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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2018

Oma Else zeigt, wie aktiv man auch im Alter noch sein kann!

Ich knittere nicht, ich lache nur
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Else ist eigentlich keine echte Oma, denn sie hat weder Kinder noch Enkel. Aber sie fühlt sich wie eine, denn sie hat ein Herz für Kinder.
In diesem Buch geht es aber nicht um Kinder, sondern um Elses ...

Else ist eigentlich keine echte Oma, denn sie hat weder Kinder noch Enkel. Aber sie fühlt sich wie eine, denn sie hat ein Herz für Kinder.
In diesem Buch geht es aber nicht um Kinder, sondern um Elses späte Liebe Rudolf. Ihr gemeinsames Leben mit Pflegehündin Tyra könnte so harmonisch und friedlich sein, wenn sich Rudolf nicht so merkwürdig benehmen würde.
Else spioniert ihm nach, denn sie vermutet eine weibliche Konkurrenz als Grund. Sie wird eifersüchtig wie ein Teenager und begibt sich in Schwierigkeiten, die den Leser gut unterhalten.

Als dann noch Rudolfs Bruder auftaucht, ein Dandy mit Rolls Royce und elegantem Auftreten, und ihr den Hof macht, ist sie völlig verwirrt. Die jugendlichen Schmetterlinge flattern auf einmal wieder und Else erlebt aufregende Abenteuer. Dabei bringt sie sich in schräge Situationen, die mich schmunzeln lassen. Ihre Autofahrt ist allerdings schon grenzwertig, gerade solche Fahrer braucht man im Straßenverkehr nicht.

Else spricht den Leser persönlich an, das schafft eine gewisse Vertraulichkeit, als ob man sie schon länger kennt. Dadurch bekommt die Sprache aber auch einen locker, flapsigen Ton, der zwar zu Elses sympathischer Art passt, mir aber etwas zu seicht erscheint.

Dieses Buch ist eine nette, leichte Geschichte über die Liebe im Alter und wie man trotz aller Hindernisse optimistisch bleibt. Denn wenn man an etwas glaubt, kann man alles schaffen.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Familiendrama mit Argentinischer Geschichte vermischt

Drei Minuten mit der Wirklichkeit
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Dieser Roman ist eigentlich ein Familiendrama, doch der Autor begibt sich auch ins politische Fach, neben der Militärdiktatur Argentiniens wird auch die DDR-Vergangenheit zur Sprache gebracht. Was mich ...

Dieser Roman ist eigentlich ein Familiendrama, doch der Autor begibt sich auch ins politische Fach, neben der Militärdiktatur Argentiniens wird auch die DDR-Vergangenheit zur Sprache gebracht. Was mich gut unterhalten hat, sind die Erklärungen zum Tango, seine Wirkung, sein Ausdruck und wie man ihn in Argentinien allnächtlich zelebriert, hat mich sehr interessiert.
Dabei sind die Beschreibungen des Tango recht speziell und schon eher für echte Tangotänzer relevant.
Tango wird häufig als erotisch beschrieben, die Partner kommen sich sehr nah, dabei handelt der Tanz eigentlich nur von der Sehnsucht nach Liebe und von Hoffnungslosigkeit. Musik und Tanz bilden dabei eine Einheit.


In Buenos Aires trifft Giulietta auch wieder auf ihren Vater, der sich ihr als ein völlig Anderer präsentiert und die Geschichte bekommt melodramatische Züge. Auf einmal verbindet sich auch die deutsche Geschichte mit der argentinischen, die befreundeten Diktaturen waren sich damals sehr nahe.
Was mir zu viel übertrieben erschien, sind die Charaktere, sie sind zu stark betont, sie sind immer schön, heißblütig, hochbegabt, aussergewöhlich und intelligent. Hier hatte ich mehrfach die Vorstellung, Figuren aus einem Groschenroman vor mir zu haben.

Eine schöne Geschichte, mit dem spannendem Einblick in das Tänzerleben und die Geschichte Argentiniens hätte mir vollends gereicht. Leider entwickelt sich die Story dann jedoch zum Polit-Thriller und auch das Ende hat mir nicht gefallen.

Dieses Buch liess mich durch die vielen Informationen und die merkwürdig in die Handlung gebauten Figuren recht verwirrt zurück! Wer sich für Zeitgeschichte und Kultur Argentiniens interessiert, der Welt des Tango näher kommen möchte, der findet hier eine anschauliche Lektüre.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Slapstickhafte Krimödie für Hundeliebhaber

Glitzer, Glamour, Wasserleiche
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Ich bin Tatjana Kruse-Fan, weil der rabenschwarze Humor aus ihren Zeilen springt wie bei kaum einer anderen Autorin.
Auch mit dem zweiten Teil ihrer Krimireihe um Operndiva Pauline Miller ist Tatjana Kruse ...

Ich bin Tatjana Kruse-Fan, weil der rabenschwarze Humor aus ihren Zeilen springt wie bei kaum einer anderen Autorin.
Auch mit dem zweiten Teil ihrer Krimireihe um Operndiva Pauline Miller ist Tatjana Kruse ein äußerst spaßiger Krimi gelungen, dessen Krimihandlung zwar nicht mit atemloser Höchstspannung daherkommt, dafür punktet er aber wie gewohnt mit reichlich Situationskomik und viel Wortwitz.


Pauline Miller ist eine erfolgreiche Operndiva, die Champagner und Mozartkugeln liebt und am liebsten Designer-Fummel in Übergröße trägt. Sie hat so ihre Starallüren, benimmt sich wie eine Diva und liebt ehrlich gesagt nur sich und ihren Hund, den Boston Terrier Radames. Für ihn hat sie einen Tierenergetiker samt Schwester engagiert und ihre kleinwüchsige Managerin Bröcki ist auch wieder mit von der Partie.
Dennoch ist sie sympathisch und hat ihr Herz auf dem rechten Fleck. Ihre lustigen Sprüche, die ihr Tatjana Kruse immer geschickt in den Mund legt, sorgen für Lacher beim Lesen und gleichzeitig klärt Pauline auch über den Inhalt der zu singenden Oper Turandot auf.
Sie geht sogar so weit, dass sie beim gemeinsamen Käsefondue mit ihrer Truppe Shakespeare rezitiert: "Feuer sprühe, Kessel glühe...". So wird interessant inhaltliche Tiefe eingebaut.

Leider kann die Spannung hier nicht mithalten, die eine Wasserleiche dümpelt durch den Bodensee, die Lösegeldübergabe zerfließt im Schweiß der Sauna und die Spannung weicht eher einer slapstickhaften Verfolgungsjagd mit Tretboot. Auch der Hundeanteil nimmt meines Erachtens zu viel Raum in der Handlung ein. Wahre Hundefreunde mögen das anders sehen.

Aber nicht nur Pauline verliebt sich in diesem Sommer in den isländischen musikalischen Leiter, sondern auch Radames vergeht vor Liebe zu einem Schwan.
Das mag man glauben oder nicht, es ist mit einem humorvollen Zwinkern geschrieben.

Der wunderbar schräge Erzählstil der Autorin hat mich wieder gut unterhalten und über die vermisste Spannung hinweggetröstet. Insgesamt gesehen, habe ich schon bessere Bücher der Autorin "verschlungen". Aber ich werde auch den nächsten Auftritt Paulines nicht verpassen, schliesslich bin ich Opernfan.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Eine amerikanische Betrachtung der Kochwelt und Gesellschaft.

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens
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Dieser Roman beschreibt einen Lebenskreis, der mit der Kindheit Evas beginnt, dann von ihren Freunden und Bekannten erzählt, später sehen wir Eva als erfolgreiche Köchin wieder und erleben am Ende das ...

Dieser Roman beschreibt einen Lebenskreis, der mit der Kindheit Evas beginnt, dann von ihren Freunden und Bekannten erzählt, später sehen wir Eva als erfolgreiche Köchin wieder und erleben am Ende das Wiedersehen mit ihrer Mutter Cynthia.

Es schliesst sich ein Kreis, bei dem wir zwischendurch Eva zwar direkt aus den Augen verlieren, aber indirekt dreht sich alles um sie. Die anderen aufgeführten Figuren haben alle irgendeine Verbindung zu Eva. Diese Art von Romanaufbau finde ich sehr interessant, aber es bringt auch Längen mit sich.
Aus der Sicht der Hobbybäckerin Pat Prager zum Beispiel sehen wir Eva als Jurymitgleid bei einem Backwettbewerb. Dank Braque, die ungestüme Freundin, erleben wir gemeinsame Aktivitäten und Erlebnisse von Chiliwetten.


Der Autor zeigt Evas Leben und verbindet damit kulinarische Inhalte. Es beginnt mit ihrer speziellen Vorliebe für Chilis, die sie im Kleiderschrank züchtet. Die Chilis können gar nicht scharf genug sein. Schon früh entwickelt sie einen besonderen Geschmackssinn, der sie später ins Kochmetier führt. Ihr Vater Lars hat ihr diese Kunst wohl schon in die Wiege gelegt.
Eva arbeitet sich aus einfachen Verhältnissen hoch und macht sich mit ihren gewagten Kochkreationen von regionalen Produkten einen Namen in der Kochszene Nordamerikas. Sie hat eine besondere Art, ihre Mitmenschen einzuschätzen, die mich gut unterhalten hat. Aber Eva blieb mir trotz der vielen Ansichten durch Bekannte eigenartig fremd. Die vielen Wechsel der Personen haben mir den Zugang zum Buch eher erschwert.


Dabei gibt Stradal mit seinem lockeren und leichten Erzählfluss einen Einblick in die amerikanische Seele. Wie erleben Menschen, die als Mutter aufgeben, aber sich mit Weinkultur perfekt auskennen. Ein junges Mädchen, das schwanger wird und sich Geld für die Abtreibung erwettet. Es sind etwas ungewöhnliche Lebensverläufe, die Emotionen der Menschen werden jedoch nicht vollständig ausgeleuchtet.


Begleitend werden Rezepte und Gerichte im Roman eingearbeitet, die aber bei mir keinen großen Appetit geweckt haben. Es gibt Essenszusammenstellungen, die für den europäischen Gaumen nicht lecker klingen. Auch erscheint die Aufzählung verschiedener Tomatensorten zwar interessant, es gibt sie aber wohl nur auf dem amerikanischen Markt.
Außerdem kann ich nicht nachvollziehen, dass Eva die extreme Schärfe von Chilis nichts anhaben kann, sie aber dennoch einen ausgezeichneten Geschmackssinn haben soll. Das ist in sich schon ein Widerspruch.


Von diesem Roman hatte ich mir mehr versprochen als einen durchschnittlichen Unterhaltungswert. Dafür ist es interessant zu sehen, wie sich Evas Lebenskreis am Ende schliesst.

Veröffentlicht am 13.04.2018

ein spannender Krimi, bei dem man in menschliche Abgründe schauen kann.

Scherbenkind
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Nachdem "Blutopfer" mir unbeschreiblich gut gefallen hat, habe ich mich auf "Scherbenkind" gestürzt. Die psychologische Seite ist auch dieses Mal sehr ausführlich recherchiert und ausgearbeitet.

Man kann ...

Nachdem "Blutopfer" mir unbeschreiblich gut gefallen hat, habe ich mich auf "Scherbenkind" gestürzt. Die psychologische Seite ist auch dieses Mal sehr ausführlich recherchiert und ausgearbeitet.

Man kann die beiden Bücher unabhängig voneinander lesen, bekommt im ersten Band jedoch einiges über das Leben der allein erziehenden Kommissarin und ihrer Tochter mit.


Scherbenkind ist ein unvorhersehbarer Krimi, bei dem sich menschliche Abgründe auftun, die man nur schwer fassen kann. Man fiebert der Auflösung entgegen, die sehr logisch klingt und ist erstaunt über die anschaulich erklärten psychologischen Fälle. Mich hat diese Tiefe im Bereich von dissoziativen Störung jedoch verwirrt. Ich konnte die mit dieser Störung einhergehenden Handlungen nicht immer nachvollziehen. Zu groß war die Anzahl der abgesplitterten Persönlichkeiten in nur einer Person. Hier den Durchblick zu behalten, fiel mir wirklich schwer.
Anfangs vermutete ich ein Doppelleben von zwei Frauen und tippte auf Zwillinge. Die Situation stellte sich dann durch die psychologische Störung in anderer Ausprägung dar.

Verena hat mir wieder gut gefallen, sie zeigt unermüdlichen Arbeitseinsatz, lässt aber erneut die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem ausser Acht. Auch ihr verbaler Schlagabtausch mit Staatsanwalt Triberg unterhält wieder gut, ihre gegenseitige Aversion ist unverändert und es schlagen negative Funken, wenn sie sich begegnen.
Die Charaktere aus dem Ermittlerteam wirken lebendig und sind gut gezeichnet, sie fügen sich angemessen in die Handlung ein, ohne die Spannung zu zerstören.
Auch der flüssige Schreibstil ist wieder wunderbar zu lesen, gerade die gekonnt dargestellte realistische Ermittlungsbeschreibung hat mir gut gefallen.

Womit ich aber ein Problem hatte, sind die besonderen Ausprägungen der dargestellten multiplen Persönlichkeitsstörung. Auch wenn ich die Erklärungen nachvollziehen konnte, gingen mir die Personen doch regelrecht durcheinander.


Für diejenigen Krimileser zu empfehlen, die sich mit psychischen Störungen auskennen. Ansonsten ein spannender Krimi, bei dem man in menschliche Abgründe schauen kann.