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Veröffentlicht am 12.06.2026

Spannender Krimi mit aktuellen Themen

Sturm über Christiansø
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Lennart Ipsen, der deutsch-dänische Kripoleiter auf Bornholm, ermittelt wieder. Gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen Britta und Tao sowie einem Spurensicherer, einer Gerichtsmedizinerin, einem pensionierten ...

Lennart Ipsen, der deutsch-dänische Kripoleiter auf Bornholm, ermittelt wieder. Gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen Britta und Tao sowie einem Spurensicherer, einer Gerichtsmedizinerin, einem pensionierten Apotheker und den Kollegen der Küstenwache, die als Wassertaxi dienen, löst er dieses Mal einen Fall rund um eine populäre junge Umweltschützerin. 

Anna Steenberg, gebürtig von Christiansø, wird vermisst. Auf ihrem Boot finden sich verdächtige Spuren und sowohl ihr Freund als auch ihre Familie, die Aktivistengruppe, die sie leitet, als auch deren Gegner scheinen nicht ganz ehrlich zu den Ermittlern zu sein. Gab es Machtkämpfe oder fand ein Eifersuchtsdrama seinen unrühmlichen Höhepunkt? 

Packend und unterhaltsam schildert der Autor die Vorgehensweise des kleinen Teams, die aufgrund der kleinen Inseln und der häufigen Fahrten übers Meer des Öfteren mit der Natur und ihren Launen zu kämpfen haben. 

Nebenbei erfährt man auch einiges über die Zukunft der Energieerzeugung und die Vorreiterrolle des Eilands. Auch die Pharmabranche ist sozusagen in den Fall involviert. Und als wären diese heißen, geopolitischen Themen noch nicht genug, soll Lennart auch noch eine Segelprüfung absolvieren, gemeinsam mit seiner Tochter - die scheinbar wesentlich mehr Zeit fürs Lernen aufwenden kann als der vielbeschäftigte Ermittler. 

“Sturm über Christiansø” ist der vierte Band der Reihe des durch die Kluftinger-Krimis (gemeinsam mit Volker Klüpfel) bekannt gewordenen Allgäuer Autors. Man kann aber auch alle Bände einzeln lesen und versteht bis auf wenige Details in den Anspielungen alles trotzdem sehr gut.

Veröffentlicht am 06.06.2026

Rau wie die See, packend wie die Realität

Lieblingsleichen
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Diese 315 Seiten vergingen wie im Flug. “Lieblingsleichen” ist Band 4 der Knudsen/La Lotse-Reihe von Kester Schlenz und Jan Jepsen. Die beiden (Wahl-)Hamburger schicken ihre LKA-Ermittler Thies Knudsen ...

Diese 315 Seiten vergingen wie im Flug. “Lieblingsleichen” ist Band 4 der Knudsen/La Lotse-Reihe von Kester Schlenz und Jan Jepsen. Die beiden (Wahl-)Hamburger schicken ihre LKA-Ermittler Thies Knudsen und Dörte Eichhorn gegen das Verbrechen in der Hansestadt auf die Straßen. 

Bei der Leiche eines Obdachlosen wird ein Zettel gefunden, der ihnen zwar Hinweise auf Täter und Motiv liefert, aber gleichzeitig auch eine Ankündigung beinhaltet. Wird es weitere Opfer geben? Die große Jagd beginnt, immer wieder von genau der richtigen Dosis an Nebenhandlung unterbrochen. Die Spannung bleibt hoch, keiner der Erzählstränge wird zu lange zelebriert, ehe ein Wechsel kommt. 

Die Autoren thematisieren hier einerseits radikale Rechte, Fremdenfeindlichkeit und ähnliches Gedankengut. Andererseits stellen sie auch eine sehr soziale Ader zur Schau und weisen auf ein anderes, ihnen wichtiges Thema hin: Bedürftige und Obdachlose. Penner, wie  Knudsen sagen würde. 

Die Figuren im Buch sind fiktiv, aber ihre Schicksale und die Reaktion anderer auf ihre Anwesenheit, ja ihre Existenz, sind es nicht. Wenn nach der Lektüre auch nur eine Person bei der nächsten Begegnung ihre Haltung und Vorurteile gegenüber Menschen, die auf der Straße leben (müssen), hinterfragt, ist schon etwas gewonnen. 

Es gibt natürlich Dinge und Hinweise in diesem Krimi, die auf frühere Ereignisse in der Reihe verweisen, aber nicht so stark, dass man hier nicht gut unterhalten werden würde. Es gibt nicht zu viele Hauptcharaktere und sobald man alle etwas besser kennt, kommt man eigentlich gut mit allen aus. 

Trotz viel Regens und schlechten Wetters im Krimi kommt Hamburg an sich auch nicht so übel weg. Wer noch nicht an den im Buch beschriebenen, realen Schauplätzen gewesen ist, bekommt trotz des ernsten und beklemmenden Themas Lust, einmal (wieder) die Stadt im Norden zu besuchen. Falls sich das nicht ausgeht, genieße ich dann zumindest hoffentlich den nächsten Band der Reihe.

Veröffentlicht am 10.05.2026

Gerechtigkeitssinn und Draufgängertum

Blutregen
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Der Titel des sechsten Falls mit Emma Ramm und Alexander Blix fügt sich natürlich gut in die Reihe ein, aber im Wesentlichen regnet er in diesem Krimi nicht Blut, sondern vielmehr Patronen. Schüsse, die ...

Der Titel des sechsten Falls mit Emma Ramm und Alexander Blix fügt sich natürlich gut in die Reihe ein, aber im Wesentlichen regnet er in diesem Krimi nicht Blut, sondern vielmehr Patronen. Schüsse, die die Osloer Innenstadt in Aufruhr versetzen. 

Blix und Emma, die gemeinsam einen Privatdetektei führen, geraten durch Zufall mitten in einen neuen, großen Fall. Die ehemalige Journalistin und der ehemalige Polizeiermittler können und wollen nicht hinnehmen, dass die Polizei bei ihren Nachforschungen zu einem möglichen Serienattentäter, der als Heckenschütze scheinbar wahllos in die Menge schießt, nicht so recht vorankommt. Zudem ist auch noch Emmas Familie direkt betroffen. Die beiden stellen also eigene Ermittlungen an und über Blix’ alte Kontakte helfen sie der Polizei, ob diese nun will oder nicht. 

Thomas Enger und Jørn Lier Horst schaffen es wie gewohnt, die 430 Seiten dank eher kurzer Kapitel und mehreren Schauplatzwechsel nur so verfliegen zu lassen. Blix ist im Vergleich zu Beginn der Serie nun zwar immer noch ein Mensch mit viel Gerechtigkeitssinn, feinem Gespür und einer Portion Draufgängertum, aber da er nicht mehr über die Ressourcen der Polizei verfügt, bewegt er sich allmählich in “gemäßigteren” Bahnen. Er ist immer noch sehr sehr gut, aber kein unbesiegbarer Superman mehr. 

Emma lernen wir in “Blutregen” von einer neuen Seite kennen, aber davon möchte ich nicht zu viel verraten. Beide, sie und Blix, haben zudem viel durchgemacht und in ganz wenigen Szenen wird auch auf Vergangenes angespielt. Wer die früheren Bände kennt, weiß dann auch, warum sich die beiden manchmal eben so verhalten, wie sie sich verhalten. Aber grundsätzlich sind die Fälle alle gut individuell lesbar und unterhalten Krimifans auf jeden Fall zuverlässig.

Veröffentlicht am 26.04.2026

Zwischen Idylle, Hingabe und großen Hürden

Gekommen, um zu bleiben
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Vorweg: Ich kannte Madeleine Becker bisher weder durch ihre Bücher noch durch Social Media. Aber da ich immer wieder auch bewusst etwas abseits meiner Krimis/Thriller lese und hier Österreich auch eine ...

Vorweg: Ich kannte Madeleine Becker bisher weder durch ihre Bücher noch durch Social Media. Aber da ich immer wieder auch bewusst etwas abseits meiner Krimis/Thriller lese und hier Österreich auch eine große Rolle spielt, war ich neugierig. 

Mir gefiel, dass sie einerseits ihre Situation (kaufte mit ihrem Lebensgefährten Lukas  einen alten kleinen Bauernhof in der Steiermark und bewirtschaftet diesen mit ihm und den gut 30 Tieren) erklärt, wie es dazu kam, dass sie nun so lebt (leben kann) wie sie das tut und gleichzeitig nicht zu sehr romantisiert. 

Zu sagen, ab morgen steige ich aus allem aus und bin Selberversorger auf einem Hof, mag ja aus der Umwelt- und der Entschleunigungsperspektive interessant sein, dennoch ist es so, dass die Art Landwirtschaft, die sich viele vorstellen und die Art, die auch wirklich ein ausreichendes Einkommen bringt, komplett verschieden sind. Madeleine und Lukas betreiben Landwirtschaft, aber leben müssen sie von ihren jeweiligen Jobs als Rettungssanitäter bzw. Autorin. 

“Gekommen, um zu bleiben” zeigt die schönen, aber auch die vielen harten Seiten des vermeintlich so idealen “Aussteigerlebens”. Wirklich auszusteigen ist natürlich nicht möglich, die beiden stecken jede Minute ihrer Freizeit in die Renovierung der Gebäude auf dem Hof und die Betreuung der Tiere bzw. Pflege von Beeten, Wiesen und Bäumen. 

Es gibt Lichtblicke, aber auch Schattenseiten und viel Trauriges vom Leben auf dem Hof. Vieles kann man sich als “Stadtmensch” gar nicht vorstellen. Plötzlich schätzt man Dinge, die selbstverständlich sind, wieder umso mehr. Öffentliche Wasserversorgung gibt es auf dem Hof zum Beispiel nicht. 

Zwischen den Erlebnissen auf dem Hof und der harten, aufreibenden Arbeit gibt es auch Einblicke in zwei damit zusammenhängende Bereiche. Einerseits bekommt man auch ein bisschen mit, was so ein Alltag mit einer Beziehung anstellt; andererseits wirft die Autorin auch einen Blick auf die “Branche” an sich. 

Da sie vor diesem kleinen Hof auf dem fast-Erbhof ihres Lebensgefährten gelebt und gearbeitet hat, kennt sie auch diesen Zugang zur Landwirtschaft. Druck, Automatisation, Profit - was alles zur konventionellen Landwirtschaft gehört. Sie versteht also beide Seiten - die “produzierende” und die “ökologische”. Ich dividiere das einmal so pauschal auseinander, auch wenn das eine nicht immer das andere ausschließen muss. 

Wie auch Madeleine Becker im Buch bedaure ich, dass sich da die Fronten anscheinend so verhärtet haben und die einen als Tierquäler, die anderen als Öko-Fuzzis gesehen und verurteilt werden. Und so wird aus einem eigentlich harmlosen, gewissermaßen öffentlichen Tagebuch auch ein Denkanstoß für den Leser selbst. Was kann ich dazu beitragen, unsere Bauern, unsere Lebensmittelproduktion, zu unterstützen, aber den Druck auf die Umwelt, der durch das “zu viel” immer größer wird, nicht noch zu befeuern?

Veröffentlicht am 08.04.2026

Ihr nehmt euch alles. Und dann wundert ihr euch, dass nix mehr da ist.

EDEN - Wenn das Sterben beginnt
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Als ich in “Eden” zum ersten Mal den Namen Piero Manzano las, kam er mir vage bekannt vor. “Eden” schließt gewissermaßen an “Blackout” an, wir treffen unseren italienischen IT-Helden von damals nun wieder. ...

Als ich in “Eden” zum ersten Mal den Namen Piero Manzano las, kam er mir vage bekannt vor. “Eden” schließt gewissermaßen an “Blackout” an, wir treffen unseren italienischen IT-Helden von damals nun wieder. Natürlich ist “Eden” aber keine Fortsetzung im engeren Sinn, alle Bücher von Marc Elsberg sind unabhängig voneinander lesbar. 

Was seine Bücher allerdings gemeinsam haben - und was auch für “Eden” gilt - sind die unglaublich akribische Recherche, der große thematische Umfang und die Art der Erzählung, die jedes Mal einen Nerv trifft. 

Basierend auf wissenschaftlichen Fakten und Analysen spinnt Elsberg ein sehr glaubhaftes Szenario: Läuft alles ungebremst weiter wie bisher, erodiert unser globales System möglicherweise an mehreren Stellen - und das zeitlich eng beisammen. Wird auf diese Zusammenhänge keine Rücksicht genommen, müssen wir vielleicht gar nicht auf das Ende der nicht erneuerbaren Energiequellen warten, bis es so richtig ungemütlich wird. 

Mit dem Kniff, den zuerst eher oberflächlichen Sunnyboy-Influencer Linus Strand zu einer der Hauptfiguren zu machen, könnte hier auch wirklich die jüngere Generation eingebunden werden. Auch wenn es viele Seiten (760) zu lesen gibt, hoffe ich, dass sich auch die Digital Natives hier durchbeißen und ihre Gedanken dazu machen. 

Social Media spielt in “Eden” eine nicht zu unterschätzende Rolle und auch wenn gezeigt wird, wie diese Industrie aus falschen Motiven missbraucht werden kann (und sicher wird), so dient sie hier gleichzeitig auch als Werkzeug der “Guten”. Aus belanglosen Marketing-Videos werden fundierte, tiefergehende Clips, die tatsächlich viel bewegen können. 

Abgesehen von der Botschaft und dem Appell, wie wir mit unseren Ressourcen und der Umwelt umgehen sollten (und wie besser nicht), zeigt das Buch auch, wie man eine Onlinepräsenz und die Erstellung digitaler Inhalte dafür nutzen könnte, wichtige Inhalte auch an jene zu bekommen, die sich kaum oder nicht mehr über konventionelle Medien informieren. Dabei ist nicht nur der Verbreitungskanal wichtig, sondern vor allem der Inhalt. Überlassen wir radikalen Sichtweisen und egoistischen Motiven nicht das Internet. Fördern wir unsere “Linus Strands”.