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Veröffentlicht am 21.09.2016

Das turbulente Leben einer Patchworkfamilie

Unter einem Dach
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Ein Mann, drei Frauen, drei Kinder. Sie alle befinden sich in einer neuen Situation, der Patchworkfamilie. Anneke Mohn schildert einfühlsam aber auch humorvoll, wie das Leben aller beteiligten aus den ...

Ein Mann, drei Frauen, drei Kinder. Sie alle befinden sich in einer neuen Situation, der Patchworkfamilie. Anneke Mohn schildert einfühlsam aber auch humorvoll, wie das Leben aller beteiligten aus den Fugen gerät.

Drei Frauen stehen im Mittelpunkt dieser Geschichte. Da ist zunächst einmal Dana, eine erfolgreiche Professorin der Soziologie. Als sie Mattis begegnete, merkt sie schnell, dass er der Richtige für sie ist. Doch Mattis ist verheiratet und hat zwei Kinder im Schulkindalter und ein weiteres aus einer früheren Beziehung. Er verlässt seine Frau Maren und möchte mit Dana zusammen sein, ohne auf seine Kinder zu verzichten. Doch Maren ist nicht bereit, ihren Mann kampflos aufzugeben, schließlich ist ihre Familie ihr Leben. Als sie einen schweren Autounfall hat und auf Hilfe angewiesen ist, nimmt Mattis sie und die Kinder in seinem neu erworbenen Haus auf. Das Chaos ist vorprogrammiert. Die dritte Protagonistin ist Jil. Mattis erste Frau aus Jugendjahren, bietet einen Gegenpol zu Maren. Sie ist eine rastlose Weltenbummlerin. Jil und Mattis haben gemeinsam einen Sohn, der bereits erwachsen ist und eine eigene Familie gründet. Über Umwege verschlägt es auch sie in das Haus ihres Ex-Mannes. „Es würde wunderbar werden. Wenn alle mitmachten.“ (Seite 8) Mattis großer Traum einer harmonierenden Patchworkfamlie geht allerdings nicht in Erfüllung.

Anneke Mohn lebt und arbeitet in Hamburg. Sie war als Lektorin in verschiedenen Verlagen tätig, inzwischen arbeitet sie als Übersetzerin und Autorin. Unter einem Dach ist der neuste Roman der Autorin. Zwei weitere Romane sind im Rowohlt Verlag erschienen: Kirschsommer (2013) und Apfelrosenzeit (2014).

Anneke Mohn gelingt es, glaubhaft die Situation einer Patchworkfamilie zu schildern. Es handelt sich um einen unterhaltsamen Roman, der eine nette Lektüre für Zwischendurch darstellt. Die Geschichte ist nicht sonderlich tiefgängig, aber das ist auch gar nicht nötig. Alle wichtigen Aspekte werden berücksichtigt und so kommt eine runde Geschichte am Ende heraus. Allerdings muss man auch sagen, dass das Zusammentreffen mancher Protagonisten ala „die Welt ist klein“ etwas zu konstruiert ist und eigentlich auch nicht nötig gewesen wäre. Anneke Mohn setzt alle beteiligten Familienmitglieder, die neuen sowie die alten, in ein Haus und bringt die Situation somit auf den extremen Höhepunkt. Denn Mattis Vision von einer großen heilen Patchworkfamilie kann einfach nicht funktionieren.

„Denn wir alle haben ein Problem.“ (Seite 235)

Die Autorin schlägt einen flüssigen und leicht verständlichen Ton an. Mit Humor, aber auch dem nötigen Ernst wird die Situation dieser außergewöhnlichen Patchworkfamilie einfühlsam beschrieben. Witzige Gedanken wie „Dana, die Frau mit den Apfelbrüsten“ (Seite 240), aber auch die eigenen Zweifel der Protagonisten an der aktuellen Situation finden Platz in der Geschichte.

Der Roman ließ sich zügig und mit anhaltendem Interesse lesen. Der Leser wird absolut abgeholt und kann der Erzählung folgen und mit den Protagonisten mitfühlen. Allerdings hat mich der Roman nicht wirklich komplett abgeholt. So kann ich das Buch als schnelle Lektüre zur Unterhaltung durchaus empfehlen, es wird aber vermutlich nicht lange in meinen Gedanken weiter spuken, da das ganz besondere Etwas irgendwie gefehlt hat.

Veröffentlicht am 21.09.2016

Ein fulminanter Psychothriller für Leser mit starken Nerven

Du
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Ein Roman mit besonderer Erzählperspektive. Zoran Drvenkar wählt die besondere Perspektive der zweiten Person „Du“, sie dient in dem vorliegenden Werk dazu, den Leser ganz dicht an die Protagonisten zu ...

Ein Roman mit besonderer Erzählperspektive. Zoran Drvenkar wählt die besondere Perspektive der zweiten Person „Du“, sie dient in dem vorliegenden Werk dazu, den Leser ganz dicht an die Protagonisten zu führen, die Geschichte also aus Sicht der verschiedenen Charaktere zu erzählen. Die zahlreichen Protagonisten wechseln sich mit ihren Schilderungen ab und schnell stellt sich der Leser die Frage: Wer ist diese allwissende Personen, die in alle Köpfe, sogar in die der Toten, hineinschauen kann? Denn hin und wieder macht es den Anschein, als würde diese allwissende Person die Protagonisten direkt ansprechen. Er kennt ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und auch ihre Zukunft.

Zoran Drvenkar wurde 1967 in Kroatien geboren. Mit drei Jahren kam er nach Deutschland und wuchs in Berlin auf. Er arbeitet als freier Schriftsteller und publiziert neben seinen Romanen auch Kinder- und Jugendbücher. Seine beiden Thriller Du bist zu schnell (2003) und Sorry (2009) sollen verfilmt werden.

Der Einstieg in die Geschichte fällt zunächst aufgrund der zahlreichen Charaktere etwas schwer. Mehr als zehn Protagonisten treten abwechselnd Kapitel für Kapitel auf die Bühne und erzählen ein Fragment der Geschichte aus ihrer Sicht. Der dynamische Fortlauf der Handlung reißt einen aber dennoch mit. Das Tempo erhöht sich vorlaufend, selbst wenn man als Leser denkt, schneller und drastischer kann es nicht werden. Doch! Das geht! Zoran Drvenkar schreckt vor keiner Brutalität zurück, er lässt seine Protagonisten ungehindert morden und ins Verderben laufen.

Zunächst einmal aber zur Handlung. Da gibt es den Reisenden, der immer wieder einmal auftaucht und eine große Anzahl an toten Menschen hinter sich lässt. Da er nicht gefasst werden kann ist er ein regelrechter Mythos, von dem jeder weiß, aber keiner ahnt, dass er ihm bald begegnen wird. Dann sind da fünf Freundinnen, die aufgrund eines Heroinfundes auf der Flucht sind. Sie werden von einem Mann gejagt, der „Der Logist“ genannt wird. Alle Protagonisten scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, aber dennoch rauschen sie in voller Fahrt aufeinander zu. Ihr Weg ist gepflastert mit Brutalität und Tod. Teilweise fand ich aber gerade diese Brutalität fragwürdig. Kann ein Vater den Freund seines Kindes töten? Auch die wirklich turbulente Handlung ist zum Teil etwas unglaubwürdig. Fünf junge Mädchen, die vor einem brutalen Drogenliferanten fliehen und dabei greift kein einziges Mal die Polizei wirklich in diese Verfolgung ein, obwohl es zu Todesfällen kommt? Das Cover macht die Düsternis dieser Erzählung sehr deutlich und alles scheint von einem Mann abzuhängen: dem Reisenden. Doch wie passt er in die Geschichte hinein?

Zoran Drvenkar erzählt in gnadenloser Grausamkeit die Geschichte. Kalt und hart lässt er einen Teil seiner Protagonisten erscheinen, während die anderen, die es bisher nicht waren selbst diesen Weg einschlagen. Der Autor hat einen fast poetischen Erzählstil, der in jeder Minute der Geschichte passt. Durch die Du-Perspektive werden die Taten aller Protagonisten irgend wie nachvollziehbar und verständlich. Mal empfindet der Leser Mitleid oder Verständnis, ein anderes Mal wird er aber voller Abscheu die Taten und Gefühle des Protagonisten verfolgen.

Du ist kein Buch für Leser mit schwachen Nerven. Es ist ein Psychothriller mit besonderem Perspektivwechsel. Drvenkar bietet keinen leichten Einstieg in seine Geschichte, aber die zig verschiedenen Handlungsstänge und Charaktere fügen sich Stück für Stück zu einem großen Ganzen zusammen. Wenn man sich darauf einlässt, wird man nicht enttäuscht werden. Auch wenn hier und da die Erzählung zu dramatisch und unglaubwürdig erscheint, so wird man spätestens mit dem fulminanten Schluss der Geschichte entschädigt.

Veröffentlicht am 28.02.2026

Vielfältiges Kochbuch mit ein paar Einschränkungen

Vegan genial in 15 Minuten
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Die Hälfte unserer vierköpfigen Familie ernährt sich inzwischen vegan oder überwiegend pflanzlich. Vegane Kochbücher sind daher immer eine willkommene Gelegenheit, das eigene Repertoire zu erweitern und ...

Die Hälfte unserer vierköpfigen Familie ernährt sich inzwischen vegan oder überwiegend pflanzlich. Vegane Kochbücher sind daher immer eine willkommene Gelegenheit, das eigene Repertoire zu erweitern und neue, leckere Mahlzeiten zu entdecken. Da ich selbst nur sehr ungern koche, freue ich mich besonders über Bücher mit One-Pot-Gerichten oder schnellen, unkomplizierten Rezepten.
"Vegan genial in 15 Minuten" von Josita Hartanto verspricht eine leichte und zugleich hochwertige Küche. Die Vielfalt der Rezepte ist groß, allerdings sind nicht alle Gerichte bei uns so gelungen, wie wir es uns erhofft hatten – oder wie es die Bilder im Buch vermuten ließen.

Die Autorin:

Josita Hartanto (geboren 1981) betreibt das Restaurant „Lucky Leek“ im Berliner Prenzlauer Berg, das als eines der besten veganen Restaurants Deutschlands gilt. Sie absolvierte eine klassische Kochausbildung im Hotel Steigenberger in Berlin und arbeitete anschließend in verschiedenen Stationen als Köchin.
2010 übernahm sie die Position der Küchenchefin im ersten rein veganen Restaurant Berlins, „La Mano Verde“. 2011 eröffnete sie schließlich ihr eigenes Restaurant am Kollwitzplatz. Das „Lucky Leek“ wird seit 2014 im Guide Michelin geführt.
Neben "Vegan genial in 15 Minuten" (2021) veröffentlichte sie bereits "Vegan genial: aufregend anders kochen" (2013) sowie "Vegan schnell schnell: genial einfach, einfach genial" (2014).

Inhalt:

„Wie verschaffe ich mit Genuss, Lebensfreude und Entspannung beim täglichen Kochen? Diese Frage stand am Beginn dieses Buchprojektes. Die vegane Spitzenköchin Jopsita Hartanto hat unter dieser Prämisse über 100 frische und abwechslungsreiche Rezepte zusammengestellt, die man schnell und ohne großen Aufwand täglich zubereiten kann. Rein pflanzlich genial einfach – einfach genial.“ (Klappentext)

Gedanken zum Kochbuch:

Auf dem Cover sehen wir die Autorin und Köchin, die uns mit über 100 Rezepten auf gut 220 Seiten versorgt. An ihrer Seite ein Korb voller Gemüse – ein klarer Hinweis auf die pflanzliche Ausrichtung des Buches.

Neben einem Vorwort der Autorin gibt es auch eines von Udo Taubitz (Kinderbuchautor und Schreibtrainer). Im anschließenden Intro erfährt man, dass alle Rezepte für zwei Personen konzipiert sind. Diese Information hätte ich mir direkt bei den Rezepten gewünscht, da ich die einleitenden Seiten in Kochbüchern ehrlich gesagt selten ausführlich lese. Es folgt ein Glossar, damit alle Leserinnen und Leser auf dem selben Wissensstand starten. Vor dem Rezeptteil gibt es zudem hilfreiche Seiten zu Gewürzen, Pasten, Ölen und Soßen – das hat uns besonders gut gefallen. Das Buch ist in die Kapitel „Vorspeisen“, „Für den großen Hunger“ und „Desserts“ unterteilt. Im Anhang finden sich Register, Danksagung und Platz für eigene Notizen.

Ein großes Manko ist leider die sehr starke Bindung des Hardcover Buches. Es bleibt einfach nicht von alleine offen liegen und nicht mal ein Buchhalter wurde Herr der Lage, naja, erst als ich das gesamte Teil einfach auf das offene Buch gelegt habe, blieb es offen liegen (siehe Collage oben). Für ein Kochbuch, das in der Küche genutzt wird, ist das äußerst unpraktisch, besonders wenn man beim Kochen nicht ständig mit klebrigen Händen die Seiten festhalten möchte.

Die Rezepte selbst sind sehr vielfältig. Obwohl wir bereits einige vegane Kochbücher besitzen, konnten wir hier viele neue Inspirationen entdecken. Die Zubereitung ging meist recht schnell und unkompliziert, allerdings entsprachen die Ergebnisse nicht immer den Erwartungen, die die Fotos geweckt haben. Beispielsweise die Grießnocken mit kalter Mandel-Tomatensauce: Laut Rezept enthalten die Nocken keine Kräuter (wie auf dem Foto im Buch abgebildet) – diese hätten wir uns jedoch gewünscht, um geschmacklich mehr Tiefe zu erreichen. Auch die Sauce war bei uns eher bräunlich statt rot und traf nicht ganz unseren Geschmack.

Das Süßkartoffel-Curry mit Nudeln war hingegen sehr lecker, wenn auch nicht ganz so unkompliziert in der Zubereitung – insbesondere im Umgang mit den Udonnudeln und – in unserem Fall – bei doppelter Menge.

Die Zitronen-Gnocchi mit roten Zwiebeln, grünen Bohnen und Minze haben uns ebenfalls gut geschmeckt. Mit frischen Bohnen wären sie optisch und geschmacklich sicher noch besser gewesen, aber saisonal war das bei uns leider nicht möglich.

Besonders gelungen fanden wir die Kartoffelrösti sowie den dazu gereichten Rotkohlsalat – auch wenn man Rotkohl unserer Meinung nach eher schneidet als raspelt – wie es im Rezept empfohlen wird. Die Orangencreme hingegen wurde bei uns weder richtig cremig noch schmeckte sie intensiv nach Orange. Sie erinnerte eher an einen nicht optimal abgeschmeckten Hummus.

Bei den Desserts entschieden wir uns für die Matcha-Kokoskugeln. Sie sind vermutlich Geschmacksache: Unsere Tochter mochte sie nicht besonders, mein Mann und ich hingegen schon. Überraschend für mich, da ich normalerweise kein großer Fan von Süßigkeiten mit Walnüssen bin.

Fazit:

"Vegan genial in 15 Minuten" ist ein buntes, vielseitiges Kochbuch mit einigen kreativen Ideen. In der praktischen Handhabung – insbesondere durch die feste Bindung – gibt es jedoch klare Schwächen. Zudem wirken einige Fotos ansprechender als das, was letztlich auf dem Teller landet.
Mit etwas Auswahl und Anpassung lassen sich jedoch durchaus leckere Gerichte finden, sodass das Buch insgesamt eine solide Ergänzung für die vegane Küche darstellt – wenn auch nicht ohne kleine Einschränkungen.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Guter Ratgeber für Eltern von schüchternen Kindern im Alter von 0 bis 10 Jahren

Mein wunderbares schüchternes Kind
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Dass es wunderbar ist, ein schüchternes Kind zu haben, war mir schon immer bewusst. Da war es schön, einen Titel zu entdecken, der diese Schüchternheit nicht als Problem darstellt, sondern als Herausforderung ...

Dass es wunderbar ist, ein schüchternes Kind zu haben, war mir schon immer bewusst. Da war es schön, einen Titel zu entdecken, der diese Schüchternheit nicht als Problem darstellt, sondern als Herausforderung und gleichzeitig als normale Form des individuellen Temperaments eines Menschen. Da die Gesellschaft allerdings nicht unbedingt für ruhige und zurückhaltende Menschen gemacht ist, ist ein Ratgeber für Eltern solcher Kinder hilfreich. Inke Hummel bietet in ihrem Buch "Mein wunderbares schüchternes Kind" einige Ratschläge für Alltagssituationen in den verschiedenen Entwicklungsphasen. Leider kam für mich das Alter von 11 bis 18 Jahren mit etwas mehr als 20 Seiten deutlich zu kurz. Hat man aber noch jüngere, schüchterne Kinder zu Hause, findet man hier einige Anregungen zur Unterstützung dieser besonderen Individuen.

Zitat: „Druck hilft ihm nicht, danke. Wir machen das mit Zeit und Liebe.“ (Inke Hummel: Mein wunderbares schüchternes Kind. Seite 52)

Die Autorin:

Inke Hummel arbeitet als pädagogischer Couch und unterstützt Familien mit Kindern im Babyjahr, in der Kindergarten- und Grundschulzeit sowie in der Pubertät. Sie ist außerdem SPIEGEL-Bestsellerautorin, Pädagogin und Inhaberin der Familienbegleitung „sAchtsam Hummel“. Ihr Schwerpunkt liegt bei gefühlsstarken sowie schüchternen Kindern denen sie dazu verhilft, eine gute Eltern-Kind-Bindung aufzubauen. Sie selbst ist dreifache Mutter und lebt in Bonn.

Inhalt:

„Was schüchterne Kinder und ihre Eltern brauchen
»Mama, das traue ich mich nicht!« – »Kannst du für mich fragen, Papa?« – Viele Eltern kennen solche Sätze und fragen sich, ob es in Ordnung ist, dass ihr Kind oft ängstlich ist, alleine spielt oder im Unterricht keinen Ton herausbringt. Wie viel Schüchternheit ist normal? Wann muss ich mir Sorgen kannst, damit es selbstständig wird, und in welchen Momenten du mit Gelassenheit reagieren solltest. Dazu gibt es viele Tipps für die verschiedenen Entwicklungsphasen und typischen Alltagssituationen: von ersten Spielplatzbesuchen über Trennungsängste oder Einschulung bis hin zum Umgang mit Verwandten, Fremden und Gleichaltrigen.“ (Produktbeschreibung)

Gedanken zum Ratgeber:

Auf dem Cove sehen wir ein verschmitzt dreinblickendes Kind, welches durch einen Vorhang schaut. Es zeigt die zurückhaltende und beobachtende Art schüchterner Kinder sehr schön und die gedeckten Farben ergeben ein harmonisches Bild.

Zitat: „Achtsame Elternschaft erzeugt weder unselbstständige Kinder noch Tyrannen.“ (Inke Hummel: Mein wunderbares schüchternes Kind. Seite 138)

Die Autorin beginnt zunächst kurze Basics zum Thema zu erklären und steigt dann in die Details ein. Es geht um Struktur, Verlässlichkeit, Ruhe und die Vermeidung von Überforderung. Der Einstieg umfasst dabei etwa 30 Seiten. Danach ist das Buch in drei Altersabschnitte unterteilt: 0-5, 6-10 und 11-18 Jahre.

Der erste Altersabschnitt (0-5) gibt Ratschläge zum Verhalten in der Krabbelgruppe, zu Hobbys, Aufenthalte auf dem Spielplatz oder das Verreisen. Grundtenor ist: früh da sein, vorbereitet sein, gewohnte Dinge mitnehmen, ein ausgeruhtes und gesättigtes Kind. Rituale geben außerdem Sicherheit. Geduld, Gelassenheit und Verständnis sind Grundvoraussetzung und das Kind bestimmt die Umstände, nicht die Erwartungen Außenstehender. Außerdem geht die Autorin nochmals darauf ein, wie Termine beim Arzt oder anderen Erwachsene, die Kita Eingewöhnung und der Umgang mit Erzieher:innen, der Trennungsangst etc. gut ablaufen können. Dabei nutzt sie viele kleine Alltagsbeispiele für die Themen Angst, Aggressionen, Freunde finden, Bewegung, Nähe und Motivation.

Zitat: „Solange dein Kind sich im Rahmen seiner Möglichkeiten anstrengt, ist das schon viel. Mehr Druck ohne Unterstützung von Schulseite wird nichts ändern.“ (Inke Hummel: Mein wunderbares schüchternes Kind. Seite 188)

Der zweite Altersabschnitt (6-10) ist ebenfalls 74 Seiten lang und hat einen ähnlichen Aufbau wie oben beschrieben. Hier kommen dann noch Schulängste und der Umgang mit Lehrkräften hinzu. Außerdem wird der Blick auf mögliche Ruheinseln für das Kind zu Hause aber auch auf die eigene Kindheit oder eigene Besonderheiten als Eltern gerichtet. Auch die Themen Hochsensibilität und Mutismus-Erkrankung finden eine kurze Erwähnung. Die knappen Verweise darauf fand ich gut, vielleicht wäre eine etwas nähere Einordnung oder Definition aber noch besser gewesen.

Der dritte Abschnitt (11-18) umfasst leider nur sehr knappe 22 Seiten und bot für mich wenig Input. Wieder wird auf Schule, Freizeit, Arzt und nun auch die Berufswelt geblickt. Allerdings nur äußerst kurz. Man soll Ansprechpartner des Kindes und in Kommunikation bleiben, übernimmt aber immer seltener die Aufgabe der Vermittlung zu anderen Menschen. Das ist alles richtig, aber auch in diesem Alter (immerhin knapp die zweite Hälfte der Kindheit) bestehen weiterhin gewisse Herausforderungen. Hier lediglich den Verweis zu geben, dass vielleicht eine therapeutische Maßnahme vonnöten ist, in Zeiten in denen man nur sehr schwer Therapieplätze bekommt und manchmal Jahre warten muss, ist dann doch recht ernüchternd.

Was mir auch nicht so gut gefallen hat, ist der Notizzettel, der 13 mal auf gut 200 Seiten abgedruckt wurde. Die Botschaft oder das Mantra ist zwar gut: „Fordern, aber nicht überfordern! Fordern, aber nicht zwingen! Stress mindern! Lass dein Kind aktiv werden!“, aber ich brauche es nicht so oft im Buch. Kurze Zusammenfassungen der einzelnen Abschnitte hätte ich als sinnvoller erachtet.

Zitat: „Ohne ein Gefühl des Leidens ist Schüchternheit keine psychische Störung.“ (Prof. em. Dr. Georg Stöckli in: Inke Hummel: Mein wunderbares schüchternes Kind. Seite 206)

Im Anhang findet sich noch eine Literaturliste mit einigen Titeln zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema und darüber hinaus. Außerdem werden hilfreiche Adressen aufgelistet.

Fazit:

"Mein wunderbares schüchternes Kind" ist ein gutes Einstiegswerk für die ersten 10 Jahre mit einem schüchternen Kind. Darüber hinaus kann ich es aber nicht empfehlen. Zu knapp die Abhandlung einer so wichtigen Zeit wie die Pubertät, zu viele Verweise auf professionelle Hilfe, bedenkt man, dass man heutzutage schwer einen Therapieplatz ergattert. Mir fehlte es außerdem an Zusammenfassungen in einem Infokasten am Ende jedes Kapitels, um schnell nochmal Dinge nachschlagen zu können.

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Veröffentlicht am 09.07.2024

Ein Ratgeber für die manchmal anstrengende Zeit der Pubertät

Wenn Töchter erwachsen werden
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Nachdem ich vor kurzem den Ratgeber "Jungen! – Wie sie glücklich heranwachsen" gelesen habe und daraus einige hilfreiche Tipps entnehmen konnte, dachte ich mir, ich widme mich auch einmal den Mädchen. ...

Nachdem ich vor kurzem den Ratgeber "Jungen! – Wie sie glücklich heranwachsen" gelesen habe und daraus einige hilfreiche Tipps entnehmen konnte, dachte ich mir, ich widme mich auch einmal den Mädchen. Hier bekam ich eine Buchempfehlung ausgesprochen, nämlich Lisa Damours Ratgeber "Wenn Töchter erwachsen werden – Was Mädchen in der Pubertät brauchen". Im Grunde gibt das Buch einen ganz guten Einblick in die Gefühlswelt der pubertierenden Mädchen, allerdings war die dargebrachte Art etwas trocken und wenig mitreißend und auch die Beispiele, die herangeführt werden, waren mir etwas zu extrem. Ich konnte hier nicht wirklich die Mädchen und jungen Frauen sehen, die ich bei meiner Tochter und im gesamten Bekanntenkreis so antreffe. Auf den vielen Seiten gibt es sicherlich einige gute Ratschläge, doch leider musste ich hier schon sehr viel filtern um meine eigene Quintessenz zu finden.

Zitat: "Mädchen im Teenageralter vergessen manchmal, dass es ein Teil der Lösung sein kann, wenn sie sich mal eine Pause vom Problem nehmen." (Lisa Damour: Wenn Töchter erwachsen werden – Was Mädchen in der Pubertät brauchen. Seite 125)

Die Autorin:

Lisa Damour machte ihren Doktor in der klinischen Psychologie, arbeitet in ihrer eigenen Praxis und ist Direktorin des Laurel School’s Center for Research on Girls. Außerdem lehrt sie an der Case Western Reserve University. Durch ihre Arbeit wurde sie zur Expertin für Erziehung und kindliche Entwicklung. Hierzu hält sie Vorträge und veröffentlichte bereits einige wissenschaftliche Publikationen. In den USA wurde sie vor allem durch ihren New-York-Times-Blog bekannt. Sie lebt mit ihrer Familie in Shaker Heights, Ohio.

Inhalt:

„Mädchen im Teenageralter benehmen sich unvorhersehbar launisch und lassen ihre Eltern oft ratlos zurück. Die Entwicklungspsychologin Lisa Damour gewährt einen Blick hinter die Kulissen weiblicher Pubertät. Sie erklärt, warum dieses Verhalten nicht nur natürlich , sondern auch notwendig ist. Sie beschreibt die sieben speziellen Herausforderungen, die Mädchen in dieser fragilen Phase meistern müssen, und gibt Anregung, wie man sie dabei begleiten kann. Die Autorin bereitet Eltern darauf vor, worauf sie achten können, wie sie im Gespräch bleiben und wann sie tatsächlich eingreifen müssen. Sie hilft, Mädchen in der Pubertät zu verstehen und zu stärken – und das, ohne dabei die Nerven zu verlieren.“ (Produktbeschreibung)

Gedanken zum Ratgeber:

Das Cover zeigt ein junges Mädchen, welches ihre Hand ins Bild streckt und ihre orange lackierten Fingernägel präsentiert. Vielleicht wollte hiermit dargestellt werden, wie sich Mädchen ab einem gewissen Alter abnabeln, distanzieren und ihre eigenen Entscheidungen treffen wollen. In jedem Fall kann man aufgrund des Bildes recht schnell erahnen, worum es sich bei diesem Ratgeber handelt. Auch der Titel ist gut sichtbar positioniert.

Die Autorin schöpft aus ihren vielen Erfahrungen als Therapeutin und unterfüttert ihre Thesen mit zahlreichen Beispielen aus ihrer therapeutischen Arbeit. So manches war für mich dabei jedoch zu abstrakt und nicht so recht greifbar. Außerdem musste ich mir einen Leseplan erstellen, um dran zu bleiben, ansonsten hätte ich wohl noch einige Zeit mehr an diesem doch recht dicken Ratgeber gelesen. Die Sprache der Autorin ist zwar gut verständlich, allerdings doch recht trocken und mit wenig Humor gespickt, sodass ich nur schwer bei der Sache blieb. Ich hätte mir eine lebhaftere Abhandlung der Thematik gewünscht.

Zitat: "Sie müssen von der Annahme ausgehen, dass sich jedes Mädchen im Jugendalter insgeheim Sorgen macht, dass es verrückt sein könnte." (Lisa Damour: Wenn Töchter erwachsen werden – Was Mädchen in der Pubertät brauchen. Seite 107)

Was mir gut gefallen hat, war der Anfang, bei welchem die Autorin dem Leser genau erklärt, wieso die Töchter eben so ticken, wie sie ticken. Dazu liefert sie außerdem hin und wieder Vorschläge, was man zu seinen Kind in gewissen Situationen sagen kann oder auch was man dringend vermeiden sollte. Auch gibt sie Mut, während schwererer Phasen durchzuhalten und die Gegebenheiten zu akzeptieren, auch wenn es manchmal schwer fällt, sich als Eltern zurückzunehmen und das Kind seine eigenen Erfahrungen machen zu lassen.

Wie bereits oben erwähnt, konnte ich nicht allzu viele Hilfsmittel für mich finden. Der Text ist recht umfangreich, und es fiel mir doch schwer, die einzelnen Kernpunkte für mich herauszupicken, um sie für den Fall der Fälle in meinem Gedächtnis abzulegen, bei Bedarf hervorzuholen und anzuwenden. Obwohl jedes große Kapitel mit dem Abschnitt „Wann sie sich Sorgen machen müssen“ abschließt, was eine zusammenfassende Wirkung hätte bereiten können, müsste ich wohl einige Kapitel bei Bedarf nochmals lesen, um sie in Gänze zu erfassen.

Zitat: "Manchmal verlieren Mädchen ihre eigenen Wünsche aus den Augen, weil sie so gut darin sind, darauf zu achten, was alle anderen wollen. Es ist okay, in Beziehungen Opfer zu bringen, solange du das Gefühl hast, dass das, wofür du es aufgibst, sich lohnt." (Lisa Damour: Wenn Töchter erwachsen werden – Was Mädchen in der Pubertät brauchen. Seite 255)

Außerdem hatte ich das Gefühl, dass zu viele Extremfälle aus dem Erfahrungsschatz der Therapeutin herangezogen wurden. Das alles trifft auf uns aber nun wirklich nicht mal ansatzweise zu. Und ich bezweifle, dass wir da solch eine Ausnahme sind. Ganz am Ende macht die Autorin dann eine unfassbar unzeitgemäße Aussage, die mich wirklich verärgert hat und mich dann kurzzeitig am Rest ihrer Tipps und Ratschläge zweifeln ließ. Es ging dabei um Essstörungen (dieses Thema wurde bereits zuvor ausführlicher behandelt) und in ihrer Zusammenfassung am Ende des letzten großen Kapitels warnt die Autorin davor, dass Kinder, die „die Auswahl an Lebensmitteln ein[…]schränken (zum Beispiel Vegetarierin oder Veganerin“ (Seite 310) werden, meist eine Essstörung entwickeln würden. Das ist doch nun wirklich an der Realität vorbei und nicht mehr gegenwartsnah. Ich kann mir vorstellen, was die Autorin damit aussagen wollte, aber solch eine wenig differenzierte Behauptung in einem Nebensatz zu präsentieren, erachte ich als unhaltbar.

Fazit:

"Wenn Töchter erwachsen werden" ist ein Ratgeber, der recht trocken und wenig lebendig daher kommt, einige sehr extreme Beispiele aufführt und sich für mich am Ende doch leider etwas ins Aus schießt. Vielleicht lässt sich auch einfach nicht ganz so gut von amerikanischen Jugendlichen auf deutsche Jugendliche projizieren? Sicherlich kann man hier ein paar gute Ratschläge herausfiltern und versteht die Gefühlswelt der Töchter nach der Lektüre ein wenig besser, kann entspannter damit umgehen. Aber bei der Masse an Seiten hätte ich mir doch ein wenig mehr hilfreiche Tipps erhofft, anstatt immer wieder über Extrembeispiele zu lesen. Vielleicht habe ich aber auch einfach die wundervollste und unkomplizierteste Tochter der Welt. Wer weiß.

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