Glanz, Geld und ein Tod, der nicht loslässt
Manchmal reicht ein einziger Sturz, und plötzlich bröckelt eine ganze glänzende Luxusfassade. Der Sohn des Oligarchen ist genau so ein Buch. Erst denkt man: Okay, mysteriöser Todesfall, junger Hochstapler, ...
Manchmal reicht ein einziger Sturz, und plötzlich bröckelt eine ganze glänzende Luxusfassade. Der Sohn des Oligarchen ist genau so ein Buch. Erst denkt man: Okay, mysteriöser Todesfall, junger Hochstapler, London, reiche Leute, klingt spannend. Und dann sitzt man da und merkt, dass Patrick Radden Keefe daraus keine sensationslüsterne Show macht, sondern ein messerscharfes, ziemlich unbequemes Stück Wirklichkeit.
Zac Brettler ist dabei keine einfache Figur. Mal möchte man ihn schütteln, mal beschützen, mal fragt man sich, wie einsam ein Mensch eigentlich sein muss, um sich so tief in eine erfundene Welt zu verlieren. Diese Mischung hat mich echt gepackt. Nicht auf die billige Krimi Art, sondern eher so, dass man beim Lesen kurz innehält und denkt: Alter, das ist wirklich passiert.
Keefe erzählt ruhig, präzise und trotzdem mit einem Sog, der einen nicht loslässt. London wirkt hier nicht wie die schicke Postkartenstadt, sondern wie ein gläsernes Aquarium für Geld, Macht, Angst und Dreck unter dem Teppich. Sehr edel eingerichtet, aber wehe, man schaut in die Ecken.
Besonders stark fand ich, dass das Buch nie den Menschen aus den Augen verliert. Hinter Oligarchen, dubiosen Deals und Polizei Desinteresse steht am Ende eine Familie, die wissen will, was mit ihrem Sohn passiert ist. Und genau da trifft das Ganze mitten ins Herz.
Ein kluges, düsteres und verdammt gut erzähltes Sachbuch, das sich liest wie ein Thriller, aber leider keiner ist.