Cover-Bild Komm mit mir
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26,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Polar Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Krimi: Hard Boiled, Roman Noir
  • Genre: Krimis & Thriller / Krimis & Thriller
  • Seitenzahl: 380
  • Ersterscheinung: 20.04.2026
  • ISBN: 9783910918467
Samuel W. Gailey

Komm mit mir

Andrea Stumpf (Übersetzer)

Pastor Cap hat einen Kater. Er verlässt seine Kirche und sieht draußen eine Schar Krähen. Als er versucht, sie zu verscheuchen, entdeckt er, was sie verdecken: eine blutige Leiche. Fünfzehn Tage zuvor bereitet sich die Stadt Walnut Creek auf Ostern vor. Cap ist in seiner ewigen Glaubenskrise gefangen, während seine Teilzeitassistentin Robin versucht, ihren gewalttätigen, alkoholkranken Ehemann davon zu überzeugen, sich um ihrer drei kleinen Kinder willen einen Job zu suchen. Der Sohn von Maggie, die ehrenamtliche Organisatorin der Osterparade ist, leidet in der Mittelschule unter Mobbing. In diese explosive Mischung gerät Tess, eine gehörlose Frau, die vor ihrer Vergangenheit ieht und glaubt, dass sie ihren Problemen nur entkommen kann, wenn sie Selbstmord verübt. Cap rettet sie, kurz bevor ihr Auto in eine Schlucht stürzt, und bietet ihr Unterschlupf in seinem Haus an, während ihr Auto repariert wird. Als er sie fragt, woher sie kommt, schreibt sie „nirgendwo“ auf den Block, den sie zur Kommunikation benutzt. Tess ist bald das Stadtgespräch, löst eine Welle skandalöser Gerüchte aus und bringt das empfindliche Gleichgewicht der Stadtbewohner aus dem Lot. Was die Bewohner für Wahrheit hielten, stellt sich als Lüge heraus.
Selbst Cap muss einsehen, dass sein ganzes Leben darauf basiert, den Glauben seiner Eltern weiterzuführen.

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Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich bei Janko in einem Regal.
  • Janko hat dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2026

- emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama -

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Samuel W. Gailey - Komm mit mir
(Polar Verlag)

- emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama -

Black Walnut, Pennsylvania, Mitte März 1988. Als sich Pastor Cap durch einen ...

Samuel W. Gailey - Komm mit mir
(Polar Verlag)

- emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama -

Black Walnut, Pennsylvania, Mitte März 1988. Als sich Pastor Cap durch einen Schneesturm zu Bonnie, der todkranken Frau von Sheriff Lester kämpft, kracht ihm um ein Haar eine junge Frau frontal in den Wagen. Cap rettet die dennoch verunfallte, offensichtlich taubstumme Frau, die sich als Tess vorstellt und vor irgendetwas oder irgendjemanden auf der Flucht zu sein scheint. Er nimmt sie vorübergehend in seine Obhut, bringt sie im Pfarrhaus unter, fühlt sich aber mehr und mehr zu ihr hingezogen. Doch nicht nur Cap steht auf die exotisch anmutende Tess, die das keine Örtchen Black Walnut allmählich aus dem Gleichgewicht zu hebeln scheint. Als sich die junge Frau Cap gegenüber anvertraut und er das Unfassbare erfährt, das ihr widerfahren ist, scheinen Welten miteinander zu kollidieren. In der weiteren Folge laden viele Handelnde große Schuld auf sich.

In seinen ländlich geprägten Noirs nutzt Samuel W. Gailey eine bildhafte, immersive und vitale Sprache, wie in einem bösen Traum. Dabei führt der US-amerikanische Schriftsteller generell ein üppiges Lokalkolorit im Gepäck, das seinen Romanen eine atmosphärische und emotionale Tiefe verleiht. Die empathisch aufgebauten, von einer melancholischen Tristesse getragenen Plots, beschäftigen sich in der Regel mit gescheiterten Existenzen, versehrten oder verletzten Menschen, ihrer Verzweiflung, der Gewalt, der sie ausgesetzt sind, sowie den Aspekten im Leben, die sie an die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit führen. Häufig ist es das Unausgesprochene, das dem Leser im Kopf bleibt. Es sind eben die verstörenden Bilder, die Gailey seinen Lesern in den Kopf pflanzt, die sie mitleiden lassen und noch lange nachwirken. Gerade weil sein dritter Roman "Komm mit mir" keinen Kriminalfall darstellt, sondern eher das Thema Rural Drama zum Leitmotiv erklärt, steigert sich die Emotionalität im Verlauf der Geschichte ins Unermessliche. Die rücksichtslosen Verletzungen seelischer, wie körperliche Art, die sich Menschen zufügen, der Kampf mit den Dämonen der Vergangenheit, sowie die Endgültigkeit fataler Entscheidungen werden hier zum Fundament. Dabei gibt es auch ein kurzes Wiedersehen mit dem introvertierten und mental retardierten Danny Bedford aus dem Waschsalon in "Tiefer Winter".

Ein weiterer Erzählstrang handelt von Wade, Maggie und ihrem Sohn Butch. Den Respekt längst voreinander verloren, läuft ihre Ehe allmählich aus dem Ruder. Eigentlich geht es ihnen gut, doch sie haben einander nichts mehr zu sagen und bemerken darüber nicht, wie sich der 14-jährige Butch zum Negativen verändert. Auch Robin, der rechten Hand von Pfarrer Cap, ihrem Ehemann Chuck und den drei gemeinsamen Kindern ergeht es nicht viel besser. Finanzielle Not, Missbrauch, Gewalt und Alkoholismus stehen bei Ihnen an der Tagesordnung. Bis Robin eines Tages eine fatale Entscheidung trifft, die ihr Leben grundlegend verändert. Allmählich wird offenbar, dass sämtliche Akteure in Samuel W. Gaileys "Komm mit mir" alle etwas gemein haben, denn sie alle leben eine Lebenslüge, die sie irgendwann einholen wird!

Erstmals im Jahre 2023 unter dem Titel "Come Away From Her" im amerikanischen Original veröffentlicht, rollt Samuel W. Gailey sein emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama "Komm mit mir" ganz gemächlich aus. Der Autor, der in einem Provinznest im Nordosten Pennsylvanias aufwuchs und bereits in der Filmproduktion als Drehbuchautor arbeitete, kennt das Kleinstadtleben mit all seinen Facetten und Widrigkeiten. Das Geflecht und die Zusammenhänge der Menschen, die in der beschaulichen Siedlung im Wyoming County leben, mit ihren alltäglichen Familien- und Kleinstadtproblemen, hat Gailey in traurige, dennoch heimelige Worte gefasst. Auf einfühlsame und tragische Weise bringt uns der Ausnahmeautor, der heute auf der abgelegenen Orcas Island im Pazifischen Nordwesten lebt, auf seinen 288 Seiten das harte (Über-)leben in dem spärlichen Milieu, abgekapselt vom restlichen Amerika, nahe.

(Janko)

https://www.samuelwgailey.com/
https://www.facebook.com/SamuelWGailey/
https://www.instagram.com/samuelwgailey/

Brutalität/Gewalt: 33/100
Spannung: 55/100
Action: 41/100
Unterhaltung: 85/100
Anspruch: 70/100
Atmosphäre: 79/100
Emotion: 77/100
Humor: 02/100
Sex/Obszönität: 15/100

LACK OF LIES - Wertung: 83/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 14 Jahren (aufgrund des allgemeinen und sozialkritischen Kontexts)

Samuel W. Gailey - Komm mit mir
Polar Verlag
Sozialdrama
ISBN: 978-3-910918-46-7
288 Seiten
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Originaltitel: Come Away From Her (2023)
Aus dem Amerikanischen von Andrea Stumpf
Erscheinungstermin: 20.04.2026
EUR 26,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (ePUB 3): 978-3-910-91847-4
Erscheinungstermin: 15.04.2026
EUR 21,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Komm mit mir" beim Polar Verlag: https://polar-verlag.de/my-product/samuel-w-gailey-komm-mit-mir/

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Ein Krimi Noir zum Wohlfühlen

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"Komm mit mir" ist für mich der zweite Krimi Noir des US-amerikanischen Autors Samuel W. Gailey. Davor habe ich "Tiefer Winter" gelesen. Außerdem gibt es im Polar-Verlag als erstes übersetztes Werk des ...

"Komm mit mir" ist für mich der zweite Krimi Noir des US-amerikanischen Autors Samuel W. Gailey. Davor habe ich "Tiefer Winter" gelesen. Außerdem gibt es im Polar-Verlag als erstes übersetztes Werk des Autors "Die Schuld", den ich aber nicht kenne.

Kurz ein paar Worte zum Vergleich mit "Tiefer Winter" für jene, die dieses Buch ebenfalls gelesen haben: zwar spielen beide Krimis in einer ähnlichen Gegend und sogar Danny, der in "Tiefer Winter" eine tragende Rolle hat, kommt in "Komm mit mir" wieder vor, sodass es einige liebenswerte Verknüpfungen zwischen den beiden Büchern gibt, an denen Fans des Autors sich erfreuen können. Doch von der Grundstimmung her ist dieses neue Buch ganz anders. War "Tiefer Winter" wirklich ein Noir, wie er im Buche steht, voll von dunkelster Finsternis, derber Sprache und extremer, in allen Details geschilderter Gewalt, so ist "Komm mit mir" von einer viel helleren, leichteren Atmosphäre geprägt.

Ja, natürlich gibt es ein Leicheln und ein Rätseln um die Hintergründe, sonst wäre es kein Krimi. Und wieder gibt es einen Anspruch, der weit über reine Unterhaltung hinausgeht und ein differenziertes Bild einer ländlichen amerikanischen Gemeinde zeigt, in der niemand so wirklich vom Schicksal verwöhnt wurde. Genau das macht die authentisch gezeichneten Figuren durchaus sympathisch und man kann mit fast allen mitfühlen.

Da gibt es Cap, Sohn eines Priesters und nun selbst Priester, was er eigentlich gar nicht werden wollte, doch ein tragischer Schicksalsschlag hat seinen Weg in diese Richtung gelenkt und nun gibt er sich Mühe, zwar selbst nicht sonderlich gläubig, aber doch mit Menschenliebe und Mitgefühl ausgezeichnet, für seine Gemeindemitglieder da zu sein. Er lebt alleine, bis er im Wald die stumme junge Frau Tess aufsammelt, die bei einem Unfall fast gestorben wäre und vor irgendetwas zu fliehen scheint. Gut befreundet scheint Cap mit Maggie zu sein, die sich mit ihrer eher distanzierten Ehe mit Wade arrangiert hat und deren Sohn Butch mit Pubertät und Außenseitertum kämpft. Immerhin scheint sie es zumindest oberflächlich betrachtet noch besser erwischt zu haben als ihre Schwester Robin, deren Säufergatte arbeitslos noch das letzte Geld durchbringt, gewalttätig ist und die dabei noch unzählige kleine Kinder zu versorgen hat. Und noch weitere Menschen leben im Örtchen Black Walnut, etwa der Sheriff Lester und seine krebskranke Frau Bonnie...

Alle Figuren sind authentisch und in einer Tiefe gezeichnet, wie es für einen Kriminalroman selten ist. Für mich standen beim Lesen die Beziehungen der Menschen und ihre Entwicklung weit mehr im Vordergrund als die Frage, was es nun mit der ganz am Anfang erwähnten Leiche auf sich hat. Dabei war das Buch aber durchgehend unterhaltsam geschrieben und stellt, neben der offensichtlichen Frage nach dem Mord und dem Mörder, viele weitere auf der gesellschaftlichen Ebene: wie kommt es dazu, dass Menschen in sehr schwierigen Lebenssituationen verharren? Und was ist ausschlaggebend dafür, ob und wie sie sich daraus befreien können? Wie werden wir, wer wir sind? Was für Menschen gibt es in Amerika ganz abseits der großen Traums von Reichtum, Glanz und Erfolg?

Wieder ist es Samuel W. Gailey hier gelungen, einen überzeugenden Krimiroman mit anspruchsvoller Tiefe zu schreiben. Viele der von mir erwähnten Merkmale dieses Buches würden auf ein 5-Sterne-Buch hinweisen, und das ist es auch fast. Einen Stern muss ich dennoch abziehen, für ein Ende des Buches, das für mich nicht in allen Punkten passend und schlüssig war, aber dennoch insgesamt ein gelungenes Leseerlebnis nicht geschmälert hat. Empfehlen kann ich das Buch insbesondere auch allen, die Samuel W. Gaileys Werk kennen lernen wollen und mit einem eher sanfteren Krimi zum Wohlfühlen starten möchten, der nicht die Härte und Brutalität hat, die sich etwa durch "Tiefer Winter" zieht.

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