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Veröffentlicht am 16.07.2022

Fesselnd

Der Tausch – Zwei Frauen. Zwei Tickets. Und nur ein Ausweg.
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Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, befinden sich auf der Flucht. Da ist zum einen Claire, die reiche Politikergattin, die dem goldenen Käfig und ihrem gewalttätigen Mann entfliehen ...

Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, befinden sich auf der Flucht. Da ist zum einen Claire, die reiche Politikergattin, die dem goldenen Käfig und ihrem gewalttätigen Mann entfliehen möchte. Zum anderen treffen wir auf Eve, einer Frau aus einfachsten Verhältnissen, die im Heim aufgewachsen ist und es trotzdem auf die Uni geschafft hat. Sie hat den falschen Menschen vertraut, und jetzt muss sie nur noch verschwinden, um zu überleben. Die Frauen treffen am Flughafen aufeinander und beschließen spontan ihre Bordkarten zu tauschen, da diese nach der Sicherheitskontrolle sowieso nicht mehr kontrolliert werden. Sie tauschen also ihre Identitäten und hoffen, es eventuellen Verfolgern unmöglich zu machen, sie zu finden. Doch Eve war mit ihrer Lebensgeschichte nicht ganz ehrlich und eins der beiden Flugzeuge stürzt ab.

Der Schreibstil von Julie Clark ist von Beginn an fesselnd und mitreißend, auch wenn ich sagen würde, es handelt sich eher um einen Spannungsroman und nicht um einen Thriller. Ich mochte das Buch wirklich gerne und konnte es besonders zum Ende hin kaum mehr aus der Hand legen. Die Autorin schreibt abwechselnd aus der Perspektive von Claire in der Ich-Perspektive und in der Gegenwart und erzählt dann immer wieder von Eve, wobei sie hier die 3. Person wählt und von einem Punkt in der Vergangenheit Eve‘s Lebensgeschichte aufrollt. Das hat mir richtig gut gefallen. Die Spannung ist permanent vorhanden, schon allein, weil man die Angst der Frauen entdeckt zu werden, so gut nachfühlen kann. Claire und Eve sind beides Überlebenskünstlerinnen. Ich mochte sie und konnte ihre Handlungen gut nachvollziehen

Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht, aber insgesamt war „Der Tausch“ ein sehr spannendes und unterhaltsames Buch, dass ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 06.07.2022

Weckt Urlaubsgefühle

Mord und Limoncello
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Elisabeth Horn lässt beim Lesen ihres Cosykrimis „Mord und Limoncello“ herrlich viel Italienflair durch ihre Zeilen fließen.

Limone am Gardasee ist unser malerischer Schauplatz. Der deutsche Hauptkommissar ...

Elisabeth Horn lässt beim Lesen ihres Cosykrimis „Mord und Limoncello“ herrlich viel Italienflair durch ihre Zeilen fließen.

Limone am Gardasee ist unser malerischer Schauplatz. Der deutsche Hauptkommissar Jens Stutz und seine Frau sind hier in dem erstklassigen Hotel Palazzo Bianchi abgestiegen und wollen ihren 20. Hochzeitstag nachfeiern. Doch Charlotte Stutz kennt ihren Mann nur zu gut und ist sicher, er verbindet die teure Reise mit einem seiner Fälle. Nur kurze Zeit später ist ihr Gatte tot und Commissario Fabio Angelotti gibt alles daran den Mord in seinem Heimatstädten aufzuklären. Dabei stellt er fest, dass an Charlotte Stutz eine Detektivin verloren gegangen ist, die zudem außerordentlich attraktiv ist.

Der Krimi liest sich flott weg und ist in einem angenehmen Ton mit vielen Dialogen geschrieben. Immer wieder fließt auch ein wenig Italienisch mit ein und verstärkt das Italiengefühl. Der Spuren führen weit zurück in die Vergangenheit bis zur Zeit Mussolinis und haben natürlich etwas mit dem Hotel zu tun.

Die Protagonisten waren mir allesamt sehr sympathisch und der Täter war nicht zu offensichtlich. Der Krimi hatte alles was ein Cosy- und Wohlfühlkrimi braucht. Vielleicht waren die Flirtversuche des Commissario bei einer jungen Frau, die gerade Witwe geworden ist nicht ganz angebracht, aber was soll’s wir befinden uns doch in Italien. ( Hilfe, Klischee! Stimmt. Hat mich hier aber gar nicht gestört.)

Und weil Mama Angelotti natürlich fantastisch kocht, gibt es auch noch das Rezept für ihre Spaghetti alla carbonara. Buon appetito!

Gerade zur Ferienzeit war dieser charmante Regionalkrimi genau das Richtige für mich und hat mich wunderbar unterhalten.

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Veröffentlicht am 02.07.2022

Resümee eines Lebens, dass von absoluter Pflichterfüllung geprägt wurde

Was vom Tage übrig blieb
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2017 erhielt Kazuo Ishiguro den Nobelpreis für Literatur. Sein bekanntestes Werk ist das Buch „Was vom Tage übrig blieb“.

Es erzählt die Geschichte des Butlers Mr Steven der sein gesamtes berufliches ...


2017 erhielt Kazuo Ishiguro den Nobelpreis für Literatur. Sein bekanntestes Werk ist das Buch „Was vom Tage übrig blieb“.

Es erzählt die Geschichte des Butlers Mr Steven der sein gesamtes berufliches Leben auf Darlington Hall verbracht hat und nun nach Jahrzehnten aufopferungsvoller Tätigkeit auf sein Leben zurückblickt.

Das Buch beginnt 3 Jahre nach dem Tod seines ursprünglichen Dienstherrn Lord Darlington. Das Anwesen ist inzwischen von einem amerikanischen Millionär Mir Farraday erworben worden,und als dieser aus geschäftlichen Gründen nach Amerika fliegen muss, nötigt er Mr.Stevens schon fast einen einwöchigen Urlaub zu machen und stellt sogar sein Fahrzeug für eine Rundreise zur Verfügung.

Der überkorrekte Butler nimmt das Angebot schließlich an unter dem Vorwand eine frühere Angestellte, die Hausdame Miss Kenton zu besuchen, um sie eventuell zu überreden wieder in Darlington Hall zu arbeiten, wo es einen personellen Engpass gibt.

Die Reise durch den Süden Englands bildet quasi den Rahmen der Geschichte, in deren Verlauf wir die Erinnerungen des Icherzählers Stevens reflektieren. Stevens ist der geborene Butler mit höchsten Ansprüchen an sich selbst, der eigene Befindlichkeiten stets zurückstellt und schon fast gefühlskalt wirkt. Seine absolute Loyalität gehört seinem Arbeitgeber, und er stellt diesen auch nie in Frage.

Aus politischen Diskussionen hält er sich raus. Als sein Vater während einer Schicht stirbt, geht die Arbeit vor. Privates Glück steht nicht zur Diskussion. Doch wenn man im Nachhinein dann auf sein Leben zurückblickt, kann man dann wirklich sagen, dass es ein glückliches Leben war, oder hat man es vielleicht sogar vergeudet?

Dieses sehr ruhige Buch hat keinerlei Spannungsbogen, bietet aber viel Stoff zum Nachdenken. Der knochentrockene Mr Stevens ist ein Butler wie es ihn heute wohl kaum mehr gibt. Seine Dienstzeit fällt in eine politisch sehr spannende Zeit 1923 nach dem 1. Weltkrieg und Lord Darlington pflegte offensichtlich Kontakte zu Nazigrößen. Eine bittersüße Komponente hat die Beziehung von Stevens zur Hausdame Miss Kenton.

Der Schreibstil war etwas antiquiert und gewöhnungsbedürftig, rundete aber den Charakter des Butlers ab und passte einfach perfekt. Stellenweise war mir dieser Klassiker wohl zu langatmig. Trotzdem bin ich froh mich herangetraut zu haben und habe den Roman alles in allem gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 24.06.2022

Solide

Das Haus am Rand der Klippen
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Das Setting dieses Romans ist einTraum und versetzt einen sofort in Urlaubsstimmung. An der Küste von Cornwall steht ein hochmodernes, stylisches Haus direkt auf den Klippen mit einer sensationellen Aussicht ...

Das Setting dieses Romans ist einTraum und versetzt einen sofort in Urlaubsstimmung. An der Küste von Cornwall steht ein hochmodernes, stylisches Haus direkt auf den Klippen mit einer sensationellen Aussicht aufs Meer. Es gehört der Schriftstellerin Elle Fielding. Da sie für einige Zeit auf Lesereise nach Frankreich verreist, hat sie ihr Traumhaus bei Airbnb an eine junge Familie vermietet. Bei ihrer Rückkehr fühlt sie sich nicht mehr wohl in ihrem Haus. Sie hört nachts Geräusche und hat das Gefühl, dass jemand während ihrer Abwesenheit ihr abgeschlossenes Schreibzimmer betreten hat. Sie fühlt sich verfolgt und ihr passieren merkwürdige Dinge.

Das Haus, dass immer Elle‘s Traum gewesen ist und das sie sich dank ihres Debütromans, der ein Bestseller geworden ist, jetzt leisten kann, scheint ihr kein Glück zu bringen. Erst zerbricht ihre Ehe, dann droht ihre Vergangenheit sie einzuholen und ohne einen weiteren Bucherfolg droht ihre Finanzierung für das Haus zu platzen.

Der Abgabetermin für Elle‘s neues Buch rückt immer näher doch Schlaflosigkeit und Schreibblockaden, dazu das ständige unterschwellige Gruselgefühl , dass sich vielleicht ein Fremder im Haus befindet, behindern ihre Kreativität und erhöhen ihren Druck. Beim Lesen ist man sich oft nicht sicher, ob die Icherzählerin die Realität beschreibt, oder ob ihre Nerven ihr einen bösen Streich spielen.

Die Autorin hat das Rad nicht neu erfunden. Man kann auch irgendwann erahnen, wie die Geschichte ausgehen wird. Trotzdem war das Buch ausgesprochen atmosphärisch, unterhaltsam und spannend. Leider hat mir die Stimme der Sprecherin so gar nicht gefallen. Deshalb empfehle ich das Buch eher selbst zu lesen.

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Veröffentlicht am 12.05.2022

Rasant und absurd

Bullet Train
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Bullet train ist ein ziemlich abgefahrener Thriller, der, wenn man sich drauf einlassen möchte ziemlich unterhaltsam ist.

An Bord des Hochgeschwindigkeitszugs Shinkansen, der von Tokio nach Morioka unterwegs ...

Bullet train ist ein ziemlich abgefahrener Thriller, der, wenn man sich drauf einlassen möchte ziemlich unterhaltsam ist.

An Bord des Hochgeschwindigkeitszugs Shinkansen, der von Tokio nach Morioka unterwegs ist befinden sich gleich mehrere Killer und sorgen für Aufregung.

Da ist das Killerduo Lemon und Tangerine. Die beiden „Zitrusfrüchte“ haben den entführten Sohn des Unterweltbosses Minegeshi gerade befreit und sollen „Papa’s Liebling“ samt Lösegeld wieder nach Hause befördern.

Das Lösegeld steckt in einem Koffer, den wiederum Verbrecher NR. 2, Nanao, genannt „Der Marienkäfer“ entwenden soll und mit dem er dann umgehend an der nächsten Station aussteigen soll. Der Marienkäfer ist allerdings ein Pechvogel und das schon sein Leben lang, was es unwahrscheinlich macht, dass er diesen einfachen Job hinbekommt.

Außerdem gibt es noch einen Exkiller , der sich rächen will, weil man seinen Sohn vom Dach gestoßen hat, der seitdem im Koma liegt und einen psychopathischen Jungen, der richtig böse ist, den aber jeder für einen braven Schüler hält.

Die Figuren , die Kotaro Isaka erfunden hat sind allesamt skurril und reichlich überzeichnet. Ich musste häufiger an „Kill Bill“ denken, und tatsächlich gibt es auch zu der Buchvorlage dieses Thrillers schon eine actionreiche Verfilmung, die demnächst in die Kinos kommt. Ja, brutal geht es auch zu und die Killer sind nicht zimperlich was das Ausschalten ihrer Gegner angeht. Statt Bullet train hätte das Buch auch Leichenexpress heißen können. Beim Lesen merkt man dann plötzlich, dass einem der ein oder andere Killer tatsächlich sympathisch ist und staunt. Die Geschichte war so abgefahren und mit viel Witz erzählt, originell und mal ganz anders als andere Thriller, dass dieses Buch für mich einfach ein großer Lesespaß war. Und den Film schaue ich mir auch noch an!

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