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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2017

Leider nicht so wie erwartet

Bird and Sword
7 0

Meinung

Aufgrund der Leseprobe waren meine Erwartungen so immens hoch, dass eigentlich damit zu rechnen war, dass diese zusammenbrechen wie ein Volgar, der gegen seinen eigenen Willen vom Himmel geschossen ...

Meinung



Aufgrund der Leseprobe waren meine Erwartungen so immens hoch, dass eigentlich damit zu rechnen war, dass diese zusammenbrechen wie ein Volgar, der gegen seinen eigenen Willen vom Himmel geschossen und in den Tod geschickt wird. Ein Volgar ist ein magisches Wesen, halb Mensch und Vogel, und ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Nun eigentlich sollten sie das sein, doch so sehr ich versucht habe, die magischen und phantastischen Anteil wohlwollend zu betrachten, so ging dies doch alles zu Laster der Liebe unter.

Das Buch wird damit beworben, so romantisch wie Selection und so spannend wie A Song of Ice and Fire zu sein. Der erste Part mag vielleicht noch zutreffen, mit Game of Thrones hat das hier jedoch wenig zu tun. Bird & Sword ist ein Roman, der so viel Potenzial bietet, es aber nicht ausschöpft. Die mittelalterliche Welt mit ihren vielen verschiedenen Wesen und Städten wird angedeutet, jedoch kaum beschrieben. Die wundervollen Einfälle Harmons, Lark mit Tieren ’sprechen‘ und generell nur über Gedanken kommunizieren zu lassen waren die Eigenschaften, die dieses Buch am meisten getragen haben. Mehr von diesen zauberhaften Ideen rund um die Wortzauber und weniger Gossip wären die Zutaten, die ich mir hier gewünscht hätte.

Der Umgang der Personen miteinander bleibt, wie auch das Beschreiben der Umgebungen, sehr oberflächlich. Sie interagieren, weil es der Plot so vorsieht und zeigen dabei kaum Persönlichkeit. Und so ist es dazu gekommen, dass mir der Ausgang von Larks Geschichte nicht sonderlich berührt hat. Weder zu ihr, noch zu ihrem Love Interest konnte ich eine besondere Beziehung aufbauen. Hätte Harmon weniger auf Klischees, sondern ihre eigenen Ideen gesetzt, hätte sie auch mich mit ihrer Geschichte abholen können. Ich bin die Protagonistinnen satt, die ja so sehr unscheinbar sind. Ebenso gehen mir die Bad Boys, die sich für ihre Angebetete ändern, auf die Nerven – selbst wenn sie Könige sind.

Wenn man noch einmal auf den Vergleich zu A Song of Ice and Fire zurück kommen mag: Bird & Sword fehlt es an den politischen Durchtriebenheiten, den feinfühligen Charakterzügen und der deutlichen Dramatik, um mit einem solchen Epos mithalten zu können. Es geht hier nicht um Kämpfe, (denn die werden mal eben so abgehandelt) oder um die Gestaltwandler (dafür haben sie zu wenig Spielraum und es gibt zu viele Logikfehler), sondern wie Protagonistin A am effektvollsten mit Objekt der Begierde B zusammenfindet.

Auch bleiben einige Fragen ungeklärt, die höchstwahrscheinlich auch nicht mehr im nachfolgenden Teil geklärt werden. Die Kombination mit den vorhersehbaren Plotelementen sowie dem Nichtaufbau von Emotionen gegenüber den Figuren haben schlussendlich dazu geführt, dass ich diesen Roman weder weiterempfehlen, geschweige denn noch einmal lesen würde. Was wirklich sehr schade ist.

Und auch wenn ich grundsätzlich keine Cover bewerte muss ich nun doch einmal ein Wort zu diesem Trend loswerden, den auch Bird & Sword befallen hat. Egal wie düster der dystopische Thriller oder wie blutig das phantastische Gemetzel ist: Die Cover vieler solcher Bücher zieren derzeit wunderhübsche Mädchen (die meist mit der Protagonistin wenig gemeinsam haben) die noch viel schönere Ballkleider tragen. Beispiele wären da Selection, Der Kuss der Lüge oder auch Glimmernächte. Das Reich der sieben Höfe von Sarah J. Maas schießt dazu noch den Vogel ab, wird die ballkleidtragende Schönheit mit Bogen in der Hand abgebildet. Sicherlich die perfekte Garderobe für den nächsten Jagdausflug. Die Originalcover der Bird & Sword Romane gefallen mir durch ihr düsteres Erscheinungsbild deutlich besser.

Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass ich mit den Figuren dieses Romans insoweit Spaß hatte, dass ich – aufgrund des Manuskripts – diese ständig an die Seitenränder zeichnen ‚musste‘ (und leider bin ich sehr häufig ins Zeichnen abgedriftet). Immerhin meine Freude am Zeichnen konnte mir der Roman wiederbringen.

Fazit



Wer Romantasy mag, bei der die Liebe im Vordergrund steht und sich durch einen umfangreichen Weltenbau gelangweilt fühlt, kann mit Bird & Sword nichts falsch machen.

Da hier an so vielen Stellen lediglich an der Oberfläche gekratzt wird, konnte bei mir kein Interesse geweckt werden, auch den zweiten Teil lesen zu wollen. Auch wenn dort die einzige Person, die mich wirklich überzeugen konnte, zum Protagonisten aufsteigen wird.

Eine seichte Liebesgeschichte trifft auf blasse Welten und Charaktere. Betrachtet man den Roman als Märchen, sollte er einen zufriedener stellen. Ähnlichkeiten zu tatsächlich existierenden Märchen wie Die Schöne und das Biest und Rumpelstilzchen unterstreichen dies.

Veröffentlicht am 28.03.2017

Forever 21

Forever 21
4 0

Rezension zu Forever 21 von Lilly Crow

Titel: Forever 21: Zwischen uns die Zeit
Autor: Lilly Crow
Verlag: One (Bastei Lübbe)
Seiten: 288
Genre: Fantasy Jugendbuch/Zeitreisen
Preis: 15,00 € Hardcover, ...

Rezension zu Forever 21 von Lilly Crow

Titel: Forever 21: Zwischen uns die Zeit
Autor: Lilly Crow
Verlag: One (Bastei Lübbe)
Seiten: 288
Genre: Fantasy Jugendbuch/Zeitreisen
Preis: 15,00 € Hardcover, 9,99 € ebook
Erscheinungsdatum: 16.03.2017
Isbn: 978-3846600443

Vielen Dank an Bastei Lübbe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Band 1: Forever 21 „Zwischen uns die Zeit
Band 2: (Titel wird noch ergänzt) erscheint im Herbst 2017

Klappentext:

Ava ist 21 Jahre alt. Für immer. Sie hat eine schwere Schuld auf sich geladen und wurde zur Strafe mit einem dunklen Fluch belegt. Nun muss sie immer wieder durch die Zeit reisen, an immer neue Orte, in unterschiedliche Situationen. Nur ihre Aufgabe ändert sich nie: Sie muss zwei Seelenverwandten helfen, zueinanderzufinden. Dazu hat sie jedoch nie viel Zeit. Ihr Blut ist wie Säure, und wenn sie sich nicht beeilt, ihre Aufgabe zu erfüllen, leidet sie unsagbare Schmerzen. Dann lernt sie in einem der Sprünge Kyran kennen. Und auf einmal ist alles anders. Doch haben die zwei eine Zukunft, wenn Ava die Zeit und den Ort, an dem Kyran lebt, wieder verlassen muss?

Meinung:

Ich habe „Forever 21“ im Zuge einer Leserunde auf Lesejury, der Community von Bastei Lübbe, als Vorab-Manuskript gelesen. Warum es mich nicht überzeugen konnte, für euch zusammengefasst:

Der Einstieg in den Roman verlief noch relativ gut, da der Schreibstil eingängig und recht schlicht gehalten wurde. Er ist eindeutig auf ein jüngeres Publikum ausgelegt, sorgt jedoch für ein zügiges Vorankommen. Es gab hier und da ein paar „tiefgründigere Einschübe“, die mit Sicherheit zitierfähig sind, aber insgesamt kann man ihn als nicht besonders einstufen.

„Ava war fort, und fast erschien es ihm, als wäre sie nur das Traumgespinst einer mondlosen Nacht gewesen.“ - Seite 80

Mit der Protagonistin Ava hatte ich so meine liebe Mühe. Schon lange ist mir kein oberflächlicherer Charakter mehr untergekommen. Ich kann noch gerade so nachvollziehen, dass man eine Figur zu anfangs klischeehaft und mit Schubladendenken ausgestattet einführt, damit sie im weiteren Verlauf der Handlung eine Wandlung durchläuft. Mit Ava konnte ich jedoch bis zum Ende nicht warm werden. Ihre Denkweisen erinnerten mich mehr als einmal an Chic-Lit Protagonistinnen von vor zehn Jahren. Ihre Aufgabe, Seelengefährten zusammen zu bringen, mag romantisch anmuten. Jedoch kam weder diese Stimmung bei mir auf, noch nahm ich ihr ab, dies nicht ausschließlich aus egoistischen Gründen durchführen zu wollen.

Gegen ihren männlichen Gegenpart Kyran (dessen Name ich immer wieder nachschlagen musste) hege ich sogar noch mehr Antisympathien, da er ein fast schon stalkerhaftes Verhalten an den Tag legt, das ich weder gutheißen, noch die Absichten der Autorin nachvollziehen kann.

Der Roman strotzt des Weiteren nur so von Logikfehlern. Dies betrifft sowohl klassische Zeitreisefehler, wie das Verändern von unveränderbaren Ereignissen, als auch Fehlern im Text, die anscheinend im Lektorat nicht weiter aufgefallen sind. Fehler können passieren, aber gerade bei Zeitreisen dürften solche Dinge wirklich nicht passieren.

Ein weiterer großer Kritikpunkt meinerseits ist, dass die Autorin sich ihre eigene Logik schafft, wie es eben gerade in die Geschichte passt. Avas „Fähigkeit“ bzw. Strafe, durch die Zeit zu springen bringt sie in die verschiedensten Situationen und Körper. Da heißt es einmal, dass die Personen, nach ihrem Sprung aus dem Körper an alles erinnern können und beim nächsten Mal, dass Gedächtnislücken zurück bleiben. Die unwirklichsten Zufälle kommen zusammen, damit Ava Adressen und Namen von ihren „Wirten“ herausfindet. Unnatürliche Unterhaltungen werden geführt, nur um den Leser auf Offensichtliches hinzuweisen. Und Unglückliche Formulierungen wie

„Im Jahr 1907 hatte es schließlich keine Fingerabdrücke gegeben.“ - Seite 117

runden dies noch ab.

Avas Zeitsprünge sind kleine Geschichten innerhalb der großen Geschichte, die zu einem Ganzen zusammenlaufen sollen. So die Theorie. In der Praxis wurden ihnen viel zu wenig Raum und Seiten eingeräumt um nur ansatzweise mit den Figuren sympathisieren zu können. Den sogenannten Rote Faden ging leider aufgrund von Nichtigkeiten unter.

Natürlich darf auch dieser Fantasy-Jugendroman nicht ohne eine Liebesgeschichte ausgekommen. Wie so viele anderen Romanzen des Genres die ich zuvor gelesen habe, wirkt auch diese erzwungen und extrem konstruiert. Wie aus dem Nichts sind auf einmal große Gefühle vorhanden, die weder nachvollziehbar sind, noch in irgend einer Art und Weise realitätsnah anmuten.

Im ganzen Verlauf sind einige Fragen entstanden, die bis zum Ende nicht aufgeklärt werden und für die man sich wohl Teil 2 kaufen muss, um sie geklärt zu bekommen. Aber weder dieser Umstand, noch der Cliffhanger am Schluss haben dazu geführt, dass ich wissen möchte, was aus Ava und Kyran werden wird.

Fazit:

Zeitreise-Roman sind nichts Neues. Die Grundidee von „Forever 21“ machte jedoch neugierig und hätte wirklich gut werden können. Leider wurde in so vielen Punkten Potenzial verschenkt, dass ich es bei Band 1 belassen werde. Ich kann für „Forever 21“ leider keine Leseempfehlung aussprechen. Dafür kamen leider zu viele Kritikpunkte zusammen. Meine sehr hohen Erwartungen wurden nicht erfüllt.

Wer Interesse an einer spannenden Zeitreise-Reihe hat, dem lege ich die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier ans Herz.

Veröffentlicht am 25.10.2017

Verdient "Bester Kriminalroman Schwedens 16"!

Im Traum kannst du nicht lügen
3 0

Daten

Titel: Im Traum kannst du nicht lügen
Originaltitel: Störst av allt
Autor: Malin Persson Giolito
Übersetzer: Thorsten Alms
Seiten: 464
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 26.10.2017
ISBN: 978-3431039931

Meinung

Wie ...

Daten



Titel: Im Traum kannst du nicht lügen
Originaltitel: Störst av allt
Autor: Malin Persson Giolito
Übersetzer: Thorsten Alms
Seiten: 464
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 26.10.2017
ISBN: 978-3431039931

Meinung



Wie kann es dazu kommen, dass zwei privilegierte und gesellschaftlich gut aufgestellte Jugendliche mit Waffen in ihre Schule stürmen, um dort mehrere Schüler aus der Klasse, sowie den Klassenlehrer zu ermorden? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Roman Im Traum kannst du nicht lügen der schwedischen Autorin Malin Persson Giolito.

Dieses Buch setzt sich in einiger einzigartigen Weise mit den Gedanken, Ängsten und Emotionen einer Person – die sich wie Protagonistin Maja – in einer Ausnahmesituation wiederfindet, realistisch auseinander. Egal, wie rational sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Die Autorin geht sehr in die Tiefe und lässt keinen Raum für Schwarz-Weiß-Denken, sondern liefert eine große Anzahl an Grautönen mit denen sich der Leser zurecht finden muss.

Persson Giolito setzt sich nicht nur mit den Angehörigen der Opfer auseinander, wie in vielen ähnlichen Romanen. Sie beleuchtet das ‚Leben danach‘ und das ‚Wie konnte es soweit kommen‘ vor allem aus Sicht der vermeidlichen Täterin durch Rückblenden und Gerichtsverhandlungen und stellt den Leser damit vor ungemütliche Tatsachen. Denn, wer will sich schon dabei ertappen, plötzlich mit einer vor Gericht stehenden Person mitzufühlen und -fiebern, die wahrscheinlich Schuld an dem Tod mehrerer Personen ist? Dabei ist dies zunächst gar nicht so einfach, denn Majas Gedanken sind mitunter recht feindselig und ungemütlich. Aber sie sind ehrlich. Es geht auch gar nicht darum, eine Protagonistin zu haben, die man sofort ins Herz schließt, sondern hinter ihre Tat und ihre Psyche zu schauen.

Vor allem ist dieser Roman ein Seitenhieb an die Sensationslust der Menschen und spielt gekonnt mit dieser Neugierde und deren Nachspielen.

„Weil die Journalisten ihre Leser mit mir Ködern wollen, riecht es nach Tod, und das erregt die Hyänen nur noch mehr.“ – Seite 25

Es ist egal, wer eine Tat vollbracht hat. Es ist egal, welche Tat es gewesen ist. Und es wird am Ende auch egal sein, welche Strafe denjenigen erwarten wird. Es ist die Sensationsgier der Presse, die den ‚wütende Mob‘ entfacht und antreibt. Es geht auch nicht um das oder die Opfer und das ihnen Gerechtigkeit zukommt, sondern um die eigene soziale und vor allem moralische Überlegenheit. Persson Giolito weiß auch dies gekonnt in Szene zu setzen und in Frage zu stellen.

„Ich drehe mich immer noch nicht um, stattdessen schaue ich auf die Bank hinunter. Das werden sie auch berichten, nehme ich an. Dass ich mir die Liste der Toten und Verletzten anhörte, dass ich dieses Weinen hörte, dieses verdammte Weinen, ohne Gefühle zu zeigen. Sie lieben es, mich eiskalt zu finden. Unmenschlich.“ – Seite 44

Die Protagonistin ist eine wahre Beobachtungskünstlerin. Durch ihre Augen wird jeder Beteiligter, sei es nun die Zellenwärterin, die Staatsanwältin, ihre Eltern oder eben die ermordeten Klassenkameraden, bis ins Kleinste auseinandergenommen und analysiert. Bisweilen begibt sie sich damit auf das Niveau der Klatschblätter, wodurch die Autorin in meinen Augen perfekt den Kreislauf schließt.

Da ich den Roman vorab als Manuskript für eine Leserunde erhalten habe, konnte ich mir allerlei Notizen an die Seitenränder vermerken. Unter anderem habe ich festgehalten, dass Majas rückwirkende Erzählungen über ihre beste Freundin Amanda die beste Charakterbeschreibung einer fiktiven Person seit langem war und das vor dem Hintergrund, dass Amanda bis zu diesem Zeitpunkt nie selbst zu Wort gekommen ist. Dies trifft auch auf die weiteren, im Fokus stehenden Personen zu, was das besondere Gespür der Autorin für Personen beweist.

Der Roman ist in viele kleine Abschnitte unterteilt, die sich abwechseln und treffend ergänzen. Dadurch bekommt man als Leser das Gefühl nicht nur Teil einer, sondern direkt mehrerer Geschichten zu sein. Die Mischung aus Falltagen und Rückblenden zur Tragödie und ihr Entstehen liefern einen faszinierenden Kontrast, da sich daraus natürliche Cliffhanger ergeben.

Den Schreibstil würde ich als jugendlich, was vor allem aus der teilweise eingestreuten Umgangssprache ergibt, jedoch keineswegs einfach beschreiben. Majas Gefühlswesen weißt eine Palette von gleichgültig bis tiefverletzt auf, was sich auch auf die Art ihrer Erzählweise – hier die 1. Person – auswirkt. Persson Giolito schreibt metaphernreich, brutal ehrlich und eben doch so leicht, dass die Seiten nur so dahinfliegen.

„Todesstill, die Minuten nach einem Atombomenabwurf, dachte ich.“ – Seite 72

Persson Giolito spielt mit den Gefühlen ihrer Figuren und ihrer Leser zu gleichen Teilen und scheut dabei auch nicht davor zurück, die letzteren auf falsche Fährten zu führen. Vieles, das zuvor Fragen aufgeworfen hat wird bei einem zweiten Blick auf diese Abschnitte (ich bin für diese Rezension das Manuskript ein zweites Mal durchgegangen) klarer und es ergeben sogenannte ‚Aha-Momente‘. Ich denke dass es sich aus diesem Grund lohnt, diesen Roman noch ein weiteres Mal zu lesen.

Fazit



Es hat mir eine wahre Freude bereitet, Teil dieser Leserunde sein zu dürfen, denn ohne sie wäre dieser außergewöhnliche Roman sicher an mir vorbei gegangen. Es ist für mich völlig nachvollziehbar, dass Malin Persson Giolito für dieses Werk einen Preis erhalten hat und ich hoffe sehr darauf, in Zukunft mehr von ihr lesen zu können.

Der Roman ist politisch aktuell und befasst sich sowohl mit dem lasterhaften Leben reicher Jugendlicher, als auch mit dem Auseinandersetzen einer Tragödie fernab der Berichterstattung von Tages- und Boulevardpresse.

Im Traum kannst du nicht lügen ist meine Empfehlung für Liebhaber von thrillerartigen Romanen, die in die Tiefe gehen und ihre Charaktere bis ins kleinste Durchleuchten. Auch wenn viele Erzählstränge aufeinander treffen kommt es an keiner Stelle zu Längen. Ich habe seit Langem keinen, mit einer solchen Thematik versehenen Roman gelesen, der mich in dieser Art und Weise fesseln konnte.

Veröffentlicht am 23.10.2017

Eingeschränkte Leseempfehlung

Immer diese Herzscheiße
1 0

Meinung

Immer diese Herzscheiße ist mein erstes Buch der Autorin, wobei mir erst nach Übersenden des Romans aufgefallen war, dass ich ein weiteres Buch von ihr – Wir waren hier – auf dem Stapel ungelesener ...

Meinung



Immer diese Herzscheiße ist mein erstes Buch der Autorin, wobei mir erst nach Übersenden des Romans aufgefallen war, dass ich ein weiteres Buch von ihr – Wir waren hier – auf dem Stapel ungelesener Bücher liegen habe.

Bei richtig guten Büchern werden meine Bewertungen recht kurz. Richtig schlechte Geschichten führen zu überlangen Rezensionen. Und dann sind da noch diese Bücher, die ich nicht so recht einzuschätzen weiß und deren Beurteilung zu einer größeren Herausforderung wird. Zu eben jeden Büchern gehört auch Immer diese Herzscheiße.

Warum gestaltet sich das Verfassen der Rezension aber nun so schwierig für mich und warum hätte ich es, wäre es nicht eben ein Rezensionsexemplar gewesen, nach dem ersten Abschnitt am liebsten abgebrochen? Es liegt am von Rademacher gewählten Stil. Dieser ist gleichzeitig Höhepunkt und Todesurteil.

Ich habe es selten erlebt, dass sich eine Autorin so gut in in die Denkweise und das Gefühlsleben einer ‚problematischen‘ Fünfzehnjährigen hineinversetzen kann, wie in diesem Roman. Protagonistin Sarah wirkt dadurch wahnsinnig authentisch und ich sehe da viel, was mir selbst bzw. besonders meiner Schwester in dem Alter durch den Kopf gegangen ist. Romane dieser Art (Schwierige Jugendliche, problematisches Umfeld, keine Perspektiven) werden oft aus einer harten, jedoch gefühlsfernen Sicht geschildert. Man hat den Einblick in die Gedanken der umliegenden Personen und nimmt deren Sichtweisen an. Man findet es falsch, dass dieser Jugendliche so sehr abdriftet und dass man weiß, ‚aus dem wird nichts‘.

In dem Fall von Immer diese Herzscheiße erzählt Sarah die Geschichte aus ihrer Sicht und sieht natürlich nichts Verwerfliches darin, die Schule abzubrechen und eine ‚Hartz IV Karriere‘ zu starten. Wieso sollte es auch anders sein? Zerrüttete Familienverhältnisse, Freunde mit Vorstrafen und ein Umfeld, welches fast nur aus Arbeitslosen besteht. Sarah kennt es nicht anders und da kann in ihren Augen auch ein überengagierter Deutschlehrer erst einmal nichts daran ändern. Im weiteren Verlauf schildert der Roman mögliche Perspektiven, auf die ich natürlich hier nicht weiter eingehen werde.

„[…] jeder kann ja eigentlich alles sein. Nur bei uns im Viertel eben nicht.“ – Seite 89

Interessant ist die Geschichte allemal und wie bereits geschildert ist der Autorin das Erschaffen ihrer Protagonistin wahrlich gelungen. Allerdings stößt es mir immer noch auf, dass sich Sarahs Art zu sprechen im kompletten Text wiederfindet. Durch die Erzählweise in der 1. Person muss man sich als Leser durch 320 Seiten Umgangssprache durcharbeiten und dabei versuchen, nicht daran zu verzweifeln. Um das Authentische noch zu unterstreichen, dürfen Rechtschreibfehler nicht fehlen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass dieses Buch eine ganz andere Zielgruppe als mich anspricht und gerade meine Texte sind, trotz mehrmaligem Durchlesen, sicher nie gänzlich fehlerfrei. Jedoch kann – und sollte – ich von einem Jugendbuch das Zwölf- bis Fünfzehnjährige anspricht einen Text erwarten können, der sich eben nicht einem ‚Schreiben nach Gehör‘ beugt.

„Ach, das ist ja wie in der Toskana mit den Züpressen!“ – Seite 37

Ein Roman der Autorin für ‚ältere Leser‘ würde mich sehr reizen, denn zwischen all den jugendlichen Ergüssen stecken hier und da wundervolle kleine Zeilen, die fast schon poetisch anmuten. Und auch hier bin ich mir sicher, wäre der Roman in einer etwas anderen Art verfasst worden, hätte er mir sicher sehr gut gefallen können.

„Es kommt eben nicht auf die Menge der Zeit an, sondern auf die Art, wie wir zusammen sind.“ – Seite 233

Ich weiß, eine Grenze zu ziehen ist wirklich schwierig. Ein Buch wie dieses steht jenen gegenüber, die Jugendliche aufweisen, die wie Fünfunddreißigjähre klingen und auch sonst deren Hobbys und Musikgeschmäcker aufweisen. Den Punkt genau in der Mitte zu treffen, damit ich zu 100 % begeistert bin, ist aber nicht die Aufgabe der Autoren. Ein Buch, dass Jugendliche abholt und sie zum Lesen animiert, kann nie verkehrt sein. Da hilft auch mein Einwand während der Leserunde ‚Auch als ich in Sarahs Alter war, habe ich Bücher in so einem Stil schon nicht leiden können‘ nichts. Ich könnte wirklich damit Leben, hätte man auf die absichtlichen Fehler verzichtet.

Fazit



Wem ein authentischer jugendlicher Schreibstil nicht abschreckt, sollte mit Sicherheit das Experiment Immer diese Herzscheiße wagen. Inhaltlich bringt der Roman sein behandelndes Thema treffend auf den Punkt. Aus alten Mustern auszubrechen, sich gegen vermeintliche Freunde stellen und neue Wege einzuschlagen kann beängstigend sein und es gibt sicher genug, die sich hier wiedererkennen werden. Auch wenn ich mich die Art, wie der Roman verfasst wurde, im weiteren Verlauf weniger störte wie noch zu Beginn, empfand ich das Lesen dadurch trotzdem sehr anstrengend. Von daher gibt es heute nur eine Leseempfehlung Auf eigene Gefahr.

Veröffentlicht am 29.05.2017

Rezension zu Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt

Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt
2 1


Titel: Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt
Autor: Kristina Günak
Verlag: Lyx (Bastei Lübbe)
Seiten: 288
Genre: Liebesroman / ChicLit
Preis: TB 10,00 € / ebook 8,99 €
Erscheinungsdatum: 24.04.2017
Isbn: ...


Titel: Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt
Autor: Kristina Günak
Verlag: Lyx (Bastei Lübbe)
Seiten: 288
Genre: Liebesroman / ChicLit
Preis: TB 10,00 € / ebook 8,99 €
Erscheinungsdatum: 24.04.2017
Isbn: 978-3736304659

Ich habe das Buch als Leseexemplar für eine Leserunde auf Lesejury erhalten. Vielen Dank an Lyx, Bastei und Lesejury für die Übersendung und meine Teilnahme an der Leserunde.

Klappentext:

Bea Weidemann kann es nicht fassen: Schlimm genug, dass ihr kleiner Verlag in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Aber dass sie nun als Tim Bergmanns persönliche Anstandsdame abgestellt wird und mit ihm den Verlag retten soll, ist einfach zu viel für die junge PR-Referentin. Denn der schwierige Bestseller-Autor lässt sich von nichts und niemandem etwas vorschreiben - und ist genau die Sorte Mann, um die Bea sonst einen weiten Bogen macht. Herzklopfen hin oder her. Doch während sie versucht, das Chaos von Tim - und sich - abzuwenden, merkt sie bald, dass auch die Liebe absolut nichts von ihren Plänen hält.

Meinung:

Um sich auf Lesejury für Leserunden bewerben zu können, muss man zunächst einen Blick in die Leseprobe werfen und im Anschluss daran, einen Eindruck dazu verfassen. In diesem Fall musste ich mich mit dem auf „Bewerben“ Drücken begnügen, denn ich hätte am liebsten direkt weitergelesen (was leider nicht ging, da das Buch zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienen war). Dies lag in diesem Anfangsstadium vor allem am Schreibstil der Autorin, der auch im weiteren Verlauf seine Qualität halten konnte. Günak schreibt, umgangssprachlich gesagt, „frei von der Leber weg“. Dies schafft sie, ohne dass sich Unterhaltungen oder auch die Gedankengänge der Protagonistin, gekünstelt wirken. Den Roman über begleitet eine Atmosphäre, die zu gleichen teilen komisch bis sarkastisch, aber auch bedrückend mit einem gewissen Hauch an Gefühl daher kommt.

Wer meine Rezensionen verfolgt weiß, dass ich zum Genre „Liebesroman“ eine Art Hassliebe pflege. Instalove auf Seite 2 und Heirat sowie das ewige Glück 30 Seiten später ist eher etwas, was ich bei den Sims erwarte und nicht in einem Roman. Umso schöner, wenn sich zwischen dem ganzen Mainstreammüll solche Schätze finden lassen (Ohja, Tim und ich wären sicher gute Freunde). Durch das Thema „New Adult“ bin ich leider auch vorbelastet, was die altbekannte „dunkle Vergangenheit“ von mindestens einer der Figur betrifft. Es ist immer eine Frage, ob sie nur eingeführt wird, um das schwulstige Liebesgetolle spannender zu gestaltet oder eben, ob es dazu beiträgt, Charaktere und deren Verhaltensweisen zu begründen und zu beschreiben. Zum Glück ist bei „Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt“ das Letztere der Fall. Bea und Tim weisen erstaunlich viel Tiefgang auf, lernt man sie erst einmal richtig kennen. Für einen Roman, den ich persönlich unter „ChicLit“ einordnen würde, ist das nicht selbstverständlich. Bea ist eine Protagonistin, mit der sich viele identifizieren können. Immer ein bisschen zu viel engagiert und auch ein wenig verbohrt, was gewisse Themen angeht, startet sie ihre Selbstfindungsreise und offenbart wahrscheinlich zum ersten Male einem anderen Mensch, wie es wirklich in ihr drin aussieht. Diese leicht düsteren Einschläge werden gekonnt durch den Witz, den beiden Charaktere versprühen, aufgefangen. Eine Figur wie Bea zu schaffen, die man auf der einen Seite selbst oder eben auch eine gute Freundin sein könnte, ist mit Sicherheit nicht so einfach, wie man es sich vorstellen mag. In diesem Fall hat die Autorin alles richtig gemacht. Auch das Ende hat mir sehr gut gefallen, lässt es doch genug Raum für eigene Spekulationen. Sicher ist es für eingefleischte Romantiker womöglich nicht blumig genug, aber meinen Geschmack konnte es genau treffen.

Negatives findet sich sicherlich auch. Zum Beispiel, dass der Roman lediglich 288 Seiten lang ist, wo ich doch Bea und Tim gerne ein Stückchen länger begleitet hätte. Einige Stellen hätten demnach auch etwas ausführlicher ausfallen können. Wenn ein Buch gut ist, ist es einfach immer viel zu schnell ausgelesen.

Was ich wohl mittlerweile immer erwähnen muss: Ich freue mich, dass hier das „alte“ Format des Verlags, welches noch aus den Zeiten unter Egmont stammt, gewählt wurde. Die Toptitel werden seit der Übernahme durch Bastei als broschierte Ausgaben herausgegeben, was dazu führt, dass meine Lyxtitel nicht mehr alle in das selbe Regal passen. Generell mag ich broschierte Ausgaben nicht so sehr. Umso besser, dass es sich hierbei um ein Taschenbuch handelt.

Gut zu wissen:

Die Autorin schreibt sowohl unter dem Namen Kristina Günak (erschienen bei Lyx, Bastei Lübbe), als auch unter dem Pseudonym Kristina Steffen, welche im Diana Verlag (Random House) rausgebracht werden.

Fazit:

„Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt“ ist eine kurzweilige und romantische Geschichte, die mich Tiefgang und wundervollen Charakteren überrascht. Ohne die Leserunde wäre ich wahrscheinlich nie auf das Buch und die Autorin aufmerksam geworden (und hätte mir nicht sofort weitere Bücher von ihr bestellt). Das Marketing „Leserunde“ hat also prima bei mir funktioniert.

Die Story ist romantisch und dabei glücklicherweise komplett frei von Kitsch. Ich lege ich euch den Roman ans Herz, wenn ihr authentische Figuren und eine realistische und dennoch gefühlvolle Beziehungsenwicklung mögt.

Wenn ihr die Bücher von Kerstin Gier, Adriana Popescu oder Sarah Harvey liebt, werdet ihr auch hier eure Freude haben.