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Veröffentlicht am 27.09.2018

Mehr Tiefe als ich erwartet hätte.

Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B
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-- Achtung enthält Spoiler --

Ich weiss nicht so richtig, was ich von diesem Buch halten soll.
Am Anfang hat mich der sehr einfache und fast schon umgangssprachliche Schreibstil gestört, doch mit der ...

-- Achtung enthält Spoiler --

Ich weiss nicht so richtig, was ich von diesem Buch halten soll.
Am Anfang hat mich der sehr einfache und fast schon umgangssprachliche Schreibstil gestört, doch mit der Zeit fand ich ihn dem Alter der Charaktere entsprechend sehr passend. Das Buch liest sich schnell weg und die Geschichte um Adam ist sehr kurweilig. Es werden verschiedene ernstzunehmende psychische Erkrankungen (speziell Zwangsstörungen und paranoide Schizophrenie thematisiert und deren Symptomatik realistisch geschildert. Auch wie sich psychische Erkrankungen auf Familiendynamiken auswirken können und welche Bürde teilweise auf Kindern von psychisch erkrankten Eltern lastet, wird sehr deutlich gemacht.
Und trotz allem hatte ich immer das Gefühl, dass das gewisse Etwas fehlt und die Story nicht so viel Substanz hat, wie sie vorzugeben scheint.
Man erhält einen kurzen Einblick in das Leben von Adam und wie er versucht, mit seiner Zwangsstörung umzugehen und gleichzeitig mit typischen Teenagerthemen, wie der ersten Liebe, zu kämpfen hat. Am Ende des Buches hatte ich allerdings immer noch nicht wirklich eine Ahnung davon, was die eigentliche Message sein sollte. Hinzu kam, dass mich die scheinbar grosse Enthüllung, dass Adams Mutter vermutlich unter einer paranoiden Schizophrenie mit Verfolgungswahn leidet und die "Drohbriefe" selbst geschrieben hat, überhaupt nicht überrascht hat. Im Gegenteil, mir was das sogar von Anfang an klar. Aber vielleicht sollte das auch genauso sein. Wer weiss.

Alles in allem eine nette Geschichte über das Älterwerden, Teenagerprobleme, psychische Erkrankungen, Patchwork-Familien, Freundschaft und die erste Liebe. Eine kurzweilige Unterhaltung, die aber vermutlich bei mir nicht so lange in Erinnerung bleiben wird. Dafür war mir die Geschichte letztendlich dann doch zu unspektakulär. 3.5 Sterne gibt es dafür von mir.

Veröffentlicht am 27.09.2018

Anders als erwartet

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
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Inhalt:
Zu Beginn lernen wir den jungen Mann Clay Jannon kennen, der seit einer Weile arbeitslos ist und deshalb nach einem neuen Job sucht. Eines Tages wird er zufälligerweise auf das "Aushilfe gesucht!"-Schild ...

Inhalt:
Zu Beginn lernen wir den jungen Mann Clay Jannon kennen, der seit einer Weile arbeitslos ist und deshalb nach einem neuen Job sucht. Eines Tages wird er zufälligerweise auf das "Aushilfe gesucht!"-Schild an der Buchhandlung eines gewissen Mr. Penumbra aufmerksam. Seine Aufgaben sind eigentlich recht simpel: Er soll die Nachtschicht übernehmen und jeden Kunden genau in einem Buch dokumentieren. Da - wenn überhaupt - höchstens eine Person während jeder Nacht im Laden auftaucht, sollte das also keine grosse Herausforderung darstellen. Doch nach Antritt seines neuen Jobs fällt Clay auf, dass die Kunden niemals ein Buch kaufen, sondern immer nur welche ausleihen. Und das ausgerechnet aus dem hinteren Teil des Ladens, in dessen Bücher Clay - auf Mr. Penumbras Anweisung hin - niemals einen Blick werfen darf. Irgendwann überkommt ihn dann doch die Neugierde und als er eines der Bücher aufklappt, entdeckt er nicht unbedingt das, was er erwartet hatte. Mit diesem Schritt verstrickt sich Clay in eine Reihe von weiteren Ereignissen, die darin münden sollten, das Rätsel der Unsterblichkeit zu lösen. Mithilfe der neusten Technik, insbesondere Google, sollte das ja nicht so schwer zu lösen sein, oder...?

Meine Meinung:
Das alles klingt eigentlich ganz vielversprechend, doch leider ist vor allem ein Stichwort in dieser Inhaltsangabe ausschlaggebend für die ganze Geschichte: Google. Ich gebe zu: Google ist nützlich und praktisch und ohne Google könnte ich mir das Internet nicht mehr vorstellen. Aber ob es deswegen so in den Himmel gelobt werden muss ist fraglich. Ausserdem "stinkt" damit das Ganze nach einer einzigen PR-Aktion für Google.

Alles in allem handelt es sich um eine nette Geschichte, die aber viel Potential verschenkt, indem der Fokus auf die falsche Dinge gelegt wird. Die Sache mit dem Rätsel der Unsterblichkeit hat mich wirklich interessiert, aber leider war dieses Google-lastige dann doch zu ablenkend, um sich nur auf den Hauptplot konzentrieren zu können. Und irgendwann konnte ich diese Lobhudelei für dieses Unternehmen nicht mehr lesen. Sehr schade.
"Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra" birgt eigentlich viel Potential, das aber letztendlich leider nicht wirklich genutzt wird und mich deshalb leider etwas enttäuscht zurückgelassen hat. Kann man lesen - muss man aber nicht.

Veröffentlicht am 27.09.2018

Interessante Grundidee, die aber in ihrer Umsetzung unausgereift wirkt.

Faunblut
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Inhalt:
Wir befinden uns in einer Fantasywelt, in der die Menschen unter der Unterdrückung der Herrscherin Lady Mar leben. Die Lady schickt Jäger aus, die die geheimnisvollen Wasserwesen - die Echos - ...

Inhalt:
Wir befinden uns in einer Fantasywelt, in der die Menschen unter der Unterdrückung der Herrscherin Lady Mar leben. Die Lady schickt Jäger aus, die die geheimnisvollen Wasserwesen - die Echos - töten sollen. Niemand weiss genau, was es mit diesen Echos wirklich auf sich hat, doch die meisten sind sich sicher, dass sie gefährlich sind.
Innerhalb dieses Geschehens wird die Story von Jude erzählt, die mit ihrem Vater in einem Hotel lebt. Eines Tages tauchen zwei Nordmänner auf, die sich später als Jäger entpuppen und allerhand gefährliche und vor allem lebendiges "Gepäck" mit sich bringen und in den Hotelzimmern verstauen. Einer der beiden Nordmänner ist Faun, ein aussergewöhnerlicher Junge, der Jade sofort in ihren Bann zieht. Obwohl sich die beiden zueinander hingezogen fühlen und sich näher kommen, scheint eine Liebe in dieser gefährlichen Stadt beinahe unmöglich zu sein. Nicht nur, dass Faun ein geheimnisvoller Jäger ist, Jade hat sich auch noch den Rebellen angeschlossen, die sich gegen die eiserne Herrschaft der Lady auflehnen wollen.

Meine Meinung:
Der Anfang der Geschichte und die Welt in der sie spielt fand ich wirklich sehr vielversprechend und äusserst kreativ. Die Autorin geht äusserst sparsam mit Erklärungen rund um die Stadt, ihre Geschichte und die sagenumwobenen Wesen um, so dass ich es nicht immer ganz einfach war, alles zu verstehen. Hier hätte sie gerne noch etwas ausführlicher werden dürfen.
Ab der Hälfte hat mich die Story dann etwas verloren, denn der Klappentext war nicht nur falsch und irreführend, er beinhaltet auch einen essentiellen Spoiler, der im Buch selbst erst gegen Ende enthüllt wird, so dass einem die Spannung genommen wird. Ich frage mich, was sich der Verlag hier überlegt hat?
Ausserdem lässt der Klappentext vermuten, dass es sich um eine Romantasy-Geschichte handelt, in der Faun eine besondere Rolle spielt. (Immerhin lautet der Titel auch "Faunblut"). Die Story wird aber erstens aus Judes Sicht erzählt und zweitens spielt Faun in der zweiten Hälfte fast kaum mehr eine Rolle. Es rückt viel mehr die Story um die Rebellen in den Vordergrund und das "Geheimnis" um Judes Herkunft, das gar keines mehr ist, wenn man den Klappentext gelesen hat ;) Es schien fast so, als wäre der rote Faden der Geschichte verloren gegangen. Eines ist aber klar: Die beworbene Liebesgeschichte im Klappentext ist nicht das zentrale Thema im Buch und spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Fazit:
Würde der Klappentext nicht andere Erwartungen schüren und einen Spoiler enthalten, hätte ich dem Buch sicher mehr Sterne vergeben. So wirkt die ganze Geschichte interessant im Ansatz, aber leider unausgereift in der Umsetzung. Man hätte sicher mehr daraus machen können und die Enttäuschung wäre weniger gross, wenn die Inhaltsangabe auch den tatsächlichen Inhalt wiedergeben würde.

Veröffentlicht am 27.09.2018

Die Handlung verläuft zu schleppend

Die Gilde der Schwarzen Magier - Die Rebellin
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Das Buch ist in zwei Teile unterteilt und im ganzen ersten Teil geht es hauptsächlich um die Suche nach Sonea. Die Autorin hat einen ganz wunderbaren Schreibstil, so dass es einem als Leser sehr leicht ...

Das Buch ist in zwei Teile unterteilt und im ganzen ersten Teil geht es hauptsächlich um die Suche nach Sonea. Die Autorin hat einen ganz wunderbaren Schreibstil, so dass es einem als Leser sehr leicht fällt, sich in die Welt der Gilde der schwarzen Magier einzulassen und sich das Ganze vorzustellen.
Leider zieht sich aber vor allem dieser erste Teil so unglaublich in die Länge, dass ich den zweiten Teil sehnlichst erwartet hatte. Das hat auch dazu geführt, dass mich die Geschichte bis zur Hälfte etwas verloren hatte und ich mich letztendlich nicht mehr ganz auf den zweiten, eigentlich spannenderen Teil einlassen konnte.
Dort befindet sich Sonea nun endlich im Kreise der Magier und lässt sich von dem Altmagier und Lehrer Rothen, in die Geschichte und die Regeln der Magier einführen. Anfangs habe ich diese Erklärungen noch ziemlich interessant gefunden, aber leider zieht sich dann auch dieser Teil irgendwann sehr in die Länge und man hofft erneut, dass doch endlich mal ein wenig Action passieren möge.
Am Ende wäre es dann tatsächlich so weit, doch leider hatte mich die Geschichte bei ungefähr 80% fast gänzlich verloren, so dass ich den Schlussteil nur noch quer gelesen habe.

Alles in allem hat die Autorin mit "Die Rebellin" sicher eine sehr durchdachte und schön beschriebene Welt der Magier geschaffen. Es fällt einem leicht, den Erklärungen und Beschreibungen zu folgen, gerade weil sie sich so viel Zeit dafür nimmt und der Protagonistin alles Stück für Stück näher gebracht wird. Meiner Meinung nach verlief die Handlung dadurch leider viel zu schleppend, so dass ich mich meistens richtig dazu zwingen musste, weiterzulesen. Für Fantasyfans, die auf Magie und eine gut durchdachte Welt stehen, sollte das Buch aber genau das richtige sein.
Für mich ist an dieser Stelle aber Schluss, denn mich konnte die Geschichte rund um Sonea zu wenig fesseln, als dass ich unbedingt weiterlesen müsste.

Veröffentlicht am 22.09.2018

Ein wichtiges Thema, das aber zu einseitig beleuchtet wird

The Hate U Give
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-- Achtung enthält Spoiler --

„The Hate U Give“ ist DAS Buch, über das 2017 überall gesprochen wurde und dessen Hype wohl an keinem Leser, der in irgendeiner Lesecommunity unterwegs ist, entgangen ist. ...

-- Achtung enthält Spoiler --

„The Hate U Give“ ist DAS Buch, über das 2017 überall gesprochen wurde und dessen Hype wohl an keinem Leser, der in irgendeiner Lesecommunity unterwegs ist, entgangen ist. Das Buch hat zahlreiche Literaturpreise abgeräumt und wurde schliesslich Ende Jahr zum Debütroman des Jahres auf Goodreads gewählt. Spätestens seit dieser Masseneuphorie ist das Buch auch auf meiner Wunschliste gelandet und ich wollte unbedingt wissen, worum es denn in dem Buch mit dem schlichten Cover geht, über das alle reden. Dank dem cbt Verlag bin ich nun endlich dazu gekommen, diesen Wunsch zu erfüllen.

Die Story wird aus dem Blickwinkel von Starr erzählt, deren bester Freund zu Beginn der Geschichte auf tragische Weise von einem weissen Polizisten erschossen wird. Damit greift die Autorin eine wichtige Thematik auf, die in den vergangenen Jahren immer wieder aufgrund dramatischer Vorfälle in die Medien gelangt ist: Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern in den USA. Nicht selten kommt es vor, dass afroamerikanische, unbewaffnete Jugendliche scheinbar grundlos von (weissen) US-Polizisten erschossen oder auf andere Weise getötet werden. Es gibt zu dem Thema auch viele Dokumentationen, die ich in der vergangenen Zeit auf Netflix gesehen habe. Die Dokus haben mich nicht nur sehr berührt, sondern auch nachdenklich gestimmt. Obwohl auch Rassismus ein gegenwärtiges Thema in Europa ist, ist die Geschichte um Starr und ihren verstorbenen Freund eher etwas, das eine spezifische Problematik in den USA anspricht – und das ist neben der unnötigen Polizeigewalt sicher das zu lasche Waffengesetz, das sich sehr von den Gesetzen in Europa unterscheidet. In den USA, insbesondere in den meisten Südstaaten, rennt jeder Otto-Normalverbraucher mit einer Waffe herum, selbst wenn er nur kurz in den Walmart zum Einkaufen fährt. Dieser Umstand wird von Seiten der Waffenlobby mit einem verstärkten Gefühl von Sicherheit gerechtfertigt, führt aber letztendlich nur dazu, dass man jederzeit damit rechnen muss, von irgendwem grundlos abgeknallt zu werden, wenn man nur eine falsche Bewegung macht. Aufgrund von Vorurteilen und ja, auch rassistischen Gründen, sind die Opfer dieses Szenarios leider oftmals Afroamerikaner. Und genau das war auch hier der Fall, denn Khalil – Starrs bester Freund – hat sich zu keinem Zeitpunkt unkooperativ oder gefährlich gezeigt, weshalb es nicht nur für Starr, sondern auch für mich als Leserin unverständlich war, wieso der Polizist ihn erschossen hat.

Im weiteren Verlauf macht Khalils Tod natürlich in der (hauptsächlich von afroamerikanisch-dominierten) Nachbarschaft die Runde und löst viel Ärger und Unverständnis aus. Zurecht, wie ich finde, denn einmal mehr wurde ein unschuldiger Jugendlicher umgebracht, ohne dass jemand dafür zu Rechenschaft gezogen wird. Starr hadert am Anfang, ob sie genau aus diesem Grund vor Gericht aussagen und als Zeugin im Fall Khalil auftreten soll. Einerseits will sie Gerechtigkeit für ihren besten Freund, auf der anderen Seite läuft sie damit auch Gefahr, in den Fokus der Öffentlichkeit zu geraten. Doch durch einen Rat von einer aussenstehenden Person, entschliesst sie sich schliesslich dafür: Wenn sie etwas verändern will, dann muss sie ihre Stimme dafür nutzen.

Neben diesem Hauptplot lernen wir Starr und ihre Familie etwas besser kennen. Die Autorin gibt dem Leser dadurch einen Einblick in das Leben einer afroamerikanischen Familie, das nicht nur durch Rassismus und Vorurteile, sondern auch durch Gangkriminalität geprägt ist. Starrs Vater ist selbst Aussteiger einer solchen Gang und hat einige Jahre im Knast abgesessen, bis er zu seiner Familie zurückgekehrt ist. Obwohl die Gangrivalitäten und die daraus resultierenden Gefahren immer wieder nebenbei erwähnt wurden (u.a. dadurch, dass auch Khalil aufgrund Druck einer Gang Drogen verkaufen musste), kam mir die kritische Auseinandersetzung mit Gangs etwas zu kurz. Es wird zwar gezeigt, wie gefährlich die Nachbarschaft ist, aber in Zusammenhang mit der (Über-)Reaktion des Polizisten, der Khalil erschossen hat, wird das Ganze nicht gebracht. Während sich jeder über den Tod von Khalil aufregt, wird es scheinbar von den meisten einfach so hingenommen, dass hin und wieder ein Afroamerikaner durch irgendwelche Gangs auf offener Strasse erschossen wird. (Und das kommt laut dem Buch nicht sehr selten vor). Es ist aber davon auszugehen, dass es sich gerade dadurch um eine sehr gefährliche Gegend handelt und dieser Umstand vermutlich massgeblich an der Reaktion des Polizisten beteiligt war. Damit will ich aber nicht sagen, dass seine Tat gerechtfertigt war oder er keine Strafe verdient hätte – im Gegenteil! Aber die Beweggründe des Polizisten werden im Buch gänzlich weggelassen, so dass eine sehr einseitige Perspektive gezeigt wird, die meiner Meinung nach nur bedingt dazu führt, dass das Problem mit den Waffen und der Polizeigewalt in naher Zukunft gelöst werden kann.

Neben dieser Einseitigkeit, wird auch das Thema Rassismus in Alltagssituationen immer wieder aufgegriffen. Im Zentrum steht dabei vor allem Starrs beste Freundin, die sich auf Tumblr von ihr abgewendet hat, was Starr gleich als rassistischen Zug wertet. (Das fand ich ehrlich gesagt ein bisschen übertrieben…) Die Freundin macht ein paar unbedachte (und ja, u.a. rassistische) Kommentare, die im Schlussteil dazu führen, dass Starr mit ihr in eine Schlägerei anfängt. Was normalerweise zu einer Strafe von ihren Eltern geführt hätte, wird aber in diesem Fall fast schon gefeiert. Dieses Ereignis ist mir sauer aufgestossen, denn ich fand es schade, dass es hier Gewalt als legitimes Mittel gegen Rassismus präsentiert wird, wo doch genau das eigentlich kritisiert werden soll. Noch einmal: Damit will ich nicht sagen, dass rassistische Aussagen oder Handlungen aller Art berechtigt sind – im Gegenteil! Ich finde es aber auch nicht sinnvoll, auf Rassismus mit Gewalt und Vandalismus zu reagieren, um etwas zu erreichen.
Genau das passiert leider am Schluss des Buches. Der Polizist wird – wie erwartet – nicht angeklagt und die afroamerikanische Gemeinschaft geht auf die Strasse um ihrem Ärger über das Urteil Ausdruck zu verleihen. Die Emotionen und das Unverständnis konnte ich sehr gut nachvollziehen, aber die Art und Weise wie dies geäussert wurde, fand ich nicht sehr förderlich, um die Situation zu entschärfen: Die Leute gehen auf die Strasse, randalieren und zünden Häuser und Geschäfte an und bringen sich selbst damit in Gefahr. Ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen ist wichtig, aber diese Aktion fand ich echt ungünstig dafür. Das hätte man sicher auch auf eine zweckdienlichere Art machen können.

Ansonsten bleibt noch zu sagen, dass das Buch sehr umgangssprachlich und in einer Art „Slang“ geschrieben ist, der vermutlich gebräuchlich unter afroamerikanischen Jugendlichen ist und für mehr Authentizität sorgen soll. Ich fand das Lesen aber gerade dadurch oftmals sehr anstrengend, habe aber auch erst am Schluss (des Ebooks) gesehen, dass es ein Glossar gegeben hätte, das einige Wörter, die immer wieder genutzt werden, erklärt. Trotzdem hat mich z.B. dieses „Das ist mein boyfriend“, nach einer Weile derartig genervt, dass ich die Beziehung zu Chris, den Starr als ihren „Boyfriend“ betitelt, gar nicht mehr richtig ernst nehmen konnte.
Ein weiterer Kritikpunkt waren die vielen Zeitsprünge, die meiner Meinung nach immer dann eingesetzt wurden, wenn es richtig spannend geworden wäre. Es wird beispielsweise die komplette Verhandlung mit dem Polizisten weggelassen, bei der wir vielleicht mehr über die Hinter- und Beweggründe des Täters erfahren hätten. Nicht, dass damit seine Tat gerechtfertigt worden wäre, aber es hätte zumindest einen anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse verschafft, so dass der Leser sich selbst seine eigene Meinung hätte bilden können, die nicht durch eine einseitige Perspektive aufgedrängt wird.

Fazit:
Das Buch beinhaltet ein wichtiges Thema, das aber meiner Meinung nach nicht so gut umgesetzt wurde, wie ich es erwartet hätte. Ich habe zwar einen Einblick in die afroamerikanische Gemeinschaft gekriegt und auch, welchen Einfluss die Polizeigewalt in den USA auf sie ausübt, aber für meinen Geschmack wurde die Thematik zu einseitig beleuchtet. Die Hintergründe des Mörders von Khalil bleiben bis zuletzt unbekannt, ebenso wie mögliche Zusammenhänge mit der Gangkriminalität oder anderen Einflussfaktoren, die einen weiteren Blickwinkel auf die Ereignisse ermöglich hätten. Den Hype verdankt das Buch wahrscheinlich der Thematik. Meiner Meinung nach wird die Umsetzung aber der Begeisterung nicht ganz gerecht.