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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2026

Die Miss Marple der Antiquitäten

Mord an Backbord
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Dieser britische Krimi ist Band 2 der Reihe um die Antiquitätenhändlerin Freya Lockwood. Es gibt ein paar Anspielungen auf den ersten Teil, die aber nicht negativ hervorstechen. Man kann die Teile also ...

Dieser britische Krimi ist Band 2 der Reihe um die Antiquitätenhändlerin Freya Lockwood. Es gibt ein paar Anspielungen auf den ersten Teil, die aber nicht negativ hervorstechen. Man kann die Teile also gut unabhängig voneinander lesen. 

Freya führt gemeinsam mit ihrer Tante einen kleinen Laden, den sie von ihrem väterlichen Freund Arthur Crockleford übernommen hat. Dieser war der beste Freund ihrer Tante und gleichzeitig Fahnder nach gestohlenen Kunstgegenständen. Dabei hatte ihm auch Freya schon öfter geholfen. 

Nun stoßen die beiden Frauen in Arthurs Vermächtnis unter anderem auf bestimmte Hinweise zu gestohlenen Kunstwerken. Die ihnen angeborene unbändige Neugier treibt sie aus dem Dorf Little Meddington hinaus in die Welt. Sie heften sich den Verbrechern und der Kunst auf die Spur und kombinieren sich in “Mord an Backbord” durch eine mörderische Verschwörung rund um eine reiche und mächtige Gruppe skrupelloser besitzwütiger Kunstsammler. 

Die Ausgangslage ist spannend, die Geschichte durchdacht und gleichermaßen gespickt mit historischem Wissen und skurrilen Charakteren. Freya und ihre Tante Carole sind natürlich Amateure, sie gehen nicht immer ganz logisch vor und begeben sich auch schon einmal in Gefahr. Aber mit Witz und Unverfrorenheit können sie sich meist ganz gut behaupten. 

Zwischendurch kommen ganz schön viele Personen zusammen - für alle, die öfter (längere) Pausen einplanen müssen und die gut 380 Seiten nicht im Eiltempo durchlesen können, empfiehlt es sich vielleicht, ein kleines eigenes Personenverzeichnis anzulegen.

Veröffentlicht am 22.02.2026

Fiktion, eingebettet in die nähere Vergangenheit

Reykjavík
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Da ich von Ragnar Jónasson schon einige Bücher und Reihen gelesen habe, habe ich diesen Islandthriller gefunden. Als reinen, klassischen “Thriller” habe ich die knapp 350 Seiten nicht empfunden - die spannende ...

Da ich von Ragnar Jónasson schon einige Bücher und Reihen gelesen habe, habe ich diesen Islandthriller gefunden. Als reinen, klassischen “Thriller” habe ich die knapp 350 Seiten nicht empfunden - die spannende Geschichte unterhält aber dennoch wie gewohnt sehr gut. 

Für dieses Buch hat Jónasson sich mit Katrín Jakobsdóttir zusammengetan, die beiden erklären ihre Gedanken und die Entstehung des Buches im Nachwort. Zusätzlich gibt es im Buch ein paar Erklärungen zur Aussprache der isländischen Namen und Bezeichnungen. Es ist allerdings sehr schwer, im Kopf dauerhaft dabeizubleiben. Aber auch mit “falschen” Namen bleibt die Handlung interessant und gut strukturiert. 

Der Journalist Valur macht sich daran, einen “Cold Case” für eine Wochenzeitung wieder aufzubereiten. Ein Teenager verschwand vor 30 Jahren spurlos von einer kleinen Insel in der Nähe von Reykjavík. Aus der Recherche für seine Artikel ergeben sich nach und nach ein paar neuere Informationen. Durch den Erfolg der Texte gerät er ins öffentliche Interesse. Dann bekommt er auch noch einen mysteriösen Anruf mit Hinweisen. 

Was an diesem Krimi ein bisschen anders, besonderer, ist als bei vergleichbaren Geschichten, in denen Journalisten ermitteln, ist, dass nicht nur der “Cold Case” länger zurückliegt, sondern auch die Ereignisse der neuen Ermittlungen in der Vergangenheit platziert sind. Die Autoren haben sich dazu entschlossen, sie im Island des Jahres 1986 spielen zu lassen. 

Das ergibt einige Wendungen und Hindernisse, die uns heutzutage fast anachronistisch erscheinen - Telefon gab es nur zuhause und man musste sich darauf verlassen, dass alle Beteiligten sich Treffpunkte und Uhrzeiten genau notierten. Radio und Fernsehen waren wichtige Informationsquellen und es gab nur wenige Programme. 

Im Hintergrund der fiktiven Handlung strahlt auch die tatsächliche Geschichte immer wieder durch. Die Hauptstadt feierte ihr 200-jähriges Bestehen und das mögliche Ende des Kalten Krieges erfasst Island auf ganz eigene Weise.

Veröffentlicht am 09.01.2026

(K)eine glatte Sache

Schneegestöber im kleinen Katzencafé
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Ich greife nicht allzu viel vor, wenn ich sage, dass das Ende dieser Cozy-Winterromanze zwar wie erwartet endet, der Weg dahin ist aber natürlich nicht so glatt (nur die Straßen sind es). In einer kleinen ...

Ich greife nicht allzu viel vor, wenn ich sage, dass das Ende dieser Cozy-Winterromanze zwar wie erwartet endet, der Weg dahin ist aber natürlich nicht so glatt (nur die Straßen sind es). In einer kleinen englischen Stadt betreibt Sylvie ein Katzencafé mit allem, was dazugehört. 

Bei ihr im Gebäude in den Stockwerken darüber wohnt auch ihre Nichte Emmie, die gerade eine schwere Zeit durchmacht und vorübergehend im Café arbeitet. Ihr Traum ist es, mit ihrer Kunst erfolgreich zu sein. 

Neben weiteren Café-Mitarbeiterinnen lernen wir auch noch Jared kennen. Ihm geht es noch schlechter als Emmie. Dazu werde ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber ein Hinweis sei gesagt: Dieses Buch ist zwar einerseits aufgrund der vielen Details rund um Katzen natürlich stark auf Katzenfans ausgerichtet und für diese grundsätzlich auch empfehlenswert. 

Aber es gibt nicht nur “heile Welt” - wer also kürzlich traurige Erlebnisse mit einer Katze hatte oder sehr stark auf schwierige Katzenschicksale reagiert, sollte hier vorsichtig an die Sache herangehen und Taschentücher griffbereit haben. Mich berührten manche Katzenszenen teilweise mehr als die zwischen den menschlichen Protagonisten. 

Ansonsten gibt es fast 350 Seiten liebevolle, humorvolle und tief winterliche Episoden aus dem Leben rund um das Café, seine Betreiber und ihr Privatleben. Mir persönlich haben viele kleine Sichtweisen auf die verschiedenen Katzen sehr gut gefallen, denn für Katzenliebhaber ist das allermeiste davon im Alltag wirklich so und keine Erfindung der Autorin. Natürlich lebt auch Rachel Rowlands mit Katzen zusammen, ansonsten könnten viele Beobachtungen gar nicht so gut beschrieben werden. 

Toll sind auch die Ideen, welche Speisen mit Katzen-Bezug im Café angeboten werden. Hier wäre es schön, auch das eine oder andere Rezept bzw. Dekorationsanleitung im Buch zu haben.

Veröffentlicht am 30.11.2025

Mathildes Vergangenheit

Felix Blom - Mord an der Spree
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Wie Felix Blom ein Meister seínes Faches ist auch Alex Beer eine Meisterin ihres. Historische Begebenheiten “kriminalistisch” zu interpretieren und daraus eine fesselnde Geschichte zu formen, glückt der ...

Wie Felix Blom ein Meister seínes Faches ist auch Alex Beer eine Meisterin ihres. Historische Begebenheiten “kriminalistisch” zu interpretieren und daraus eine fesselnde Geschichte zu formen, glückt der Autorin wie immer meisterlich.

Egal, ob Wien (Emmerich-Reihe) oder Berlin (Blom-Reihe), sie recherchiert akribisch und hat dazu ein Talent, sympathische (und andere) Figuren in die damalige Zeit zu setzen, die sich nahtlos in die Historie einfügen.

Felix Blom, ehemaliger Meisterdieb und Strafgefangener, ist nun Teil einer erfolgreichen Privatdetektei. Abgesehen davon ist auch einiges andere an ihm ungewöhnlich: Die Detektei gehört einer Frau, Mathilde Voss, die er überaus schätzt. Er setzt seine Fähigkeiten (fast) nur mehr für die gute Seite ein und überwindet, wenn nötig, seine Abneigung gegen Gefängnisse und Kommissare.

Einer jener ist Bruno Harting, der Blom ähnlicher ist, als er es je zugeben würden. Sie stehen in vielen Punkten auf der gleichen Seite und müssen dieses Mal enger zusammenarbeiten als je zuvor. Die Entwicklung dieser “Beziehung” zwischen Ex-Dieb und Gesetzeshüter, prägt diesen Krimi. Sie entwickelt eine eigene Dynamik und rückt Harting in ein anderes Licht. Es zeigt sich, dass nicht nur Voss und Blom ihr Herz am rechten Fleck haben, sondern, dass auch Harting “einer von den Guten” ist.

Abseits der zarten Männerfreundschaft, die hier entstehen könnte, dreht sich “Mord an der Spree” dieses Mal nicht um Einbrüche und Verbrechen außerhalb der Detektei. Wir lernen Mathilde Voss besser kennen und tauchen in ihre Vergangenheit ein.

Das bringt unangenehme Geheimnisse mit sich, die sich bis in die Gegenwart des Jahres 1879 ziehen. Mathilde wird von den Ereignissen eingeholt. Am Ende findet sie sich in einer ausweglosen Situation und kann nur noch auf Blom und Harting hoffen.

Veröffentlicht am 02.11.2025

Fantastisch kriminalistisch

Manche Schuld vergeht nie
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Die Autorin kannte ich bisher nicht und habe mir zum Buch nur angesehen, dass es ein London-Krimi, teilweise historisch, ist, was mir eigentlich immer gefällt.

Nun, ich war zu Beginn kurz skeptisch, als ...

Die Autorin kannte ich bisher nicht und habe mir zum Buch nur angesehen, dass es ein London-Krimi, teilweise historisch, ist, was mir eigentlich immer gefällt.

Nun, ich war zu Beginn kurz skeptisch, als das Hauptthema der Geschichte - Zeitreisen - erwähnt wurden. Aber sowohl die Darstellung und Verwendung dieser als auch die generelle Handlung und der Stil der Autorin haben mich allesamt postivi überrascht und auch begeistert.

Im Zentrum des Krimis steht eine Gruppe Ermittler, die durch ein geheimes Projekt der Klärung lange zurückliegender Verbrechen näherkommen möchten. Das Problem: Niemand darf erfahren, was sie tun und auch ihre Ergebnisse sind nicht allgemein bekannt. Wer würde ihnen schon glauben?

Dem 350 Seiten starken Krimi merkt man die genaue Recherche an und jene Teile der Geschichte, die natürlich unrealistisch sind, sind dennoch in der Handlung so ausgeführt, dass es nicht mehr ganz so unwahrscheinlich wirkt.

Wer also gerne historische Aspekte und britische Krimis mag und sich auch wissenschaftlich interessiert und auf die kleinen Sci-Fi-Elemente einlassen kann, findet in “Manche Schuld vergeht nie” einen rundum unterhaltsamen und fesselnden Kriminalroman. Und keine Sorge, die Hälfte davon spielt im Jahr 2023, es gibt also auch genügend zeitgenössische Kapitel.

Die Gegensätze zwischen der Gegenwart und dem Jahr 1850 sind es auch, die das Buch zu einem gewissen Grad sehr faszinierend machen, genauso wie einige schwer durchschaubare Charaktere. Genauso wie die Hauptfigur, Kriminalbeamtin Ali Dawson, schätzt man auch beim Lesen plötzlich all die modernen Annehmlichkeiten wieder mehr und es wird einem bewusst, welche Fortschritte es im täglichen Leben gab, die wir heute als selbstverständlich betrachten, weil wir es gar nicht anders kennen.