wundervolle Geschichte, berührend und einfühlsam erzählt
Laura Imai Messina lässt ihren neuen Roman „Das Postamt der verlorenen Briefe“ ebenfalls, wie in „Die Telefonzelle am Ende der Welt“, der mich beeindruckt und neugierig auf dieses Werk gemacht hat, vor ...
Laura Imai Messina lässt ihren neuen Roman „Das Postamt der verlorenen Briefe“ ebenfalls, wie in „Die Telefonzelle am Ende der Welt“, der mich beeindruckt und neugierig auf dieses Werk gemacht hat, vor einem realen Hintergrund spielen. Das „Missing Post Office“ auf der japanischen Insel Awashimi entstand 2013 im Zuge der Kunstausstellung Setouchi Triennale Festival und wurde mit vom damals als „Leiter des Postamtes der Toten“ ernannten Nakata bis heute weitergeführt. Es wurden bislang unzählige Briefe geschrieben, dort aufgehoben, von Menschen, die einen Verlust, beispielsweise durch einen Tod erlitten haben, Erlebnisse nicht loslassen können, auf der Suche nach Jemandem oder Etwas sind, aus Einsamkeit oder Dank schreiben….
Genau dieses Postamt und die Insel Awashimi mit ihren Bewohnern werden zum Handlungsort dieses Romans. Dr. Risa Kato, Tochter eines Briefträgers, der sich schon zu Kinderzeiten um unzustellbare Briefe gekümmert, sie gelesen, Risa vorgelesen, und archiviert hat statt sie, wie es seine Aufgabe wäre, zu entsorgen, auch um ihren Wert zu achten, wird in einem Projekt in eben diesem Postamt der verlorenen Briefe die Flut der eingegangenen Briefe und Postkarten einscannen und archivieren. Sie hat sich freiwillig gemeldet, da sie zum einen alle diese Postsendungen wertschätzt, zum anderen auch darauf hofft, Briefe ihrer Mutter an sie, von der sie weiß, dass sie diese an eben dieses Postamt gesendet hat, zu finden und vieles im Leben ihrer Mutter und auch ihres eigenen besser zu verstehen. Ihre Mutter war sehr zerbrechlich, oft überfordert von der Realität…. Beim Lesen der zu scannenden Briefe erfährt Risa viel über das, was andere beschätigt und sich auch wiederholt, egal woher jemand kommt, regional oder sozial betrachtet, kann sich mit unterschiedlichen Fragen auseinandersetzen…….; mehr verrate ich nicht.
Beeindruckend und ausgesprochen einfühlsam beschreibt Laura Imai Messina, wie wichtig es ist, auch Menschen, die wir nur wenig oder gar nicht kennen wertzuschätzen, unabhängig davon, ob diese einen Einfluss, den man häufig gar nicht direkt wahrnimmt, auf unser Leben haben; sie verdienen alle Wertschätzung, alleine weil sie Menschen sind. Die Suche nach Trost und dem Versuch mit Verlust, Trauer, Einsamkeit und anderem umzugehen, sich durch das Schreiben von Briefen eine Routine aufzubauen, mit seiner belastenden Situation besser klarzukommen, kann man beim Lesen der eingeschobenen Briefe sehr gut nachvollziehen.
Laura Imai Messina, geboren in Rom, wohnt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Tokio. Beim Lesen bemerkt man ständig ihr Hintergrundwissen und ihr Einfühlen in die japanische Lebens- und Denkweise. Nicht nur zur Existenz des Postamts, sondern zu vielen weiteren erwähnten Punkten habe ich im Internet recherchiert, sei es zu den Ruderflußkrebsen oder der Herstellung von senko-hanabi….; neben dem Lesen einer wunderschönen Geschichte habe ich etliches dazugelernt. Wer nach dem Lesen dieses Romans selber einen Brief oder eine Postkarte an das Postamt der verlorenen Briefe schreiben möchte, wird sehr schnell die Adresse finden.