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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2018

Mr. Hangar war ihr Schicksal

Weit weg von Verona
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Denn er war ein Schriftsteller, der einst eine Schule besucht und hat anschließend Jessica Vie, die - damals erst neun Jahre alt - ihm ihre gesammelten Werke vorlegte, ein Feedback gegeben, was ihre angestrebte ...

Denn er war ein Schriftsteller, der einst eine Schule besucht und hat anschließend Jessica Vie, die - damals erst neun Jahre alt - ihm ihre gesammelten Werke vorlegte, ein Feedback gegeben, was ihre angestrebte Karriere anbelangte: sie wollte nämlich Schriftstellerin werden, seit sie denken kann. Seiner Ansicht nach war sie es bereits damals

Inzwischen ist sie dreizehn, setzt sich auf besondere Weise mit Literatur auseinander - innerlich ist sie weit weg von Romeo und Julia und damit auch von Verona, sie bevorzugt "Silbermond und Kupfermünze" - und hat so ihre eigenen Vorstellungen vom Leben. Es kann durchaus mal passieren, dass sie mit sich selbst oder auch mit Gott redet, auch wenn ihr klar ist, dass die Leute so etwas nicht mögen. Allerdings mag fast niemand sie, wenn er sie besser kennenlernt. Denkt sie. Obwohl sie durchaus ein paar Freundinnen hat und auch mit der ein oder anderen Lehrerin klar kommt.

Ja, Jessica, deren Vater, eigentlich ein Lehrer, eine späte Karriere in der Kirche startet und ganz unten, also als Hilfsgeistlicher anfangen muss, ist bereits in jungen Jahren eine englische Exzentrikerin vom Feinsten - eine, die mit ihren Macken und Verschrobenheiten lebt und sich nicht sonderlich müht, von allen geliebt zu werden. Eine, die stets die Gasmaske griffbereit hat, womit sie nicht alleine ist, denn wir befinden uns ziemlich am Anfang des Zweiten Weltkriegs und England wird gnadenlos bombardiert. Und zwar quasi flächendeckend.

So verwundert es Jessica - im Gegensatz zu ihren Eltern - nicht sonderlich, dass ihr erstes Rendezvous mit dem bildschönen Kommunisten Christian durch einen Fliegerangriff beendet wird und zwar auf eine Art, die sie nicht unbedingt stärker für ihn einnimmt.

Der Stil der Autorin Jane Gardam ist einfach herrlich und die Übersetzung von Isabel Bodgan, die mit ihrem eigenen Roman "Der Pfau" bewiesen hat, wie sicher sie sich in jeder Hinsicht auf dem britischen Parkett zu bewegen weiß, trifft voll ins Schwarze! Witzig und spritzig geht es zu, auch wenn viele der Windungen auf Jessicas Weg, den wir lesenderweise begleiten dürfen, eher ernster Natur sind. Auf die historische Einbettung habe ich ja bereits hingewiesen und wir begegnen auch tatsächlich allem, was wir über England im Zweiten Weltkrieg gehört haben: Bomben, Hunger, die englische Antwort auf die Kinderlandverschickung und einiges mehr. Die Autorin - und ebenso ihre Übersetzerin - nehmen alles ebenso ernst, wie ihre junge Protagonistin, vermögen jedoch, diesen nicht einfachen Alltag mit Leichtigkeit und mit sehr viel Respekt zu transportieren. Denn wir alle wissen ja: Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Und das kann man hier quasi ununterbrochen!

Ein göttliches Buch, bei dem ich mich frage, wie sehr sich die Autorin mit ihrer Protagonistin identifiziert. Eines, das ich auch etwas älteren Jugendlichen ans Herz legen bzw. schenken würde. Aber nicht nur ihnen, ich empfehle es wirklich jedem, der offen ist für einen Gesellschaftsroman der etwas anderen Art!

Veröffentlicht am 28.07.2018

Boah, wat is dat lecker!

Knödel-Blues
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Ich habe alle niederbayerischen Krimis von Rita Falk mit Begeisterung verschlungen, habe mit dem Franz gelitten, wenn der Leopold oder Kollegen ihn genervt haben, ihn verflucht, wenn er die bezaubernde ...

Ich habe alle niederbayerischen Krimis von Rita Falk mit Begeisterung verschlungen, habe mit dem Franz gelitten, wenn der Leopold oder Kollegen ihn genervt haben, ihn verflucht, wenn er die bezaubernde Susi wieder einmal auflaufen ließ... und natürlich Tränen gelacht über die Oma; Sparstrumpf und Kochexpertin der Familie. Und jedesmal, wenn die Familie um den Tisch saß oder der Franz sich auch nur beim Simmerl eine Leberkässemmel geholt hat, ist mir das Wasser im Munde zusammengelaufen, auch wenn die Gerichte für mich als Nichtbayerin häufig böhmische Dörfer waren.

Doch nun hat sich Rita Falk der ausgehungerten Leserschar, ihrer Eberhofer-Fangemeinde, erbarmt und Abhilfe geschaffen - durch ein wundervolles Kochbuch, das nur so strotzt vor vielversprechenden Rezepten und natürlich - wie könnte es bei dieser Autorin anders sein - vor Humor. Viele Rezepte werden von Oma Eberhofers Kommentaren begleitet, auch der Franz, sein Bruder Leopold, sein beatlesverrückter Vater und natürlich die bezaubernde Susi kommen immer mal wieder zu Wort. Nicht zu vergessen das Vorwort, natürlich aus Omas Sicht! Und die Rezepte sind professionell abgefasst und machen so auch den Neulingen den Einstieg in die bayerische Küche leicht möglich.

Aber was das Buch zu einem besonderen Schmankerl macht, sind die optischen Details: von fast jedem Rezept gibt es ein Foto - für mich ein wichtiges Kriterium für ein gutes Kochbuch. Doch das ist noch nicht alles: immer wieder sind Fotos aus der bayerischen Provinz, auch aus dem Alltag eines Polizisten eingebaut, die den Rezipienten dieses Kochbuchs - ich würde ihn nicht als Leser, sondern als sinnlichen Genießer bezeichnen wollen - so richtig in der Welt der Eberhofers schwelgen lassen.

Und so sage ich als Kölnerin aus vollem Herzen: Boah, wat ein leckeres Kochbuch! Und wer das Rheinland kennt, der weiss, dass sich bei uns "lecker" nicht allein auf die kulinarischen Genüsse beschränkt, sondern quasi allumfassend ist und sinnliche Freuden aller Art, also auch optische und "erlesene" einbezieht. Wunderbar für die Fans von Rita Falks Krimis, doch auch Quereinsteiger werden auf ihre Kosten kommen und vielleicht sogar - quasi verkehrtherum - den Weg zu den niederbayerischen Krimis der Autorin finden.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Pragmatisch, praktisch - asiatisch gut!

Asiatisch gut gekocht
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Dieses Kochbuch ist das Richtige für Einsteiger, die sich mit asiatischer Küche beschäftigen wollen, aber auch für Köche/Köchinnen, die mit asiatischer Kochkunst bereits Erfahrungen gesammelt haben, nun ...

Dieses Kochbuch ist das Richtige für Einsteiger, die sich mit asiatischer Küche beschäftigen wollen, aber auch für Köche/Köchinnen, die mit asiatischer Kochkunst bereits Erfahrungen gesammelt haben, nun aber auch mal Rezepte haben wollen, für die man auf einfachem Wege Zutaten beschaffen kann und die für eine breitere Schar von Essern geeignet sind. Hier von Fusion-Kitchen zu sprechen, wäre falsch, doch sind die Rezepte durchaus an den europäischen Markt und den deutschen Gaumen angepasst - Eigenschaften, die ich durchaus zu schätzen weiß. Einführungen werden sowohl im Hinblick auf relevante Bestandteile - sowohl Küchenutensilien als auch Zutaten kulinarischer Art - der asiatischen Küche wie auch auf ihre wichtigsten Zubereitungsarten (Pfannenrühren - Schmoren - Dämpfen - Fritieren) gegeben, dann folgt der Rezeptteil. Hier entspricht die Gliederung eher einem klassischen deutschen Kochbuch: auf kleine Speisen (Suppen, Salate & Snacks) folgen Gemüse, Currys als Spezifikum der asiatischen Küche, Fisch, Fleisch, Nudeln etc. und Desserts.

Kurzum, der Leser kann, was den Gebrauch dieses Kochbuchs angeht, sowohl an alten Gewohnheiten festhalten als auch Neues erkunden. Ein besonderes Schmankerl sind die über das ganze Buch verteilten Exposés zu den kulinarischen Eigenarten von 11 asiatischen Ländern. Dass hier nun gerade die beiden, die ich am besten kenne - Kambodscha und Laos - fehlen, ist ein unglücklicher Zufall, der selbstverständlich bei der Bewertung nicht ins Gewicht fällt.

Auch gefällt die Markierung der Gerichte mit kleinen runden Emblemen, die auf Herkunft und Zubereitungsart der jeweiligen Speise hinweisen. Dazu kommen stimmungsvolle Fotos - allein das in Schwarz-Rot gehaltene Cover mit Wok, Budda und Stäbchen wirkt elegant, stimmungsvoll und vielversprechend und macht Lust auf das Buch. Ich kann nur sagen, es lohnt sich - auch im Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ich freue mich schon auf die Zubereitung von Gerichten wie Fisch-Sambal, Hosomaki-Sushi und Veggi-Curry, aber auch als Geschenk ist das Buch aus meiner Sicht ist es sehr gut geeignet - solo oder zusammen mit ein paar grundlegenden kulinarischen Zutaten für einen asiatischen Abend: ich werde mir diese Idee für die nächste Hochzeit, auf der ich eingeladen bin und das Brautpaar keine Geschenkeliste vorbereitet hat, vormerken.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Eine fesselnde dänische Thrillerreihe

Blut für Blut
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ist der Autorin Julie Hastrup mit den beiden bislang in die deutsche Sprache übersetzten Bänden "Vergeltung" und "Blut für Blut" um die Ermittlerin Rebekka Holm gelungen, wobei aus meiner Sicht der vorliegende ...

ist der Autorin Julie Hastrup mit den beiden bislang in die deutsche Sprache übersetzten Bänden "Vergeltung" und "Blut für Blut" um die Ermittlerin Rebekka Holm gelungen, wobei aus meiner Sicht der vorliegende zweite Teil den ersten an Spannung und Ideenreichtum sogar noch überbietet.

Diesmal geht es um den Tod einer Endfünfzigerin - der aus den Medien bekannten Sozialarbeiterin Kissi Schack, einer sowohl privat als auch im Berufsleben überaus beliebten Person, wie sich während der Ermittlungen herausstellt.... oder scheint es nur so? Kissi ist geschieden und hat sich für von ihren Familien verfolgte Immigrantinnen eingesetzt und nach und nach zeigt sich, dass sie doch dem ein oder anderen im Weg gestanden haben könnte...

Julie Hastrup schreibt engagiert und packend, so dass es schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen. Obwohl über 400 Seiten lang, enthält das Buch keine Längen, die Protagonistin Rebekka Holm ist eine sympathische Figur, die nichtsdestotrotz Ecken und Kanten aufzuweisen hat. Was also will man mehr? Ich jedenfalls bin wunschlos glücklich, jedenfalls beinahe, denn ein paar offengebliebene Erzählstränge gibt es doch - zweifellos von der Autorin gewollt, doch da ich die Story so genossen habe, hätte ich sie doch gern aufgelöst gehabt. Aber das sind Peanuts im Vergleich zu dem einerseits fesselnden, andererseits entspannenden Lesevergnügen, das mir dieses Buch bereitet hat. Ich wünsche der Autorin auch in Deutschland eine große und treue Leserschaft und fiebere dem dritten Band entgegen!

Veröffentlicht am 28.07.2018

Drei Freundinnen und ihre Schicksale

Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl’s Diner
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Dies ist eine Geschichte von drei Frauen: gute Freundinnen seit ihrer Jugend, mehr oder weniger glücklich, mehr oder weniger stark. Die Besonderheiten bzw. Eigenarten des Buches: erstens spielt die Handlung ...

Dies ist eine Geschichte von drei Frauen: gute Freundinnen seit ihrer Jugend, mehr oder weniger glücklich, mehr oder weniger stark. Die Besonderheiten bzw. Eigenarten des Buches: erstens spielt die Handlung im afroamerikanischen Milieu und zweitens spielen Verstorbene darin eine äußerst lebhafte, nein, man kann guten Gewissens sagen: lebendige Rolle. Ob das Buch dadurch zum Fantasy-Roman wird? Nein, keineswegs - es ist eine warmherzige, humorvolle, mitunter auch traurige Familien- und Freundinnengeschichte der ganz besonderen Art, ein wenig zu vergleichen mit Büchern wie "Kleine Vogelkunde Ostafrikas" oder "Kuchen backen in Kigali", denn wie diese ist dies ein unterhaltsames Buch, ohne aber unbeschwert zu sein von historischen und sozialen Lasten. Probleme werden nicht ausgespart, doch sie werden behutsam integriert: Krankheit, Tod, Ehebruch - damit und mit noch vielem mehr werden die Protagonistinnen Odette, Clarice und Barbara Jean, die sich seit Jahren regelmäßig in Earl's Diner treffen, konfrontiert, doch gibt es immer wieder Hoffnung.

Ein Buch, das aufmuntert, Kraft gibt, Mut macht. Was mich ein ganz kleines bisschen stört, hat gar nichts mit dem Autor, Edward Kelsey Moore, der hiermit sein Erstlingswerk präsentiert, zu tun. Auch die Übersetzung ist gut gelungen, gibt sie doch den sehr speziellen Tenor des Romans gut wieder - nur der Titel - im Original "The Supremes at Earl's All-You-Can-Eat" hätte im Deutschen anders ausfallen dürfen: Mrs Roosevelt spielt zwar eine Rolle im Roman, doch die ist klein und lange nicht prominent genug, um sie zur Titelheldin zu katapultieren!