Wenn Fußballgeschichte plötzlich richtig wehtut
Manchmal liegt ein Buch vor einem und man weiß schon nach wenigen Seiten: Das wird kein gemütlicher Fußballabend mit Chips, Nostalgie und „Weißt du noch damals?“. Die Raute unterm Hakenkreuz geht dahin, ...
Manchmal liegt ein Buch vor einem und man weiß schon nach wenigen Seiten: Das wird kein gemütlicher Fußballabend mit Chips, Nostalgie und „Weißt du noch damals?“. Die Raute unterm Hakenkreuz geht dahin, wo es unbequem wird. Genau deshalb ist dieses Buch so wichtig.
Werner Skrentny und die weiteren Autoren schauen nicht verklärt auf Vereinsgeschichte, sondern legen den Finger in eine Wunde, die viel zu lange nicht richtig sichtbar war. Der HSV in der Zeit des Nationalsozialismus, das klingt erstmal nach Sportgeschichte, nach Archiv, nach alten Namen und Daten. Aber ziemlich schnell merkt man: Hier geht es um Menschen. Um Karrieren, Schuld, Ausgrenzung, Mitläufertum, Macht und Schicksale, die einem wirklich im Hals stecken bleiben.
Besonders die Geschichte von Otto Harder und Asbjörn Halvorsen hat mich gepackt. Zwei Männer, einst gemeinsam Meister mit dem HSV, später auf völlig unterschiedlichen Seiten eines unfassbaren Grauens. Harder als KZ-Kommandant, Halvorsen als Häftling. Da sitzt man dann da, klappt das Buch kurz zu und denkt nur: Fußball kann so viel erzählen, wenn man ehrlich hinschaut.
Das Buch ist kein leichter Stoff und will es auch nicht sein. Es ist dicht, gründlich und manchmal richtig schwer auszuhalten. Aber gerade diese Mischung aus Fußballgeschichte und menschlicher Tragödie macht es so stark. Keine billige Betroffenheit, kein erhobener Zeigefinger im Dauermodus, sondern eine ernsthafte Aufarbeitung, die Respekt verdient.
Für HSV-Fans ist das sicher Pflichtlektüre, aber eigentlich geht es weit darüber hinaus. Dieses Buch zeigt, dass Vereinsgeschichte nicht nur aus Titeln, Tabellen und Heldenmomenten besteht. Manchmal muss man auch dahin schauen, wo es weh tut.