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Veröffentlicht am 25.01.2023

Interessant und hervorragend recherchiert.

Der Horror der frühen Chirurgie
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„Der Horror der frühen Chirurgie“ meint vorrangig die plastische Chirurgie, die sich nennenswert ab Anfang des 20. Jahrhunderts und verstärkt inmitten des Ersten Weltkriegs entwickelt hat. Im Fokus steht ...

„Der Horror der frühen Chirurgie“ meint vorrangig die plastische Chirurgie, die sich nennenswert ab Anfang des 20. Jahrhunderts und verstärkt inmitten des Ersten Weltkriegs entwickelt hat. Im Fokus steht der Mediziner
Harold Gillies, der mit Ehrgeiz und Präzession diesen Fachbereich signifikant voran brachte. Aufgrund realer und bildhafter Schilderungen, den detaillierten Beschreibungen des Schreckens, den der Erste Weltkrieg mit sich brachte und hinterließ, benötigt dieses Sachbuch meiner Meinung nach keine Bilder.

Lindsey Fitzharris legt ihre Recherche samt Fachbegriffen trotz ihrer weitreichenden Kenntnisse auch für LeserInnen, die wenig Wissen auf dem Gebiet vorweisen können, verständlich dar. Zudem werden in diesem Werk, neben einem authentischen Eindruck des Kriegsszenarios, weitere interessante, bedeutungsvolle und übergreifende Themen angeschnitten oder zumindest erwähnt, beispielsweise Bluttransfusion, Zahnmedizin, Influenzapandemie und Anästhesie, aber auch die Entwicklung von Waffen und Schutz an der Front.

Stilistisch empfand ich das Gelesene, unabhängig der Thematik, als sehr einfach dargelegt, trotz vieler Längen ging das Interesse nie verloren. Verzweiflung und Angst der Kriegsjahre lagen düster und schwer auf den Informationen.
Neben dem historischen und medizinischen Wissen, den Einblicken in die Versorgung während der damaligen Umstände, brachte die Autorin auch einige Beispiele von durchgeführten Operationen und deren Verläufen ein.

Harold Gillies, der sein Augenmerk auf die Gesichtsrekonstruktion, welche nicht nur den Funktionsverlust korrigieren, sondern auch im aparten Bereich überzeugen soll, legte, trieb die ästhetische-plastische Chirurgie innovativ voran. Trotz des anfänglich mangelhaften Wissens, den eingeschränkten Möglichkeiten, dem hohen Infektionsrisiko, dem Argwohn und dem Druck von der Front hat dieser Mann unumstritten die Gelegenheit, die aus der Not des verheerenden Kriegs geboren wurde, genutzt, dieses Gebiet weiterzuentwickeln.


„Der Horror der frühen Chirurgie“ ein informatives, authentisches und erschreckendes Sachbuch.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Trotz Kritik, ein gutes Buch, welches Abwechslung, Spaß und Spannung bringt.

Lore. Die Spiele haben begonnen. Sie kämpft um ihr Leben
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Als Fan der griechischen Mythologie musste „Lore - Die Spiele haben begonnen“ einfach von mir gelesen werden.

Die Idee von Alexandra Bracken ist nicht nur interessant, sondern auch sehr komplex, leider ...

Als Fan der griechischen Mythologie musste „Lore - Die Spiele haben begonnen“ einfach von mir gelesen werden.

Die Idee von Alexandra Bracken ist nicht nur interessant, sondern auch sehr komplex, leider verlor sich die Autorin öfter in Ausschweifungen und detaillierten, unnötigen Beschreibungen, sodass ich die Handlung teilweise als zäh und „zu viel“ empfand. Auch die Übersetzung lässt, meiner Meinung nach, hier und da zu wünschen übrig, dennoch liest sich der Urban-Fantasy, trotz einer Vielzahl wirrer Begrifflichkeiten und Namen, undurchsichtiger Zusammenhänge authentisch und modern. Viele Hintergründe, seien es Regeln und Erklärungen über die „Jagd“, die „Häuser bzw. Blutlinien“ oder zu Lore selbst, blieben, trotz Einblicken in die Vergangenheit, blass, im Fokus steht der gegenwärtige Zyklus und die Frage, wie sich der Agon, nach jahrzehntelangem Morden, beenden lässt.
Die Auswahl der verschiedenen Charaktere sorgt für Abwechslung, genau wie die beständige Gefahr und Vorsicht, das Misstrauen gegenüber etlichen Figuren und temporeiche Ereignisse sowie Tode. Mythologisches Wissen hält das Interesse aufrecht und einige Plotttwists bringen Überraschungen.

Alexandra Bracken lässt den romantischen Handlungsstrang unterschwellig fließen, doch Kampf und Jagd dominieren an der Seite von unbeschreiblicher Gier nach Macht, Wut und Zorn. Lores Trauma ruft Mitgefühl und Verständnis für ihr wankelmütiges Wesen, den Zwiespalt in ihrem Inneren hervor, während die geschichtliche Vergangenheit den Wunsch auf Freiheit unterstreicht.

Ich denke, dass es lohnt, sich durch die ausführliche Handlung zu arbeiten, um die Botschaften zu entdecken, die Selbstlosigkeiten und die Hoffnung. Letztendlich liegt unser Schicksal in unserer Hand, denn wir haben jeden Tag die Chance, unzählige Entscheidungen zu treffen.

»Bei meiner Geburt wurden mir drei Fähigkeiten verliehen — zu atmen, zu träumen und dich zu lieben.«

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Veröffentlicht am 08.12.2022

Achtung: Teenager-Lovestory. 👀

Jackie & Hyde
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»Jede Sekunde, die wir bekommen, ist wertvoll.«

„Jackie & Hyde“ – der neue Roman von Emilia Cole kommt mit einem warmen Cover daher, dass die Persönlichkeit der Protagonistin und ihre untrügliche Hoffnung ...

»Jede Sekunde, die wir bekommen, ist wertvoll.«

„Jackie & Hyde“ – der neue Roman von Emilia Cole kommt mit einem warmen Cover daher, dass die Persönlichkeit der Protagonistin und ihre untrügliche Hoffnung widerspiegelt.

Endlich auf dem College beginnt für Harriet ein neuer Lebensabschnitt – und das äußerst positiv. Wäre da nicht der geheimnisvolle Einzelgänger, den alle nur Hyde nennen, um den sich auf dem Campus zahlreiche Gerüchte ringen. Von Neugier getrieben versucht die lebensfrohe, aufgeschlossene Studentin alles, um dem Mysterium dieses Jungen auf die Spur zu kommen und entdeckt, hinter der knallharten Fassade, einen Menschen, der ihr den Atem verschlägt …

Wie gewohnt von der Autorin tummeln sich zahlreiche poetische Beschreibungen im Verlauf, die mir dieses Mal jedoch zu hochgestochen erschienen, betrachtet man die deutlich übertriebene, nicht greifbare, da plötzliche, Vernarrtheit von Jackie. Obgleich ihre optimistische und zugängliche, selbstbewusste Art bewundernswert ist, sorgt sie regelmäßig für tränenreiches oder wütendes Drama – beides konnte ich nicht ernst nehmen, ebenso wenig das öfter kindliche Auftreten der Charaktere.

Evan wurde als typisch-düsterer, unnahbarer Loveinterest gezeichnet – doch sein Geheimnis gipfelt in etwas, dass jegliche Distanz, jeden Versuch, unsichtbar zu sein, rechtfertigt.

„Jackie & Hyde“ liest sich einfach und locker, das Setting kam detailreich zur Geltung, Kitsch und Humor halten sich die Waage. Die Beziehung zwischen den Protagonisten ist weder neu noch spannend in Szene gesetzt, doch für einen gemütlichen Lesenachmittag zu empfehlen. Harriets Hartnäckigkeit, so manch Dialog brachten mich zwar zum Schmunzeln, anderes hingegen zum Augenrollen, doch das glichen die interessanten Nebenfiguren, wie Maria, York und Jackies Dad, wieder aus.

Emilia flocht ein sensibles Thema in ihren Roman, doch auch diese Umsetzung konnte mich emotional nicht erreichen – fehlte es mir, wie auch in der romantischen Entwicklung, an Tiefe.

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Veröffentlicht am 28.11.2022

Was lange währt … oder »Durchhalten lohnt sich!«

Stone Beasts 1: Dämmerglanz
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»Was wärst du bereit, für diejenigen zu tun, die du liebst?«



Gargoyles und Akademie – zwei Tropes, die mich unweigerlich zu „Dämmerglanz“, dem Auftakt der „Stone Beasts“-Trilogie, von Raywen White zog.

Ich ...

»Was wärst du bereit, für diejenigen zu tun, die du liebst?«



Gargoyles und Akademie – zwei Tropes, die mich unweigerlich zu „Dämmerglanz“, dem Auftakt der „Stone Beasts“-Trilogie, von Raywen White zog.

Ich muss gestehen, dass ich während der ersten Hälfte mehrfach überlegte, den Romantasy abzubrechen. Das lag vor allem daran, dass es kein Vorankommen, nur sparsam relevante Informationen und übernatürliche Elemente gab.
Die Protagonistin wirkte auf mich wie eine voreingenommene, wenig sympathische Jugendliche, die sich mehrfach unangebracht feindselig verhält. Natürlich ist sie auch eine Rebellin und hält nichts von Vorschriften, was öfter in ähnlichem Wortlaut betont wird. Stellenweise war es, als würde ich einen typischen Young Adult Roman voller Teenie(probleme) lesen und da Raywen aus der Mutiperspektive erzählt, schwang eine stete Distanz mit. Hat man den zähen Teil überwunden und sich mit Phee arrangiert, warten Geheimnisse, Grausamkeit sowie eine Liebe, die nicht sein soll.

Gargoyles, die wie Sklaven gehalten werden.
Geschöpfe des Lichts, die sich für Götter halten.
Nocs, die im Dunkeln lauern.
Und mitten drinnen Stefanie, deren Urlaub in Prag in einem märchenhaften Desaster endet.

Kaum eingesperrt in dem Hnízdo, der Schule der Dens, unter Leitung eines zwielichtigen Direktors, umfangen die „Neue“ dieselben Vibes, wie schon ihr ganzes Leben: nicht gut genug, nicht richtig zu sein.
Denn zwischen all den privilegierten Lichtwesen scheint Phee vollkommen fehl. Nur bei Damian, ihrem Wächter, fühlt sie sich sicher und echt – verbindet beide doch mehr als nur das Anderssein. Was mit zartem Vertrauen und Freundschaft beginnt, entwickelt sich zu einer gefährlichen Anziehung, die den Soumrak alles kosten könnte.

„Sie hatte die deutliche Beule in seiner Hose bemerkt. Dieser anatomische Teil schien sehr kompatibel mit ihrer menschlichen Physiologie zu sein.“

Die Autorin erschuf ein weitläufiges, vorstellbares Setting mit vielen Figuren und Verbindungen, abgesehen von Phee und Damian bekam vor allem Jaro, der zukünftige Schulleiter, Tiefe und ungeahnte Facetten, die letztendlich überraschen. Humor und Sarkasmus schwang in den modernen, schlagfertigen Dialogen mit, Unsicherheit, Leidenschaft und Verzweiflung war in den gewagten Momenten, die Stephanie mit ihrem Wächter verbrachte, spürbar. Eine oberflächliche, blasse Rolle bekamen im Auftakt der Urban-Romantasy die gefürchteten Vampire sowie die Hintergründe der Übernatürlichen, was es bisher schwierig macht, das Fantastische zu greifen.

„Dämmerglanz“ stellt viele Fragen, beantwortet nur wenige, lässt Raum für Misstrauen und Spekulationen. In der zweiten Hälfte der Geschichte sind wir vor Ungerechtigkeiten und Emotionen nicht mehr sicher, die romantische Entwicklung ist berührend, die letzten Kapitel rasant und spannend, bevor uns ein fürchterlicher Cliffhanger in der Luft stehen lässt. Bereits beim ersten Schritt in das urige Anwesen, war ich unsicher, wer hier zu den Guten gehört, wem zu glauben ist – denn hinter der herrschaftlichen Fassade, Höflichkeit und Manier versteckt sich Arroganz und ein perfider Plan, ein alter Pakt, der nur mit Blut das dezimierte Volk der Dens zu schützen vermag.

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Veröffentlicht am 24.11.2022

Spannung und Atmosphäre, Geheimnisse und Monster.

Wintersterben
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»Wie viele Monster braucht es, um eine vollkommen zerstörte Existenz zu erschaffen?«

Um den verzwickten Mord eines ehemaligen BKA-Ermittlers und Fremdenlegionärs aufzuklären, muss Interpol-Agentin Valeria ...

»Wie viele Monster braucht es, um eine vollkommen zerstörte Existenz zu erschaffen?«

Um den verzwickten Mord eines ehemaligen BKA-Ermittlers und Fremdenlegionärs aufzuklären, muss Interpol-Agentin Valeria Ravelli, unter strengster Geheimhaltung, in das abgelegene Dorf „Steinberg“ reisen. Nicht nur der wetterbedingte Nebel und die steilen Berge werfen hier ihre Schatten, sondern auch die Geheimnisse, die die eingeschworene, feindselige Gemeinde umgibt …

Martin Krüger spann in „Wintersterben“ ein Netz aus Verstrickungen, das trotz zahlreicher Vermutungen und Verdächtigen undurchschaubar bleibt. Mit einem einfachen, mysteriösen Stil, einer einnehmenden Atmosphäre, drückend und düster, gelang es dem Autor, ein bleibendes Gefühl von Unbehagen zu wecken. Misstrauen gegen jeden, mit dem Valeria sprach, gegen alles, was sie entdeckte.

Obgleich der Großteil der Handlung aus ihrer Perspektive geschildert wurde, wird ihre Recherche in den Schweizer Alpen durch Einblicke in das Tun von Colin Bain, der ebenfalls an dem Fall arbeitet, unterbrochen. Beide wirken abgebrüht, emotional instabil und des Öfteren nicht sonderlich professionell.
Kurze Kapitel, ein gutes Erzähltempo, zahlreiche Spuren und weitere Opfer halten die Spannung, trotz naiver, logisch fraglicher Verhaltensweisen und Details, aufrecht. Wendungen und neue Indizien sind gut platziert, und inmitten all der Beklemmung, der deutlich spürbaren Bedrohung bleibt kaum Platz für Langeweile.

Das gewählte Setting wurde mit all der Düsternis anschaulich beschrieben, durch einen mystischen Touch, zweifelhafte Beobachtungen und Spuren, die über die Dorfgrenze hinaus reichen, blieben Gänsehautmomente nicht aus.
Und was hier, in Steinberg, vor sich geht, ist unglaublich erschreckend und schockierend, zeigt, dass aus Trauma, Macht und Geld sadistische Monster geboren werden.

Die Auflösung dieses Falls ging mir, nach all der aufbauschenden Recherche beider, den aufreibenden Enthüllungen und der Vielzahl Involvierter zu schnell und einfach, doch „Wintersterben“ endet mit einem Cliffhanger, denn Ravelli und Bain wurden nicht grundlos für diesen speziellen Fall ausgewählt.

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