Mal interessant, mal lustig, mal zum Kopf schütteln
Und erlöse uns von den BlödenIn diesem Buch der Kabarettistin Monika Gruber und dem Journalisten Andreas Hock geht es nicht nur um Corona. Die Pandemie spielt schon mit, und auch wie sich manche Sichtweisen dadurch verändert haben. ...
In diesem Buch der Kabarettistin Monika Gruber und dem Journalisten Andreas Hock geht es nicht nur um Corona. Die Pandemie spielt schon mit, und auch wie sich manche Sichtweisen dadurch verändert haben. Der Paketbote der die Pakete einfach über den Gartenzaun wirft, ist plötzlich nicht mehr der böse sondern wird plötzlich hoch wertgeschätzt.
Es geht in diesem Buch auch um die Politik und die Regeln, die sie einem aufzwingt. Ob die alle so sinnvoll sind? Früher jedenfalls hat es kaum einen interessiert, wenn der Hund auf den Bürgersteig schiss, heute gibt es Bußgelder für mit einem Freund auf der Parkbank sitzen und ein Stück Kuchen essen. Oder warum nimmt man es so genau mit der exakten Dachrinnenkrümmung und der ordnungsgemäßen Ableitung des Niederschlagswassers? Man muss hier wohl mehr Auflagen einhalten als ein vorzeitig aus der Sicherungsverwahrung entlassener Schwerkriminieller im Resozialisierungsprogramm.
Es geht in diesem Buch auch um jene Trottel deren Sichtweise die Pandemie nicht verändert hat und für drei Stationen in der U-Bahn unbedingt einen Sitzplatz ergattern müssen oder die es Einbrechern leicht machen, weil sie jeden Tag neue Facebook-Fotos aus dem Urlaub posten. Es geht um Fleischkonsum, Flexitarier, Veganer und dass der Anbau der Sojabohne in Asien und Südamerika immer größere Fläche einnimmt und nach Angaben des WWF deshalb Lebensräume für Tiere und Pflanzen zerstört werden. Es geht um die jungen Leute von Fridays von Future, die von den Eltern einen Lebenswandel erwarten, selbst auf die Demos gehen aber sich dann doch nicht so klimafreundlich verhalten wie sie sollten, Stichwort IPhone / IPad.
Es geht ums Fernsehen, und das Moderatoren wie Frank Elstner z. B. ihren Gästen zuhören und um Straßenfeger von damals wie „Ich heirate eine Familie“, „Schwarzwaldklinik“ (ja, das waren nette Sendungen), „Monaco Franze“ und „Derrick“. Heute sind manche Tatort-Folgen ja sehr dunkel und nuschelnden Darstellern.
Von der Verrüpelung der Gesellschaft – ich selbst habe als Jugendlicher meine Füße nicht auf den gegenüberliegenden Trambahn-Sitz gestellt (und tue es als Erwachsener auch nicht) oder übe Gewalt gegen Polizisten, Rettungskräfte, Feuerwehrleute aus. Oder diejenigen, die im Kino zwei volle Stunden lang jedes Popcorn einzeln in den Mund schieben. Für Herrn Hock war es einer der wenigen Vorzüge der Corona-Krise, dass der nächste Zuschauer im Kino weiter entfernt saß als zuvor.
Am Ende des Buches wirft Frau Gruber einen Ausblick auf die Zeit nach Corona. Leider teile ich ihre Einschätzung, das der Mundschutz weiter unseren Alltag bestimmen wird (ich hoffe ja, nur im Winter) und ganz gewöhnen werde auch ich mich daran nie. Wobei ich zugeben muss, dass bei frostigen Temperaturen ein Mundschutz beim Abendspaziergang ganz angenehm ist. Vor allem, wenn die Nase frei bleibt – ich bin Brillenträger
Stellenweise war das Buch ganz interessant, z. B. für mich als Kinderloser zu erfahren, dass es für einen neu geborenen Sohn einen Brief mit einer Steuer-ID vom Finanzamt gab, noch ehe dieser vom Krankenhaus nach Hause kam. Manchmal wirklich zum Kopf schütteln über die Blödheit mancher Blödheit mancher Leute, manchmal aber auch zum Lachen. Z. B. bei den Handtüchern auf den Liegen die plötzlich weg waren oder beim Thema Fluchen: „Meine Oma sagte immer, >>Gott sieht nicht alles<<. Daher hoffe ich, er hört auch nicht alles.“