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Veröffentlicht am 09.11.2018

Ein Fall wie eine Zwiebel

Flucht über den Brenner
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Im November 2015 hat Marta Donato ihren Krimi angesiedelt und ruft damit wieder einen Teil der damaligen Ereignisse wach, die Europa fest im Griff hatten. Im dritten Band der Reihe um Antonio Fontanaro, ...

Im November 2015 hat Marta Donato ihren Krimi angesiedelt und ruft damit wieder einen Teil der damaligen Ereignisse wach, die Europa fest im Griff hatten. Im dritten Band der Reihe um Antonio Fontanaro, Commissario in Verona, und Georg Breitwieser, Kommissar in Traunstein, werden die beiden in gleich mehrere mysteriöse Vorgänge verstrickt.

Und als hätte die Polizei nicht schon genug mit Raub, Mord und anderem zu tun, ist es auch noch ihre Aufgabe, die zahlreichen geschleusten Flüchtlinge zu entdecken und registrieren zu lassen. Besonders Georg hat darunter zu leiden und ahnt nicht, welche wertvolle Fracht er da eigentlich “aufgegriffen” hat, als er einige Syrer in einem italienischen Transporter entdeckt.

Durch diesen Zufall arbeiten Breitwieser und Fontanaro zeitgleich viele Kilometer voneinander am selben Fall und erst nach und nach werden dem Bayern die Zusammenhänge klar. Währenddessen schlägt Antonio sich mit hochnäsigen Veronesern und überaus reichen, skrupellosen zugereisten Russen herum. Und dann taucht noch eine seltsame Gestalt in Verona auf, die ganz zufällig ebenso mit seinem Fall zu tun hat.

Augenzwinkernd und geografisch wie kulinarisch sattelfest leitet die Autorin die Aufmerksamkeit des Lesers zwischen den Ländern hin und her, von der Questura zur Polizeistation, vom Ristorante zum Delikatessladen. Sie lässte den Leser spekulieren, präsentiert zwischen den Zeilen ein paar Möglichkeiten, was Täter und Motiv betrifft.

Dieser Fall ist für die beiden Ermittler ebenso wie für den Leser einer Zwiebel ähnlich: man kann sich nur ganz langsam, Schicht für Schicht an die Lösung herantasten und kneift zwischendurch auch schon mal stark die Augen zusammen - nicht vor Tränen, aber aus gesundem Unglaube und Misstrauen, wenn ein Ganove sich mal wieder herauswinden will. Und von denen wimmelt es nur so in Verona.

Veröffentlicht am 26.10.2018

Eine Mordserie in Stockholm

Hasenjagd
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Viel Blut, nordische Action und mittendrin Joona Linna: ein klassischer Lars Kepler wartet hier auf Thriller- und Spannungsfans allgemein. Das Autorenpaar lässt Linna, Finne und Polizist in Schweden, in ...

Viel Blut, nordische Action und mittendrin Joona Linna: ein klassischer Lars Kepler wartet hier auf Thriller- und Spannungsfans allgemein. Das Autorenpaar lässt Linna, Finne und Polizist in Schweden, in seinem sechsten Fall wieder zur Hochform auflaufen. Allerdings steigt Linna diesmal ungewöhnlich spät ins Geschehen ein, denn er ist “verhindert”.

Vom Kriminalfall kann man nicht allzu viel erzählen, da man sonst die Zusammenhänge wohl unabsichtlich verraten würde. Neben Joona Linna hat auch Saga Bauer vom Staatsschutz ihren Auftritt sowie die jeweiligen Kollegen.

Es gibt mehrere Tote, deren Gemeinsamkeit es natürlich zu entschlüsseln gilt. Soweit so klar. Zwischendurch werden Abschnitte auch aus Tätersicht erzählt, was dem Leser natürlich neue Erkenntnisse etwas früher verspricht. Alles vorauszusehen wird man trotzdem nicht schaffen. Die Spannung bleibt auch durch die vielen Nebenstränge und Nebencharaktere aufrecht, man kann selbst rätseln, ob und wie sehr diese oder jene Person in die Sache involviert ist oder ob sie eine falsche Fährte darstellt.

Mit klarem, direktem Stil führen die Autoren durch den Thriller und Stockholm im Spätsommer. Viele Schilderungen sind detailreich und brutal, dennoch: Wer von uns hat das Beschriebene schon einmal tatsächlich gesehen? Hoffentlich niemand. Lesen aber sollte man das Buch dennoch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Geschichte
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.10.2018

Episoden aus dem Leben des Autors

Hippie
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Wer sich hier “Blumenmagie und Drogenprobleme” erwartet, wird enttäuscht werden. Auch allzu viel Action gibt es in “Hippie” nicht. Ernst und mit einer gewissen Portion Distanz beschreibt Paulo Coelho Ereignisse ...

Wer sich hier “Blumenmagie und Drogenprobleme” erwartet, wird enttäuscht werden. Auch allzu viel Action gibt es in “Hippie” nicht. Ernst und mit einer gewissen Portion Distanz beschreibt Paulo Coelho Ereignisse aus seinem Leben als er selbst noch wie ein Hippie aussah und herumreiste.

Wenn wir heutzutage keine Ahnung haben, was damals genau los war und wie man Hippies definieren soll, ist das nicht so verwunderlich. Interessant ist aber, dass, wie Coelho durchblicken lässt, das auch damals keine so klar abgegrenzte Gruppe von jungen Leuten war, wie man gerne vermutet.

Die mit Absicht gewählte Distanz im Roman fußt auf der Erzählperspektive der dritten Person. Es gibt bewusst kein “ich” hier. Auch die Reise verläuft nicht immer so wie man es erwarten würde. Wenig Action, banale Gespräche und viel Landschaft.

Man kann über den Erzählstil streiten, das Cover mögen oder nicht, den Inhalt der Geschichte - da ja grundsätzlich so passiert - wage ich nicht zu kritisieren. Wozu hätte Coelho seine Erinnerung “verleugnen” sollen um den Roman für Leser vermeintlich aufregender zu gestalten? Er muss niemandem mehr etwas beweisen und kann als sehr erfolgreicher Autor jedes Wort so wählen wie er das möchte und es ihm in seinen persönlichen “Plan hinter dem Roman” passt.

Immer dann, wenn beliebige historische Gegebenheiten, Ereignisse durchschimmern, wird das Buch besonders authentisch und ruft ein ganz spezielles Gefühl hervor. Man sitzt dann irgendwie mit im Bus und hört den Mitreisenden dabei zu wie sie Episoden aus ihrem Leben zum Besten geben. Und genau das ist auch dieser Roman.

Veröffentlicht am 26.10.2018

Ein wissenschaftlich belegbarer Superheld

Rache der Orphans
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Dies ist Band 3 der Reihe um den unbeugsamen Superkämpfer Evan Smoak (gesprochen wie smoke) und wie von Gregg Hurwitz gewohnt, ist er rasant und detailreich, was Kampftechniken, Verschleierung, Waffen, ...

Dies ist Band 3 der Reihe um den unbeugsamen Superkämpfer Evan Smoak (gesprochen wie smoke) und wie von Gregg Hurwitz gewohnt, ist er rasant und detailreich, was Kampftechniken, Verschleierung, Waffen, falsche Dokumente, Computer-Schwachstellen und Evans “Probleme” mit der “normalen Welt” angeht.

Ich selbst kannte vorher Band 1, “Orphan X”, jedoch Band 2 “Projekt Orphan”, nicht. Man kann Band 3 sicher auch ohne beide oder einen davon zu kennen, genießen und schätzen, mit dem ersten Band fällt es aber deutlich leichter, sich in Evan hineinzuversetzen.

Man weiß, warum er so ist, wie er dort gelandet ist und warum er kann was er kann. Natürlich wird manches erklärt und anderes angedeutet, aber man versteht das Projekt im Hintergrund sicher so besser. Band 2 hat mir wiederum überhaupt nicht gefehlt. Von den Figuren her kam es mir so vor als wäre zwischen den Büchern auch keine Zeit vergangen, ich fand mich gleich wieder zurecht und kannte alle wichtigen Protagonisten.

Zurück zu “Rache der Orphans”: Dies ist ein Thriller für all jene, denen Superhelden-Geschichten zu unwahrscheinlich erscheinen weil ihre Kräfte nicht logisch erklärbar sind. Evan kann auch vieles, was die Vorstellungskraft übersteigt, hat aber dabei immer irgendwelche Hilfsmittel im Einsatz und da der Autor viel Zeit auf Detailrecherche verwendet, kann er auch das meiste relativ gut und logisch erklären. Auch wenn es immer noch unwahrscheinlich ist, es scheint nicht mehr unmöglich und das ist ein wichtiger Faktor, der Hurwitz’ Bücher nicht nur unterhaltsam sondern auch aus anderen Perspektiven interessant macht.

Veröffentlicht am 12.10.2018

Australiens ungewöhnlichste Privatermittler sind wieder aktiv

Redemption Point
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Sie sind wieder aktiv: Expolizist Ted Conkaffey, dem die Vergangenheit als mutmaßlicher Kinderschänder noch nachhängt und seine berufliche Partnerin und Chefin der Detektei, Amanda Pharrell. Die beiden ...

Sie sind wieder aktiv: Expolizist Ted Conkaffey, dem die Vergangenheit als mutmaßlicher Kinderschänder noch nachhängt und seine berufliche Partnerin und Chefin der Detektei, Amanda Pharrell. Die beiden verstehen sich, ist sie doch eine tatsächlich verurteilte Verbrecherin.

Dieses dynamische Duo, das vielen Anfeindungen und Probleme im Alltag ausgesetzt ist, wird diesmal von einem verzweifelten Bürger zu einem Doppelmord hinzugezogen. Zwei Leichen liegen in einer Bar und die offensichtlichen Spuren geben keine exakten Hinweise.

Doch so intensiv wie er möchte, kann Ted nicht nach dem Mörder suchen, taucht doch ein weiterer verzweifelter Mensch in seinem Haus in Crimson Lake auf: der Vater des Mädchens, das angeblich von ihm misshandelt und fast getötet worden sei. Die wichtigsten Fakten und Entwicklungen dazu erfährt man in “Redemption Point” natürlich auch, wer Zeit hat, sollte speziell deswegen, vorher aber noch den Vorgänger “Crimson Lake” lesen.

In diesem Band wirkt es nicht so, als gäbe es noch Chancen, den wahren Täter zu finden, dennoch: Nun könnte etwas Schwung in Teds private Ermittlungen kommen. Der Fremde wird langsam zum Verbündeten und beide - wenn auch aus völlig unterschiedlichen Motiven - wollen dann doch dasselbe.

Im gewohnt flotten, unaufgeregten Stil mit eine Prise Humor und der richtigen Portion Gefühl an den richtigen Stellen schafft Candice Fox wieder eine Atmosphäre, der man sich nicht so leicht entziehen kann. Hundert Seiten und mehr am Stück zu lesen, ist bei ihr kein Problem. Geht auch relativ flott.

Was “Crimson Lake” so bravourös begonnen hat, führt “Redemption Point” fast nahtlos fort. Man ist sofort wieder im Geschehen und lebt, leidet und lacht mit Ted und Amanda mit, dennoch: Zwischendrin hatte ich das Gefühl, dass der aktuelle Fall nicht vom Fleck kommt, dass er quasi angehalten wird, um Platz für Teds Lebensgeschichte zu machen. Die Auflösung birgt Überraschungen, aber das Gefühl, dass sie eigentlich schon früher hätte erfolgen können, lässt einen nicht ganz los.