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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: btb
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 240
  • Ersterscheinung: 19.03.2025
  • ISBN: 9783442759262
Till Raether

Disko

Roman
1975 in der norddeutschen Provinz: Nach dem Tod ihrer Mutter hält die 14-jährige Beeke nichts mehr auf dem tristen Hof ihrer Eltern, sie flüchtet mit dem Zug nach München. Hier soll ihr älterer Bruder seit Jahren ein wildes, freies Leben führen - und zwar als Disko-Produzent. Was das genau ist, weiß Beeke nur vage. »Du hast damals geschrieben, dass in München ein ganz neuer Sound entsteht, Munich Sound. Das sei das ganz große Ding.« In München spürt sie die fiebrige Aufbruchstimmung, tagsüber schläft sie, nachts sucht sie in Diskotheken nach ihrem Bruder. Doch als sie ihn endlich findet, ist die Situation ganz anders, als sie es sich vorgestellt hat. Und dann erfährt Beeke, warum sich ihr Bruder gezwungen fühlte, seinen Heimatort Hals über Kopf zu verlassen. Empathisch, humorvoll und mit viel Zeitkolorit lässt Till Raether eine einzigartige Zeit aufleben - die musikalische Avantgarde der 70er Jahre in München - und beschreibt ein Lebensgefühl zwischen gesellschaftlichem Aufbruch und Auseinandersetzung mit den Lebenslügen der Eltern-Generation.

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Lesejury-Facts

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.04.2025

eine berührende Geschichte und eine Zeitreise

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Seutendorf, Ostholstein, Anfang November 1975.
Die Mutter der 14-jährigen Beeke ist plötzlich gestorben. Ihr Vater ist mit der Situation überfordert, Oma Großkordt ist ebenfalls keine Hilfe und Beeke ...

 
Seutendorf, Ostholstein, Anfang November 1975.
Die Mutter der 14-jährigen Beeke ist plötzlich gestorben. Ihr Vater ist mit der Situation überfordert, Oma Großkordt ist ebenfalls keine Hilfe und Beeke sieht für sich und ihre jüngeren Schwestern nur eine Chance: sie muss ihren Bruder, der in München kurz vor dem großen Durchbruch als Disco-Produzent stehen soll, nach Hause holen.

In einer Nacht- und Nebelaktion reißt sie aus dem tristen Elternhaus aus und begibt sich per Anhalter und Bahn auf die Reise von der norddeutschen Provinz in die bayrische Landeshauptstadt.
Ihr Bruder nennt sich jetzt Jerry Peters, da es jedoch seit einem halben Jahr keinen Kontakt gab, hat Beeke weder Adresse noch Telefonnummer von ihm und begibt sich nach der Ankunft in München auf eine abenteuerliche Suche.

Wird Beeke ihren Bruder finden?

„Habe ich berühmte Leute gesehen, Eric Clapton, Mick Jagger, Keith Richards, oder habe ich immer nur gehört, sie wären gerade hier gewesen, oder vorige Woche, oder sie kämen nächsten Monat nach München?“ (S.132)

Till Raether lässt die 65-jährige Beeke ihre Geschichte erzählen; sie berichtet von der Suche nach dem Bruder und den Menschen, die ihr dabei begegnet sind, von der Musikszene der 70er Jahre in München, von zu hohen Absätzen, zu kurzen Röcken und Rum Cola. Aber sie blickt auch auf die familiäre Situation zurück, auf Lebenslügen, Fehlentscheidungen und Selbstbetrug.
Der Roman ist 70er-Jahre-Feeling pur, man spürt den Auf- und Umbruch, eine neue Generation, die alte Zeiten hinter sich lassen möchte. Und mittendrin Beeke, die, wie alle Figuren, so lebhaft beschrieben wird, dass ich von der ersten bis zur letzten Seite das Gefühl hatte, bei ihrer Reise nach München und zu sich selbst, dabei zu sein.

Ich habe Beeke auf ihrer Reise sehr gerne begleitet. Till Raether beschreibt die häusliche Situation sehr eindringlich, so dass gut nachvollziehbar ist, warum Beeke sich Unterstützung und eine Verbesserung der Gegebenheiten verspricht, wenn ihr Bruder, der vor der Enge des Elternhauses und der Provinz nach München geflohen ist, zurückkehrt. Es ist berührend zu lesen, wie viel Hoffnung die 14-jährige hat, was sie auf sich nimmt, um ihn zu finden, wie viel Mut, aber auch Traurigkeit und Verzweiflung mit auf der Reise sind.
Beekes Bericht von der Reise und der Rückblick auf ihr Leben hat mich berührt und begeistert.

Eine wunderbare Geschichte – große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Unaufgeregter Unterhaltungsroman

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Am ersten oder zweiten November 1975 lag die Mutter tot im Bett und der Vater auf der Couch vor einem Bataillon Flaschen. Beeke war vierzehn und der fünf Jahre ältere Bruder Gerald nach München abgehauen. ...

Am ersten oder zweiten November 1975 lag die Mutter tot im Bett und der Vater auf der Couch vor einem Bataillon Flaschen. Beeke war vierzehn und der fünf Jahre ältere Bruder Gerald nach München abgehauen. Gerald hatte sich einen Künstlernamen zugelegt. Jetzt hieß er Jerry Peters. Er wollte die Musik revolutionieren und die Zeit half ihm dabei. Die ersten großen Diskotheken öffneten und spielten Schlager und die neuen Beats von Bonney M und Abba. Gerald alias Jerry hatte sich zu einem soliden Technikfreak entwickelt und bediente schon lange sicher den Synthesizer. Jetzt spielte er verschiedene Songs über zwei Tonspuren ein, verband sie und warf gewieft eigene Elektropopbeats ein. Er versprach sich mit einem ersten eigenen Stück einen Plattenvertrag und ein gutes Management.

Beeke wollte sich nicht um die Zwillingsschwestern, den Vater und noch um die Oma Großkordt kümmern, also machte sie sich in einer Nacht- und Nebelaktion auf nach München, ins Zentrum der Popmusik. Der erste LKW-Fahrer, der anhielt, war Tim und sah wenig älter aus als Beeke. Er fuhr nach Hamburg, von dort wollte sie mit dem Zug weiterfahren. Sie wählte ein zweite Klasse Zugabteil und machte es sich am Fenster bequem, doch schon bald stieg eine Mutter mit zwei Kindern zu und forderte die Fensterplätze ein. Die strenge Frau stellte Beeke Fragen darüber, warum sie allein reise und die antwortete korrekt, dass die Mutter tot sei und sie den Bruder finden müsse. Ziemlich schnell geriet sie unter die Fittiche des Schaffners, der sie in München persönlich an den Bruder übergeben wollte. Beeke hatte noch wenige Stunden Zeit, sich einen Plan zu machen.

Fazit: Till Raether hat eine Coming -of -Age Geschichte geschaffen. Die junge Protagonistin ist verzweifelt, weil sie sich für den Rest der Familie verantwortlich fühlt und diese Last allein nicht tragen kann. Der Bruder nutzt die Aufbruchstimmung, um möglichst weit oben mitzuschwimmen. Als schwuler Melker oder Elektroniker sieht er wenig Chancen auf ein lebenswertes Leben. Die Zeit der Nazis liegt noch nicht weit zurück und viele Täter sind in andere Posten verschoben worden, so auch die Nazi-Oma, die 1945 Beekes Vater aufgenommen hat und immer noch jeden Sonntag zum Frühstück kommt. Der Autor hat die Zeit gut beschrieben, die flirrende Energie und Enge in den Diskotheken und die Menschen, die Spaß und Ablenkung vom Alltag suchen. Bonny M. und Abba wechseln sich ab und werden mir während des Lesens zum Ohrwurm in Endlosschleife. Die Geschichte ist als Brief gedacht, in dem Beeke ihrem Bruder schreibt und ihre Erinnerungen an die Suche Revue passieren lässt, das wird vor allem am Ende klar. Die Lust nach Freiheit und Chancengleichheit hat der Autor gut gezeichnet. Was mir nicht gefallen hat, ist, dass der Autor vieles vorwegnimmt und dadurch den Spannungsbogen verliert. Das macht die Erzählung etwas langatmig. Ein unaufgeregter Unterhaltungsroman, mit dem man gut ein paar Stunden vertreiben kann.

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