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Veröffentlicht am 21.02.2020

Lug, Blut und Betrug in Frankfurt

Blutige Gnade
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Für mich war dies das erste Zusammentreffen mit Mara Billinsky, eigenwilliger wie scharfsinniger Ermittlerin der Frankfurter Mordkommission. Mara hingegen darf schon zum vierten Mal nach “Blinde Rache”, ...

Für mich war dies das erste Zusammentreffen mit Mara Billinsky, eigenwilliger wie scharfsinniger Ermittlerin der Frankfurter Mordkommission. Mara hingegen darf schon zum vierten Mal nach “Blinde Rache”, “Lautlose Schreie” und “Brennende Narben” ausrücken um dem Bösen den Kampf anzusagen.

Und das macht sie, trotz ihrer kleinen Probleme, sehr gut. Diese rühren von früheren Erlebnissen und auch wenn ein bisschen etwas aus den Vorgängern angedeutet wird, ist es nicht schlecht gemacht. Man fühlt sich nicht “genötigt” nun sofort die anderen Bände zu lesen (auch wenn man sie sich ja dennoch auf die zu lange Lesewunschliste setzen kann) und bekommt aber genug Infos um in groben Zügen den Status Quo zu verstehen.

Mara und ihr Komplementär-Kollege Jan Rosen bekommen es mit einem Mord, der eventuell ein Einbruch sein könnte, zu tun. Zudem gibt es weitere Leichen und es scheint alles und nichts zusammenzuhängen. Und dann mischt auch noch die Russenmafia mit. Das klingt nun alles sehr nach viel Action und übermenschlicher Ermittlungsfähigkeiten, doch Mara und Jan sind vielmehr wie “du und ich”, machen ihre Fehler, grübeln über sich selbst nach und treten auch mal auf der Stelle.

Keine “Wunderwuzzis” also, die am Ende dann auf 3, 4 Seiten den Fall, der keine Lösung hat, lösen. Nein, es hängt alles nachvollziehbar zusammen auch wenn es zwischendrin ein paar Handlungsstränge zu viel sind, die da parallel verlaufen. Kein Wunder, dass auch Mara da nicht immer den Überblick behalten kann.

Die Identität mancher Schlüsselfiguren wird vor den beiden lange geheimgehalten. Der Leser bekommt aber durch ein paar Kapitel etwas Einblick bei der “anderen Seite” und kann somit ein paar nötige Schlüsse selbst ziehen und dann warten ob er Recht behält. Geübte Krimileser werden somit manches recht einfach herausbekommen, bekommen am Ende dann nicht den Riesenknalleffekt präsentiert, der vielleicht angestrebt wurde. Aber dieser Thriller ist ansonsten absolut gut gemacht und empfehlenswert.

Veröffentlicht am 20.02.2020

Schnurre und sei glücklich

Die Katze des Dalai Lama und die Kunst des Schnurrens
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Nach "Die Katze des Dalai Lama" hab ich auch diesen Folgeband gelesen. Auch hier lehrt wieder die Katze seiner Heiligkeit, genannt "KSH", die Leser über die Weisheiten des Buddhismus nachzudenken.
Die ...

Nach "Die Katze des Dalai Lama" hab ich auch diesen Folgeband gelesen. Auch hier lehrt wieder die Katze seiner Heiligkeit, genannt "KSH", die Leser über die Weisheiten des Buddhismus nachzudenken.
Die Frage nach der "Kunst des Schnurrens" steht für die Frage nach der Kunst glücklich zu sein. Und wer weiß besser, wie sehr das stimmt, als jeder Katzenbesitzer!

Der Dalai Lama muss für längere Zeit verreisen und so macht sich die KSH täglich auf ins Himalaja Buchcafé um dort die Geschehnisse zu beobachten, die Personen zu studieren und philosophischen Gedanken nachzuhängen. Bei diesen Beobachtungen ist der Leser fellnah dabei und es gibt einies zum Schmunzeln und sehr treffende Beschreibungen.

Ganz nett wird außerdem die Entwicklung vom einfachen Cafe mit Buchhandlung zu einem Spezialitätenlokal mit Curry-Abenden und Verkauf von exklusiven Gewürzmischungen erzählt. Somit gibt es auch eine sehr "weltliche" Romanhandlung. Insgesamt hat mir aber das erste Buch besser gefallen, denn die philosophischen Gedanken wirkten hier nicht mehr wirklich neu auf mich, sondern eher wie ein zweiter Aufguss.

Veröffentlicht am 19.02.2020

Gut angedacht, mit sehr vielen Themen und leichten Längen

Die Galerie am Potsdamer Platz
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Alice, eine junge Münchnerin, fährt nach Berlin um ihre Familie mütterlicherseits kennenzulernen. Allerdings wissen die nicht, dass sie kommt…

Dies ist die Ausgangslage für den verzwickten Familienroman, ...

Alice, eine junge Münchnerin, fährt nach Berlin um ihre Familie mütterlicherseits kennenzulernen. Allerdings wissen die nicht, dass sie kommt…

Dies ist die Ausgangslage für den verzwickten Familienroman, der in den Jahren 1930-33 angesiedelt ist. Zu den privaten Probleme kommen für Alice und alle anderen Hauptpersonen auch noch viele von außen dazu. Die Zeiten auf den Straßen werden rauer, Nationalsozialisten sind auf dem Vormarsch und setzen alles daran, ihre erste große Wahl zu gewinnen.

Berlin entwickelt sich von der kunterbunten, multikulturellen Großstadt zu einem kalten, grauen Ort, an dem die Angst regiert. Zwar wird das auch thematisiert im Roman, aber dadurch, dass wirklich viele Themen auch glaubhaft miteinander verknüpft sind, kommt das einzelne öfter auch zu kurz.

Anhand Alices Erlebnissen gibt es viel fürs Herz, Geheimnisse, die gelüftet werden, Streit, Nazipropaganda, Kunstunterricht und nebenbei noch etwas Gesellschaftsanalyse der damaligen Zeit. Im Privaten war die sexuelle Orientierung bei vielen beispielsweise komplett offen, wenn auch nicht öffentlich damit geprahlt wurde.

Durch dies und einige andere Details vermittelt Alexandra Cedrino den damaligen Zeitgeist sehr gut und überzeugt natürlich auch, wenn es um die bildenden Künste und den Galeriealltag geht. Wobei ich mir davon - weil titelgebend - noch mehr gewünscht hätte.

Vom gesamten Fokus her war es mir im Mittelteil doch etwas zu “allgemein”, da hätten mich schon mehr die familiären Abgründe oder intensive Galeriearbeit interessiert. Da schien eher wenig zu passieren, da gab es doch sehr viel Lovestory.

Wie der kurze Autorentext verrät, sind noch zwei Nachfolger geplant, es soll eine Trilogie werden. Ich bin gespannt, denn eigentlich bin ich mit diesem “happy end” zufrieden und hätte mich nicht unbedingt gefragt wie es mit den beiden weitergeht. Eher dann doch wie es in Berlin weitergeht. Aber ich denke nicht, dass die Hauptfigur nicht mehr vorkommen wird in den nächsten Bänden.

Das Cover ist ein Blickfänger, allerdings für mich eher weil die Frau nicht so ganz zum eleganten Rest passt. Die grün-blauen Farbflächen, die Schrift und Linien golden, das wirkt stimmig und sehr edel. Die aus einem Fotos von damals ausgeschnittene Person (war das Original überhaupt in Farbe?) ist eher ein Fremdkörper, noch dazu wo sie vom Licht von hinten angestrahlt wird.

Veröffentlicht am 12.02.2020

Atmosphärisch gelungener Nordland-Krimi

Doggerland. Tiefer Fall
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Was den Titel angeht, bin ich nicht ganz sicher, wie der zur Geschichte passt, das Original (Sturmwarnung) finde ich besser gewählt. Abgesehen davon ist dieser Kriminalroman der schwedischen Autorin Maria ...

Was den Titel angeht, bin ich nicht ganz sicher, wie der zur Geschichte passt, das Original (Sturmwarnung) finde ich besser gewählt. Abgesehen davon ist dieser Kriminalroman der schwedischen Autorin Maria Adolfsson aber gelungen.

Ihrer Protagonistin, Kommissarin Karen Eiken Hornby, bürdet privat und beruflich einiges auf. Auch erfährt man ein wenig darüber was in Band 1 (Fehltritt) passiert ist. Sie ist zu Beginn deshalb krankgeschrieben und wie das so ist, muss sie einspringen und steht somit recht plötzlich wieder im Dienst.

Anlass ist ein unfreiwillig verunfallter Pensionist der auf der zu Doggerland gehörenden Insel Noorö lebte. Passenderweise hat Karen dort auch Familienbande, sie ist also die Idealbesetzung als Ermittlerin.

Doggerland ist eine fiktive Inselgruppe zwischen Großbritannien und Norwegen (Karte im hinteren Umschlag), was sich auch dadurch äußert, dass sehr enge Bande zum Vereinigten Königreich bestehen, viele Familien beide Nationalitäten beinhalten was sich im Namen äußert. (Der Name “Doggerland” ist aber tatsächlich überliefert und bezeichnet die Landmasse, die vor 10.000 Jahren Kontinentaleuropa und das spätere Großbritannien verband)

Die genauso fiktiven Charaktere hat man bald ebenso liebgewonnen (oder, im Fall der Verdächtigen, kennengelernt) wie die Inseln und alles zusammen ergibt ein sehr atmosphärisches, eindringliches Bild. Auch wenn leider Morde passieren und jemand dafür verantwortlich sein muss.

Durch die vielen Nebengeschichten vergisst man zwischendurch fast, dass es eigentlich Ermittlungen gibt, wobei es Karen da manchmal nicht anders ergeht. So ist die Krimihandlung nicht sehr geradlinig und flott, aber es tut sich immer etwas. Im vorderen Umschlag gibt es einen Hinweis auf den nächsten, dritten Band. Auf “Fester Grund” (soll Ende 2020 erscheinen) dürfen wir uns schon freuen. Bis dahin lässt sich die Zeit auch mit dem Nachlesen von Teil 1 überbrücken.

Veröffentlicht am 12.02.2020

Humor, Action und illustre Charaktere in einem gut konstruierten Thriller

Wolves – Die Jagd beginnt
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“Wolves” ist nach “Ragdoll” und “Hangman” der dritte Thriller rund um William Fawkes, seines Zeichens Londoner Detective und das schwarze Schaf dieser Familie. Nach einiger selbst gewählter Abwesenheit ...

“Wolves” ist nach “Ragdoll” und “Hangman” der dritte Thriller rund um William Fawkes, seines Zeichens Londoner Detective und das schwarze Schaf dieser Familie. Nach einiger selbst gewählter Abwesenheit taucht er plötzlich wieder auf, als er von einem vermeintlichen Selbstmord hört. Er will den Fall näher untersuchen, muss zuerst aber verhindern, von seinen eigenen Kollegen eingesperrt zu werden.

Der gute “Wolf” hat einiges auf dem Kerbholz, das wird auch für die Leser klar, die die beiden ersten Bände nicht kennen. Aber so wie er wirkt, hat er jegliche Gesetzesübertretungen nur zu seinem Besten begangen. Der Anti-Held, der immer richtig liegt also. Ob er das auch in diesem Fall tut?

Er kann die richtigen Leute überzeugen und beginnt zu ermitteln, gräbt in der Vergangenheit und wird dabei selbst hinters Licht geführt.

Kuriose, illustre Charaktere und ein gewisser britischer Humor sowie einiges an Action säumen Wolfs Weg. Die Aufklärung ist stimmig, der Schreibstil unaufgeregt und die kurzen Abschnitte machen das Buch zum Pageturner. “Ragdoll” steht hier schon im Regal, das wird sicher bald mal fällig.