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Veröffentlicht am 01.07.2026

der Schein trügt

Yesteryear
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Natalie Heller Mills lebt mit ihrem Mann Caleb und ihren Kindern auf einer Farm in Idaho den amerikanischen Traum. Während Caleb die Farm bewirtschaftet, kümmert sie sich ganz traditionell um den Haushalt ...

Natalie Heller Mills lebt mit ihrem Mann Caleb und ihren Kindern auf einer Farm in Idaho den amerikanischen Traum. Während Caleb die Farm bewirtschaftet, kümmert sie sich ganz traditionell um den Haushalt und die Kinder – und lässt als Influencerin ihre Follower an dem idyllischen Leben teilhaben.
 
„Die Spielregeln wurden im Gottesdienst und im Bibelkurs und bei jedem Abendessen wiederholt: Eine Frau hatte drei Aufgaben. Eine gute Mutter zu sein, eine gute Ehefrau zu sein und das Haus sauber zu halten. Ach, und immer schön lächeln.“ (S.54)
 
Natalie wurde religiös erzogen, war immer ein bisschen anders und galt als Außenseiterin. An der Uni lernt sie Caleb kennen, sein Vater ist Politiker, die Familie vermögend und die Zeiten ändern sich für Natalie. Nach der Geburt des ersten Kindes leben sie zunächst bei Calebs Eltern. Natalie muss sich etwas einfallen lassen und kann letztlich ihren Mann von der Idee und ihren Schwiegervater von der Finanzierung einer Farm überzeugen. Dort lebend ergibt sich, dass sie über die sozialen Medien Menschen an ihrem Alltag teilhaben lässt – und es wird zu einem großen Erfolg. Voller Ehrgeiz inszeniert Natalie ein perfektes Leben – und dann wird der Traum zum Alptraum.
 
„Ich habe die dicksten Kartoffeln“, posaunte Caleb plötzlich heraus. (S.233)
 
Ja, und genau das beschreibt Natalies Mann perfekt. Ich weiß nicht, ob das Sprichwort hinsichtlich der Ausmaße eines Erdapfels und der Intelligenz des Landwirtes weltweit bekannt ist, aber selten hat es besser gepasst als hier.
Auch die übrigen Charaktere werden nachvollziehbar, mitunter sehr stereotyp und klischeehaft beschrieben – zu dieser sehr amerikanischen Geschichte gehört es jedoch irgendwie dazu.
 
Natalie erzählt ihre Geschichte in drei Teilen – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – sowie einem Epilog, der fünf Jahre später stattfindet.
Ich habe zunächst nicht nachzuvollziehen können, wie ihr Leben und ihr Traum so krass zum Alptraum werden konnten und weil ich genau das wissen wollte, habe ich weitergelesen. Die Auflösung ist interessant, aber auch irgendwie seltsam.
 
„Lächeln. Lächeln. Lächeln. Lächeln. Lächeln. Lächeln.
Beten.“ (S.174)
 
Schon vor diesem Buch sind mir Dokus über traditionelle Hausfrauen begegnet.
Ohne Frage ist es toll, sein Brot selbst zu backen, Marmelade einzukochen, Gemüse anzubauen und frisch, regional und saisonal zu kochen – ich finde es großartig, wenn das gelebt wird und ich dabei auch noch Ideen und Rezepte abgreifen kann.
Wenn damit jedoch ein sehr konservatives Gedankengut einhergeht, es mit Vorurteilen gegenüber anderen Kulturen, Hautfarben, Lebensentwürfen verbunden ist und man sich eine Zeit, die zum Glück lange vorbei ist, zurückwünscht, dann ist das falsch und die daraus resultierende Gefahr nicht zu unterschätzen!
 
Die Welt braucht keine Menschen, die Marmeladekochen zur Ideologie machen!

Caro Claire Burke erzählt eine Geschichte, die mich wirklich beschäftigt hat. Natalies Leben, ihre Gedanken, ihre Weltanschauung sind für mich erschreckend und furchtbar und auch wenn ihre Handlungen mitunter nachvollziehbar sind, ergibt sich daraus keine Rechtfertigung für Täuschungen und Lügen. Yesteryear ist eine Geschichte über ein inszeniertes Leben, in dem der Ehemann es mit der Treue nur semi-genau nimmt, das Biogemüse nur dank Pestiziden makellos aussieht und das für soziale Medien arrangierte Familienglück vor allem aus Lug und Trug besteht.
Vorurteile, Vorbehalte, ein unangenehm konservatives Lebensmodell und eine maximal unsympathische Protagonistin – und dabei vermutlich eine Geschichte, wie sie in irgendjemandes Leben Realität ist.
 
Ein einziger, großer Fiebertraum, den es zu lesen lohnt!  

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Veröffentlicht am 03.06.2026

ein großartiges, spannendes, richtig gutes Buch!!

Die Wahrheit hinter Sherlock Holmes. Wie ein viktorianischer Mordfall enthüllte, wer hinter dem größten Detektiv aller Zeiten steckt
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Die Wahrheit hinter Sherlock Holmes / Daniel Smith

Wie ein viktorianischer Mordfall enthüllte, wer hinter dem größten Detektiv aller Zeiten steckt

„Die Wahrheit hinter Sherlock Holmes“ erzählt die Geschichte ...

Die Wahrheit hinter Sherlock Holmes / Daniel Smith

Wie ein viktorianischer Mordfall enthüllte, wer hinter dem größten Detektiv aller Zeiten steckt

„Die Wahrheit hinter Sherlock Holmes“ erzählt die Geschichte der „Ardlamont-Affäre“ und davon, wie der Medizinstudent Arthur Conan Doyle in Dr. Joseph Bell und Dr. Henry Littlejohn Vorbilder für die Figur des Sherlock Holmes gefunden hat.

Der reiche Erbe Cecil Hambrough kommt am 10. August 1893 in Schottland bei einem Jagdunfall ums Leben. Er war in Begleitung seines Lehrers Alfred Monson sowie eines Mr. Scott. Laut ihrer Aussage ist Cecil gestolpert; dabei habe sich ein Schuss aus dem geschulterten Gewehr gelöst und ihn tödlich getroffen. Da es keine Zweifel an der Geschichte gibt, stellt der Arzt den Totenschein aus.
Nachfragen der Versicherung hinsichtlich Cecils Lebensversicherung bringen erste Ungereimtheiten ans Licht – und die Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Am 31.08. wird Alfred Monson verhaftet.
Nicht nur Alfred Monson, auch Cecils Familie steht vor dem finanziellen Ruin, und das Netz undurchsichtiger Finanzgeschäfte, in dem sie sich gemeinsam verstrickt haben, kann den Anschein von Reichtum nicht länger aufrechterhalten.

Als Sachverständiger wird der Mediziner Dr. Henry Littlejohn mit der Exhumierung und Obduktion beauftragt; dieser zieht seinen Weggefährten Dr. Joseph Bell hinzu.

„Sowohl Bell als auch Littlejohn leisteten dem Gemeinwesen unschätzbare Dienste und waren auf dem Gebiet der Medizin vielfache Wegbereiter …“ (S. 21)

Die beiden Mediziner befassen sich intensiv mit diesem Fall, sie sind Experten ihres Fachbereiches, Pioniere der Forensik, herausragende Persönlichkeiten und kluge Köpfe – ihr Gutachten wird maßgeblich Einfluss auf den Indizienprozess nehmen.

Ist Alfred Monson der Mörder von Cecil Hambrough?

„Denken Sie immer daran, Ihre Schlussfolgerungen durch Tatsachen zu bekräftigen.“
(Dr. Joseph Bell, S.24)

Es ist Ansichtssache, wer der größte Detektiv aller Zeiten ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass Hercule Poirot diesen Titel für sich in Anspruch nehmen möchte. Aber ohne Frage gehört auch Sherlock Holmes zu den ganz Großen – und dieses Buch leistet einen wertvollen Beitrag, um zu verstehen, warum das so ist.

Arthur Conan Doyle studiert in Edinburgh Medizin und ist ab 1878 Assistent von Dr. Joseph Bell. Bell war zu der Zeit bereits eng mit Dr. Henry Littlejohn befreundet, und so ist davon auszugehen, dass Arthur Conan Doyle diese beiden herausragenden Persönlichkeiten bei ihren Arbeiten im Bereich der Medizin und Forensik erlebt hat und von ihnen inspiriert wurde. Unkonventionelle Methoden und scharfsinnige Rückschlüsse zeichnen die Arbeiten von Bell und Littlejohn aus.
In einem Interview im Mai 1892 sagt Doyle:

„Sherlock Holmes ist sozusagen die literarische Verkörperung meiner Erinnerungen an einen Medizinprofessor an der Edinburgh University, der oft im Wartezimmer saß, keine Miene verzog und schon eine Diagnose stellte, wenn die Patienten gerade hereingekommen waren und noch kein Wort gesagt hatten.“ (S.29)

Bell und Littlejohn waren wegweisend in der Forensik der Strafjustiz. Fingerabdrücke sind in Schottland bereits in den 1890er-Jahren ein bewährtes Mittel bei der Verbrechensaufklärung; Doyle erwähnt sie zu der Zeit auch in seinen Sherlock-Holmes-Geschichten, wohingegen Scotland Yard diese Methode in England erst ab 1901 einsetzt.

Daniel Smith erzählt spannend und sehr gut lesbar von einem irritierenden Mordfall (und ich werde nicht verraten, ob Alfred Monson der Täter ist), der Geschichte der Forensik und dem Ursprung von Sherlock Holmes. Ich bin begeistert!

In den Kapitelüberschriften finden sich Zitate aus Sherlock Holmes Geschichten, Fotos veranschaulichen das Erzählte, und der Autor gibt einen Überblick, wie die Leben der Personen nach der „Ardlamont-Affäre“ verlaufen sind.

Spoiler: Bell und Littlejohn haben auch in Sachen „Jack the Ripper“ ermittelt…

Ein faszinierendes Buch über einen mysteriösen Mordfall und kluge Männer, die ihn aufklären wollen!

Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.06.2026

herzlich, wunderbar und gut erzählt

Die Rätsel meines Großvaters
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Die Rätsel meines Großvaters / Masateru Konishi
 
Im vergangenen Jahr habe ich „Die Bibliothek meines Großvaters“ gelesen und die junge Lehrerin Kaede, ihre Freunde Iwata und Shiki und natürlich den titelgebenden ...

Die Rätsel meines Großvaters / Masateru Konishi
 
Im vergangenen Jahr habe ich „Die Bibliothek meines Großvaters“ gelesen und die junge Lehrerin Kaede, ihre Freunde Iwata und Shiki und natürlich den titelgebenden Großvater kennenlernen dürfen. Nun ist der zweite Teil der Reihe erschienen und ich war neugierig zu erfahren, wie es weitergeht. Nachdem im ersten Teil die Charaktere vorgestellt wurden, vertieft der Autor in diesem Buch nun ihre Geschichten. Iwata begegnet dem Weihnachtsmann, es wird von Shikis Theaterarbeit erzählt und natürlich gibt es Begegnungen mit dem Großvater, verbunden mit Erläuterungen zu seiner besonderen Form der Demenz, aber auch mit Momenten, in denen er brillant die Rätsel löst, die seiner Enkelin und ihren Freunden begegnen.
 
Das Buch beinhaltet fünf Rätsel, erzählt von dem Verschwinden von Iwatas Vater, einem faszinierenden Schauspieler, dem Mord an einem Polizisten, einem unerwarteten und unerwünschten Wiedersehen sowie einer Zeitreise.
Es sind kluge Geschichten mit nicht vorhersehbaren Auflösungen, die darüber hinaus Einblicke in die japanische Kultur geben und viel interessantes Wissen vermitteln.
 
Masateru Konishi greift in seinen Geschichten auf klassische Krimi-AutorInnen zurück, spielt auf bekannte Werke an oder lässt Elemente wie „die letzte Botschaft / Dying Message“ einfließen, so dass die Rätsel der Gegenwart eine Verbindung zu bekannten Krimis bekommen.
 
„Alle Dinge, die sich auf der Welt zutragen, waren Geschichten. Und weil Geschichten immer ein Happy End haben müssen, muss man fest an ein gutes Ende glauben. Das war einer von Großvaters Lieblingssprüchen.“ (S.93)
 
Ein bisschen „Love is in the Air“ ist auch dabei - und auch wenn die Situation von Kaede, Iwata und Shiki auch in diesem Buch nicht aufgelöst wird, ist das völlig okay für mich. Zum Pageturner allein macht dieser Handlungsstrang das Buch nämlich nicht, dass es sich förmlich wie von selbst liest, liegt an den gut und spannend erzählten Geschichten, den unerwarteten Wendungen und den lebendigen und bildhaften Beschreibungen.
 
Der Großvater ist an Lewy-Körperchen-Demenz erkrankt, seine gesundheitlichen Einschränkungen sowie das wechselhafte Befinden werden unaufgeregt erzählt, Kaedes Sorge um und ihre Liebe für ihn einfühlsam und nachvollziehbar beschrieben.
Der Autor nennt die weit zurückliegenden Erinnerungen des dementen Großvaters Zeitreisen und ich finde dies eine wunderbare, fantasievolle und tröstliche Umschreibung.

Neben der Begeisterung des Autors für klassische Krimis scheint er auch ein großer Fan von Alfred Hitchcock zu sein, denn es gibt einige Momente mit dem „Master of Suspense“. Großartig!
 
„Die großen Rätsel kann nur das Herz lösen“ steht auf der Rückseite und gibt auf wunderbare Weise meinen Eindruck von dem Buch wieder. Das Cover ist liebevoll gestaltet und wird der Geschichte sehr gerecht. Die Rätsel meines Großvaters“ bietet unterhaltsame, feine und kurzweilige Lektüre. Es gibt spannende Momente, kluge Erklärungen und Figuren, die mir mehr und mehr ans Herz wachsen, so dass ich mich schon jetzt auf den dritten Teil freue. Das Buch bietet eine ganz eigene Mischung aus Krimi und Erzählung hat mir gut gefallen.

Herzliche Leseempfehlung!
 
 

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Veröffentlicht am 15.05.2026

ein großartiger Roman!

Real Americans
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Real Americans / Rachel Khong
 
„Deutschland liest ein Buch“ – ein wunderbares Herzensprojekt von Kiepenheuer & Witsch, los geht’s mit: „Real Americans“.
 
1999 – Lily, Tochter chinesischer Einwanderer, ...

Real Americans / Rachel Khong
 
„Deutschland liest ein Buch“ – ein wunderbares Herzensprojekt von Kiepenheuer & Witsch, los geht’s mit: „Real Americans“.
 
1999 – Lily, Tochter chinesischer Einwanderer, arbeitet als Praktikantin in einem Medienunternehmen. Ihre Eltern sind Wissenschaftler, und für ihre Tochter haben sie sich ein erfolgreiches Leben mit einer Tätigkeit, die sie glücklich macht, gewünscht – sie soll es einmal besser haben.
Auf einer Party lernt sie den wohlhabenden Matthew kennen, die beiden verlieben sich ineinander. Lily lernt, ihr neues Leben zu akzeptieren, gewöhnt sich an den Reichtum, an Matthews Kreditkarte und an die einflussreichen Menschen um sich herum. Ein gemeinsames Kind rundet das perfekte Leben ab. Ist das Glück von Dauer?
 
2021 – Nick lebt mit seiner Mutter abgeschieden und in einfachen Verhältnissen auf einer kleinen Insel bei Seattle. Er ist kurz vor dem Schulabschluss, und ebenso wie die Frage, auf welches College er gehen soll, beschäftigt ihn auch die Frage, wer sein Vater ist. Groß, blond, blauäugig scheint er rein optisch nichts mit seiner Mutter gemeinsam zu haben. Ein heimlicher DNA-Test führt zu einem unerwarteten Ergebnis und bringt sein Leben – und alles, was er bisher zu wissen glaubte – völlig durcheinander.
 
2030 – Mai blickt auf ihr Leben zurück – ein Leben, das nicht immer einfach war, geprägt von einer harten Kindheit in China, einer abenteuerlichen Flucht, einem Neuanfang in Amerika und einem Leben, das sie voll und ganz in den Dienst der Wissenschaft gestellt hat – bis an die Grenzen des Denkbaren und darüber hinaus.
 
Drei Leben: getrennt und doch untrennbar miteinander verbunden
Drei Menschen auf der Suche nach Glück, dem richtigen Weg und Zeit
 
Gegliedert in drei Teile, beginnend mit Lily (1999), dann Nick (2021) und abschließend Mai (2030) erfährt der Lesende nach und nach, wie ihre Geschichten miteinander verbunden sind – was sie trennt und doch eint.
Es wird nachvollziehbar, warum Szenen, die zunächst faltenbringendes Stirnrunzeln verursacht haben, gar nicht anders sein konnten. Handlungsweisen, die nicht greifbar waren, werden verständlich, und es wird deutlich, dass wir alle unsere Geschichte haben und wie sehr die Liebe in ihrer vielfältigen Art darauf Einfluss nimmt. Mich haben besonders die Schilderungen des Lebens von Mai in China zur Zeit von Mao Zedong berührt.
 
Rachel Khong hat mich in einigen Momenten an T.C.B. erinnert, der ja immer wieder schöne Szenerien mit störenden Elementen bricht:
 
„Die Äpfel in den Bäumen waren golden. Auch auf dem Boden lagen Äpfel, braun und verfault. Überall schwirrten Fliegen um das matschige Obst herum. Doch wir sahen nur die Äpfel, die noch hingen, leuchtend, an Ästen wie Armen, die sich uns entgegenstreckten.“ (S.129)
 
Die drei Hauptcharaktere verbindet, dass sie immer wieder Momente erleben, in denen die Zeit stillsteht – mich hat dies zunächst verwirrt, aber um ehrlich zu sein: kennen wir nicht alle die Situationen, in denen wir uns genau das wünschen?
 
„Hätte ich die Zeit anhalten können, hätte ich es getan: Ich wäre in diesem Augenblick geblieben, solange ich nur konnte – mein gesamtes Leben lang.“ (S.196)
 
Der Roman wirft große, ethische Fragen auf, fragt was Wissenschaft darf, welche Grenzen es gibt, ob es überhaupt Grenzen geben darf – und zeigt, dass gut gemeint und gut gemacht eben doch nicht dasselbe ist.

Und neben all den großen Fragen, einer spannenden Familiengeschichte ist es auch ein Roman, der von Liebe in vielfältiger Weise erzählt: von glücklicher Liebe und Liebe, die wehtut, von Liebe, die wir vielleicht nicht verstehen und Liebe, die nicht sein kann.
All das jedoch nicht kitschig oder maximal herzschmerztriefend, sondern real, verständlich und nachvollziehbar.
 
Ich werde hier jetzt nicht mit Superlativen um mich werfen, aber aus tiefster Überzeugung möchte ich mit maximal-ostwestfälischer Emotion sagen:
 
das ist ein richtig gutes Buch!
 
Ein großer Roman, der mich absolut begeistert hat. Rachel Khong erzählt mitreißend von Lily, Nick und Mai – nimmt uns mit in ihre Leben, lässt uns sie verstehen, an ihnen zweifeln und stets hoffen, dass alles gut wird.
 
Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 16.04.2026

ein wunderschönes Buch 🇰🇷

Südkorea
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Südkorea – Land der Morgenstille / Josephine Bauluth, Christin Bohnke

„Südkorea – Land der Morgenstille“ ist ein großartiges Buch, nicht nur für junge Lesende. Die Autorinnen erzählen aus den verschiedensten ...

Südkorea – Land der Morgenstille / Josephine Bauluth, Christin Bohnke

„Südkorea – Land der Morgenstille“ ist ein großartiges Buch, nicht nur für junge Lesende. Die Autorinnen erzählen aus den verschiedensten Themenbereichen: von K-Pop über Kleidung bis Küche, von E-Sports bis Teakwando, von Feuerhunden und Meerjungfrauen bis hin zu listigen Kobolden und so erfährt man viel über das Land auf der koreanischen Halbinsel.
Die Texte sind gut verständlich und werden von wunderschönen Zeichnungen in tollen Farben ergänzt.

In dem Buch begegnet man dem alten Korea der Joseon-Dynastie, aber auch der jüngeren Geschichte des Landes:

재밌는 사실
Auf einem kleinen Platz in Seoul steht ein Stück der Berliner Mauer, die früher Ost- und Westdeutschland getrennt hat - eine Erinnerung daran, dass geteilte Länder auch wieder vereint werden können. (S.31)

Ich bin begeistert, wie vielfältig die Themenbereiche sind und mir gefällt, dass die Autorinnen neben den wesentlichen Informationen auch etwas über die Kultur erzählen, was vielleicht etwas abseits des Üblichen ist.

재밌는 사실
Statt mit »Es war einmal« zu beginnen, fangen koreanische Märchen häufig mit dem Satz »Als Tiger noch Pfeife rauchten ...«an.
Dies soll zeigen, dass die Geschichte in einer längst vergangenen, magischen Zeit spielt.

So bekommt man einen vielfältigen Einblick in die koreanische Kultur, in die Geschichte und Gegenwart des Landes im Osten Asiens.

Oft sind es ja die kleinen, besonderen Dinge, die man behält und so haben es mir in dem Kapitel rund um Sprache und Schrift die „schönen Wörter“ angetan – und auch wenn ich nicht weiß, wie man es ausspricht, ist mir doch eins besonders in Erinnerung geblieben:

효도
Hyodo bedeutet, sich gut um die Eltern und Großeltern zu kümmern und sich um sie zu sorgen, wenn sie älter werden. (S.29)

Wenn es in einer Kultur ein Wort dafür gibt, dass man sich bemüht, dass es den älteren Herzensmenschen gut geht, dann ist das einfach wunderbar.
Ebenso wunderbar finde ich, was ich die bunten Friedensbänder:

재밌는 사실
Bunte Friedensbänder hängen auf der südkoreanischen Seite an dem Zaun, der die Länder trennt. Die Menschen in Südkorea haben darauf ihre Hoffnungen und Wünsche geschrieben, dass es bald Frieden gibt und Korea wieder vereinigt, wird. (S.33)

Mir gefällt dieses Buch sehr gut, es ist interessant und abwechslungsreich und macht mich neugierig auf dieses ferne Land.

Große Leseempfehlung!

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