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Janko

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Veröffentlicht am 16.05.2026

- emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama -

Komm mit mir
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Samuel W. Gailey - Komm mit mir
(Polar Verlag)

- emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama -

Black Walnut, Pennsylvania, Mitte März 1988. Als sich Pastor Cap durch einen ...

Samuel W. Gailey - Komm mit mir
(Polar Verlag)

- emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama -

Black Walnut, Pennsylvania, Mitte März 1988. Als sich Pastor Cap durch einen Schneesturm zu Bonnie, der todkranken Frau von Sheriff Lester kämpft, kracht ihm um ein Haar eine junge Frau frontal in den Wagen. Cap rettet die dennoch verunfallte, offensichtlich taubstumme Frau, die sich als Tess vorstellt und vor irgendetwas oder irgendjemanden auf der Flucht zu sein scheint. Er nimmt sie vorübergehend in seine Obhut, bringt sie im Pfarrhaus unter, fühlt sich aber mehr und mehr zu ihr hingezogen. Doch nicht nur Cap steht auf die exotisch anmutende Tess, die das keine Örtchen Black Walnut allmählich aus dem Gleichgewicht zu hebeln scheint. Als sich die junge Frau Cap gegenüber anvertraut und er das Unfassbare erfährt, das ihr widerfahren ist, scheinen Welten miteinander zu kollidieren. In der weiteren Folge laden viele Handelnde große Schuld auf sich.

In seinen ländlich geprägten Noirs nutzt Samuel W. Gailey eine bildhafte, immersive und vitale Sprache, wie in einem bösen Traum. Dabei führt der US-amerikanische Schriftsteller generell ein üppiges Lokalkolorit im Gepäck, das seinen Romanen eine atmosphärische und emotionale Tiefe verleiht. Die empathisch aufgebauten, von einer melancholischen Tristesse getragenen Plots, beschäftigen sich in der Regel mit gescheiterten Existenzen, versehrten oder verletzten Menschen, ihrer Verzweiflung, der Gewalt, der sie ausgesetzt sind, sowie den Aspekten im Leben, die sie an die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit führen. Häufig ist es das Unausgesprochene, das dem Leser im Kopf bleibt. Es sind eben die verstörenden Bilder, die Gailey seinen Lesern in den Kopf pflanzt, die sie mitleiden lassen und noch lange nachwirken. Gerade weil sein dritter Roman "Komm mit mir" keinen Kriminalfall darstellt, sondern eher das Thema Rural Drama zum Leitmotiv erklärt, steigert sich die Emotionalität im Verlauf der Geschichte ins Unermessliche. Die rücksichtslosen Verletzungen seelischer, wie körperliche Art, die sich Menschen zufügen, der Kampf mit den Dämonen der Vergangenheit, sowie die Endgültigkeit fataler Entscheidungen werden hier zum Fundament. Dabei gibt es auch ein kurzes Wiedersehen mit dem introvertierten und mental retardierten Danny Bedford aus dem Waschsalon in "Tiefer Winter".

Ein weiterer Erzählstrang handelt von Wade, Maggie und ihrem Sohn Butch. Den Respekt längst voreinander verloren, läuft ihre Ehe allmählich aus dem Ruder. Eigentlich geht es ihnen gut, doch sie haben einander nichts mehr zu sagen und bemerken darüber nicht, wie sich der 14-jährige Butch zum Negativen verändert. Auch Robin, der rechten Hand von Pfarrer Cap, ihrem Ehemann Chuck und den drei gemeinsamen Kindern ergeht es nicht viel besser. Finanzielle Not, Missbrauch, Gewalt und Alkoholismus stehen bei Ihnen an der Tagesordnung. Bis Robin eines Tages eine fatale Entscheidung trifft, die ihr Leben grundlegend verändert. Allmählich wird offenbar, dass sämtliche Akteure in Samuel W. Gaileys "Komm mit mir" alle etwas gemein haben, denn sie alle leben eine Lebenslüge, die sie irgendwann einholen wird!

Erstmals im Jahre 2023 unter dem Titel "Come Away From Her" im amerikanischen Original veröffentlicht, rollt Samuel W. Gailey sein emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama "Komm mit mir" ganz gemächlich aus. Der Autor, der in einem Provinznest im Nordosten Pennsylvanias aufwuchs und bereits in der Filmproduktion als Drehbuchautor arbeitete, kennt das Kleinstadtleben mit all seinen Facetten und Widrigkeiten. Das Geflecht und die Zusammenhänge der Menschen, die in der beschaulichen Siedlung im Wyoming County leben, mit ihren alltäglichen Familien- und Kleinstadtproblemen, hat Gailey in traurige, dennoch heimelige Worte gefasst. Auf einfühlsame und tragische Weise bringt uns der Ausnahmeautor, der heute auf der abgelegenen Orcas Island im Pazifischen Nordwesten lebt, auf seinen 288 Seiten das harte (Über-)leben in dem spärlichen Milieu, abgekapselt vom restlichen Amerika, nahe.

(Janko)

https://www.samuelwgailey.com/
https://www.facebook.com/SamuelWGailey/
https://www.instagram.com/samuelwgailey/

Brutalität/Gewalt: 33/100
Spannung: 55/100
Action: 41/100
Unterhaltung: 85/100
Anspruch: 70/100
Atmosphäre: 79/100
Emotion: 77/100
Humor: 02/100
Sex/Obszönität: 15/100

LACK OF LIES - Wertung: 83/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 14 Jahren (aufgrund des allgemeinen und sozialkritischen Kontexts)

Samuel W. Gailey - Komm mit mir
Polar Verlag
Sozialdrama
ISBN: 978-3-910918-46-7
288 Seiten
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Originaltitel: Come Away From Her (2023)
Aus dem Amerikanischen von Andrea Stumpf
Erscheinungstermin: 20.04.2026
EUR 26,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (ePUB 3): 978-3-910-91847-4
Erscheinungstermin: 15.04.2026
EUR 21,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Komm mit mir" beim Polar Verlag: https://polar-verlag.de/my-product/samuel-w-gailey-komm-mit-mir/

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Veröffentlicht am 17.04.2026

- unkonventioneller und verkopfter Cerebral-Pop-Horror-Thriller -

When the Wolf Comes Home
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Nat Cassidy - When the Wolf Comes Home
(Festa Verlag)

- unkonventioneller und verkopfter Cerebral-Pop-Horror-Thriller -

North Valley, Los Angeles, im Oktober. Ein 5-jähriger Junge flüchtet sich vor ...

Nat Cassidy - When the Wolf Comes Home
(Festa Verlag)

- unkonventioneller und verkopfter Cerebral-Pop-Horror-Thriller -

North Valley, Los Angeles, im Oktober. Ein 5-jähriger Junge flüchtet sich vor seinem gewalttätigen Vater in illustrierte Märchenwelten. Als der Vater ihn dabei erwischt, bricht die Hölle los und der Junge flieht vor ihm aus der Wohnung in die Nacht. Er versteckt sich in den Büschen eines Mehrparteienhauses, wo er von der erfolglosen Schauspielerin und Kellnerin Jess entdeckt wird. Die wiederum stößt kurze Zeit später in einer bizarren und lebensgefährlichen Situation, im Garten vor ihrer Wohnung, auf den Vater des kleinen Ausreißers. Was anschließend geschieht, lässt ihr das Blut in den Adern gefrieren. Ihre einzigen Gedanken gelten nunmehr dem Jungen und der gemeinsamen Flucht. Der Flucht vor einem unberechenbaren Monster, das töten, zerfetzen und fressen will. Und plötzlich finden sich die beiden in einer Welt wieder, die völlig aus den Fugen geraten zu sein scheint.

"When the Wolf Comes Home", des US-amerikanischen Schriftstellers Nat Cassidy, ist ein unkonventioneller und eingängiger, mitunter aber auch gedankenverloren schizophrenischer Pop-Horror-Thriller am Nabel der Zeit. Der 1981 in Phoenix, Arizona geborene Schauspieler, Musiker, Sprecher für Werbespots und (Theater-, sowie Drehbuch-)Autor, taucht tief in die Gedankenwelt seiner Hauptakteurin Jess ein. Cassidy spielt in diesem Zuge auf äußerte infame Weise mit der bösartigen Ironie des Schicksals. Mit der Adaption diverser Genreelemente aus Horror-Romanen, Filmklassikern, Serien und Cartoons der 80er / 90er Jahre, sowie uralten Märchen, weist sein, wie aus dem Leben gegriffener, spekulativer, schwungvoller und kommunikativer Erzählstil, eine enorme atmosphärische Dichte auf. Dabei arbeitet der Autor mit bekannten Stereotypen aus den vorgenannten Genres, die er auf einmalige Weise neu definiert. Mit seiner fantastischen, komplexen und vergeistigten Sprache projiziert Cassidy verstörende Bilder in die Köpfe seiner Leser.

Der Verfasser, der mit seiner Frau im Stadtbezirk Queens, in New York City lebt, lässt seine beiden Protagonisten in skurrile, obskure und konspirative Strukturen abgleiten, die ihre Inspiration offensichtlich aus den menschenverachtenden Versuchsreihen des US-Militärs Mitte des vergangenen Jahrhunderts ableiten. Ein Special Agent vom FBI wird auf den Fall angesetzt. Er soll den Jungen "nach Hause" holen. Dass diese Mission von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, kann sich jeder denken, der auch nur ein Stück weit in die empathische Geschichte um den verängstigten Jungen und die verzweifelte Schauspielerin vorgedrungen ist. Cassidy, der seine starken Ideen astrein umgesetzt hat, hält in diesem Kontext einige geniale und unvorhersehbare Twists für seine potenzielle Leserschaft bereit. Dazu stellt der Autor die Frage nach Schuld, Verantwortung, Manipulation und Macht. Einen Gutteil der Kommunikation hätte er sich allerdings getrost sparen können, dient sie doch mehr der Staffage, als dass sie was mit dem eigentlichen Geschehen zu tun hätte. Dies wirkt im weiteren Verlauf der Story ein wenig überfrachtet und kann durchaus als langatmig empfunden werden. Im Gegensatz dazu hätte ich mir ein paar weitergehende blutrünstige oder viszerale Szenen gewünscht. Wer jedoch auf extravagante und mitteilsame Pop-Horror-Thriller steht, wird sich an diesem 560 Seiten umreißenden Gemisch aus Vaterkomplexen, Vernachlässigung, Selbstzweifeln, Ängsten, Sexismus, metaphysischen Ereignissen und Gewalt gütlich tun.

(Janko)

http://www.natcassidy.com
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https://www.instagram.com/catnassidy/

Brutalität/Gewalt: 54/100
Spannung: 77/100
Action: 64/100
Unterhaltung: 83/100
Anspruch: 59/100
Atmosphäre: 78/100
Emotion: 60/100
Humor: 15/100
Sex/Obszönität: 06/100

LACK OF LIES - Wertung: 82/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 16 Jahren (aufgrund der Thematik und der Gewaltszenen)

Nat Cassidy - When the Wolf Comes Home
Festa Verlag
Horror-Thriller
Buchreihe: HORROR & THRILLER - BAND 216
ISBN: 978-3-98676-273-5
560 Seiten
Paperback in der Festa-Lederoptik mit Umschlagklappen
Originaltitel: When the Wolf Comes Home (2025)
Aus dem amerikanischen Englisch von Susanne Picard
Erscheinungstermin: 16.03.2026
EUR 16,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-98676-274-2
Erscheinungstermin: 20.02.2026
EUR 5,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"When the Wolf Comes Home" beim Festa Verlag: https://www.festa-verlag.de/when-the-wolf-comes-home.html

Leseprobe: https://www.festa-verlag.de/mpattachment/file/download/id/824/

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Veröffentlicht am 06.04.2026

- emotionslos-nüchterner Actionthriller für die breite Masse -

The Mailman
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Andrew Welsh-Huggins - The Mailman
(Hoffmann und Campe)

- emotionslos-nüchterner Actionthriller für die breite Masse -

Als die Anwältin Rachel Stanfield und ihr Ehemann Glenn Vaughn in ihrem Haus, ...

Andrew Welsh-Huggins - The Mailman
(Hoffmann und Campe)

- emotionslos-nüchterner Actionthriller für die breite Masse -

Als die Anwältin Rachel Stanfield und ihr Ehemann Glenn Vaughn in ihrem Haus, in einem ruhigen Vorort von Indianapolis, von vier Männern überfallen werden, droht man ihnen ernsthafte Gewalt an. Rachel kennt einen der Männer. Er nennt sich Finn. Er will die Herausgabe einer eidesstattlichen Erklärung einer ihrer Mandantinnen und den Aufenthaltsort selbiger mit roher Gewalt erzwingen. Nachdem es jedoch an der Tür klingelt und der freiberufliche Paketzusteller Mercury "Merc" Carter vor der Tür steht, gerät die Angelegenheit für Finn und seine Leute gelinde gesagt etwas aus den Fugen. Der Mailman ist nämlich nicht nur der Mailman, sondern zusätzlich ein gut ausgebildeter ex-Inspektor des US Postal Inspection Service. Und der will sein Paket zustellen. Persönlich!

"The Mailman", der erste Teil der "The Mailman Series", welcher im amerikanischen Original 2025 erschien, kommt etwas steif und trocken daher. Andrew Welsh-Huggins nutzt eine emotionslos-nüchterne Mainstream-Schreibe, wie sie austauschbarer kaum sein könnte. Zu glatt, zu konstruiert, zu unglaubwürdig. Die 400 Seiten umfassende Story, des US-amerikanischen Schriftsteller, Journalisten und Publizisten, der seit langem in Columbus, Ohio lebt, hebt sich kaum von anderen 08/15-Werken des Thriller-Genres ab. Tiefgründigkeit sucht man in diesem rein auf Action, Verwirrung und Effekthascherei ausgelegten Thriller vergebens. Solch oberflächliche Plots, die kaum einen eigenen Sound, geschweige denn einen individuellen Sog entwickeln, berühren mich in der Regel nicht. Die einzelnen Punkte mit viel Staffage aufgefüllt und konservativ abgehakt, Charaktere und Lokalkolorit so farbenfroh, wie das nächtliche Fernsehen in den 1970ern, hat man als Leser so einige Dinge zu schlucken, die nicht oder nur unzureichend aufgeklärt werden.

Als Rachel kurzerhand von den Kriminellen aus ihrem eigenen Haus entführt wird, machen sich der Mailman Merc und ihre Ehemann Glenn auf die Jagd nach den Kidnappern. Eine schier endlose und fade Jagd schließt sich an, die die beiden gefühlt durch die Hälfte der USA führt. Eine langwierige Rettungsaktion, bei der mehr spekuliert wird, als an der Frankfurter Börse. Ich musste mich schon arg zusammenreißen, um hier am Ball zu bleiben. Den Hype um die Mailman-Serie kann ich daher beim besten Willen nicht nachvollziehen. Umso komplexer sich die Story zum Schluss hin auch entwickelt, umso wirrer wird sie auch, denn plötzlich konzentriert sich alles auf einen völlig neuen Personenkreis. "The Mailman" hat durchaus ein paar gute Ideen und Szenen, bleibt aber so zäh und uninteressant wie ein Artikel im Feuilleton der FAZ. Im letzten Drittel kommt zwar so etwas wie Spannung auf, doch in seiner Gesamtbetrachtung ist der Roman nicht viel mehr, als Fastfood für die breite Masse. Wer auf Tiefgründigkeit verzichten kann, wird vielleicht sogar mit diesem Thriller zufrieden sein. Dem anspruchsvollen Bücherwurm hingegen wird die Nahrungsaufnahme nicht immer ganz leicht gemacht. Ich bin in die, hinten raus viel zu aufgebauscht Erzählung, bei der letztlich nichts beim Leser hängen bleibt und der es doch arg an Aura und Flair mangelt, beim besten Willen nicht reingekommen. Es steckt bestimmt viel Herzblut in "The Mailman", aber mein Ding ist das wirre und nervtötende Hin und Her nicht. Die Story wäre mit 100 Seiten weniger sicherlich auch ausgekommen, hätte der Autor die Eckpunkte besser verteilt. Zum Schluss hat Andrew Welsh-Huggins alles in seine Story gepackt, was noch geht, doch das kommt reichlich spät. Und das soll sich alles innerhalb von 24 Stunden abgespielt haben? Das ist schon reichlich albern! Für mich wird es daher keinen zweiten Teil der Serie geben.

(Janko)

https://www.andrewwelshhuggins.com
https://www.facebook.com/awhcolumbus
https://www.instagram.com/awhcolumbus/

Brutalität/Gewalt: 58/100
Spannung: 49/100
Action: 59/100
Unterhaltung: 64/100
Anspruch: 26/100
Atmosphäre: 44/100
Emotion: 22/100
Humor: 05/100
Sex/Obszönität: 05/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 64/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 15 Jahren (aufgrund der Gewaltszenen)

Andrew Welsh-Huggins - The Mailman
Hoffmann und Campe
Buchreihe: The Mailman Series - Teil 1
Thriller
ISBN: 978-3-455-02105-9
400 Seiten
Klappenbroschur
Originaltitel: The Mailman (2025)
Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence
Erscheinungstermin: 04.03.2026
EUR 18,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-455-02120-2
Erscheinungstermin: 04.03.2026
EUR 15,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"The Mailman" beim Hoffmann und Campe: https://hoffmann-und-campe.de/products/83131-the-mailman

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Veröffentlicht am 31.03.2026

- mysteriöser, rasanter und mitreißender Psychothriller -

Giftiger Grund
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Sieben Jahre nach einem Überfall auf eine Tankstelle in der ländlichen Provinz, folgt die Bloggerin Charu einem neuen Eintrag auf der Urbex Guild Map. Die junge Frau möchte die erste sein, die eine Zeitraffer-Nachtaufnahme ...

Sieben Jahre nach einem Überfall auf eine Tankstelle in der ländlichen Provinz, folgt die Bloggerin Charu einem neuen Eintrag auf der Urbex Guild Map. Die junge Frau möchte die erste sein, die eine Zeitraffer-Nachtaufnahme dieser, mittlerweile zum Lost Place verkommenen Tankstelle postet. Dass Charu jedoch nicht die erste vor Ort ist, muss sie sich schnell eingestehen. Vandalismus, Partys und Obdachlose haben ihren Tribut gefordert. Als sich während der unbeaufsichtigten Videoaufnahme der Influencerin ein Mädchen in Schlafanzug und Gummistiefeln auf der nächtlichen Aufnahme verewigt, legt sich Charu in der darauffolgenden Nacht auf die Lauer. Das junge Mädchen kehrt tatsächlich wieder, doch als die Kleine Charu bemerkt, flüchtet sie in das nahe Waldstück. Die Bloggerin verfolgt das Mädchen und rennt dabei in den etwas konfus wirkenden Joran. Was hat die Kleine hier nachts zu suchen? Warum liegt sie nicht im Bett, wie alle anderen Kinder ihres Alters auch? Warum ist sie überhaupt nachts alleine unterwegs? Und was macht der junge Mann hier? Gehört er zu dem Mädchen oder hat er es verfolgt? Fragen über Fragen, die beginnen Charus Gedanken zu martern.

Aus der Ich-Perspektive der jeweiligen Akteure und im Präsens verfasst, birgt Thomas Knüwers 336 Seiten starker Psychothriller "Giftiger Grund" einen stakkatoartig pointierten, mitreißenden und endgültigen Erzählstil. Das ist zwar nicht neu, aber höchst effektiv. Die modern aufgepimpte, prägnante und eindringliche Gen-Z-Sprache, des 1983 im Münsterland geborenen und heute mit seiner Frau und drei Kindern in Hamburg ansässigen Schriftstellers, ist düster, brutal, mysteriös und spannend. Eingebettet in eine pessimistisch resignierte Grundstimmung ist Knüwers eigensinniger Schreibstil in eine, vor Sarkasmus triefende Metaphorik getaucht, die schon mal mit obszönen Untertönen belegt ist. Der Leiter einer Hamburger Digitalagentur neigt jedoch, im Gegensatz zu vielen seiner Genrekollegen, selten zu Übertreibungen, zur Dramaturgie oder zur Effekthascherei, was sich positiv auf die Glaubwürdigkeit seiner, teils regelrecht ekligen Szenarien auswirkt. Und so lässt er seine potenzielle Leserschaft an seinen Seiten kleben, wie ein Neugeborenes an den Brüsten seiner Mutter.

Ein weiterer Erzählstrang befasst sich mit dem bereits erwähnten Joran Horvat. Nach sechs Jahren und acht Monaten frisch aus dem Knast entlassen, kommt der 26-Jährige zunächst in einem schäbigen Hotel unter. Er will sein Leben auf die Kette kriegen, was sich als gar nicht mal so einfach herausstellt. Als Joran erfährt, dass die Tankstelle, die er damals mit Marvin und Aras überfallen hat, mittlerweile leer steht, macht er sich noch in derselben Nacht auf den Weg, in der Hoffnung, dass sich das gestohlene Geld noch immer in dem einstigen Versteck befindet. Doch was Joran in dem alten Schacht nahe der ehemaligen Tanke findet ist nicht das Geld, sondern eine verrottende und brutal stinkende Leiche. Nachdem er seine DNA, in Form seines halbverdauten Mageninhaltes, großzügig um den männlichen Leichnam verteilt, ist es auch mit seiner Anonymität zum Teufel. Da Joran befürchtet, dass man ihn mit dem Toten in Verbindung bringt und er wieder einfährt, will er sich aus dem Staub machen. Dabei rennt ein kleines Mädchen an ihm vorbei, das von einer jungen Frau verfolgt wird, die Joran beinahe über den Haufen rennt. Als tags darauf auch noch sein damaliger, gewaltbereiter Kumpel und Mittäter Marvin vor dem Hotel steht, um ihm einen Job anzubieten, ist dies der Beginn eines perfiden und infamen Albtraums für Joran.

Knüwers vielschichtiger, rätselhafter und spannungsvoller Plot baut auf den vielen verpassten Chancen seiner Charaktere auf, die sich immer tiefer in ihrer eigenen Scheiße vergraben. Teilweise selbstverschuldet, oft auch unverschuldet, zumeist aber einfach nur ungerechtfertigt! Fairness ist nun mal nicht die Priorität des Lebens. Und so werden Joran immer wieder Steine in den Weg gelegt. Er sucht Arbeit, findet aber keine. Und anstatt Marvin die kalte Schulter zu zeigen oder sich gegen selbigen zur Wehr zu setzen, benimmt sich Joran wie ein Hosenscheißer. "Giftiger Grund" ist eine emotional breitgefächerte, unkonventionelle und rätselhafte Geschichte über Opferrollen, (Macht-)Missbrauch, Elend, Hilflosigkeit, Mord, Vertuschung und die Frage nach Schuld, mit einem Ende wie ein Faustschlag ins Gesicht! Den Gemütlichkeit bevorzugenden Lesern sei an dieser Stelle eine Warnung anheimgestellt: "Giftiger Grund" ist alles andere als ein cozy crime!

(Janko)

https://thomasknuewer.com
https://www.instagram.com/thomas_knuewer

Brutalität/Gewalt: 48/100
Spannung: 81/100
Action: 72/100
Unterhaltung: 86/100
Anspruch: 58/100
Atmosphäre: 76/100
Emotion: 66/100
Humor: 17/100
Sex/Obszönität: 32/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 85/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 15 Jahren (aufgrund der allgemeinen Thematik, der Obszönitäten und der Gewaltdarstellungen)

Thomas Knüwer - Giftiger Grund
Droemer Knaur
Kriminalroman / Psychothriller
ISBN: 978-3-426-56846-0
336 Seiten
Paperback
Erscheinungstermin: 02.03.2026
EUR 18,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-426-56657-2
Erscheinungstermin: 03.03.2026
EUR 12,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

ISBN Download - Streaming (Ungekürzt): 978-3-7324-8718-9
Erscheinungstermin: 02.03.2026
EUR 20,95 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Giftiger Grund" bei Droemer Knaur: https://www.droemer-knaur.de/buch/thomas-knuewer-giftiger-grund-9783426568460

Leseprobe: https://www.book2look.com/book/9783426568460

Hörprobe: https://www.argon-verlag.de/hoerbuch/thomas-knuewer-giftiger-grund-9783732487189

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Veröffentlicht am 23.03.2026

- kompromisslos brutaler, im Straßenjargon gehaltener Southern Noir, mit enormem Bodycount -

Blacktop Wasteland
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S. A. Cosby - Blacktop Wasteland
(ars vivendi Verlag)

- kompromisslos brutaler, im Straßenjargon gehaltener Southern Noir, mit enormem Bodycount -

Shepherd’s Corner, Virginia, 2012. Ex-Knacki, Automechaniker ...

S. A. Cosby - Blacktop Wasteland
(ars vivendi Verlag)

- kompromisslos brutaler, im Straßenjargon gehaltener Southern Noir, mit enormem Bodycount -

Shepherd’s Corner, Virginia, 2012. Ex-Knacki, Automechaniker und liebender Familienvater Beauregard "Bug" Montage ist sowas von Pleite. Mit Pferdestärken und Autorennen kennt er sich jedoch aus. Daher liefert sich Bug Straßenrennen um Kohle, mit jedermann der die Eier hat, es mit ihm und seinem Plymouth Duster aufzunehmen. Als er jedoch von Warren Crocker und seinen Leuten abgezogen wird, greift Bug hart und brutal durch, um sich wenigstens einen Teil seiner Kohle zurückzuholen. Da er finanziell nach wie vor mit dem Rücken zur Wand steht, kontaktiert Bug, sehr zum Leidwesen seiner Frau Kia, seinen Onkel Boonie. Einen kriminellen Schrottplatzbetreiber, der ihm früher bereits den einen oder anderen Job vermittelt hatte. Ein letzter lukrativer Coup soll alles richten. Nur, dass es dieses Mal mit Ronnie Sessions, diesem abgedrehten, drogenverseuchten Redneck aus Queen County und seinem schießwütigen Kumpanen Quan, nicht ganz so glimpflich abläuft. Kurze Zeit später kleben Bug nämlich sämtliche Schwerverbrecher des Countys am Arsch. Denn was die drei nicht wissen konnten: Sie haben eindeutig den Falschen beklaut!

"Blacktop wasteland – eine Asphaltwüste, heimgesucht von den Geistern der Vergangenheit." Zitat S. 13

Fünf Jahre nach der gebundenen Erstauflage schiebt der ars vivendi Verlag die Neuauflage, des 2021 erstmals in Deutschland erschienenen Roman "Blacktop Wasteland", in der Klappenbroschur nach. Mit unverändertem Namen und gleicher Optik ging S. A. Cosbys zweiter Southern Noir Ende Februar 2026 hierzulande erneut an den Start. In dem 320 Seiten umfassenden Roman, der 2020 unter gleichnamigen Titel im amerikanischen Original erschien, hört man regelrecht die PS-starken Muscle-Cars, riecht das Motoröl, das Benzin, den heißen Asphalt, die Drogen, den Alkohol, das Nitrozellulosepulver, das Blut und den Tod. In diesem trostlosen, vermüllten, von Armut und Gewalt gezeichneten Landstrich, wird Bug mit nur allzu menschlichen Problemen konfrontiert. Eingebettet in eine kalte, hoffnungslose Stimmung, liegt die ganze Zeit über etwas Bedrohliches in der Luft. In "Blacktop Wasteland" hat gefühlt jeder im Knast gesessen, ist gewaltbereit, drogenabhängig, bewaffnet und durch die Bank weg verantwortungslos. Auch Bug kennt nur die Sprache der Gewalt. Er ist also alles andere als der geborene Sympathieträger. Sympathie hat aber auch nicht gerade oberste Priorität bei einem Southern Noir. Dennoch scheint Bug, der sehr unter seinem Vaterkomplex leidet, der einzige unter all den Kriminellen zu sein, der, wenn auch äußerst selten, schon mal besonnen denkt und handelt. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen stapelt sich die Scheiße um ihn herum meterhoch.

Zumeist in vulgärem Redneck-Straßenjargon gehalten, behandelt der US-amerikanische Schriftsteller und leidenschaftliche Schachspieler S. A. Cosby unterschwellig Themen rund um das Vermächtnis des amerikanischen Südens wie Rassismus, soziale Ungerechtigkeiten, Gewalt, Korruption und der Macht des Geldes. Dabei geht der 1973 in Newport News, Virginia geborene und heute am York River in Gloucester, Virginia lebende Autor nicht gerade zimperlich vor. Straight und ohne Kompromisse einzugehen, beschönigt S. A. Cosby in seinem Virginia Noir "Blacktop Wasteland" nichts und wird schon mal recht explizit, wenn es um skrupellose Grausamkeiten geht. Der böse, infame und gewaltbereite Plot ist schon arg testosterongesteuert, manchmal widersprüchlich und eindeutig cineastisch aufgebläht. Der Humor ist hierbei zwar artgerecht, andererseits aber auch schon wieder derart abgedroschen, dass er einen Angriff aus der Mottenkiste kaum überleben dürfte. Dennoch gefiel mir die pessimistisch resignierte Emotionslosigkeit, die eine mörderische Jagd nach sich zieht, bei der wesentlich mehr Leute in Mitleidenschaft gezogen werden, als ursprünglich erwartet. Im letzten Drittel tritt Cosby das Gaspedal bis ans Bodenblech und jagt mit durchdrehenden Reifen zum action- und spannungsgeladenen Finale. Der dabei erzielte Bodycount ist sicherlich nichts für Weichflöten. Geschehnisse und Wirren ungeahnten Ausmaßes bahnen sich ihren Weg durch das County, in dem man niemandem, nicht einmal sich selbst, trauen kann und verschlingen jeden, der sich ihnen in den Weg stellt.

(Janko)

https://www.facebook.com/blacklionking73
https://www.instagram.com/leoking8473/

Brutalität/Gewalt: 86/100
Spannung: 78/100
Action: 81/100
Unterhaltung: 84/100
Anspruch: 32/100
Atmosphäre: 76/100
Emotion: 55/100
Humor: 13/100
Sex/Obszönität: 21/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 82/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 16 Jahren (aufgrund der vulgärem Ausdrucksweise und der expliziten Gewalttaten)

S. A. Cosby - Blacktop Wasteland
ars vivendi Verlag
Kriminalroman / Southern Noir
ISBN: 978-3-7472-0764-2
320 Seiten
Klappenbroschur
Originaltitel: Blacktop Wasteland (2020)
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger
Erscheinungstermin: 18.02.2026
EUR 16,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN gebundene Ausgabe: 978-3-747-20220-3
Erscheinungstermin: 26.03.2021
EUR 22,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

ISBN eBook (epub): 978-3-747-20221-0
Erscheinungstermin: 31.03.2021
EUR 15,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Blacktop Wasteland" beim ars vivendi Verlag: https://arsvivendi.com/Buch/FromList/9783747207642-Blacktop-Wasteland

Leseprobe: https://arsvivendi.com/Files/PDF/9783747202203_Blacktop-Wasteland.pdf

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