Unterhaltsam, aber mit kleinen Längen
Im Seniorenstift Haus Silberblick soll endlich etwas Leben in den Alltag einkehren. Der ehemalige Feuilletonchef Friedhelm Klemp plant eine Aufführung von Shakespeares Hamlet und trommelt dafür eine Gruppe ...
Im Seniorenstift Haus Silberblick soll endlich etwas Leben in den Alltag einkehren. Der ehemalige Feuilletonchef Friedhelm Klemp plant eine Aufführung von Shakespeares Hamlet und trommelt dafür eine Gruppe Mitstreiter zusammen. Doch schon bei der ersten Probe nimmt das Projekt eine unerwartete Wendung: Der Mops einer Bewohnerin wird tot aufgefunden. Als sich herausstellt, dass das Tier erschossen wurde, beginnt Katia Horenfeld gemeinsam mit ihren Mitbewohnern zu ermitteln. Lange dauert es nicht, bis ein weiterer Todesfall die Senioren auf eine weit größere Spur führt.
Die Idee hinter dem Buch hat mich sofort angesprochen. Ein Seniorenheim als Schauplatz, eine Theatergruppe, die nebenbei einen Kriminalfall löst, und dazu viele schrullige Bewohner – das versprach einen unterhaltsamen Cosy Crime mit einer guten Portion Humor.
Der Schreibstil ist angenehm leicht und flüssig, sodass ich schnell in die Geschichte gefunden habe. Besonders die unterschiedlichen Bewohner des Seniorenstifts sorgen immer wieder für unterhaltsame Momente. Mit ihren Eigenheiten und Spitznamen bringen sie viel Charme in die Handlung und einige Szenen waren wirklich amüsant.
Allerdings braucht die Geschichte etwas Zeit, bis sie richtig in Fahrt kommt. Die Spannung entwickelt sich eher gemächlich und rückt zeitweise hinter den Theaterproben und den zahlreichen Anspielungen auf Hamlet in den Hintergrund. Wer mit Shakespeare vertraut ist, wird daran vermutlich seine Freude haben. Mir waren diese Bezüge stellenweise jedoch etwas zu präsent und sie lenkten mich immer wieder von der eigentlichen Krimihandlung ab.
Auch die große Anzahl an Figuren machte es mir nicht immer leicht. Einige Charaktere bleiben dadurch etwas oberflächlich und ich hätte mir an manchen Stellen eine bessere Übersicht oder etwas mehr Tiefe gewünscht. Hinzu kommt, dass manche Wendungen etwas konstruiert wirken und mich die Auflösung letztlich nicht vollkommen überraschen konnte.
Dennoch bietet Crime im Heim eine originelle Idee, sympathische Senioren und viele charmante Szenen. Wer gemütliche Krimis mit skurrilen Figuren, einem humorvollen Ton und einer Prise Theater mag, dürfte hier gut unterhalten werden. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Spannung und einen stärkeren Fokus auf den eigentlichen Kriminalfall gewünscht.