Cover-Bild Schwebende Lasten
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16,00
inkl. MwSt
  • Verlag: C.H.Beck
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 282
  • Ersterscheinung: 09.07.2026
  • ISBN: 9783406846083
Annett Gröschner

Schwebende Lasten

Roman
Nicht weniger als ein ganzes Leben erzählt Annett Gröschner mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause mit einer Wucht und Poesie, wie sie nur dort entstehen können, wo die Literatur wirklichkeitssatt ist.

Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte. Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt. Ein Roman über das Ende des Industriezeitalters und seiner Heldinnen im Osten Deutschlands und über eine gewöhnliche Frau in diesem unfassbaren 20. Jahrhundert.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2026

Das intensive Leben einer starken Frau

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Gestaltung:
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Das Titelbild ist sehr unscharf. Es sind mehrere Frauen und ein Kind zu erkennen. Für mich symbolisiert es mehrere Momente, die fotografisch übereinander in einer Collage dargestellt ...

Gestaltung:
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Das Titelbild ist sehr unscharf. Es sind mehrere Frauen und ein Kind zu erkennen. Für mich symbolisiert es mehrere Momente, die fotografisch übereinander in einer Collage dargestellt sind. So, als wäre der Fotograf schnell durch die Zeit gereist. Es macht neugierig und passt sehr gut zu diesem intensiven Roman.

Inhalt:
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Hanna muss sich bereits in jungen Jahren bewähren. Ihre Mutter starb, als sie noch ein Kind war, ihr Vater war Pole und hat die Familie kurz nach Hannas Geburt verlassen. Aufgewachsen ist sie mit ihrer großen Schwester Liese und ihren Halbschwestern Rose und Margarete.
Vor allem Rose behandelt Hanna nicht besonders gut. Aber sie lernt bei ihr das Blumenbinden. Ihre Liebe zu Blumen wird bis zum Lebensende halten und eine stete Konstante sein. Sie heiratet, erlebt den Zweiten Weltkrieg, bekommt mehrere Kinder, von denen einige als Totgeburt zur Welt kommen und eins verliert sie im Krieg. Nach dem Krieg wird sie Teil der neu gegründeten DDR und Blumenbinden ist nicht mehr gefragt. So wird sie Kranfahrerin und zwar eine sehr gute. Von dort oben kann sie im Werk die Mitarbeiter beobachten und sich ihre Gedanken über die Welt machen.

Mein Eindruck:
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"Hanna existierte. Nicht mehr und nicht weniger. Sie hatte versucht, über das Menschsein nachzudenken, war aber zu keinem Ergebnis gekommen, außer dass Blumen ihr menschlicher
vorkamen als ihre eigene Gattung. Sie hatte schon lange keine mehr wahrgenommen, seit sie mehr Zeit auf dem Dorf verbrachte als in der Stadt."(S. 102)

Mir gefiel das Buch sehr gut. Der Schreibstil ist nüchtern und dennoch oder gerade deshalb übte der Roman einen starken Sog auf mich aus. Hannas Schicksal ist hart und es gibt viele sehr detailliert beschriebene Situationen, vor allem im Krieg. Ich dachte oft: Wie hält die Frau das aus und macht trotzdem immer weiter?
Von ihren Gefühlen bekommt man beim Lesen wenig mit. Hanna machte auf mich eher den Eindruck, dass sie versucht, sehr rational und funktional an alle Probleme heranzugehen. Sie stumpft innerlich ab und schafft es nur so, weiter zu funktionieren. Während ihr Mann früh Invalide wird durch einen Werksunfall und sich dem Alkohol widmet, entfacht in Hanna immer wieder die Kraft, weiterzumachen, um für ihre Familie zu sorgen.
Vor allem die Beschäftigung mit Blumen richtet sie auf und gibt ihr Kraft. So beginnt auch jedes Kapitel passend zum Inhalt mit dem Namen und der Kurzbeschreibung einer Pflanze. Mir hat dieses Stilmittel sehr gut gefallen und nebenbei habe ich viel über Botanik gelernt.
Als ich über den Titel "Schwebende Lasten" nachdachte, kam mir in den Sinn, dass er zweideutig gemeint sein könnte. Zum einen bezeichnet er die Lasten, die durch den Kran transportiert werden und ist somit Symbol für die Kranfahrertätigkeit von Hanna. Zum anderen bedrohen aber auch immer wieder viele Schicksalsschläge ihr Leben und schweben als Lasten darüber. Diese Anspielung und Mehrdeutigkeit gefiel mir sehr gut.
Ich habe diesen Roman verschlungen. Bei den schlimmeren Szenen verhielt es sich wie bei einem Unfall: Man will nicht hinsehen, aber man kann auch nicht wegsehen. Und so musste ich diese Erzählung immer weiterlesen, um zu erfahren, wie Hanna weitermacht und wie alles endet.
Das Buch hallt noch lange in mir nach und hat mir durch die Intensität sehr viel Nachdenkenswertes beschert.

Fazit:
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Intensiv und fesselnd erzählt - es hallt noch lange nach.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Belastende Lektüre

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"Schwebende Lasten" von Annett Gröschner ist ein bedrückender Roman über das Leben einer Frau im Laufe des 20. Jahrhunderts in Berlin und vor allem in Magdeburg.
Der Roman fing gut an und ich lernte Hanna ...

"Schwebende Lasten" von Annett Gröschner ist ein bedrückender Roman über das Leben einer Frau im Laufe des 20. Jahrhunderts in Berlin und vor allem in Magdeburg.
Der Roman fing gut an und ich lernte Hanna und ihre spezielle Art kennen. Ihre Leidenschaft sind Blumen, weshalb auch zu Beginn jedes Kapitels eine Blumenart mit einem kurzen Steckbrief vorgestellt wird. Mit den darauffolgenden Kapiteln haben diese Steckbriefe aber meiner Meinung nach nichts zu tun.

Die Autorin nutzt in diesem Roman die Berichtsform, was bei mir leider nur bedingt eine Nähe zur Hauptfigur aufkommen ließ. Dennoch haben mich manche Schicksalsschläge im Roman beim Lesen deprimiert. Dies vor allem, weil ich das Gefühl hatte, dass Hannas Leben nur aus einer Aneinanderreihung solcher Schläge besteht. Das war für mich persönlich zu viel. Ich musste das Buch daher einige Male weglegen und das Gelesene sacken lassen. Trotz dieser Dichte an Ereignissen konnte ich mich nicht richtig in die Gefühlswelt der Hauptfigur einfinden. Dies ist vor allem deshalb schade, weil ich das Ansinnen der Autorin, mit diesem Roman den ungesehenen Frauen eine Geschichte zu geben, gut finde. Allerdings hätte ich mir zum Schluss noch eine ausführliche Darstellung der Recherchearbeit der Autorin gewünscht, um die Handlung jenseits der historisch verbrieften Geschehnisse besser einordnen zu können.

Insgesamt ein solider Roman, der mich deprimiert zurückließ und in meinen Augen mehr Potenzial gehabt hätte.

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