Eine Dystopie im Schwebezustand – sehr surreal
SchwebenDas Leben von Nadja, der Hauptperson und Ich-Erzählerin, findet in einer isolierten, stark reglementierten Siedlung ohne scheinbare Gewalt statt. Das Klima nach der großen Hitze wechselt zu Kälte und großen ...
Das Leben von Nadja, der Hauptperson und Ich-Erzählerin, findet in einer isolierten, stark reglementierten Siedlung ohne scheinbare Gewalt statt. Das Klima nach der großen Hitze wechselt zu Kälte und großen Hagelkörnern, vernichtet nicht nur Ernten, sondern destabilisiert schließlich das Gesellschaftssystem. Phänomene wie das Schweben von Personen oder das Zusammenwirken mit weiteren Siedlungen bleiben unklar. In dieser befremdlicher werdenden Atmosphäre entwickelt sich die Protagonistin des Buches beruflich zu fremden Personen und verkörpert hauptsächlich Emma, die ihren problematischen, gewaltbereiten Ehemann Gil verlassen hat. Mit diesem Identitätswandel verliert sie sich schließlich selbst und flieht schwebend über die Siedlungsgrenzen. Dieses Bild vom Schweben wiederholt sich vorab bei vielen Siedlungsbewohnern, die für Ablenkung in der Bevölkerung sorgen und dann tödlich abstürzen – viel Freiraum für Interpretation. Diese bildliche Metapher könnte zu totalitären Regierungssystemen wie die ehemalige DDR passen, die mit ihren tödlichen Grenzvorrichtungen den Schritt in die Freiheit unterbanden. Dazu passt auch der endgültige wirtschaftliche Zusammenbruch dieser bisher Holz exportierenden Siedlung im Roman. Etwas verwirrend wirken die Träume der Protagonistin, ihr Einschlafen im Schwimmbad, ihre ausfallenden Zähne, das Verschwinden einer klimatisch unpassenden Baumspezies.
Die surreale Idee des Schwebens in Verbindung mit zunehmendem Identitätsverlust macht nachdenklich.