Profilbild von Janko

Janko

Lesejury Profi
offline

Janko ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Janko über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.06.2026

- empathisch gezeichnetes, gedankenprononciertes Gesellschafts- und Familiendrama mit melancholischer Note -

Mit einem Fuß im Paradies
0

Ron Rash - Mit einem Fuß im Paradies
(ars vivendi Verlag)

- empathisch gezeichnetes, gedankenprononciertes Gesellschafts- und Familiendrama mit melancholischer Note -

Seneca, Oconee County, im Sommer ...

Ron Rash - Mit einem Fuß im Paradies
(ars vivendi Verlag)

- empathisch gezeichnetes, gedankenprononciertes Gesellschafts- und Familiendrama mit melancholischer Note -

Seneca, Oconee County, im Sommer 1952. In dem gottverlassenen und ausgetrockneten Landstrich, in der Grenzregion zwischen South Carolina, North Carolina und Georgia, wird der hitzköpfige Kriegsveteran Holland Winchester vermisst. Seine Mutter äußert gegenüber Bezirkssheriff Will Alexander, Schüsse von Billy Holcombes Farm her gehört zu haben und ist sich sicher, dass ihr Sohn nicht mehr am Leben ist. Er habe eine Affäre mit Billy Holcombes Ehefrau Amy gehabt, berichtet Mrs. Winchester weiter. Trotz dem, dass auch die Suche mehrerer Polizisten mit Spürhund keine Leiche zu Tage fördert, ist der vermeintliche Täter schnell vorverurteilt. Immer wieder fordert der Bezirkssheriff Billy Holcombe dazu auf, Fragen zu beantworten, die Durchsuchung seines Anwesens zu dulden, beim nahegelegenen Fluss nach Holland zu suchen und letztlich auch den gewaltsamen Tod seines Nutzpferdes zu erklären. Dabei gestalten sich die gedankenprononcierten Überlegungen und Investigationen des 35 Jahre alten Bezirkssheriffs Will Alexander regelrecht philosophisch.

1953 in Chester, South Carolina geboren und in Boiling Springs, North Carolina aufgewachsen, spielt Ron Rashs Debüt Roman "Mit einem Fuß im Paradies", gerade einmal 200 km von seinen Ursprüngen entfernt. Das empathisch gezeichnete Gesellschafts- und Familiendrama mit melancholischer Note, handelt von den verzweifelten Aktionen eines Sheriffs, eine Leiche zu finden, den oder die Verbrecher zu jagen, der Hitze und Trockenheit eines erbarmungslosen Sommers zu entkommen und den Scherbenhaufen seiner Ehe zu kitten. Aus vier verschiedenen Blickwinkeln taucht Rash, in das Handeln und Treiben der Familien Holcombe und Winchesters ein. Zuerst aus der Sicht des ermittelnden Bezirkssheriffs Will Alexander, anschließend aus den Betrachtungen der abergläubigen Amy Holcombe, die verzweifelt versucht schwanger zu werden und den nötigen Anstoß von der, als Hexe verschrienen Witwe Glendover erhält. Innerhalb dieser vollkommen anders gearteten Stilistik erfährt man mehr über Amys Leben mit ihrem Ehemann Billy, ihre Schwangerschaft, die Geburt ihres Sohnes Isaac und auch über den Kriegsveteranen Holland Winchester. Eine weitere Sichtweise ist Amys Ehemann Billy vorbehalten. Dieser berichtet von seiner Vergangenheit, der Gegenwart, dem Bewirtschaften des Bergbauernhofs direkt neben dem der Winchesters, Amys Schwangerschaft und der Geburt des Babys. Der vierte Blickwinkel ist dem Sohn Isaac gewidmet, der berichtet wie er mit 18 Jahren die ganze Wahrheit erfährt. Eine Wahrheit, auf die er gut und gerne hätte verzichten können.

Dabei bringt der US-amerikanische Schriftsteller und Lyriker das ländliche Milieu so geschickt in seinem 253 Seiten umfassenden Rural Noir unter, das man meinen könnte, man sei mitten im Geschehen. Auch die unterschiedlich ausgeprägten Ängste und Gefühle, das Unbehagen und die stetig lauernde Gefahr, bringt Rash eindringlich zur Sprache. Sein kopflastiger Südstaaten-Roman, der im Jahre 2002 unter dem Originaltitel "One foot in Eden" erstmals veröffentlicht wurde, ist aber weniger auf Spannung, Brutalität oder Effekthascherei aus. Ron Rash blickt lieber in die Tiefen Abgründe menschlichen Verhaltens.

(Janko)

https://www.ronrashwriter.com

Brutalität/Gewalt: 39/100
Spannung: 55/100
Action: 48/100
Unterhaltung: 81/100
Anspruch: 68/100
Atmosphäre: 79/100
Emotion: 61/100
Humor: 02/100
Sex/Obszönität: 15/100

LACK OF LIES - Wertung: 81/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 14 Jahren (aufgrund der mäßigen Gewaltdarstellungen)

Ron Rash - Mit einem Fuß im Paradies
ars vivendi Verlag
Gegenwartsliteratur / Thriller / Southern Noir
ISBN: 978-3-7472-0766-6
253 Seiten
Hardcover mit Lesebändchen
Originaltitel: One foot in Eden (2002)
Aus dem Amerikanischen von Gottfried Röckelein
Erscheinungstermin: 06.05.2026
EUR 24,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Mit einem Fuß im Paradies" beim ars vivendi Verlag: https://arsvivendi.com/Buch/Search/9783747207666-Mit-einem-Fuss-im-Paradies" target="_blank">https://arsvivendi.com/Buch/Search/9783747207666-Mit-einem-Fuss-im-Paradies

Leseprobe: https://arsvivendi.com/Buch/Search/9783747207666-Mit-einem-Fuss-im-Paradies" target="_blank">https://arsvivendi.com/Buch/Search/9783747207666-Mit-einem-Fuss-im-Paradies

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.06.2026

- politisch-kulturelle Auseinandersetzung mit dem Emporkommen, der Etablierung und dem heutigen Machtgefüge der Mafia -

Mafia
0

Ryan Gingeras - Mafia
(Droemer HC)

- politisch-kulturelle Auseinandersetzung mit dem Emporkommen, der Etablierung und dem heutigen Machtgefüge der Mafia -

Über seinen Großvater Charles Fitzpatrick ...

Ryan Gingeras - Mafia
(Droemer HC)

- politisch-kulturelle Auseinandersetzung mit dem Emporkommen, der Etablierung und dem heutigen Machtgefüge der Mafia -

Über seinen Großvater Charles Fitzpatrick bekam der 1978 geborene Schriftsteller Ryan Gingeras das Interesse an, und die Auseinandersetzung mit der Mafia quasi in die Wiege gelegt. Sachlich und faktenbasiert trägt der US-amerikanische Historiker seine politisch-kulturelle Auseinandersetzung mit dem Emporkommen, der Etablierung und dem heutigen Machtgefüge der Mafia in leicht gehobener Rhetorik vor. "Mafia" ist ein weitgreifendes Werk, dass sich von der Prostitution im alten Ägypten, über die annähernd 200 Jahre währende Kolonialherrschaft und die 1947 erreichte Unabhängigkeit Indiens, die Goldförderung in San Francisco, die Prohibition, das Glücksspiel im englischen Bath, die Nationalsozialisten, den Aufbau von staatlichen Organen wie der Polizei, den, seit den 1960er Jahren andauernden "War On Drugs", den verheerenden Mafia-Kriegen, der Kokainrevolution, bis weit hinein in die Neuzeit, also in die Etablierung einer Skrupellosigkeit ungeahnten Ausmaßes, erstreckt.

Gingeras ist ein guter Erzähler, der sein Fachwissen nicht einfach nur trocken herunterrasselt, sondern selbiges mit interessanten Anekdoten und einem amüsierten Unterton würzt. Er geht auf die Entstehung der Syndikate ein, ihre jeweilige Kultur, ihre Herkunft, ihre Geschichte, ihre Mystifizierung, ihren Wandel, ihre Strukturen, ihre Verbrechen und ihre Macht. Auch die Verflechtungen in (Privat- und Welt-)Wirtschaft, Politik, Regierung und den Staat, der zu Beginn seiner Existenz noch schwach war und als Tummelplatz für allerlei Gaunerei diente, kommen hierbei nicht zu kurz. Ebenso geht Gingeras auf die zeitweilige Notwendigkeit, die öffentliche Ordnung durch Banditen aufrechtzuerhalten ein. In seinem Werk nimmt er den Aufstieg, die Konsolidierung und die Auflösung mafiöser Syndikate auf der ganzen Welt unter die Lupe. Auch die Urbanisierung, die Verslumung und die damit einhergehende Unterernährung, die Arbeitslosigkeit, die Gewalt, das Elend und die Hoffnungslosigkeit sind Themen seiner Abhandlung. Ryan Gingeras spricht aber auch die Rolle der Polizei an, der Bürgerwehren und der staatlichen Gewalt, in ihrem immerwährenden Kampf gegen Sittenverfall, Alkoholismus, Schlägereien, Prostitution, Diebstahl, Drogenhandel, Schmuggel, Vergewaltigung und Mord. Damals, wie heute wurden und werden diese von Vorurteilen und Rassismus begleitet. Dabei scheut der Autor auch nicht den Vergleich zwischen Politikern und Mafiosi. Wie oft sind diese doch nicht mehr als ein Spiegelbild ihres jeweiligen Gegenübers!

„Banditen werfen die natürliche politische Ordnung über den Haufen, denn die Korruptheit und Inkompetenz des herrschenden Regimes könnten allein durch ihre Existenz ans Licht kommen.“ Zitat S. 62

Die heutigen Mafiosi gingen aus Banditen, Briganten, Piraten, marodierenden Nomaden und bewaffneten Soldaten, die ihren kümmerlichen Sold aufwerten wollten, hervor. Die zunehmende Industrialisierung hatte dem Boss des „Chicago Outfit“ Alphonse Gabriel „Al“ Capone, dem Führer des Medellín-Kartells Pablo Emilio Escobar Gaviria, den Ochoa-Brüdern, Carlos Lehder, El Chapo, dem bedeutendste chinesische Triadenführer der Grünen Bande in Shanghai Du Yuesheng, dem internationalen Drogenschmugglernetzwerks French Connection, Lucky Luciano oder den Mitbegründer des National Crime Syndicate Meyer Lansky und Bugsy Siegel, neue Tätigkeitsfelder eröffnet. Neben den aktuellen Mafia-Organisationen wie der Camorra, die ihren Ursprung in der Region Kampanien und der Metropole Neapel hat, den gewaltbereiten chinesischen Tongs oder den nicht minder gefährlichen Triaden, der sizilianische Cosa Nostra, der japanischen Yakuza, dem kolumbianischen Medellín-Kartell, den New Yorker Five Families, den russischen Vory, den Los Zetas, der Mara Salvatrucha (MS-13), den Bloods, den Crips oder der kalabrischen 'Ndrangheta, erläutert der Essayist die Zusammenhänge ihrer Organisation in finanzieller, politischer und juristischer Hinsicht. Nur allzu häufig trieben Armut, Not und Elend das kleinbürgerliche Volk in die Arme der Mafia. Dabei bringt der Publizist die Hauptbetätigungsfelder wie Prostitution, Raub, Glücksspiel, Erpressung, Drogenhandel, Menschen- und Immobilienhandel, Korruption, Gewalt und (Auftrags-)Mord, u. a. durch den Einsatz von Maschinengewehren und Dynamit, sowie die unglaublich hohen Gewinne und die damit verbundene Macht des Geldes zur Sprache. Auch Gruppierungen wie die Hisbollah, die Taliban oder die Al-Qaida waren und sind am Drogenhandel beteiligt. Es ist jedoch eher die politisch-kulturelle Seite der Geschichte der organisierten Kriminalität, die Gingeras in "Mafia" beleuchtet. Hierbei spielen der jeweilige soziale Status, der Aufbau nationaler Strafverfolgungsbehörden, der Einfluss der Medien und der Zeitgeist der jeweiligen Epoche eine nicht unbedeutende Rolle.

„Im Jahr 1869 waren in Peking bis zu sechzig Prozent der Einwohner Opiumkonsumenten.“ Zitat S. 73

Mit einem umfangreichen Archiv und einem Quellenverzeichnis am Ende seines Werkes untermauert Gingeras seine Thesen über die Kultur der internationalen Gewaltindustrie. Wer schon immer mehr über die Omertà (den Ehrenkodex der Mafia), die skrupellosen Warlords, die White Slavery und die inneren Strukturen der weltweit agierenden organisierten Kriminalität wissen wollte, bekommt mit Ryan Gingeras "Mafia" die absolute Vollbedienung.

(Janko)

https://ryangingeras.com
https://www.facebook.com/ryan.gingeras.7

Unterhaltung: 83/100
Anspruch: 87/100
Umsetzung: 79/100
Ausdrucksweise: 85/100
Brutalität/Gewalt: 77/100
Spannung: 61/100
Emotion: 55/100
Humor: 10/100
Sex/Obszönität: 14/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 81/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 15 Jahren (aufgrund der Komplexität und des allgemeinen Kontexts)

Ryan Gingeras - Mafia
Droemer HC
Sachbuch
ISBN: 978-3-426-65938-0
432 Seiten
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
Originaltitel: Mafia: A Global History (2026)
Aus dem Amerikanischen von Sylvia Bieker, Pieke Biermann, Gisela Fichtl, Anke Wagner-Wolff
Erscheinungstermin: 04.05.2026
EUR 36,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-426-65939-7
Erscheinungstermin: 04.05.2026
EUR 32,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Mafia" bei Droemer HC: https://www.droemer-knaur.de/buch/ryan-gingeras-mafia-9783426659380

Leseprobe: https://www.book2look.com/book/9783426659380

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.05.2026

- emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama -

Komm mit mir
0

Samuel W. Gailey - Komm mit mir
(Polar Verlag)

- emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama -

Black Walnut, Pennsylvania, Mitte März 1988. Als sich Pastor Cap durch einen ...

Samuel W. Gailey - Komm mit mir
(Polar Verlag)

- emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama -

Black Walnut, Pennsylvania, Mitte März 1988. Als sich Pastor Cap durch einen Schneesturm zu Bonnie, der todkranken Frau von Sheriff Lester kämpft, kracht ihm um ein Haar eine junge Frau frontal in den Wagen. Cap rettet die dennoch verunfallte, offensichtlich taubstumme Frau, die sich als Tess vorstellt und vor irgendetwas oder irgendjemanden auf der Flucht zu sein scheint. Er nimmt sie vorübergehend in seine Obhut, bringt sie im Pfarrhaus unter, fühlt sich aber mehr und mehr zu ihr hingezogen. Doch nicht nur Cap steht auf die exotisch anmutende Tess, die das keine Örtchen Black Walnut allmählich aus dem Gleichgewicht zu hebeln scheint. Als sich die junge Frau Cap gegenüber anvertraut und er das Unfassbare erfährt, das ihr widerfahren ist, scheinen Welten miteinander zu kollidieren. In der weiteren Folge laden viele Handelnde große Schuld auf sich.

In seinen ländlich geprägten Noirs nutzt Samuel W. Gailey eine bildhafte, immersive und vitale Sprache, wie in einem bösen Traum. Dabei führt der US-amerikanische Schriftsteller generell ein üppiges Lokalkolorit im Gepäck, das seinen Romanen eine atmosphärische und emotionale Tiefe verleiht. Die empathisch aufgebauten, von einer melancholischen Tristesse getragenen Plots, beschäftigen sich in der Regel mit gescheiterten Existenzen, versehrten oder verletzten Menschen, ihrer Verzweiflung, der Gewalt, der sie ausgesetzt sind, sowie den Aspekten im Leben, die sie an die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit führen. Häufig ist es das Unausgesprochene, das dem Leser im Kopf bleibt. Es sind eben die verstörenden Bilder, die Gailey seinen Lesern in den Kopf pflanzt, die sie mitleiden lassen und noch lange nachwirken. Gerade weil sein dritter Roman "Komm mit mir" keinen Kriminalfall darstellt, sondern eher das Thema Rural Drama zum Leitmotiv erklärt, steigert sich die Emotionalität im Verlauf der Geschichte ins Unermessliche. Die rücksichtslosen Verletzungen seelischer, wie körperliche Art, die sich Menschen zufügen, der Kampf mit den Dämonen der Vergangenheit, sowie die Endgültigkeit fataler Entscheidungen werden hier zum Fundament. Dabei gibt es auch ein kurzes Wiedersehen mit dem introvertierten und mental retardierten Danny Bedford aus dem Waschsalon in "Tiefer Winter".

Ein weiterer Erzählstrang handelt von Wade, Maggie und ihrem Sohn Butch. Den Respekt längst voreinander verloren, läuft ihre Ehe allmählich aus dem Ruder. Eigentlich geht es ihnen gut, doch sie haben einander nichts mehr zu sagen und bemerken darüber nicht, wie sich der 14-jährige Butch zum Negativen verändert. Auch Robin, der rechten Hand von Pfarrer Cap, ihrem Ehemann Chuck und den drei gemeinsamen Kindern ergeht es nicht viel besser. Finanzielle Not, Missbrauch, Gewalt und Alkoholismus stehen bei Ihnen an der Tagesordnung. Bis Robin eines Tages eine fatale Entscheidung trifft, die ihr Leben grundlegend verändert. Allmählich wird offenbar, dass sämtliche Akteure in Samuel W. Gaileys "Komm mit mir" alle etwas gemein haben, denn sie alle leben eine Lebenslüge, die sie irgendwann einholen wird!

Erstmals im Jahre 2023 unter dem Titel "Come Away From Her" im amerikanischen Original veröffentlicht, rollt Samuel W. Gailey sein emotionales, tief unter die Haut gehendes Gesellschafts- und Sozialdrama "Komm mit mir" ganz gemächlich aus. Der Autor, der in einem Provinznest im Nordosten Pennsylvanias aufwuchs und bereits in der Filmproduktion als Drehbuchautor arbeitete, kennt das Kleinstadtleben mit all seinen Facetten und Widrigkeiten. Das Geflecht und die Zusammenhänge der Menschen, die in der beschaulichen Siedlung im Wyoming County leben, mit ihren alltäglichen Familien- und Kleinstadtproblemen, hat Gailey in traurige, dennoch heimelige Worte gefasst. Auf einfühlsame und tragische Weise bringt uns der Ausnahmeautor, der heute auf der abgelegenen Orcas Island im Pazifischen Nordwesten lebt, auf seinen 288 Seiten das harte (Über-)leben in dem spärlichen Milieu, abgekapselt vom restlichen Amerika, nahe.

(Janko)

https://www.samuelwgailey.com/
https://www.facebook.com/SamuelWGailey/
https://www.instagram.com/samuelwgailey/

Brutalität/Gewalt: 33/100
Spannung: 55/100
Action: 41/100
Unterhaltung: 85/100
Anspruch: 70/100
Atmosphäre: 79/100
Emotion: 77/100
Humor: 02/100
Sex/Obszönität: 15/100

LACK OF LIES - Wertung: 83/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 14 Jahren (aufgrund des allgemeinen und sozialkritischen Kontexts)

Samuel W. Gailey - Komm mit mir
Polar Verlag
Sozialdrama
ISBN: 978-3-910918-46-7
288 Seiten
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Originaltitel: Come Away From Her (2023)
Aus dem Amerikanischen von Andrea Stumpf
Erscheinungstermin: 20.04.2026
EUR 26,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (ePUB 3): 978-3-910-91847-4
Erscheinungstermin: 15.04.2026
EUR 21,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Komm mit mir" beim Polar Verlag: https://polar-verlag.de/my-product/samuel-w-gailey-komm-mit-mir/

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.04.2026

- unkonventioneller und verkopfter Cerebral-Pop-Horror-Thriller -

When the Wolf Comes Home
0

Nat Cassidy - When the Wolf Comes Home
(Festa Verlag)

- unkonventioneller und verkopfter Cerebral-Pop-Horror-Thriller -

North Valley, Los Angeles, im Oktober. Ein 5-jähriger Junge flüchtet sich vor ...

Nat Cassidy - When the Wolf Comes Home
(Festa Verlag)

- unkonventioneller und verkopfter Cerebral-Pop-Horror-Thriller -

North Valley, Los Angeles, im Oktober. Ein 5-jähriger Junge flüchtet sich vor seinem gewalttätigen Vater in illustrierte Märchenwelten. Als der Vater ihn dabei erwischt, bricht die Hölle los und der Junge flieht vor ihm aus der Wohnung in die Nacht. Er versteckt sich in den Büschen eines Mehrparteienhauses, wo er von der erfolglosen Schauspielerin und Kellnerin Jess entdeckt wird. Die wiederum stößt kurze Zeit später in einer bizarren und lebensgefährlichen Situation, im Garten vor ihrer Wohnung, auf den Vater des kleinen Ausreißers. Was anschließend geschieht, lässt ihr das Blut in den Adern gefrieren. Ihre einzigen Gedanken gelten nunmehr dem Jungen und der gemeinsamen Flucht. Der Flucht vor einem unberechenbaren Monster, das töten, zerfetzen und fressen will. Und plötzlich finden sich die beiden in einer Welt wieder, die völlig aus den Fugen geraten zu sein scheint.

"When the Wolf Comes Home", des US-amerikanischen Schriftstellers Nat Cassidy, ist ein unkonventioneller und eingängiger, mitunter aber auch gedankenverloren schizophrenischer Pop-Horror-Thriller am Nabel der Zeit. Der 1981 in Phoenix, Arizona geborene Schauspieler, Musiker, Sprecher für Werbespots und (Theater-, sowie Drehbuch-)Autor, taucht tief in die Gedankenwelt seiner Hauptakteurin Jess ein. Cassidy spielt in diesem Zuge auf äußerte infame Weise mit der bösartigen Ironie des Schicksals. Mit der Adaption diverser Genreelemente aus Horror-Romanen, Filmklassikern, Serien und Cartoons der 80er / 90er Jahre, sowie uralten Märchen, weist sein, wie aus dem Leben gegriffener, spekulativer, schwungvoller und kommunikativer Erzählstil, eine enorme atmosphärische Dichte auf. Dabei arbeitet der Autor mit bekannten Stereotypen aus den vorgenannten Genres, die er auf einmalige Weise neu definiert. Mit seiner fantastischen, komplexen und vergeistigten Sprache projiziert Cassidy verstörende Bilder in die Köpfe seiner Leser.

Der Verfasser, der mit seiner Frau im Stadtbezirk Queens, in New York City lebt, lässt seine beiden Protagonisten in skurrile, obskure und konspirative Strukturen abgleiten, die ihre Inspiration offensichtlich aus den menschenverachtenden Versuchsreihen des US-Militärs Mitte des vergangenen Jahrhunderts ableiten. Ein Special Agent vom FBI wird auf den Fall angesetzt. Er soll den Jungen "nach Hause" holen. Dass diese Mission von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, kann sich jeder denken, der auch nur ein Stück weit in die empathische Geschichte um den verängstigten Jungen und die verzweifelte Schauspielerin vorgedrungen ist. Cassidy, der seine starken Ideen astrein umgesetzt hat, hält in diesem Kontext einige geniale und unvorhersehbare Twists für seine potenzielle Leserschaft bereit. Dazu stellt der Autor die Frage nach Schuld, Verantwortung, Manipulation und Macht. Einen Gutteil der Kommunikation hätte er sich allerdings getrost sparen können, dient sie doch mehr der Staffage, als dass sie was mit dem eigentlichen Geschehen zu tun hätte. Dies wirkt im weiteren Verlauf der Story ein wenig überfrachtet und kann durchaus als langatmig empfunden werden. Im Gegensatz dazu hätte ich mir ein paar weitergehende blutrünstige oder viszerale Szenen gewünscht. Wer jedoch auf extravagante und mitteilsame Pop-Horror-Thriller steht, wird sich an diesem 560 Seiten umreißenden Gemisch aus Vaterkomplexen, Vernachlässigung, Selbstzweifeln, Ängsten, Sexismus, metaphysischen Ereignissen und Gewalt gütlich tun.

(Janko)

http://www.natcassidy.com
https://www.facebook.com/friendster.myspace.gov
https://www.instagram.com/catnassidy/

Brutalität/Gewalt: 54/100
Spannung: 77/100
Action: 64/100
Unterhaltung: 83/100
Anspruch: 59/100
Atmosphäre: 78/100
Emotion: 60/100
Humor: 15/100
Sex/Obszönität: 06/100

LACK OF LIES - Wertung: 82/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 16 Jahren (aufgrund der Thematik und der Gewaltszenen)

Nat Cassidy - When the Wolf Comes Home
Festa Verlag
Horror-Thriller
Buchreihe: HORROR & THRILLER - BAND 216
ISBN: 978-3-98676-273-5
560 Seiten
Paperback in der Festa-Lederoptik mit Umschlagklappen
Originaltitel: When the Wolf Comes Home (2025)
Aus dem amerikanischen Englisch von Susanne Picard
Erscheinungstermin: 16.03.2026
EUR 16,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-98676-274-2
Erscheinungstermin: 20.02.2026
EUR 5,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"When the Wolf Comes Home" beim Festa Verlag: https://www.festa-verlag.de/when-the-wolf-comes-home.html

Leseprobe: https://www.festa-verlag.de/mpattachment/file/download/id/824/

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.04.2026

- emotionslos-nüchterner Actionthriller für die breite Masse -

The Mailman
0

Andrew Welsh-Huggins - The Mailman
(Hoffmann und Campe)

- emotionslos-nüchterner Actionthriller für die breite Masse -

Als die Anwältin Rachel Stanfield und ihr Ehemann Glenn Vaughn in ihrem Haus, ...

Andrew Welsh-Huggins - The Mailman
(Hoffmann und Campe)

- emotionslos-nüchterner Actionthriller für die breite Masse -

Als die Anwältin Rachel Stanfield und ihr Ehemann Glenn Vaughn in ihrem Haus, in einem ruhigen Vorort von Indianapolis, von vier Männern überfallen werden, droht man ihnen ernsthafte Gewalt an. Rachel kennt einen der Männer. Er nennt sich Finn. Er will die Herausgabe einer eidesstattlichen Erklärung einer ihrer Mandantinnen und den Aufenthaltsort selbiger mit roher Gewalt erzwingen. Nachdem es jedoch an der Tür klingelt und der freiberufliche Paketzusteller Mercury "Merc" Carter vor der Tür steht, gerät die Angelegenheit für Finn und seine Leute gelinde gesagt etwas aus den Fugen. Der Mailman ist nämlich nicht nur der Mailman, sondern zusätzlich ein gut ausgebildeter ex-Inspektor des US Postal Inspection Service. Und der will sein Paket zustellen. Persönlich!

"The Mailman", der erste Teil der "The Mailman Series", welcher im amerikanischen Original 2025 erschien, kommt etwas steif und trocken daher. Andrew Welsh-Huggins nutzt eine emotionslos-nüchterne Mainstream-Schreibe, wie sie austauschbarer kaum sein könnte. Zu glatt, zu konstruiert, zu unglaubwürdig. Die 400 Seiten umfassende Story, des US-amerikanischen Schriftsteller, Journalisten und Publizisten, der seit langem in Columbus, Ohio lebt, hebt sich kaum von anderen 08/15-Werken des Thriller-Genres ab. Tiefgründigkeit sucht man in diesem rein auf Action, Verwirrung und Effekthascherei ausgelegten Thriller vergebens. Solch oberflächliche Plots, die kaum einen eigenen Sound, geschweige denn einen individuellen Sog entwickeln, berühren mich in der Regel nicht. Die einzelnen Punkte mit viel Staffage aufgefüllt und konservativ abgehakt, Charaktere und Lokalkolorit so farbenfroh, wie das nächtliche Fernsehen in den 1970ern, hat man als Leser so einige Dinge zu schlucken, die nicht oder nur unzureichend aufgeklärt werden.

Als Rachel kurzerhand von den Kriminellen aus ihrem eigenen Haus entführt wird, machen sich der Mailman Merc und ihre Ehemann Glenn auf die Jagd nach den Kidnappern. Eine schier endlose und fade Jagd schließt sich an, die die beiden gefühlt durch die Hälfte der USA führt. Eine langwierige Rettungsaktion, bei der mehr spekuliert wird, als an der Frankfurter Börse. Ich musste mich schon arg zusammenreißen, um hier am Ball zu bleiben. Den Hype um die Mailman-Serie kann ich daher beim besten Willen nicht nachvollziehen. Umso komplexer sich die Story zum Schluss hin auch entwickelt, umso wirrer wird sie auch, denn plötzlich konzentriert sich alles auf einen völlig neuen Personenkreis. "The Mailman" hat durchaus ein paar gute Ideen und Szenen, bleibt aber so zäh und uninteressant wie ein Artikel im Feuilleton der FAZ. Im letzten Drittel kommt zwar so etwas wie Spannung auf, doch in seiner Gesamtbetrachtung ist der Roman nicht viel mehr, als Fastfood für die breite Masse. Wer auf Tiefgründigkeit verzichten kann, wird vielleicht sogar mit diesem Thriller zufrieden sein. Dem anspruchsvollen Bücherwurm hingegen wird die Nahrungsaufnahme nicht immer ganz leicht gemacht. Ich bin in die, hinten raus viel zu aufgebauscht Erzählung, bei der letztlich nichts beim Leser hängen bleibt und der es doch arg an Aura und Flair mangelt, beim besten Willen nicht reingekommen. Es steckt bestimmt viel Herzblut in "The Mailman", aber mein Ding ist das wirre und nervtötende Hin und Her nicht. Die Story wäre mit 100 Seiten weniger sicherlich auch ausgekommen, hätte der Autor die Eckpunkte besser verteilt. Zum Schluss hat Andrew Welsh-Huggins alles in seine Story gepackt, was noch geht, doch das kommt reichlich spät. Und das soll sich alles innerhalb von 24 Stunden abgespielt haben? Das ist schon reichlich albern! Für mich wird es daher keinen zweiten Teil der Serie geben.

(Janko)

https://www.andrewwelshhuggins.com
https://www.facebook.com/awhcolumbus
https://www.instagram.com/awhcolumbus/

Brutalität/Gewalt: 58/100
Spannung: 49/100
Action: 59/100
Unterhaltung: 64/100
Anspruch: 26/100
Atmosphäre: 44/100
Emotion: 22/100
Humor: 05/100
Sex/Obszönität: 05/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 64/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 15 Jahren (aufgrund der Gewaltszenen)

Andrew Welsh-Huggins - The Mailman
Hoffmann und Campe
Buchreihe: The Mailman Series - Teil 1
Thriller
ISBN: 978-3-455-02105-9
400 Seiten
Klappenbroschur
Originaltitel: The Mailman (2025)
Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence
Erscheinungstermin: 04.03.2026
EUR 18,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-455-02120-2
Erscheinungstermin: 04.03.2026
EUR 15,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"The Mailman" beim Hoffmann und Campe: https://hoffmann-und-campe.de/products/83131-the-mailman

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere