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Veröffentlicht am 12.01.2025

Allon, ein Künstler unter den Agenten

Der Kunstsammler
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Auch wenn ich nicht alle Bände kenne - wenn Daniel Silva Neues von seinem Gabriel Allon berichtet, lese ich das immer gerne. Allon, nun ja ehemaliger Leiter des Israelischen Geheimdienstes und aktuell ...

Auch wenn ich nicht alle Bände kenne - wenn Daniel Silva Neues von seinem Gabriel Allon berichtet, lese ich das immer gerne. Allon, nun ja ehemaliger Leiter des Israelischen Geheimdienstes und aktuell Restaurator von Gemälden, lebt nun in Venedig. Er verbringt seine Zeit mit der Familie und seiner neuen Arbeit.

Seine alte holt ihn aber dennoch ein und so wird er gebeten, sich zunächst als Kunstkenner eine Meinung abzugeben. Er soll der italienischen Polizei die Echtheit eines lange verschollenen Gemäldes bestätigen. Am Ort des Fundes ist noch mehr passiert. Die Tatsache, dass der letzte Besitzer des Gemäldes keines natürlichen Todes starb und dass dieser scheinbar noch andere - eines ist nun verschwunden - Gemälde gehortet hat, weckt Allons Interesse.

Zudem vermutet er schnell einen Diebstahl hinter dem fehlenden Kunstobjekt. Zunächst verfolgt Allon also mit Erlaubnis Italiens die Spur des Gemäldes quer durch Europa. Dabei stößt er auf die verschiedensten Charaktere und nützt alte Bekanntschaften aus seiner Geheimdienstkarriere.

Als er dann merkt, dass er alleine bzw. mit einer einzelnen Mitstreiterin nicht mehr weiterkommt, wird er in Tel Aviv vorstellig und erhält - ein wenig zu schnell - Zugang zu allem was er braucht sowie eine Gruppe engster Mitarbeiter unter sein Kommando.

Das schnell wieder gut eingespielte Team zieht in kurzer Zeit eine große Operation auf, mithilfe derer man an bestimmte Dokumente herankommen möchte. Die Schwierigkeit dabei: Die Sache läuft in Russland ab, Allon muss alles aus der Ferne koordinieren.

Zwischendurch gibt es auch noch Zeit für private Schnipsel, auch wenn Allon als Figur erst wirklich greifbar wird, wenn man mehrere Bücher kennt. Er ist natürlich erfahren und hat auch geniale wie riskante Ideen. Ihm fällt auch vieles zu und seine antrainierten Fähigkeiten sind enorm, sowohl physisch als auch was Fachwissen betrifft.

Wer klassische, auch actionreiche Agententhriller mag, wird bei Silva gut unterhalten. Ausgehend von einer “einfachen” Aufgabe, aus einem “simplen” Plot, kreiert der Autor eine faszinierende Spionagegeschichte rund um tatsächliche Fakten.

Veröffentlicht am 03.11.2024

Emmerich ist einfach verflucht gut

Die weiße Stunde
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Ein Jahr ist seit “Der letzte Tod” vergangen und August Emmerich wird im Jahr 1923 auf wie schon gewohnt spannende Weise mit einer Leiche konfrontiert. Gemeinsam mit seinem Assistenten Ferdinand Winter ...

Ein Jahr ist seit “Der letzte Tod” vergangen und August Emmerich wird im Jahr 1923 auf wie schon gewohnt spannende Weise mit einer Leiche konfrontiert. Gemeinsam mit seinem Assistenten Ferdinand Winter arbeitet der kauzige Kriminalinspektor daran, den Mörder zu finden, der eine ledige Frau in deren Schlafzimmer brutal getötet hat. Ganz nebenbei hat er auch vor, weniger zu fluchen. Wie lange kann das gut gehen?

“Die weiße Stunde” ist der bereits sechste Band der erfolgreichen Reihe von Alex Beer. Besonders sind nicht nur die Bücher, sondern vor allem die so authentisch und vielschichtig gelesenen Hörbücher. Da Cornelius Obonya Emmerich, Winter, dem Erzähler und zahlreichen wiederkehrenden wie neuen Charakteren seine Stimmen (ja, Mehrzahl) leiht, fühlt sich alles tatsächlich wienerisch und schon fast heimelig an. Natürlich kann das für Nicht-Österreicher auch ungewohnt sein, aber ich kann nur empfehlen, das Hörbuch probe zu hören. Notfalls kann man immer noch das Buch kaufen.

Das ungekürzte Hörbuch mit einer Laufzeit von 9,5 Stunden fühlt sich, wenn man erst voll in der Geschichte drinnen ist (was nicht lange dauert), tatsächlich kürzer an. So, wie man ein gedrucktes Buch manchmal einfach kaum aus der Hand legen kann, konnte ich hier die Aufnahmen kaum unterbrechen.

Emmerich ist nicht nur mit den Ermittlungen beschäftigt. Nebenbei erfahren wir auch etwas mehr über seinen alten Gegenspieler Veit Kolja. Apropos wiederkehrende Charaktere - alle Bände lassen sich von den Fällen her unabhängig voneinander lesen. Aber die Hauptfiguren sowie Nebenhandlungen rund um diese spannen sich über alle Bände und bleiben auch manchmal am Ende des Buches ungeklärt.

Es gibt also in den Büchern Anspielungen und Erwähnungen, die sich auf frühere Erlebnisse beziehen. Wer das Gefühl hat, Emmerich und Winter besser kennenlernen zu wollen, sollte auf jeden Fall den ersten Band lesen oder hören.

“Die weiße Stunde” ist Teil 6 der Reihe um Kriminalinspektor August Emmerich.



Die bisherigen Teile:

Der zweite Reiter
Die rote Frau
Der dunkle Bote
Das schwarze Band
Der letzte Tod

Veröffentlicht am 13.10.2024

Hätte mir noch mehr Tiefe gewünscht

Lieferdienst
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Egal ob Krimi oder Zukunftsvisionen - fast alles, was aus Tom Hillenbrands Feder kommt, lese ich gerne und mit großen Erwartungen. “Lieferdienst” war letztlich anders, als ich dachte, und es hat für mich ...

Egal ob Krimi oder Zukunftsvisionen - fast alles, was aus Tom Hillenbrands Feder kommt, lese ich gerne und mit großen Erwartungen. “Lieferdienst” war letztlich anders, als ich dachte, und es hat für mich ein paar Fragen aufgeworfen. Was nichts Schlechtes sein muss.

Die Geschichte dreht sich um Arkadi Schneider, der im Berlin einer nicht genau verorteten Zukunft lebt. Unsere Konsumgesellschaft scheint sich bis dahin nur insofern weiterentwickelt zu haben, als dass alles nur noch maßloser und verschwenderischer wird.

Produkte werden zwar erst bei Bestellung erzeugt und geliefert - das aber parallel von mehrere Anbietern, die sich dann darum streiten, wer das Ding zuerst zustellt. Hier kommt Arkadi ins Spiel, denn er arbeitet bei einer dieser mächtigen Erzeuger-/Zustellfirmen. Zwar wird vieles einfach per Drohnen verschickt, aber es gibt auch noch die menschlichen “Bringer”, die auf ihren Hoverboards futuristische Götterboten abgeben.

Alles ist digital, wird getrackt und wer das Leistungsprinzip nicht verinnerlicht hat, hat schlechte Karten. Arkadi lebt danach und möchte einfach nur seinen Job erledigen, als ihm immer wieder sonderbare Zufälle und Begegnungen dazwischenkommen. Gar nicht gut für seine Reputation, aber gut für die Handlung, die nun Schwung aufnimmt.

Unser Protagonist gerät zwischen die Fronten und deckt etwas auf, das brisanter ist als alles, was er sich bisher vorstellen konnte…

“Lieferdienst” wird auf dem Cover als Roman bezeichnet, auf der Umschlagrückseite ist von Thriller die Rede. Beides trifft die Geschichte nicht so ganz. Die mit weniger als 200 Seiten eher wie eine Novelle anmutende Handlung ist dystopisch und gesellschaftskritisch. In sich bietet sie ausgefeilte Details, die die Science Fiction hinter der Story logischer machen.

In Summe wirkt es auf mich aber so, als wäre die Idee der “Zustell-Krieger” aus einer anderen Buchidee entnommen und ausgebaut worden. Allerdings nicht so weit, wie es vielleicht möglich gewesen wäre. Das ist der Punkt, den ich so von Hillenbrand nicht erwartet hätte.

Abgeschlossene Bücher von ihm haben, soweit ich sie kenne, eigentlich immer eine sehr starke Handlungstiefe, sind bis ins Detail ausgefeilt und dementsprechend umfangreich. Hier empfinde ich die Idee sehr gut, aber etwas unausgereift, als wäre nicht genug Zeit gewesen. Das eher abrupte Ende verstärkt diesen Effekt noch.

Veröffentlicht am 13.10.2024

Realismus vor Fiktion

Morgen war ein schöner Tag.
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Da Gedanken bekanntlich frei sind, ist es Autoren möglich, im Rahmen der schriftstellerischen Freiheit auch spezielle Gedankenexperimente zu Papier zu bringen. Der Polit-Thriller “Morgen war ein schöner ...

Da Gedanken bekanntlich frei sind, ist es Autoren möglich, im Rahmen der schriftstellerischen Freiheit auch spezielle Gedankenexperimente zu Papier zu bringen. Der Polit-Thriller “Morgen war ein schöner Tag” von Christian Eckl ist ein sehr gutes Beispiel dafür.

Eckl verbindet reale Persönlichkeiten und historisch belegte Fakten mit einer Art alternativen Geschichtsschreibung und schafft eine spannende, fiktionale Geschichte, die im Berlin des Jahres 1989 ihren Ausgang nimmt.

Zur ungewollten Schlüsselfigur wird der junge Berthold Grün, als er zufällig zwei Mal Zeuge eines beziehungsweise mehrerer Morde wird. Auch wenn es bis zum Mauerfall nicht mehr weit ist, macht er sich in Verhören durch seine Ehrlichkeit selbst das Leben schwer. Dadurch bietet er sich den Mächtigen für ihre Ränkespiele geradezu freiwillig an und gerät folglich ins Visier des einflussreichen Generaloberst Markus Wolf.

Grün wird folglich knapp vor dem Ende der DDR verurteilt. Nach einem Zeitsprung von mehr als 30 Jahren kommt er frei und ist nicht nur mit einem vereinten Deutschland, sondern mit gesellschaftlichen wie auch technologischen Änderungen konfrontiert.

Dieses “Intermezzo” ist teilweise witzig gemacht, treibt die Geschichte zwischendurch aber wenig voran. Spannend wird es erst wieder, als die immer noch Mächtigen im Hintergrund (wieder) auf Berthold Grün aufmerksam werden und ihm endgültig nach dem Leben trachten.

Auf rund 330 Seiten versucht der Autor, die jüngere deutsche Vergangenheit anhand des fiktiven Einzelschicksals seines Protagonisten so “umzubauen”, dass wir dennoch in derselben Gegenwart landen, wie wir sie kennen. Die Zukunft (von 1989 aus gesehen) ändert sich nicht, lediglich der mögliche Weg dorthin.

Das Buch an sich ist nicht blutig, Action ist nur ganz dosiert im Einsatz. Vielmehr läuft das meiste über die psychologische Komponente, was gut zum Ausgangspunkt DDR passt. Auch wenn ich mir generell noch etwas mehr “Agenten-Thrill” erwartet hätte, punktet der Thriller mit anderen Qualitäten. Im stetigen Kampf von Fiktion und realen Ereignissen hat hier ganz bewusst die Realität die Nase vorne.

Veröffentlicht am 25.08.2024

Für mich ein “Thrimi”

Wintersturm
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Fans der Reihe um den neuen jungen Polizist Ari Thór Arason dürfen sich über eine (letzte) Fortsetzung freuen.. In Band 6 ist er nun Polizeikommissar und hat das Kommando über die Wache in Siglufjörður ...

Fans der Reihe um den neuen jungen Polizist Ari Thór Arason dürfen sich über eine (letzte) Fortsetzung freuen.. In Band 6 ist er nun Polizeikommissar und hat das Kommando über die Wache in Siglufjörður übernommen. Sein Vorgänger weilt in Reykjavík und Ari hofft auf eine ruhige Zeit in der ganz im Norden Islands gelegenen Kleinstadt.

Doch damit ist es auch zwei Gründen vorbei: Er hat nun die Verantwortung, aber auch die meiste Arbeit. Und da es Osterzeit ist, kommen viele Touristen zum Schifahren in den Norden. Und das Verbrechen zeigt sich auch wieder einmal. Ausgerechnet dann, als Ari ein paar entspannte Tage mit seiner Ex-Freundin und dem gemeinsamen kleinen Sohn verbringen möchte.

Eine Tote liegt auf der Straße und alles deutet auf Selbstmord hin. Hat sie sich von einem Balkon gestürzt? Ragnar Jónasson erzählt gewohnt schnell und spannend von Aris Ermittlungen wie auch von seinem Innenleben. Da das Buch weniger als 300 Seiten hat, eignet es sich gut für eine kurze mentale Abkühlung im heißen Sommer und Krimifans werden dabei auch noch sehr gut unterhalten.

Da die Reihe stark auf ihrer Hauptperson aufbaut, ist es hilfreich, wenn man Ari durch manche der anderen Bände besser kennt. Die Handlung selbst ist aber immer eigenständig und in sich abgeschlossen. Auf dem Cover steht zwar Thriller, großteils würde ich “Wintersturm” aber als Krimi bezeichnen, da dieses Mal der “psychisch-tiefgründige” Fokus weniger stark zum Tragen kommt. Vielleicht könnte man “Thrimi” dazu sagen?