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Veröffentlicht am 25.07.2019

Ein paar Stunden “Echtzeitthrill” mit Zack Herry

Der Schrei des Engels
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Das Duo Mons Kallentoft und Markus Lutteman ist in dieser Formation ein letztes Mal mit Zack Herry zurück. Der streitbare Stockholmer Ermittler einer Sondergruppe ist diesmal in einem der schwierigeren ...

Das Duo Mons Kallentoft und Markus Lutteman ist in dieser Formation ein letztes Mal mit Zack Herry zurück. Der streitbare Stockholmer Ermittler einer Sondergruppe ist diesmal in einem der schwierigeren Vororte im Einsatz. Stallhagen beherbergt viele Flüchtlinge in günstigen Wohnungen, die Arbeitslosigkeit ist hoch und nach und nach gibt die offizielle Hand diesen Teil auf.

Bis auf eine Person: Helene Svensson. Sie kämpft als Sozialarbeiterin für die Menschen in Stallhagen, hilft bei Behördengängen und hat immer ein offenes Ohr. Doch plötzlich scheint sich “ihr” Stadtteil gegen sie zu wenden.

Zack und seine Kollegin Deniz machen sich auf die Suche nach Helene und erleben dabei allerlei skurrile wie gefährliche Episoden zwischen den heruntergekommenen Häusern. Spannung, Drama und Blut inklusive. Alles typisch für die Reihe um Zack Herry.

Aber im Vergleich zu den Vorgängerbänden ist auch einiges anders. Der Fokus auf dem Schauplatz “Vorort”, auf den beiden Ermittlern ist noch stärker und somit gibt es kaum Szene von außerhalb und auch von den anderen im Team, deren Rolle ist eher klein. Auch die anderen Charaktere, die nicht der Sondereinheit angehören, haben noch klarere Nebenrollen als bisher.

Für Einsteiger in die Serie bietet “Der Schrei des Engels” einen Vorteil, aber doch viele Nachteile. Der Vorteil: Man erlebt Zack fast nur als den der handelt, er ist in der Action gefangen und kann daher nicht zu sehr “abdriften”, seine dunklen Seiten nehmen nicht so viel Raum ein.

Die Nachteile: Sämtliche wichtigen Personen werden kaum bis gar nicht mehr eingeführt, auch die sonst vertrauten Orte in Stockholm spielen aufgrund der Fokussierung auf Stallhagen keine Rolle. Es gibt bis auf wenige Rückblicke im Grunde keine Nebenhandlung.

Aber: Somit gibt es auch keine Ablenkung, der Erzählstrang mit Spannungsbogen kann sich fast durchgehend aufbauen, was den Thriller schon sehr bald zum Pageturner macht. Die 351 Seiten fliegen flott vorbei, begünstigt von den vielen kurzen Abschnitten, die immer von der Uhrzeit eingeleitet werden. Schnelle Leser sind also fast in Echtzeit bei Zack dabei.

Band 5 wird Kallentoft mit Anna Karolina schreiben

Veröffentlicht am 22.07.2019

Alte Rechnungen werden beglichen

Rotwild
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Ein grausiger Leichenfund bringt die Ermittlerinnen Ingrid Nyström und Stina Forss für ihren zweiten Fall wieder zusammen. Ein Lehrer wurde ermordet, es sieht nach einem Ritual aus, ein religiöses Motiv ...

Ein grausiger Leichenfund bringt die Ermittlerinnen Ingrid Nyström und Stina Forss für ihren zweiten Fall wieder zusammen. Ein Lehrer wurde ermordet, es sieht nach einem Ritual aus, ein religiöses Motiv scheint möglich. Doch es bleibt nicht dabei.

Scheinbar wahllos werden in ganz Schweden verteilt Menschen ermordet, immer unter etwas anderen Umständen, aber es scheint einen Zusammenhang zu geben. Die Hintergründe, die Geschichten, Lebensläufe der Opfer sind schwer und nur langsam zu ermitteln.

Deshalb bleibt auch genug Zeit für ein paar entspanntere Abschnitte, um die Protagonisten besser kennenzulernen, auch wenn es natürlich hilfreich ist, den Vorgänger “Später Frost” zu kennen. Die Geschichten sind so vielseitig wie die Charaktere, wenig Stereotypen, somit kommt keine Langeweile auf.

Da der Mörder aber weitermacht, gibt es dazu ohnehin nicht viel Gelegenheit. Als es eine erste mögliche Verbindung zwischen den Opfern gibt, nimmt der Schwedenkrimi noch einmal Fahrt auf. Als Leser bekommt man zwar zwischendurch auch die Sichtweise der “anderen Seite” serviert, dennoch ist nicht alles so wie es scheint.

Am Ende spielt das Autorenduo Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson eine ihrer Stärken aus: Die verstrickte Krimihandlung in der Gegenwart mit einer historischen Komponente zu verknüpfen. In gewisser Weise ist das eine Parallele zu Band 1.

Für Fans von skandinavischen Krimis und abwechslungsreichen, sympathischen Hauptpersonen ist die Reihe um Nyström/Forss auf jeden Fall zu empfehlen.

“Rotwild” ist Band 2 der Reihe um Nyström und Forss, erschienen sind außerdem:
“Später Frost”, “Aus eisiger Tiefe”, “In stürmischer Nacht”, “Der unerbittliche Gegner”, “Erzengel” und “Schneewittchensarg”

Veröffentlicht am 22.07.2019

Kann mit den Vorgängern nicht ganz mithalten

R.I.P.
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Die isländische Krimireihe mit den Drei-Buchstaben-Titeln hat eine neue Fortsetzung. Kommissar Huldar und Kinderpsychologin Freya ermitteln dieses Mal in einem verzwickten Fall rund um Mobbing unter Schülern, ...

Die isländische Krimireihe mit den Drei-Buchstaben-Titeln hat eine neue Fortsetzung. Kommissar Huldar und Kinderpsychologin Freya ermitteln dieses Mal in einem verzwickten Fall rund um Mobbing unter Schülern, der auch Jahrzehnte zurückreicht.

Die erste Hälfte des Buches plätschert - abgesehen von den Tatszenen - eher dahin, aber in der zweiten Hälfte entsteht dann schon eher das gewohnte pageturner-Gefühl. Viele beteiligte Personen und eine Reihe an Verdächtigen fordern aber auch ihren Tribut was in relativ viele Befragungs- und Verhörszenen mündet.

Und trotz der fieberhaften Jagd nach dem Mörder bleibt auch noch Zeit, ein paar Blicke ins Privatleben der Protagonisten zu werfen, wenn auch nicht so intensiv wie in den Vorgängern, meiner Meinung nach.

Viel Raum wird dem wichtigen und allgegenwärtigen Thema Mobbing eingeräumt. Diese Szenen und Rückblicke sind berührend, gut recherchiert und zeigen anhand der Beteiligten (Opfer, Mobber, Eltern, Schule) die weitreichenden Probleme gut auf.

Alles in allem war dieser dritte Teil der Reihe etwas schwächer als die sehr starken beiden Vorgänger, weniger grausam und entsetzlich, auch wenn sich “R.I.P.” vor vielen anderen Thrillern nicht zu verstecken braucht. Auch wenn Freya gute Tipps liefert, kommt ihre Rolle diesmal nicht so stark an, der Fokus liegt sehr viel stärker auf Huldar und seinen Kollegen, insbesondere Chefin Erla.

Auch das Setting in Island spielt in erster Linie nur bei den spannend zu lesenden (und wohl falsch ausgesprochenen) Namen und hin und wieder mit tiefen Temperaturen eine Rolle. Für Kenner der Reihe wirkt dieser Krimi ein bisschen wie ein Übergang, von Band 4 erwarte ich mir wieder mehr. Fürs Gesamtbild und die Entwicklung der Hauptpersonen kann man “R.I.P.” aber durchaus lesen.

Neueinsteiger in die Huldar-Reihe sollten aber mit Band 1 (DNA) oder Band 2 (SOG) beginnen.

Veröffentlicht am 03.07.2019

Es schließt sich nur ein halber Kreis

Die Frau aus Oslo
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Der Großteil der Handlung dieses Skandinavien-Krimis, die vor allem in Oslo und Stockholm angesiedelt ist, spielt um 1942 und 1967. Wir begleiten mehrere Hauptpersonen in diesen Jahren, die nicht unterschiedlicher ...

Der Großteil der Handlung dieses Skandinavien-Krimis, die vor allem in Oslo und Stockholm angesiedelt ist, spielt um 1942 und 1967. Wir begleiten mehrere Hauptpersonen in diesen Jahren, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Ester, engagierte Widerstandskämpferin und Jüdin, flieht nach Schweden und verliert ihre Familie an die Nazis. Sie hilft weiterhin Flüchtenden und spioniert gegen Deutschland.

Zur selben Zeit geschieht ein Mord, Esters beste Freundin stirbt. 1942 haben nicht viele Personen Interesse daran, die Tat aufzuklären und so schleppt sie diesen Schatten immer noch mit sich herum, als sie 25 Jahre später wieder in einem freien und sicheren Oslo lebt. Auch unter ihren ehemaligen Mitstreitern gibt es noch welche, die die alten Zeiten nicht ruhen lassen können.

Die spannende und gut aufgebaute Idee des Romans (er zieht sich gewissermaßen bis 2015!) verläuft leider, je länger das Buch dauert, immer mehr in Ungenauigkeiten, offenen Fragen und zu vielen Andeutungen. Dieser “nebulöse” Stil passt noch zu Beginn des Krimis, aber über die Dauer der vielen Belauerungen, Geheimnisse und Lügen hätte man sich doch mehr Greifbares gewünscht. Ja, zwei große “Haupträtsel” werden erklärt, das eine besser, das andere schlechter.

Dennoch hat man das Gefühl, dass den mit Fingerspitzengefühl aufgebauten Charakteren plötzlich nicht mehr die Ehre zu Teil wird, die man erwartet hätte. Es bleibt auf der einen Seite viel Interpretationsspielraum (wobei nicht ersichtlich ist, warum eigentlich) und andererseits fehlen in den aufgeklärten Teilen der Geschichte wichtige Erläuterungen.

Unter diesen Aspekten, ist der Kreis, der sich am Ende schließen soll, bestenfalls ein halber.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 29.06.2019

Gelungener Reihenstart im schwedischen Växjö

Später Frost
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Da dies ein Schwedenkrimi ist, nimmt zu Beginn des Buches wohl niemand groß Notiz vom Titel. Klar, die Handlung spielt im Februar, es ist natürlich kalt in Växjö, wo Stina Forss, gerade aus Berlin angekommen, ...

Da dies ein Schwedenkrimi ist, nimmt zu Beginn des Buches wohl niemand groß Notiz vom Titel. Klar, die Handlung spielt im Februar, es ist natürlich kalt in Växjö, wo Stina Forss, gerade aus Berlin angekommen, ihre neue Stelle antritt. Als in der Mitte des Krimis wesentliche Elemente des Falls ans Tageslicht kommen, bekommt der Titel allerdings eine doppelte Bedeutung. (Wer das Buch schon kennt - oder es nach dieser Rezension noch lesen will, lasse mich bitte wissen, ob es ihm/ihr auch so ging.)

Aber zur Handlung: Stina fügt sich als die Neue erstaunlich gut in die bunte Truppe ein, die Kommissarin Ingrid Nyström leitet. Stinas erster Fall in Schweden ist auch Ingrids erster als Chefin. Sie sollen den Mord an einem zurückgezogen lebenden Biologen mit britischen Wurzeln klären. Er wurde scheinbar gefoltert, zudem gibt es Blutspuren, die nicht seine sind.

Schicht für Schicht tragen die Ermittler die Geheimnisse des Opfers ab, legen sein Privatleben, seine Biografie offen. Befragte verstricken sich in Widersprüche, geben nur manche Informationen preis und so wir der Fall zuerst klassisch rätselhafter als er zu Beginn war.

Ein völlig aus der Zeit gefallener Prolog verstärkt dieses Gefühl auch beim Leser. Kann das alles zusammenpassen? Es kann. Das Netz, das die beiden Autoren weben, ist ausgeklügelt und stimmig. Showdown am Ende inklusive.

Der Leser kann eigene Vermutungen aufstellen und bestätigen oder widerlegen lassen. Auch wenn - wie im echten Leben - an 2, 3 Ecken der Zufall den Ermittlern hilft, so ist dieser Krimi doch eine runde Sache und wird zufriedenstellend gelöst. Obwohl die Polizei in einem Punkt Unrecht behält...