Profilbild von Lilli33

Lilli33

Lesejury Star
offline

Lilli33 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lilli33 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wie ein Puzzle mit 500 Teilen, von denen man 10 nicht mehr findet: am Ende ärgerlich

Schwindelfrei ist nur der Tod
0

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: FISCHER Scherz; Auflage: 1 (27. April 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3651022355
Preis: 14,99 €
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Wie ein Puzzle mit 500 Teilen, ...

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: FISCHER Scherz; Auflage: 1 (27. April 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3651022355
Preis: 14,99 €
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Wie ein Puzzle mit 500 Teilen, von denen man 10 nicht mehr findet: am Ende ärgerlich

Inhalt:
Ein Bankraub 1971 in München, ein Heißluftballon, der vom Himmel verschwindet, und ein Unbekannter, den Jennerwein heimlich immer wieder im Gefängnis besucht. Das sind die Zutaten des achten Alpenkrimis von Jörg Maurer.

Meine Meinung:
Wie von Jörg Maurer gewohnt, gibt es viele Handlungsstränge, die anfangs überhaupt nicht zusammenpassen wollen. Zuerst dachte ich mir nichts dabei, denn das kenne ich ja schon von diesem Autor. Normalerweise schafft er es, die einzelnen Puzzleteile zusammenzuführen und zu einem einzigen Bild zusammenzusetzen. Dies ist bei „Schwindelfrei ist nur der Tod“ überhaupt nicht gelungen. Es gibt am Ende noch so viele angefangene Handlungsstränge, die einfach im Sand verlaufen bzw. nicht wieder aufgegriffen wurden. Da bleibt mir für einen Krimi dann doch zu viel der eigenen Fantasie überlassen. Im Nachhinein ergibt die Einführung von vielen Personen keinen Sinn bzw. nur den, Seiten zu füllen. Mit dem Fall haben sie aber nichts zu tun. Fast kann man den Eindruck bekommen, der Autor hat hier selbst den Überblick verloren. Darauf weist auch hin, dass im Personenverzeichnis aus zwei Personen eine gemacht wurde.

Auch der Spannungsbogen lässt zu wünschen übrig. Es gibt zwar einige spannende Szenen, doch dazwischen sackt die Spannung immer wieder ab oder verpufft.

Bis auf den Schluss und die Auflösung hat mir aber auch dieser 8. Band der Reihe recht gut gefallen. Maurers Humor finde ich einfach klasse. Vielleicht hat er dieses Mal in seinen Beschreibungen noch etwas mehr übertrieben als sonst, vielleicht sind die Nebencharaktere noch etwas skurriler, was den ein oder anderen Leser stören könnte – ich fand’s großartig. Vor allem, der Unbekannte aus dem Gefängnis hat mein Herz im Nu erobert, er ist quasi ein alternder Gentleman-Gangster, den man einfach mögen muss, obwohl er Jennerwein das Leben schwer macht.

Einige Szenen sind zwar nicht wirklich realistisch, doch ich denke, diesen Anspruch hat der Roman auch nicht, und Maurer-Leser wissen das. Sehr angenehm zu lesen war auch wieder Jörg Maurers persönlicher Schreibstil. Ich mag ihn einfach.

Dies ist der 8. Band um Kommissar Hubertus Jennerwein und seine Truppe in dem „Kurort mit dem Bindestrich“, der nie namentlich genannt wird. Sicherlich erleichtert es den Einstieg, wenn man die vorherigen Bände kennt, denn es treten immer wieder dieselben Personen auf. Bezüglich des Kriminalfalls muss man dagegen keine Vorkenntnisse haben. Er ist in diesem Band abgeschlossen, naja, so abgeschlossen, wie das bei einem offenen Ende eben geht.

Fazit:
Für Fans empfehlenswert. Neueinsteiger sollten vielleicht eher beim ersten Band beginnen, zumal dies nicht Maurers bestes Werk ist.

Die Reihe:
1. Föhnlage
2. Hochsaison
3. Niedertracht
4. Oberwasser
5. Unterholz
6. Felsenfest
7. Der Tod greift nicht daneben
8. Schwindelfrei ist nur der Tod

★★★☆☆

Herzlichen Dank an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar, das ich in einer Leserunde auf LovelyBooks gelesen habe.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Kriegsbericht mit einigem Witz, aber vielen Längen

Der Untergang Barcelonas
0

Albert Sánchez Piñols neues Buch wird in Spanien als Meisterwerk gehandelt. Vielleicht muss man Spanier sein oder aber zumindest Historiker, um dies nachvollziehen zu können. Ich kann es nicht.

Die Leseprobe ...

Albert Sánchez Piñols neues Buch wird in Spanien als Meisterwerk gehandelt. Vielleicht muss man Spanier sein oder aber zumindest Historiker, um dies nachvollziehen zu können. Ich kann es nicht.

Die Leseprobe – die ersten 59 Seiten des Romans – fand ich einfach genial. Sie sprühen vor Witz und lebendigen Szenen. Daher wollte ich dieses Buch gerne lesen. Doch die Enttäuschung kam schon bald.

Der Protagonist Martí Zuviría, genannt Zuvi, diktiert im stolzen Alter von 98 Jahren einer gewissen Waltraud, seine Erinnerungen. Diese beginnen 1705, als Zuvi mit 14 Jahren die Schule des großen französischen Baumeisters Vauban antritt, um die Ingenieurskunst zu erlernen. Die Lehrmethoden sind äußerst seltsam, dafür für den Leser umso unterhaltsamer. Mit Ingenieurskunst ist vor allem die Kunst der Belagerungstechnik gemeint, also der Bau von Angriffsgräben, Mauern und Bastionen.

Schon bald befindet sich Zuvi mitten im Kriegsgeschehen, im spanischen Erbfolgekrieg. Und so begann mein Martyrium. Nicht nur die Soldaten kämpfen – nein, auch ich musste mich durch die Seiten kämpfen. Hier zeigte sich, dass es sich bei diesem Werk weniger um einen Roman als vielmehr um einen subjektiv angereicherten minutiösen Bericht über den spanischen Erbfolgekrieg handelt. Ich habe gefühlt jeden einzelnen Soldaten mit Namen kennengelernt, jede Bastion verteidigt und zig Angriffsgräben gegraben. Mir waren das einige detaillierte Beschreibungen zu viel! Das Lesen war ermüdend bis langweilig. Die Hintergründe des Krieges und die Erläuterungen zu den verschiedenen beteiligten Parteien fand ich allerdings schon interessant.

Auch Piñols Schreibstil, die Wortwahl, der Sarkasmus haben mir sehr gut gefallen. So wirkte der Bericht nicht ganz so trocken, die unzähligen Toten blieben keine Zahlen, sondern bekamen Gesichter. Trotzdem erinnerte das Buch über weite Strecken an ein ödes Geschichtslehrbuch und nicht an einen Unterhaltungsroman.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Hauptfigur Zuvi nicht unbedingt ein Sympathieträger ist, mit dem man sich gerne identifizieren würde. Er betitelt sich selbst als Taugenichts und liegt damit nicht ganz falsch. Zwar entwickelt er als Ingenieur einigen Ehrgeiz, doch sein Charakter ist nicht wirklich so, dass man ihm nacheifern möchte. Er ist ziemlich egoistisch und unbedacht. Erst recht spät beginnt er, Verantwortung zu übernehmen.

Lobend hervorheben möchte ich die von Zeit zu Zeit eingestreuten Illustrationen, ohne die ich bei manchen Beschreibungen aufgeschmissen gewesen wäre bzw. ohne die das Buch noch theoretischer geworden wäre. Denn so kann man die Anlage von Befestigungen oder Gräben mit einem Blick erfassen, wozu in Worten mehrere Seiten erforderlich wären.

Im Anhang findet man eine kurze Zeittafel mit Ereignissen des Krieges sowie ein Personenverzeichnis.

Piñol arbeitet wohl gerade an der Fortsetzung des Romans, die ich aber mit Sicherheit nicht lesen werde, zumal der erste Band mit der Niederlage Barcelonas an einem bedeutenden Abschnitt endet, man also nicht unbedingt weiterlesen muss.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine Anhäufung von amerikanischen Klischees

Nur ein Tag
0

Inhalt:
Zum Highschool-Abschluss bekommt die 18-jährige Allyson eine dreiwöchige, penibel organisierte Europareise von ihren Eltern geschenkt. Am letzten Tag lernt sie in England Willem, einen Schauspieler, ...

Inhalt:
Zum Highschool-Abschluss bekommt die 18-jährige Allyson eine dreiwöchige, penibel organisierte Europareise von ihren Eltern geschenkt. Am letzten Tag lernt sie in England Willem, einen Schauspieler, kennen, der sie bittet, für einen Tag mit ihm nach Paris zu fahren. Es geschieht etwas Unglaubliches: Die brave, angepasste Allyson sagt einfach ja. Die zwei verbringen einen in jeder Hinsicht aufregenden Tag und eine Nacht in Paris – am nächsten Morgen ist Willem weg. Doch Allyson kann ihn einfach nicht vergessen …

Meine Meinung:
Mich konnte Gayle Forman leider mit ihrem Roman nicht erreichen. Die Geschichte hat viel Potential, das ungenutzt verpufft. Vor allem fehlte es mir an spürbaren Gefühlen.

Als Leser erlebt man die Ereignisse aus Allysons Sicht. Sie erzählt in der Ich-Form im Präsens. Normalerweise sorgt diese Perspektive dafür, dass man sich wunderbar mit der Protagonistin identifizieren und sich in sie hineinversetzen kann. Das hat mit Allyson und mir leider gar nicht geklappt. Ich konnte in der ersten Romanhälfte mit diesem Mädchen recht wenig anfangen, sie war mir einfach zu langweilig, zu naiv, zu angepasst und hat mich über weite Strecken nur genervt. Zum Glück entwickelt sie sich später, wenn auch etwas sprunghaft. Die zweite Hälfte konnte mich daher auf jeden Fall mehr fesseln.

Das Buch lässt sich flott lesen. Die Sprache ist einfach. Es sind relativ kurze Sätze ohne viele Schnörkel. Zuweilen erschien mir die Übersetzung etwas holprig. Gestört haben mich aber die vielen Klischees. Das trieft nur so! Man merkt genau, dass dieser Roman für den amerikanischen Markt geschrieben wurde.

Toll fand ich, wie die Werke von Shakespeare sich wie ein roter Faden durch das Buch schlängeln. Sei es, dass Allyson sich Theaterstücke ansieht oder am College ein Shakespeare-Seminar belegt oder sich einfach bei anderen Gelegenheiten an eine Szene von Shakespeare erinnert fühlt.

Das Buch endet mit einem bösen Cliffhanger genau in dem Moment, wo ich endlich an Allysons Seite angekommen bin und wissen möchte, wie es nun weitergeht. Hätte die Geschichte eine Seite früher geendet, hätte ich den 2. Band wohl nicht gelesen. So bin ich aber doch neugierig darauf. Und hier muss ich die Autorin und den Verlag loben, denn man wird als Leser nicht monatelang oder gar jahrelang bis zum Erscheinen des Folgebandes in der Luft hängen gelassen. Nein, beide Bände erschienen zeitgleich, sodass man unmittelbar weiterlesen kann. Dabei ist der 2. Band aber nicht die Fortsetzung des 1., sondern erzählt die Geschichte aus Willems Sicht. Eine echte, wenn auch nur kurze Fortsetzung gibt es dann in dem Bonuskapitel „Und noch eine Nacht“. Dieses findet man, wenn man in die Google-Suche "Gayle Forman nur ein Tag" eingibt. Man sollte es allerdings wirklich erst ganz zuletzt lesen, sonst wird einem der Spaß am 2. Band verdorben.

Das Roman-Duo:
1. Nur ein Tag
2. Und ein ganzes Jahr
Bonuskapitel (nur als E-Book): Und noch eine Nacht

Veröffentlicht am 15.09.2016

Interessanter als der 1. Teil, aber viele Längen

Und ein ganzes Jahr
0

„Und ein ganzes Jahr“ ist der 2. Teil des Roman-Duos „Nur ein Tag … Und ein ganzes Jahr“. Es empfiehlt sich, den 1. Band vorher zu lesen, weil dieser umfassender in die Handlung einführt. In „Nur ein Tag“ ...

„Und ein ganzes Jahr“ ist der 2. Teil des Roman-Duos „Nur ein Tag … Und ein ganzes Jahr“. Es empfiehlt sich, den 1. Band vorher zu lesen, weil dieser umfassender in die Handlung einführt. In „Nur ein Tag“ erleben wir mit Allyson und Willem einen Tag in Paris. Danach verlieren die beiden sich aus den Augen, und wir begleiten Allyson durch das nachfolgende Jahr.

„Und ein ganzes Jahr“ setzt an der Stelle ein, wo die beiden sich verlieren. Die darauffolgende Zeit wird aus Willems Perspektive geschildert. Dabei erfährt man auch viel über seine Vergangenheit bzw. seinen Hintergrund, was im 1. Teil ja praktisch vollkommen ausgeklammert war, mich aber am meisten interessiert hätte.

Meine Meinung:
Ich fand es toll, in diesem Band nun mehr über Willem zu erfahren, denn er war der Charakter im 1. Teil, der mir am interessantesten und geheimnisvollsten schien. Trotzdem konnte mich auch dieser Roman nicht überzeugen. Ich konnte zwar die Geschehnisse und Verhaltensweisen aller Beteiligten gut nachvollziehen und verstehen, aber das Ganze ist dermaßen mit Nebensächlichkeiten angereichert, die das Buch unnötig und für mich langweilig in die Länge ziehen. Viele Abschnitte mit alltäglichen Beschreibungen hätte man einfach kürzen können. So hat es sich für mich leider gezogen wie Kaugummi.

Dafür ist dieses Buch nicht mehr so klischeelastig wie der 1. Band und nicht so kitschig. Insofern hat es mir ein kleines bisschen besser gefallen, auch wenn sich das in der Sterne-Bewertung nicht auswirkt.

Während Band 1 nach der Hälfte immer besser wurde, ist es hier umgekehrt. Der Anfang gefiel mir recht gut. Willems Gefühle kommen hier sehr gut rüber und man leidet richtig mit dem jungen Mann mit. Ich fand ihn sehr sympathisch. Leider lässt er sich dann ziemlich gehen und treiben, wartet auf Zufälle und bringt selbst nur wenig auf die Reihe.

Wie schon der 1. Teil endet auch dieser mit einem Cliffhanger – nicht ganz so schlimm wie der 1., weil man ja jetzt auch Willems Sicht kennt. Hinten im Buch ist aber eine Internetseite angegeben, wo man sich kostenlos das Bonuskapitel „Und noch eine Nacht“ als E-Book herunterladen kann. Dieses findet man auch, wenn man in die Google-Suche "Gayle Forman nur ein Tag" eingibt. Man sollte es allerdings wirklich erst ganz zuletzt lesen, sonst wird einem der Spaß am 2. Band verdorben.

Das Cover:
Nach dem 2. Band ergibt er das Cover einen wirklichen Sinn. Denn die beiden Geschichten greifen wie zwei Puzzleteile ineinander und ergänzen sich. Auch auf dem Buchrücken sind die Herzhälften abgebildet. Das macht sich im Regal gut.

Das Roman-Duo:
1. Nur ein Tag
2. Und ein ganzes Jahr
Bonuskapitel (nur als E-Book): Und noch eine Nacht

Veröffentlicht am 14.04.2026

Achtung: Trigger!

Die Namen
0

Achtung: Trigger!

1987. Gordon schickt seine Frau Cora zum Standesamt, um den Namen ihres neugeborenen Jungen eintragen zu lassen. Nach alter Familientradition soll das Kind wie der Vater heißen, wie ...

Achtung: Trigger!

1987. Gordon schickt seine Frau Cora zum Standesamt, um den Namen ihres neugeborenen Jungen eintragen zu lassen. Nach alter Familientradition soll das Kind wie der Vater heißen, wie der Großvater und all die Männer davor. Doch Cora, die sich schon viel zu lange viel zu viel gefallen lässt, hat einen kurzen rebellischen Moment und wählt einen anderen Namen.

In der Folge spaltet sich die Handlung in drei Stränge, die das Leben der Familie und vor allem das des Jungen beleuchten, wie es hätte verlaufen können, je nachdem ob er nun Bear heißt, was seine neunjährige Schwester Maia sich wünscht, Julian, Coras Favorit, oder eben doch Gordon. Abwechselnd werfen wir einen Blick auf die Entwicklung der Familie in der Perspektive der verschiedenen Namensträger, Bear, Julian und Gordon. Dabei machen wir immer wieder Sprünge von sieben Jahren. Auf Dauer fand ich das sehr verwirrend. Ich musste mir immer wieder klarmachen, um welchen Namensträger es gerade geht und in welchem Sieben-Jahres-Abschnitt ich mich gerade befinde. Erschwerend wirkt hier, dass andere Charaktere zum Teil auch in allen drei Handlungssträngen vorkommen, sich aber ganz anders verhalten. Es ist verwirrend, wenn in einem Strang eine Figur bereits gestorben ist, im anderen sieben oder vierzehn Jahre später aber noch lebt. Mir schwirrte davon jedenfalls der Kopf.

Die Idee zu Florence Knapps Debütroman ist durchaus gut, aber die Autorin wollte meines Erachtens zu viel hineinpacken, sodass manchem Aspekt leider die Tiefe fehlt. Im Aufbau hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht und vor allem eine deutliche Triggerwarnung, denn was Cora von ihrem Ehemann erleiden muss, ist schier unerträglich, zumal es ausführlich beschrieben wird.

Die Ausgangssituation mit dem gewalttätigen Ehemann/Vater ist für alle drei Lebensvarianten gleich, und so ist die Stimmung auch in allen drei Handlungssträngen recht düster. Mich hat das zu sehr runtergezogen. Ein bisschen mehr Gutes und Hoffnungsvolles wäre schön gewesen.

★★★☆☆