Fiktion, eingebettet in die nähere Vergangenheit
Da ich von Ragnar Jónasson schon einige Bücher und Reihen gelesen habe, habe ich diesen Islandthriller gefunden. Als reinen, klassischen “Thriller” habe ich die knapp 350 Seiten nicht empfunden - die spannende ...
Da ich von Ragnar Jónasson schon einige Bücher und Reihen gelesen habe, habe ich diesen Islandthriller gefunden. Als reinen, klassischen “Thriller” habe ich die knapp 350 Seiten nicht empfunden - die spannende Geschichte unterhält aber dennoch wie gewohnt sehr gut.
Für dieses Buch hat Jónasson sich mit Katrín Jakobsdóttir zusammengetan, die beiden erklären ihre Gedanken und die Entstehung des Buches im Nachwort. Zusätzlich gibt es im Buch ein paar Erklärungen zur Aussprache der isländischen Namen und Bezeichnungen. Es ist allerdings sehr schwer, im Kopf dauerhaft dabeizubleiben. Aber auch mit “falschen” Namen bleibt die Handlung interessant und gut strukturiert.
Der Journalist Valur macht sich daran, einen “Cold Case” für eine Wochenzeitung wieder aufzubereiten. Ein Teenager verschwand vor 30 Jahren spurlos von einer kleinen Insel in der Nähe von Reykjavík. Aus der Recherche für seine Artikel ergeben sich nach und nach ein paar neuere Informationen. Durch den Erfolg der Texte gerät er ins öffentliche Interesse. Dann bekommt er auch noch einen mysteriösen Anruf mit Hinweisen.
Was an diesem Krimi ein bisschen anders, besonderer, ist als bei vergleichbaren Geschichten, in denen Journalisten ermitteln, ist, dass nicht nur der “Cold Case” länger zurückliegt, sondern auch die Ereignisse der neuen Ermittlungen in der Vergangenheit platziert sind. Die Autoren haben sich dazu entschlossen, sie im Island des Jahres 1986 spielen zu lassen.
Das ergibt einige Wendungen und Hindernisse, die uns heutzutage fast anachronistisch erscheinen - Telefon gab es nur zuhause und man musste sich darauf verlassen, dass alle Beteiligten sich Treffpunkte und Uhrzeiten genau notierten. Radio und Fernsehen waren wichtige Informationsquellen und es gab nur wenige Programme.
Im Hintergrund der fiktiven Handlung strahlt auch die tatsächliche Geschichte immer wieder durch. Die Hauptstadt feierte ihr 200-jähriges Bestehen und das mögliche Ende des Kalten Krieges erfasst Island auf ganz eigene Weise.