Cover-Bild Der Vater eines Mörders
Band der Reihe "detebe"
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14,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 96
  • Ersterscheinung: 26.09.2006
  • ISBN: 9783257236088
Alfred Andersch

Der Vater eines Mörders

Eine Schulgeschichte

Eine Lateinstunde in der achten Klasse, in einem Gymnasium, Ende der Zwanzigerjahre: Was für den Schüler Franz Kien wie eine normale Schulstunde beginnt, ufert aus, als Rektor Himmler das Klassenzimmer betritt und der Unterricht für Franz zur persönlichen Schikane und Erniedrigung wird. Andersch zeigt in seinem erschreckend aktuellen Text, wie das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte in den Klassenzimmern seinen Anfang nahm.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.01.2021

Sehr interessante Erinnerung, die einen zum Nachdenken anregt

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Die kurze Erzählung beschreibt eine Schulstunde in Altgriechisch Ende der 1920er Jahre an einem Gymnasium in Bayern. Im Zentrum stehen Franz Kien, der ein schlechter Schüler ist, und Oberstudienrat Himmler, ...

Die kurze Erzählung beschreibt eine Schulstunde in Altgriechisch Ende der 1920er Jahre an einem Gymnasium in Bayern. Im Zentrum stehen Franz Kien, der ein schlechter Schüler ist, und Oberstudienrat Himmler, dem Vater von Heinrich Himmler. Der alte Himmler macht Franz Kien und ein paar andere Schüler fertig.
Alfred Andersch, dessen Schreibstil mir wirklich sehr gut gefällt, lieferte mit dieser Erzählung eine nicht abschließende Charakterstudie des Vaters der Nummer zwei im Naziregime basierend auf seinen persönlichen Erinnerungen. Franz Kien steht als Alias für Andersch selbst, wie der Autor im die Erzählung kritisch erläuternden Nachwort festhielt. Das Nachwort stellt aus meiner Sicht einen festen Bestandteil der Erzählung dar, da man so das Gelesene besser einordnen kann und die Intentionen Schriftstellers besser nachvollziehen kann.
Es handelt sich um eine kurze Momentaufnahme aus der Zeit vor der Machtergreifung, die nicht urteilt oder erklärt, aber einen zum Nachdenken anregt.

Fazit: Unbedingt lesen (wie übrigens alles von Alfred Andersch)

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Nur eine Stunde

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Der vierzehnjährige Schüler Franz Kien hat im Mai 1928 nicht viel Lust auf den Unterricht. Warum weiß er nicht so genau. Wahrscheinlich könnte er, wenn er wollte. Er weiß allerdings nicht, was er will. ...

Der vierzehnjährige Schüler Franz Kien hat im Mai 1928 nicht viel Lust auf den Unterricht. Warum weiß er nicht so genau. Wahrscheinlich könnte er, wenn er wollte. Er weiß allerdings nicht, was er will. Schriftsteller werden will er, das weiß er dann doch. Als der Schuldirektor Himmler eine Griechischstunde inspiziert, betrifft das Franz erst nicht sehr. Der Rektor scheint das häufiger zu machen. Zuerst nimmt er sich den Lehrer vor, der vornehmlich um seine Stelle besorgt scheint. Irgendwann kommt einer der besten Schüler dran, der es sich leisten kann Widerworte zu geben. Meint er. Als Franz meint, der Kelch ist so eben an ihm vorbeigegangen, muss er sein Nichtwissen doch noch zeigen.

Der Schriftsteller Alfred Andersch kehrt in die Zeit seiner Jugend zurück. Sein alter ego Franz Kien erlebt eine Unterrichtsstunde, die wohl kein Schüler so erleben möchte. Er meint zu verstehen, wieso Jung-Himmler sich mit Alt-Himmler überworfen hat. Aber ist aus Jung-Himmler deshalb ein Vernichter vieler Menschen geworden? Franz Kien bekommt jedenfalls mit, wie der Rektor einen Schüler von der Schule verbannt, wie er sich aufführt, wie ein Herrscher über sein kleines Schulreich. Als Kien dann selbst noch drankommt, von Himmler bloßgestellt, ist er fast schon froh, von der Schule zu fliegen. Nur um seinen Vater sorgt er sich.

Man empfindet schon Beklemmungen, wenn man sich diesen Unterricht vorstellt, wenn man sich diesen Rektor vorstellt. Natürlich weiß man heute, was aus Jung-Himmler wurde. Das führt schon irgendwie zu der Frage, wenn der Vater menschen- oder schülerfreundlicher gewesen wäre, ob dann aus seinem Sohn etwas anderes geworden wäre. Dieser Schuldirektor löst Widerwillen aus. Er nutzt seine Machtposition perfide aus. Er scheint nicht zum Wohle der Schüler tätig zu sein, sondern eher, um seine eigenen wie auch immer gearteten Bedürfnisse zu befriedigen und Menschen gegeneinander auszuspielen. Keine angenehme Lektüre, aber eine, die sehr nachdenklich stimmt.

Veröffentlicht am 30.01.2018

Der Vater eines Mörders

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Inhalt:
Morgens im Wittelsbacher Gymnasium in München. Direktor Himmler überrascht eine seiner unteren Klassen, die Untertertia B, mit einem Kontrollbesuch, in ihrer griechisch Stunde bei Herrn Kandlbinder. ...

Inhalt:
Morgens im Wittelsbacher Gymnasium in München. Direktor Himmler überrascht eine seiner unteren Klassen, die Untertertia B, mit einem Kontrollbesuch, in ihrer griechisch Stunde bei Herrn Kandlbinder. Der "Rex" , wie alle Schüler den Direktor nennen, fordert,
der Unterricht solle ganz normal weitergehen, also fordert der Klassenlehrer seinen besten Schüler auf, an der Tafel mit der Stunde zu beginnen. Doch Herr Himmler durchschaut seinen Plan sofort und bittet ihn kurz darauf, einen anderen seiner Schüler ans Pult zu holen. Aufgerufen wird Konrad von Greiff, der sich auf Grund seines Adeltitels, besser und wichtiger fühlt als der Rest der Klasse. Kurze Zeit später erntfacht ein Streit zwischen dem "Rex" und dem Schüler "Greiff",
der den Direktor sowie seinen Klassenlehrer sehr respektlos behandelt, da er sich zu "größerem" berufen füllt. Kurz darauf, platzt Herr Himmler der Kragen,
er fängt an den Schüler zu beleidigen und suspendiert ihn von der Schule. Nachdem die Situation weiter beruhigt hat, streift Herr Himmler weiter durch die Klasse, auf der Suche nach seinem nächsten Schüler, den er vor der ganzen Klasse prüfen kann [...]

Meinung:
Ich habe das Buch "der Vater eines Mörders" von A. Andersch als Schüllektüre
durchgenommen und bin wirklich begeistert.
Es ist zwar ein "literarisches" Werk, doch sehr interessand und auch ein Stück
weit spannend. Anfangs hatte ich die befürchtung ich würde eine schwere,
von Wörtern, triefende, schwierige Geschichte erwarten, doch ich bekam,
gegen jeder meiner Erwartungen, ein wirklich gutes, recht leichtes Werk.
Es ist wohl meine erste Schullektüre, die ich wirklich gerne mag. Ich freue mich
schon drauf, mich mit der Geschichte weiter auseinander zu setzten [...]