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Veröffentlicht am 10.12.2016

Kein tragisches Ende, aber eine unheimliche Aura

Stiefkind
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Düstere, aber auch schöne Umgebungsbeschreibungen kann der S.K. Tremayne als Reisejournalist natürlich überzeugend darstellen. Davon lebt dieser Thriller in jenen Phasen, in denen die Geschichte selbst ...

Düstere, aber auch schöne Umgebungsbeschreibungen kann der S.K. Tremayne als Reisejournalist natürlich überzeugend darstellen. Davon lebt dieser Thriller in jenen Phasen, in denen die Geschichte selbst nicht so mit Spannung überzeugen kann. Dass es mittels der Überschriften einen Countdown auf Weihnachten gibt, unterstützt zwar die Dramatik eines Teils der Geschichte, aber ohne die Zwischentitel könnte die ganze Handlung auch innerhalb weniger Wochen stattfinden.
Wer sich ein thrillerartiges, tödliches Ende erwartet mit viel Drama, wird hier möglicherweise enttäuscht werden. Auch das Rätsel um den unfreiwilligen Tod von Nina Kerthen, Mutter, Ehefrau und Herrin über Carnhallow House, entpuppt sich als weniger dramatisch als man zwischendurch annimmt. Trotzdem schafft es der Autor, durch die Lage des großen Hauses und die Vorgeschichten der beiden frisch Vermählten – Rachel und David Kerthen, Witwer, eine unterschwellige unheimliche Aura über alles zu legen. Zu Beginn unverfängliche Unterhaltungen wandeln sich zu Minenfeldern. Wie Rachel wird der Leser misstrauisch gegenüber sämtlichen Ereignissen im und rund ums Haus und löst mit ihr nicht nur ihre traurige Vergangenheit, sondern auch die Rätsel rund um die tausende Jahre alte Familie Kerthen.

Veröffentlicht am 03.12.2016

Verwirrende Geschichte um menschliche Fehler und Eitelkeiten

Eisige Schwestern
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Einen Thriller mit einer gelungenen Grundidee präsentiert S.K.Tremayne mit diesem Buch. Hauptthema sind Zwillinge – zwei Mädchen, so identisch, dass nicht einmal die Eltern sie zuverlässig auseinanderhalten ...

Einen Thriller mit einer gelungenen Grundidee präsentiert S.K.Tremayne mit diesem Buch. Hauptthema sind Zwillinge – zwei Mädchen, so identisch, dass nicht einmal die Eltern sie zuverlässig auseinanderhalten können. Plötzlich ist eines der Mädchen alleine. Die Familie zerbricht fast am gemeinsamen Verlust und jeder der drei, Mutter, Vater, Schwester, flüchtet sich in seine eigene Welt. Daraus spinnt der Autor eine Welt voller Missverständnisse, schwieriger Gespräche, Vertrauensverlust und Unsicherheit, was das lebende Kind angeht. Auch ein Umzug hilft der Familie nicht, sondern durch die Einsamkeit auf einer schottischen Insel kommen grausige und verwirrende Geheimnisse teilweise ans Licht.
Hat man als Leser zu Beginn noch einen roten Faden vor sich und möchte man den Protagonisten vorschreiben, was am besten zu tun wäre, ist man sich im Verlauf des Buches auch nicht mehr so ganz sicher, wie die verfahrene Situation geklärt werden kann. Aus meiner Sicht hätte es zahlreiche Auswege gegeben, vieles hätte verhindert werden können, doch möglicherweise handeln die Charaktere, allen voran die Eltern, gar nicht immer so unrealistisch. Ob man nun mit dem Ende der Geschichte einverstanden ist oder vielleicht damit gerechnet hat, auf jeden Fall kann dieser unblutiger Thriller zum Nachdenken anregen: über Zwischenmenschliches, Persönlichkeiten, die Fähigkeit über den eigenen Schatten zu springen, den Mut, Schwieriges anzusprechen und vieles mehr. Wie hätte ich mich verhalten? Sind Menschen vielleicht doch so wie in diesem Buch? Machen wir uns mit unserem Zögern vieles noch viel schwieriger, als es sein müsste? Was kann ich selbst daraus über mich lernen und in der Zukunft anwenden? Durch diesen Mehrwert gewinnt das Buch in meinen Augen, wenn auch die Geschichte nicht alles herausreißen kann.

Veröffentlicht am 01.12.2016

Packend und intim: Das Portrait einer unschuldigen Frau

Die Spionin
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Mit seiner bekannt wunderbaren Art zu erzählen und den Leser in Gedanken anderer zu entführen, widmet sich Paulo Coelho einer Person, deren Künstlernamen wohl fast jeder kennt: Mata Hari. Dass dieser Name ...

Mit seiner bekannt wunderbaren Art zu erzählen und den Leser in Gedanken anderer zu entführen, widmet sich Paulo Coelho einer Person, deren Künstlernamen wohl fast jeder kennt: Mata Hari. Dass dieser Name immer wieder mit Spionage in der einen oder anderen Form in Verbindung gebracht wird, wusste ich vor der Lektüre. Wie es aber dazu kam und dass Mata Hari, wie es scheint, nichts getan hatte und trotzdem verurteilt wurde, war mir unbekannt.
Ohne sich akribisch an die Realität zu halten, entwickelt Coelho doch ein sehr packendes und intimes Portrait einer Frau, die, für ihre Einstellung, zu früh lebte und damit die damalige Gesellschaft zu Beginn des ersten Weltkriegs vor den Kopf stieß. Neben ihrer offen zu Schau gestellten Sexualität brachte auch ihr großes Mundwerk sie immer wieder in Schwierigkeiten.
Doch trotz dieser Momente und ihrer dramatischen jungen Jahre und einer zerstörerischen Ehe schaffte es die gebürtige Niederländerin Margaretha Zelle, lange Zeit ein für sie erfülltes und befreites Leben zu führen, frei von Zwängen und nur sich selbst treu.
Ein Traum, der trotz Emanzipation und heutigen Gesellschaftsstandards vielen Frauen auch heute noch für immer verwehrt bleibt.

Veröffentlicht am 19.11.2016

Träume vergehen, Sehnsüchte währen ewig

Und damit fing es an
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Anton und Gustav. Gustav und Anton. Gemeinsam erinnern die Namen der beiden Jungen in diesem Roman an ähnliche Duos: Max und Moritz zum Beispiel. Doch ansonsten haben sie mit ihnen wenig gemein, sind die ...

Anton und Gustav. Gustav und Anton. Gemeinsam erinnern die Namen der beiden Jungen in diesem Roman an ähnliche Duos: Max und Moritz zum Beispiel. Doch ansonsten haben sie mit ihnen wenig gemein, sind die beiden Schweizer Kinder doch ernsthaft und melancholisch. Kein Wunder, zeigt sich an ihrem Beispiel doch, dass auch die Schweiz nicht vom Zweiten Weltkrieg verschont wurde, auch wenn der Krieg sich ein bisschen anders auswirkte. Als Leser lebt man mit den beiden mit, von ihren wirren Träumen und Sehnsüchten mit 5,6 Jahren, bis sie schließlich 60 sind. Die Träume vergehen, doch manche Sehnsüchte währen ewig, wie Rose Tremain hier so gefühlvoll anklingen lässt.
Zu Beginn könnten die Buben nicht unterschiedlicher sein: der eine aus reichem Haushalt, ein bisschen verwöhnt und impulsiv, will Pianist werden, weil seine Eltern es so wollen. Der andere lebt mit seiner verwitweten Mutter in ärmlichen Verhältnissen und will zwar auch deren Ansprüchen genügen, erkennt aber bald, dass er ihr nichts rechtmachen kann. Den Grund, warum es zwischen den beiden so anders läuft an in anderen Familien, erfährt er erst Jahrzehnte später. Dass er, Gustav, auf Anton trifft, rettet ihn über diese schlimme Kindheit hinweg.
Die Autorin beschreibt im Großteil des Buches eine ganz besondere Freundschaft, zwischen Abhängigkeit und Abstoßung, zwischen Missverständnissen und stummem Einverständnis. Vieles, was die Charaktere nicht einmal selbst sicher fühlen, erfährt der Leser zwischen den Zeilen. Dadurch mögen manche Entscheidungen irrational wirken, doch letztendlich ist das nicht mehr wichtig. Dieses Buch zeigt sehr gut auf, dass man zu manchen Zeiten erfolgreich versuchen kann, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, aber dass das Leben insgesamt schon den vorgegebenen Lauf nimmt. Egal wie lange es dauert.

Veröffentlicht am 16.11.2016

Ein Krimi zum Grübeln

Wer Furcht sät
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Im dritten Krimi mit Detective Max Wolfe wagt sich Tony Parsons an ein heikles Thema, bei dem es subjektiv kein klares „Richtig“ oder „Falsch“ gibt: Selbstjustiz.
Objektiv steht klarerweise das Gesetz ...

Im dritten Krimi mit Detective Max Wolfe wagt sich Tony Parsons an ein heikles Thema, bei dem es subjektiv kein klares „Richtig“ oder „Falsch“ gibt: Selbstjustiz.
Objektiv steht klarerweise das Gesetz über allem und dieses versucht Max hier so gut es geht zu vertreten. Er ist (zeitweise als Leiter der Ermittlungen) hinter einem „Club“ her, der Kriminelle, die eine ihrer Ansicht nach zu milde Strafe erhielten, entführt und hängt. Objektiv sagt natürlich jeder, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben, dass Aug‘ um Aug‘ längst überholt ist und dass ohnehin bekannt ist, dass vor Gericht oft mildernde Umstände gelten, die niemand nachvollziehen kann. Doch wie wäre es, wäre man selbst betroffen? Lässt sich ein mildes Urteil oder ein Freispruch so leicht abhaken, wenn die eigene Familie darunter leidet?
Blut ist dicker als Wasser – auch das zeigt sich in diesem spannenden Krimi sehr gut, in dem Parsons wieder einmal einen wunderbaren Blick in Londons Geschichte wirft – wunderbar nicht wegen des Themas, sondern weil die Geschichte, ohne dass der Leser es stark mehr, sehr informativ und lehrreich wird. Gekonnt steigert der Autor die Spannung auch dadurch, dass er Nebenschauplätze immer dann einführt, wenn man gerade in die Ermittlungen abtaucht und den Alltag (Tochter Scout und Hund Stan zum Beispiel) ganz vergisst. Wie immer gelingt es Parsons, falsche Fährten zu streuen, manche sind einfacher zu erkennen und manche offenbaren sich erst am Ende.

Dass es ein Ende wie dieses gibt und wie immer die „gute Seite“ siegen kann, verdanken wir auch ein bisschen der Tatsache, dass Max Wolfe einfach unkaputtbar scheint und in tödlichen Situationen die Nerven behält. Wie schon aus den ersten beiden Bänden bekannt, ist Max hin und wieder zu viel „Superman“, aber davon und von seinen unnötigen Liebeleien abgesehen, ist er ein netter Ermittler, bodenständiger Vater und guter Freund. Einer seiner Freunde, gepaart mit viel Dusel, helfen ihm schließlich, relativ unbeschadet alles hinter sich zu bringen und somit können wir uns wohl auch mindestens noch ein Buch mit Max freuen.

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