert in Deutschland, Österreich und Bulgarien. Mit zunehmender Dauer kommen Figuren hinzu, aber es gibt immer Bindeglieder und so bleibt der Text im Fluss.
Meine Sternewertung: 4,5