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Veröffentlicht am 26.04.2021

Mal interessant, mal lustig, mal zum Kopf schütteln

Und erlöse uns von den Blöden
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In diesem Buch der Kabarettistin Monika Gruber und dem Journalisten Andreas Hock geht es nicht nur um Corona. Die Pandemie spielt schon mit, und auch wie sich manche Sichtweisen dadurch verändert haben. ...

In diesem Buch der Kabarettistin Monika Gruber und dem Journalisten Andreas Hock geht es nicht nur um Corona. Die Pandemie spielt schon mit, und auch wie sich manche Sichtweisen dadurch verändert haben. Der Paketbote der die Pakete einfach über den Gartenzaun wirft, ist plötzlich nicht mehr der böse sondern wird plötzlich hoch wertgeschätzt.

Es geht in diesem Buch auch um die Politik und die Regeln, die sie einem aufzwingt. Ob die alle so sinnvoll sind? Früher jedenfalls hat es kaum einen interessiert, wenn der Hund auf den Bürgersteig schiss, heute gibt es Bußgelder für mit einem Freund auf der Parkbank sitzen und ein Stück Kuchen essen. Oder warum nimmt man es so genau mit der exakten Dachrinnenkrümmung und der ordnungsgemäßen Ableitung des Niederschlagswassers? Man muss hier wohl mehr Auflagen einhalten als ein vorzeitig aus der Sicherungsverwahrung entlassener Schwerkriminieller im Resozialisierungsprogramm.

Es geht in diesem Buch auch um jene Trottel deren Sichtweise die Pandemie nicht verändert hat und für drei Stationen in der U-Bahn unbedingt einen Sitzplatz ergattern müssen oder die es Einbrechern leicht machen, weil sie jeden Tag neue Facebook-Fotos aus dem Urlaub posten. Es geht um Fleischkonsum, Flexitarier, Veganer und dass der Anbau der Sojabohne in Asien und Südamerika immer größere Fläche einnimmt und nach Angaben des WWF deshalb Lebensräume für Tiere und Pflanzen zerstört werden. Es geht um die jungen Leute von Fridays von Future, die von den Eltern einen Lebenswandel erwarten, selbst auf die Demos gehen aber sich dann doch nicht so klimafreundlich verhalten wie sie sollten, Stichwort IPhone / IPad.

Es geht ums Fernsehen, und das Moderatoren wie Frank Elstner z. B. ihren Gästen zuhören und um Straßenfeger von damals wie „Ich heirate eine Familie“, „Schwarzwaldklinik“ (ja, das waren nette Sendungen), „Monaco Franze“ und „Derrick“. Heute sind manche Tatort-Folgen ja sehr dunkel und nuschelnden Darstellern.

Von der Verrüpelung der Gesellschaft – ich selbst habe als Jugendlicher meine Füße nicht auf den gegenüberliegenden Trambahn-Sitz gestellt (und tue es als Erwachsener auch nicht) oder übe Gewalt gegen Polizisten, Rettungskräfte, Feuerwehrleute aus. Oder diejenigen, die im Kino zwei volle Stunden lang jedes Popcorn einzeln in den Mund schieben. Für Herrn Hock war es einer der wenigen Vorzüge der Corona-Krise, dass der nächste Zuschauer im Kino weiter entfernt saß als zuvor.

Am Ende des Buches wirft Frau Gruber einen Ausblick auf die Zeit nach Corona. Leider teile ich ihre Einschätzung, das der Mundschutz weiter unseren Alltag bestimmen wird (ich hoffe ja, nur im Winter) und ganz gewöhnen werde auch ich mich daran nie. Wobei ich zugeben muss, dass bei frostigen Temperaturen ein Mundschutz beim Abendspaziergang ganz angenehm ist. Vor allem, wenn die Nase frei bleibt – ich bin Brillenträger

Stellenweise war das Buch ganz interessant, z. B. für mich als Kinderloser zu erfahren, dass es für einen neu geborenen Sohn einen Brief mit einer Steuer-ID vom Finanzamt gab, noch ehe dieser vom Krankenhaus nach Hause kam. Manchmal wirklich zum Kopf schütteln über die Blödheit mancher Blödheit mancher Leute, manchmal aber auch zum Lachen. Z. B. bei den Handtüchern auf den Liegen die plötzlich weg waren oder beim Thema Fluchen: „Meine Oma sagte immer, >>Gott sieht nicht alles<<. Daher hoffe ich, er hört auch nicht alles.“

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Veröffentlicht am 25.04.2021

Keine allzu leichte Kost, aber es zeigt auch: Anderen geht es auch so

Als die Welt stehen blieb
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Dieses Buch - oder sollte ich Büchlein sagen, denn erstens hat es nur 223 Seiten und zweitens sind viele Seiten leider nur zur Hälfte bedruckt, ist eine Art Tagebuch über die ersten zweieinhalb Wochen ...

Dieses Buch - oder sollte ich Büchlein sagen, denn erstens hat es nur 223 Seiten und zweitens sind viele Seiten leider nur zur Hälfte bedruckt, ist eine Art Tagebuch über die ersten zweieinhalb Wochen Corona, seit dem der Pandemiefall festgestellt wurde (zumindest in Deutschland, aber ich denke in Norwegen wird das nicht anders gewesen sein). Die Autorin schreibt hier über den Zeitraum vom 11. – 29. März 2020. Sie wünschte, es wäre ein Buch. So wie die anderen wo sie über schlimme Themen schreibt und ihr Mann meint: „Es muss nicht so schlimm ausgehen, wie in deinen Büchern.“

Wir könnten uns in der einen oder anderen Situationen alle ähnlich gefühlt haben. Es wird über das Homeschooling geschrieben (drei A4-Seiten als Aufgabe für heute!) oder über das Händewaschen, das 20 Sekunden dauern soll. Dazu singen die Kinder am besten „Hurra for deg“ oder zweimal Happy Birthday. „Happy Birthday, dear Corona?“ Mir als Erwachsenen gefällt das nicht, aber wenn es den Kindern hilft solange auf Hygiene zu achten, warum nicht?

Es wird über die Abstandsregeln geschrieben, dass es viele an den See zieht und ob es für das Spazieren gehen nicht leerer im Wohnblock wäre? Das im Supermarkt in manchem der Jäger und Sammler erwacht, man braucht ja Paracetamol für einen Monat und Klopapier für ein halbes Jahr, obwohl das Virus ja die Lunge und nicht den Darm befällt.

Es ist von einer Maßnahmendauer von 18 Monaten zu lesen. Ich weiß nicht, wann dieses Buch fertig war und in den Druck ging, aber 18 Monate – das wäre August/September 2021. Vielleicht eine realistische Einschätzung. Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe auf entsprechende Lockerungen, wenn das Impfen wirklich etwas bringt. Vielleicht ändert sich ja bei manchen was – mal sehen, ob Nachbarschaftshilfe bei manchen später immer noch so groß geschrieben wird wie zu Anfang der Pandemie.

Es ist kein lustiges Buch. Dazu ist gerade wenn es um die Situation in Italien geht, die Lage zu ernst. Es ist streckenweise schon starke Kost, aber auf der anderen Seite: Ja, auch wir selbst haben dies so oder ähnlich in den Nachrichten gehört. Auch wir müssen Abstand halten. Auch wir verzweifeln vielleicht am Homeschooling. Wir sind nicht allein, den anderen geht es auch so.

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Veröffentlicht am 24.04.2021

Nicht ganz so lustig wie erhofft, aber trotzdem gut

Ein Sonnenstrahl im Regen
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Das Buch ist in Wechselsicht aus der Perspektive von Poppy (29) und Cole (31) geschrieben. Poppy hat gerade ein Restaurant eröffnet und arbeitet die Geburtstags-To-Do-Liste von Jamie ab. Ihrem Mann, der ...

Das Buch ist in Wechselsicht aus der Perspektive von Poppy (29) und Cole (31) geschrieben. Poppy hat gerade ein Restaurant eröffnet und arbeitet die Geburtstags-To-Do-Liste von Jamie ab. Ihrem Mann, der vor 5 Jahren in einem Getränkemarkt erschossen wurde. Beim ersten Punkt trifft sie auf Cole – jenem Polizisten, der ihr vor 5 Jahren die schreckliche Nachricht überbracht hat und an diesem Abend bei ihr blieb. Er ist nämlich neben zu auch Karate-Lehrer. Ihr Karate-Lehrer, bei dem sie nun eine Probestunde hat.

Bei beiden ist nach dem ersten Schreck auch Sympathie im Spiel und vor allem Cole ist in ihrer Nähe sexuell erregt. Aber im weiteren Verlauf fühlt sich auch Poppy zu ihm hingezogen. Nebenhandlung des Buches ist Coles Polizeiarbeit, weswegen das Buch nicht ganz so lustig wie erhofft ist. Ich hätte mir gewünscht, dass Jamies Tod nur anfangs eine Rolle spielt und sich Poppy dann mehr und mehr öffnet und wieder mehr Freude am Leben entwickelt. Leider taucht der Mordfall und seine Aufarbeitung daran immer wieder auf. Dadurch war das Buch für mich nicht ganz so leicht zum Abschalten und in eine andere Welt eintauchen geeignet. Dennoch war es ein gutes Buch, das ich in ein paar Jahren gerne wieder zur Hand nehmen werde.

Anfangs hatte ich bei dem Buch sogar die Angst, dass es auch Zeitsprünge gibt, denn die Kapitelüberschriften mit „xx. Geburtstag“ ließen mich das zunächst denken. Doch dem war nicht so, das Buch ist schon chronologisch, bei den Zahlen handelt es sich nur um die Punkte, die Jamie bis zu diesem Geburtstag erledigt haben wollte. Einen Feueralarm auslösen zum Beispiel. Oder einen Tag auf Technologie verzichten. Oder in ein Taxi steigen und „Folgen sie diesem Wagen“ sagen.

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Veröffentlicht am 01.03.2021

Der Streuner kommt erst spät

Ein Streuner kommt selten allein
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Vom Autor hatte ich schon "Lass und an Wunder glauben" gelesen und wurde dabei auf dieses aufmerksam. Es war nett zum lesen, allerdings hat mir das andere Buch besser gefallen.

Die Geschichte handelt ...

Vom Autor hatte ich schon "Lass und an Wunder glauben" gelesen und wurde dabei auf dieses aufmerksam. Es war nett zum lesen, allerdings hat mir das andere Buch besser gefallen.

Die Geschichte handelt von Dr. Cyrus Mills, der die Landtierarztpraxis seines Vaters übernommen hat, die dem übermächtigen Konkurrenten Healthy Paws ein Dorn im Auge ist. Aber Cyrus will sich sein kleines Paradies nicht nehmen lassen.

Das Buch ist humorvoll geschrieben und hat mit Crispin einen besonderen Patienten zu bieten - einen von einem Präparator ausgestopften Labrador, der zu einer 83jährigen Kundin zählt.

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Veröffentlicht am 21.11.2020

Eine Wanderung mit Lamas von Bozen nach Rom

Mit drei Lamas nach Rom
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Der Autor ist nach einer Krebserkrankung in schlechter Verfassung und bricht mit zwei Freunden und drei Lamas zu Fuß von Bozen nach Rom auf. 50 Tage, 1075 km.

Das Buch beginnt mitten in der Reise, nämlich ...

Der Autor ist nach einer Krebserkrankung in schlechter Verfassung und bricht mit zwei Freunden und drei Lamas zu Fuß von Bozen nach Rom auf. 50 Tage, 1075 km.

Das Buch beginnt mitten in der Reise, nämlich am 18. Tag. Aber nur die ersten drei Seiten lang. Doch die hätte es meines Erachtens nicht gebraucht, die hätte ich gerne erst später gelesen. Die dann übrigens nicht mit genau den gleichen Worten, sondern nur ähnlich beschrieben wird.

Vor der eigentlichen Reise kommt dann noch die Vorgeschichte (auch nur drei Seiten) und eine Karte. Auf Seite 13 geht es dann an einem 20. Februar unweit von Bozen los. Anfangs ist mir der Autor ein wenig unsymphatisch – seine Krebserkrankung verschweigt er, nur einem Weggefährten der auch Arzt ist, macht er Andeutungen. Er raucht immer wieder und obwohl er Frau und Tochter extra eine Prepaid-Handynummer mitgeteilt hat und nur über diese zu erreichen ist (weil er es so will) ruft er dann doch in seiner eigenen Kanzlei an – und die ihn daraufhin auch. Doch der Weg ist das Ziel und mal sehen was er mit einem macht.

Wo die drei Freunde hinkommen mit ihren Lamas erwecken sie Aufmerksamkeit, da hilft manchmal nur „Bitte Abstand halten, die Tiere können spucken“. Polizisten die sich zu ihnen gesellen (weil sie die Lamas näher sehen wollen) bekommen schon mal scherzhafte Entschuldigungen wie die im Halteverbot geparkten Lamas oder die übertretene Geschwindigkeit zu hören. Auf dem Weg nach Rom gibt es Überlegungen, die Ballen der Lamas vor dem Asphalt zu schützen – da ist einiges Ausprobieren nötig. Man muss sich auch beim Überqueren einer vielbefahrenen Straße nur zu helfen wissen: Nachdem kein Auto anhält, einfach mal den Pilgerstab quer über die Straße ausstrecken.

Gegen Ende der Reise schaffen es die Freunde sogar, mit den Lamas in eine Therme (Terme del Baggnacio) zu kommen. Auch wenn die Kassiererin bei „Vier Erwachsene und drei Lamas“ abwinkt. In Rom angekommen, treffen sie Papst Franzkiskus. Das Buch ist durch mehrere Fotos von der Reise aufgelockert.

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