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Veröffentlicht am 15.02.2026

Interessant, kurzweilig gund mit Tiefe

Richtig gutes Essen
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Richtig gutes Essen / Junko Takase
 
„Humorvoll und klug stellt Junko Takase die Frage, warum wir im Leben falsch abbiegen, und zeigt anhand einer Bürogemeinschaft die Absurditäten des modernen Zusammenlebens ...

Richtig gutes Essen / Junko Takase
 
„Humorvoll und klug stellt Junko Takase die Frage, warum wir im Leben falsch abbiegen, und zeigt anhand einer Bürogemeinschaft die Absurditäten des modernen Zusammenlebens auf.“ (aus dem Klappentext)
 
Dieser Satz hat mich neugierig gemacht und so habe ich den Instantnudelholiker (mit dem Talent seltsame Entscheidungen zu treffen) Nitani, die forsche (bisweilen wenig zimperliche) Ex-Cheerleaderin Oshio und die ruhige (überschaubar belastbare) Hobbybäckerin Ashikawa kennengelernt, die im selben Unternehmen tätig sind.
 
Für Nitani ist Essen ein notwendiges Übel, er findet seine hauptsächlich aus Fertiggerichten bestehende Ernährung völlig okay. Eher zufällig kommt er Ashikawa näher, sie kocht gelegentlich für ihn und bringt so einen Hauch von geregeltem Leben in seinen Alltag. Nitani ist von ihr ebenso fasziniert wie genervt, ihm ist klar, dass er die Erwartungen seiner Familie und der Gesellschaft erfüllt, wenn er die häusliche Ashikawa heiratet, aber nur, weil ihm das klar ist, muss er es ja nicht umsetzen - und schließlich ist da auch noch Oshio, unkonventionell und so ganz anders als Ashikawa. Mit ihr kann man ein Bier trinken über Kolleg*innen lästern – auch & besonders über Ashikawa. Oshio belässt es nicht dabei, schlecht über die Kollegin zu reden, sie spielt ihr übel mit und Nitani ist daran nicht unbeteiligt. All das hat Einfluss auf das Miteinander, auf die Bürogemeinschaft, die Arbeit und Karriere. Wie wird es weitergehen?
 
Junko Takase lässt den Lesenden am Leben einer Bürogemeinschaft teilhaben, erzählt von alten Werten und neuem Denken, von Rollen und Erwartungen, von Entscheidungen und Ehrlichkeit. Es ist ein kurzer Einblick in das Miteinander einer Gemeinschaft, die sich nicht gesucht, sondern aus beruflichen Gründen ergeben hat.
 
„Oshio hatte verloren, Ashikawa hatte gewonnen. Es war ein Kampf zwischen Stärke und Schwäche unter dem Anschein eines Ringens um Richtig und Falsch.“ (S.143)
 
Nitani, Ashikawa und Oshio sind die zentralen Figuren der Geschichte, aus ihren unterschiedlichen Charakteren ergeben sich Spannungen, sie verfolgen ihre Ziele auf eigene Art und Weise – sie spielen Rollen, verstellen sich, machen mehr oder weniger sich und anderen etwas vor.
Die Momente von Nitani und Ashikawa werden in der 3. Person beschrieben, Oshio erzählt von ihren Begegnungen mit Nitani. Ich habe diese Perspektivwechsel als irritierend empfunden, sie haben den Lesefluss beeinflusst und tragen vermutlich auch dazu bei, dass ich die Figuren distanziert wahrgenommen habe und nicht mit ihnen warm geworden bin.
 
Anhand des Titels bin ich zunächst ein wenig davon ausgegangen, dass es in der Geschichte auch darum gehen könnte, wer wem dem Joghurt aus dem Kühlschrank der Kaffeeküche geräubert hat, ich wurde jedoch schnell eines Besseren belehrt und fand mich als Beobachtende der schönen Momente und tiefen Abgründe einer japanischen Bürogemeinschaft und den zwischenmenschlichen Gemütsbewegungen der Mitarbeitenden wieder.
 
Ich habe interessiert das Miteinander in einem Büro in Japan verfolgt und stelle fest, dass büroalltäglich Begeben- und Befindlichkeiten unabhängig vom Standort des Büros sind.
„Richtig gutes Essen“ ist eine interessante Geschichte, die mich in ihrer Kurzweiligkeit und Tiefe gut unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

eine wunderschöne, robust-herzliche Geschichte

Lovely Rita
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Lovely Rita / Frank Goosen
 
„Eines Abends ist die Kneipe gerammelt voll, der VfL hat ein Spiel gewonnen oder verloren, Rita kann nicht auseinanderhalten, wann die Leute sich über diesen Verein freuen ...


Lovely Rita / Frank Goosen
 
„Eines Abends ist die Kneipe gerammelt voll, der VfL hat ein Spiel gewonnen oder verloren, Rita kann nicht auseinanderhalten, wann die Leute sich über diesen Verein freuen und wann sie sich ärgern.“ (S.167)
 
Die Kneipe „Haus Himmelreich“ befindet sich auf den letzten Metern bevor der Zapfhahn zum letzten Mal zugedreht wird. Der Erzähler der Geschichte recherchiert für einen Artikel über diese Institution und möchte die kleinen und großen Geschichten wiedergeben. Dafür trifft er auf urige Gesellen wie den Käpt’n, Elvis, den Langen und Willi Trommer, die als Stammgäste zum Inventar gehören, auf Wacholder-Anni und die Gräfin und Dieter, dem die Welt die einwandfreien Montagen von Automaten aller Art zu verdanken hat. Hinterm Tresen behält Giesela den Überblick:
 
„...und weil sie eine weiße Bluse trägt, nenne ich sie White Blues Woman. Mit meinem Humor bin ich manchmal sehr einsam.“ (S.6) 
 
Aber die schillernden Gäste allein machen den Laden nicht aus, da sind auch noch Rita und Christa, die Nichten des ehemaligen Inhabers, die nach dessen Tod das Lokal übernommen haben - und nun beide auf ein erzählenswertes Leben zurückblicken. Chris, rastlos, ausbrechend und suchend und Rita, (vermeintlich) solide, bodenständig, die sich um ihre Nichte Verena kümmert, nachdem Chris abgehauen ist. Wie war das denn so, in ihrem Leben, in der Kneipe und überhaupt?

Ach, wie schön ist bitte dieser Ausflug nach Bochum – aber es ist nicht nur ein Besuch in einer kultigen Kneipe, es ist auch eine Zeitreise, denn der Autor erzählt die Geschichte zum einen im Hier und Jetzt, am Vortag und Tag der Schließung der Gaststätte und in Rückblenden aus den Leben der Schwestern.
 
Diese zeitlichen Sprünge bedeuten jedoch nicht nur eine Zeitreise im Leben der beiden Frauen, sondern es finden sich auch immer wieder Hinweise auf Momente des Zeitgeschehens; und es gibt viel Musik. Ja, Katze Stevens … es ist eine wilde Welt, Moondance und Depeche Mode. Das Buch hat einen Soundtrack und ich habe laut mitgesungen.
 
„Ich bin überzeugt, dass ich hier eine Räuberpistole aufgetischt bekomme, denn sie erzählt mir den Inhalt des Songs ‘Where do you go to my lovely‘ von Peter Sarstedt, 1969 erschienen.“ (S.33)
 
Die Geschichte wird so lebhaft erzählt, ich habe das Geklimper des Spielautomaten hören können, sehe die Nebelschwaden vor mir, als in der Kneipe noch kein Rauchverbot war und glaube sogar die Konsistenz von dem Schlach Kartoffelsalat zu wissen.
 
„Ich habe einen Schlach mehr drauf getan, sagte sie. Schlach, denke ich, die korrekte Maßeinheit für Kartoffel- oder Nudelsalat. Und für Mayo. Currywurst-Pommes mit einem Schlach Mayo obendrauf.“ (S.58)
 
Herzlichkeit, Ehrlichkeit, ein mitunter gediegener Humor und die großartige Individualität der Menschen, die ich mit der Region verbinde finde ich in dieser Geschichte wieder – und das ist einfach schön. Eine Geschichte über Liebe und Freundschaft, verpackt in einer mitunter rauhen Schale und doch spürt man den liebevollen Kern.
 
Frank Goosen erzählt in seinem neuen Buch eine wunderbare Geschichte. Ich erlebe die Menschen im „Haus Himmelreich“, höre sie reden und lachen und sehe sie weinen – und lache und weine mit ihnen.
 
Wie schön kann eine Geschichte erzählt werden?
Frank Goosen: ja!
 
Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.01.2026

eine nette, ruhige Geschichte

Mathilde und Marie
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Mathilde und Marie / Torsten Woywod

Nach persönlichen Krisen verlässt die 26-jährige Marie überstürzt Paris, ohne klares Ziel, innerlich erschöpft und orientierungslos. In einem Zug begegnet sie Jónína, ...

Mathilde und Marie / Torsten Woywod

Nach persönlichen Krisen verlässt die 26-jährige Marie überstürzt Paris, ohne klares Ziel, innerlich erschöpft und orientierungslos. In einem Zug begegnet sie Jónína, einer warmherzigen Frau aus Redu, einem kleinen belgischen Bücherdorf in den Ardennen. Spontan folgt Marie ihrer Einladung und findet sich in einem Ort wieder, der wie ein Gegenentwurf zur modernen Welt wirkt: kaum Internet, kein Mobilfunknetz, dafür Natur, Stille und unzählige Buchläden.

Während Marie langsam zur Ruhe kommt, beginnt ein Prozess der Selbstfindung. Sie lernt Mathilde kennen, die zunächst verschlossen wirkt, aber eigene seelische Wunden trägt. Zwischen Spaziergängen, Jahreszeitenwechseln und Gesprächen über Bücher entstehen vorsichtige Beziehungen. Redu wird zum Schutzraum, in dem beide Frauen sich ihren Verletzungen stellen und überlegen, welchen Weg sie künftig gehen wollen – fern von Hektik, näher an Achtsamkeit und echten Begegnungen.


Torsten Woywod, der mit Leonard und Paul eines meiner Alltime-Favourite-Bücher nach Deutschland gebracht hat, legt nun einen eigenen Roman vor, und auch hier stehen besondere Menschen mit feinen Charakterzügen im Mittelpunkt. Gleichzeitig spürt man auf jeder Seite seine Liebe zu Büchern, denn Mathilde und Marie erzählt eine Geschichte voller Bücherliebe.

Ich habe die warme Grundstimmung, die Liebe zu Büchern und die ruhige Atmosphäre sehr gespürt und mag die Botschaft zur Entschleunigung – auch wenn sie doch sehr häufig wiederholt wird. Die Geschichte ist ruhig, bietet keine Aufreger oder unnötigen Konflikte, liest sich dadurch ab der zweiten Buchhälfte jedoch auch ein wenig langatmig. Ich habe mich in Redu wohlgefühlt, und Mathilde und Marie bleiben mir in guter Erinnerung.

Wer auf der Suche nach einer unaufgeregten Geschichte ist, wird das Buch mögen.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

ein großartiger, klassischer Krimi der allerfeinsten Art!

Die Morde im Dekagon-Haus
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Die Morde im Dekagon-Haus / Yukito Ayatsuji

Poe, Ellery, Carr, Leroux, Agatha und Orczy gehören dem Krimiklub ihrer Universität an.

„Es war seit der Gründung des Krimi Clubs der K-Universität Brauch, ...

Die Morde im Dekagon-Haus / Yukito Ayatsuji

Poe, Ellery, Carr, Leroux, Agatha und Orczy gehören dem Krimiklub ihrer Universität an.

„Es war seit der Gründung des Krimi Clubs der K-Universität Brauch, dass sich die Mitglieder gegenseitig bei ihrem Decknamen riefen.“ (S.50)

Die Studierenden machen sich am 26.3.1986 auf dem Weg zu der Insel Tsunojima. Sie gehörte einst einem exzentrischen Architekten, der dort die Blaue Villa sowie das geheimnisvolle Dekagon-Haus erbaute. Im Herbst 1985 kam es zu einem mysteriösen Vierfachmord, der nie aufgeklärt werden konnte. Neben dem Architekten verstarben seine Frau und das Verwalterehepaar. Die Villa ist abgebrannt, das Dekagon-Haus existiert noch.
Van, ein weiterer Student, hat durch seinen Onkel, der nun die Liegenschaft betreut, Zugang zu der Insel und so den Klubmitgliedern die Reise ermöglicht. Er ist vor den anderen dort angekommen und hat das Haus für den Aufenthalt vorbereitet.

Die jungen Leute möchten die Insel erkunden, prüfen, ob die Gruselgeschichten, die über den Ort erzählt werden, stimmen und jede*r soll einen Beitrag zu der Klubzeitschrift „Die Insel der Toten“ verfassen.

„Der Name unserer Zeitschrift wurde schließlich von Christies berühmtesten Werk inspiriert, das in der japanischen Erstübersetzung von 1939 den Titel „Die Insel der Toten“ trug.“ (S.52)

Nach der ersten Nacht liegen auf dem Esstisch Schilder auf denen „1. Opfer“ bis „5. Opfer“, „Detektiv“ und „Mörder“ stehen – sie halten das zunächst für einen Scherz oder ein Spiel – aber dies ändert sich schnell, als Orczy ermordet aufgefunden wird.

Die jungen Leute sind auf der Insel von der Außenwelt abgeschnitten und können keine Hilfe rufen. Wird es bei dem einen Opfer bleiben oder müssen sie alle fürchten, die Insel nicht lebend zu verlassen?

Klar, die Idee eine Gruppe von Menschen auf einer einsamen Insel ohne Aussicht auf Hilfe in eine mörderische Situation zu bringen ist nicht neu; Yukito Ayatsuji erzählt die Geschichte jedoch auf eine besondere Art und Weise und die Widmung

„Gewidmet in ehrenvollem Gedenken all meinen Vorgängern“

unterstreicht für mich den Respekt vor anderen Krimischaffenden, den ich auch im Text empfunden habe.

Der Aufbau ist klassisch, ein Prolog und Epilog bilden einen passenden Anfang und Abschluss. Die Geschichte selbst spielt nicht nur auf der Insel, es gibt auch zwei Klubmitglieder, die nicht an der Reise teilgenommen haben. Kavaminami und Morisu (das sind nicht ihre Klubnamen) erhalten einen mysteriösen Brief, der in Zusammenhang mit der Insel steht und beginnen ihrerseits etwas zu recherchieren. So wechseln sich in den Kapiteln die „Tag auf der Insel“ und „Tag auf dem Festland“ Passagen ab.

Der Autor beschreibt seine Figuren sehr lebhaft, ich habe sie mir bestens vorstellen und auch ihre persönlichen Befindlichkeiten untereinander nachvollziehen können. Der Krimi ist spannend, führt durch vielschichtige Handlungsstränge gelungen auf falsche Fährten und bietet eine schlüssige, für mich nicht vorhersehbare Auflösung.
Ein wirklich tolles Buch und eine großartige Umsetzung des klassischen „Whodunnit“-Szenarios.

An manchen Stellen gibt es Fußnoten, zum Beispiel zur Erklärung japanischer Lyrik oder zur Erläuterung von Gedichtsammlungen. Mir gefällt so etwas immer sehr gut.

Großartig, absolut großartig! Ich habe die Geschichte gebannt und mit Begeisterung gelesen, Vermutungen angestellt und verworfen und war von der Auflösung überrascht! Ich bin wirklich begeistert und freue mich auf kommende Bücher des Autors.

Allergrößte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 31.12.2025

ein spannender, klassischer Krimi - großartig

Die Spatzenmorde von Onikobe
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Die Spatzenmorde von Onikobe / Seishi Yokomizo

Kosuke Kindaichi ist wieder da und ich habe mich sehr auf den fünften Fall des eigenwilligen Ermittlers gefreut.

Im August 1955 möchte der Privatdetektiv ...

Die Spatzenmorde von Onikobe / Seishi Yokomizo

Kosuke Kindaichi ist wieder da und ich habe mich sehr auf den fünften Fall des eigenwilligen Ermittlers gefreut.

Im August 1955 möchte der Privatdetektiv Kosuke Kindaichi ein paar Tage Urlaub machen.

„Er war nicht ständig auf Verbrecherjagd, sondern suchte auch hin und wieder Ruhe und Einsamkeit, um sich geistig und körperlich zu erholen.“ (S.20)

Sein Freund Kommissar Isokawa empfiehlt ihm eine kleine Pension am Rand des Dorfes Onikobe und gibt ihm ein Empfehlungsschreiben an die Wirtin Rike Aoike mit. Isokawa kennt die Gegend von dem Mord an Rike Aoikes Mann, der sich 1932 ereignete und nie vollständig aufgeklärt werden konnte.

Kosuke Kindaichi gefällt es in Onikobe, er lernt den Dorfvorsteher Hoan Tatara kennen und erfährt viel über die Geschichte des Dorfes und dem Einfluss, den die Familien Yura und Nire auf die Gemeinde und ihre Bewohnenden genommen haben und noch heute nehmen.

Doch die Idylle wird jäh zerstört, als eine junge Frau ermordet aufgefunden wird. Sie liegt unter einem Wasserfall mit einem Trichter im Mund. Die groteske Szene erschüttert die Dorfgemeinschaft, doch es bleibt nur wenig Zeit für Trauer und Ermittlungen, schon bald gibt es ein weiteres Opfer.

„Die … jungen Frauen … waren … auf grausame Weise ermordet worden. Der Mörder schien sich auf ein altes Temari-Lied zu beziehen, das früher in Onikobe gesungen wurde, dass inzwischen aber kaum noch jemand kannte.“ (S.313)

Dann wird auch noch Dorfvorsteher vermisst und es scheint, dass die Verbrechen nicht nur einen Bezug zu dem alten Temari-Lied haben, sie weisen auch auf den Mord im Jahr 1932 hin.

Kommissar Isokawa kommt nach Onikobe, wird er zusammen mit Kosuke Kindaichi die Verbrechen von damals und heute auflösen?

Ein allerfeinster klassischer Krimi, ganz im Stil von Agatha Christie – und hier hat mich besonders die Parallele begeistert, dass die Morde sich an einem Kinderlied orientieren, so wie die Queen of Crime auch immer wieder ihre Geschichten auf einen auf Lieder und Gedichte für Kinder zurückführt.

Die Geschichten von Seishi Yokomizo leben von einer Vielzahl an Personen, zur Orientierung gibt es ein Personenregister. Ein Glossar gibt Hinweise zur japanischen Kultur, zu Land und Leuten und eine Landkarte erläutert die örtlichen Gegebenheiten.

Die Geschichte spielt in den 1950er Jahren, dadurch wird wunderbar ein klassisches Gefühl transportiert und gleichzeitig erscheint die Erzählung zeitlos. Der Autor hat eine besondere Art, das Unheimliche und Böse zu erzählen, so dass es zunächst leise und unauffällig daherkommt, umso mehr erschüttern dann mitunter die bildhaften Details.

In der Geschichte blickt Kosuke Kindaichi auf vorherige Fälle zurück, zieht Parallelen zu den Morden auf der Insel Gokumon und nimmt den Lesenden mit in seine Welt. Mir hat das ebenso gut gefallen wie der Hinweis auf die „Geschichten am Kamin“ von Arthur Conan Doyle.

Ich habe den Krimi kaum aus der Hand legen können, weil ich unbedingt wissen musste, welche Lösung der Privatdetektiv präsentieren wird – und ich war auf der richtigen Fährte, das Motiv war jedoch viel ausgeklügelter, als ich es ahnen konnte.

Wer klassische Krimis mag und dafür nicht unbedingt den berühmten Nebel in London oder einsame Herrenhäuser auf der britischen Insel braucht, der ist mit den Geschichten von Seishi Yokomizo wirklich bestens bedienst. Ich bin von Buch zu Buch mehr begeistert und freue mich nun schon auf das nächste Abenteuer von Kosuke Kindaichi.

„Die Spatzenmorde von Onikobe“ ist ein brillanter, geistreicher und spannender klassischer Kriminalroman der alten Schule, der mich wirklich begeistert hat.
Seishi Yokomizo hat eine spannende Art zu erzählen, christie-like legt er falsche Fährten, um dann seinen Ermittler eine absolut schlüssige Lösung präsentieren zu lassen.

Ganz große Leseempfehlung!

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