Cover-Bild Das Vogel-Tattoo
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18,99
inkl. MwSt
  • Verlag: FISCHER E-Books
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 27.11.2024
  • ISBN: 9783104915449
Dunya Mikhail

Das Vogel-Tattoo

Roman
Christine Battermann (Übersetzer)

Ein ergreifender Roman über eine jesidische Familie im Nordirak, die durch den IS auseinandergerissen wird. Helen, eine junge Jesidin, lebt mit ihrer Familie in einem abgelegenen Bergdorf. Hier stehen die Häuser Tag und Nacht offen, und wenn Besuch erwartet wird, kommen alle Dorfbewohner zusammen. Für ihre große Liebe verlässt Helen ihr Heimatdorf, um im nahen Mosul eine Familie zu gründen. Doch als der IS über das Land zieht, verschwindet Helens Mann. Beim Versuch, ihn zu finden, lässt sie ihre Kinder zurück und gerät selbst in die Hände der Terrororganisation.


Als junge Frau verliebt sich Helen in den Journalisten Elias. Die beiden gründen eine Familie und besuchen mit ihren Kindern noch regelmäßig das kleine Dorf Halliqi, in dem Helen aufgewachsen ist, und in dem ihre Eltern noch leben. Halliqi liegt hoch oben auf einem Berg, es ist schwer zu erreichen und auf keiner Landkarte verzeichnet. In der kleinen Dorfgemeinschaft gibt es weder Telefone noch Fernseher. Das Leben folgt dem ruhigen Rhythmus der Natur, und die Menschen helfen einander, als wären sie eine große Familie. 
Al der IS den Nordirak überfällt, verschwindet Helens Mann Elias. Verzweifelt macht sie sich auf den Weg in die Redaktion der Zeitung, für die er arbeitet. Ihre Kinder muss sie zurücklassen, auch die Tochter, die gerade ein paar Wochen alt ist. Die Zeitungsredaktion ist längst von Männern des IS besetzt, und Helen gerät selbst in Gefangenschaft. Sie wird an verschiedene Männer verkauft, bis ihr schließlich die Flucht gelingt. Doch sie kann das Land nicht ohne ihre Kinder verlassen. 
Eine Geschichte von unsagbarem Leid, übermenschlichem Mut und dem unerschütterlichen Willen einer Frau, ihre Familie wieder zu vereinen.
Aus dem Arabischen übersetzt von Christine Battermann


Nominiert für den International Prize for Arabic Fiction 

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Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich bei Venatrix in einem Regal.
  • Venatrix hat dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.01.2025

Macht betroffen!

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Die junge Jesidin Helen lebt mit ihrer Familie in Halliqi, einem kleinen abgelegenen Bergdorf im Nordirak. Als sie 2003 den Witwer Elias kennen und lieben lernt, verlässt sie das einsame Dorf und lebt ...

Die junge Jesidin Helen lebt mit ihrer Familie in Halliqi, einem kleinen abgelegenen Bergdorf im Nordirak. Als sie 2003 den Witwer Elias kennen und lieben lernt, verlässt sie das einsame Dorf und lebt mit ihm im nahen Mosul. Als Zeichen ihren Liebe lassen sich die beiden statt eines Eheringes ein Vogeltattoo stechen.

Elias ist Journalist und ist einer der ersten, der 2014 von den Männern des Daesh (IS) verschleppt wird. Helen lässt ihre wenige Wochen alte Tochter sowie ihre beide halbwüchsigen Söhne zurück und macht sich auf die Suche nach Elias. Dabei gerät sie in die Fänge der Terrororganisation und wird an verschieden Männer verkauft und systematisch misshandelt.

Auf abenteuerliche Weise gelingt ihr nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen die Flucht und die Rückkehr nach Halliqi, das inzwischen ein Fluchtpunkt für zahlreiche vom Daesh verfolgte Menschen ist. Elias bleibt weiter verschwunden und die beiden Söhne sind mittels Gehirnwäsche zu Mudschaheddin ausgebildet worden.

Meine Meinung:

Wir Leserinnen und Leser aus Mitteleuropa können uns das Leid der Menschen, die vom Daesh entführt, misshandelt, zwangsmissioniert, zwangrekrutiert und letztlich oft getötet werden, kaum vorstellen. Erinnerungen an die Erzählungen von brutaler Christianisierung und den Genozid während der NS-Diktatur werden wach. Und das alles im 21. Jahrhundert? Dieser Roman gibt dem Leid der Jesiden, die als christliche Religionsgemeinschaft gelten, eine fassbare Stimme. Helen steht stellvertretend für Tausende Frauen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben.

Gekonnt wird der Kontrast zwischen dem friedlichen Zusammenleben der Menschen im unwirtlichen Gebirge im Nordirak und den Gräueltaten des Daesh dargestellt. Helens Familie lebt vom Obst- und Gemüseanbau, Feigen sind das wohl bekannteste Produkt. Ihr Vater ist als Beschneider ein geachteter Mann. Das hilft dann, als Helen mit ihren Kindern das Dorf verlassen kann.

Berührend sind die Szenen, als wir erfahren, dass Helen und Elias die Dorfbewohner jeglichen Alters im Lesen und Schreiben unterrichten. Das von Batterien betriebene Radio wird als Zauberkasten betrachtet. Mobiltelefone halten erst spät, und dann durch Flüchtlinge Einzug in Halliqi, erweisen sich aber dann als wichtiges Requisit, um die Menschen außer Landes zu bringen.

Der Roman betrachtet die unterschiedlichen Schicksal aus verschiedenen Perspektiven. Im Zentrum stehen stets Helen und ihre Familie, für die vielen tausenden Menschen, die ähnliche Schicksale teilen.

Fazit:

Diesem Buch, das mich sehr betroffen macht, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.11.2024

Ein grausames Leben

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Dunya Mikhail hat mit ihrem Roman, Das Vogel-Tattoo, ein besonders tragische Thema erzählt und es ist so aktuell.
Mit der Protagonistin Helen, die zu einer Jesidische Familie gehört müssen wir an ihrem ...



Dunya Mikhail hat mit ihrem Roman, Das Vogel-Tattoo, ein besonders tragische Thema erzählt und es ist so aktuell.
Mit der Protagonistin Helen, die zu einer Jesidische Familie gehört müssen wir an ihrem Leid teilnehmen. Wir erfahren wie das Volk geschändet wird. Die Frauen werden verkauft, immer wieder vergewaltigt und geschlagen. Jungen werden zu ISS-Kämpfern umerzogen. Die Männer werden oft ermordet.
Zwischendurch gibt es mal die schöne Liebesgeschichte von Helen und Elias. Dann kommt wieder das ganze Elend.
Der Roman ist gut geschrieben. Er ist kein Wohlfehlroman, aber ein wichtiges Thema, das man sonst nur am Rande mitbekommt.
Es ist ein wichtiges Werk.



Veröffentlicht am 13.12.2024

Eine sehr bewegende Geschichte über den Völkermord an den Jesiden und insbesondere das Schicksal der Frauen

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Die seit über 20 Jahren im amerikanischen Exil lebende Journalistin und Dichterin Dunya Mikhail schreibt in „Das Vogel-Tattoo“ über den Völkermord an den Jesiden im Irak durch den IS im Jahr 2014 und ...

Die seit über 20 Jahren im amerikanischen Exil lebende Journalistin und Dichterin Dunya Mikhail schreibt in „Das Vogel-Tattoo“ über den Völkermord an den Jesiden im Irak durch den IS im Jahr 2014 und thematisiert vor allem die Gräueltaten, die den jesidischen Frauen angetan wurden. Diese wurden zu Tausenden verschleppt, als Ware online zu Kauf angeboten und mehrfach systematisch vergewaltigt. Einigen wenigen gelang die Flucht, und Mikhail reiste in den Irak, um mit diese Frauen und auch einem ihrer Retter, Abdullah, zu sprechen, der über ein Schleusernetzwerk die gefangenen Frauen befreien und in autonome Kurdengebiete in Sicherheit bringen lässt.

Eine dieser Frauen diente als Vorbild für die Protagonistin Helen. Die Handlung des Romans ist frei erfunden, wurde jedoch inspiriert von den Erlebnissen der interviewten Frauen und Abdullahs Berichten. Das Schicksal der jesidischen Familien nach der Machtübernahme durch den IS hat mich sehr berührt, und es war teilweise schwer auszuhalten zu lesen, was den Mädchen und Frauen angetan wurde. Großen Respekt hatte ich vor dem Mut und der inneren Stärke der Menschen, die sich unter Einsatz ihres eigenen Lebens für die Befreiung der Kinder und Frauen einsetzen.

Viel Raum nimmt die Schilderung jesidischen Lebens im abgelegenen und von der Außenwelt abgeschnittenen Bergdorf Halliqi ein, aus dem Helen ursprünglich stammt. Das Zusammenleben dort wird als geradezu paradiesisch geschildert, voller Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Harmonie und grenzenloser Nächstenliebe. Das erschien mir beim Lesen doch recht dick aufgetragen und idealisiert, zu schön, um wahr zu sein. Auch sind es mir zu viele Kreise, die sich am Ende der Geschichte schließen.

Da ich mit der Geographie und den Grenzverläufen zwischen Rebellengebieten und autonomen Regionen nicht vertraut bin, war es teilweise etwas verwirrend, die Routen nachzuvollziehen. Hier wäre eine Karte hilfreich gewesen. Manche Handlungen blieben mir unverständlich, etwa, wie eine befreite Frau, die gerade unter großen Mühen und durch vermintes Gebiet aus Syrien herausgeschmuggelt wurde, ein paar Tage später einfach ganz normal und allein nach Syrien zurückreist, um jemanden zu suchen. Auch ein Logikfehler im Buch – eine Frau, die im August 2014 verschleppt wurde, hat im Januar 2015 bereits ein durch eine Vergewaltigung gezeugtes Kind - fiel mir auf.

Fazit: Ein sehr bewegender Roman, der den Blick auf ein Thema lenkt, das leider in der Weltöffentlichkeit viel zu wenig Beachtung erfährt. Umso wichtiger ist es, dass Dunya Mikhail den jesidischen Frauen in dieser Geschichte eine Stimme gibt. Da mich das Buch erzählerisch nicht komplett überzeugen konnte, ziehe ich einen Stern ab.

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