Meinung
Es macht wirklich keinen Spaß, Jugendbücher, die eine Botschaft übermitteln wollen, zu verreißen. Über den schlichten Schreibstil hätte ich noch hinwegsehen können, wäre da nicht diese triefende Doppelmoral gewesen.
„Totalabsturz“ scheitert bei mir an zwei großen Punkten. Zum einen wäre da der Stil. Selbst für ein Jugendbuch mit einer Länge von unter 100 Seiten ist der Schreibstil sehr einfach gehalten. So einfach, dass man meinen könnte, ein Kinderbuch zu lesen. Bei all den Jugendbücher, die ich bislang gelesen habe ist mir noch keines untergekommen, das so einen Eindruck bei mir hinterlassen hat.
Der weitere Kritikpunkt bezieht sich auf die gewollte Doppelmoral der Autorin. Das Buch vermittelt, dass es egal ist, wie dein Umgang mit Alkohol ist, solange du „aus einem guten Umfeld“ stammst. Der Alkoholkonsum der Familie und Freunde der Protagonistin ist „der gute“, der Konsum ihrer neuen Bekanntschaft (Alternativ/Punk) und dessen Freunde „der böse“. Offenes Trinken und dessen Folgen machen Angst, sind abschreckend und führen zu Filmrissen sowie Ausflügen ins Krankenhaus. Dabei musste auch noch unbedingt die persönliche Abneigung gegen ein Aussehen, das fernab des Mainstreams liegt, mit eingebaut werden. Gibt man sich hingegen trotzdem regelmäßig, jedoch mit Stil die Kante, scheint es kein Problem darzustellen. Die eigentliche Aussage geht komplett aufgrund des gegenseitigen Ausspielens von Gesellschaftsmustern unter. Vielleicht sind diese wenigen Seiten auch einfach nicht ausreichend, um Alkohol, Süchte und deren Folgen genügend auseinander zu nehmen.
Der Klappentext suggeriert ein ganz anderes Auseinandersetzen mit dem Thema. Die „fatalen Folgen“ werden dabei am Rande erwähnt und betreffen noch nicht einmal die Protagonistin und lassen sie in Weiten teilen sogar kalt.
Fazit
Das Thema, welches hier erörtert werden will, sprengt offensichtlich den Rahmen. Anders kann ich mir diesen „Totalabturz“ leider nicht erklären.