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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2026

warmherzig und leise erzählt

Mortimers Geheimnis. Ein Kater, zwei Detektive und die Magie des Lesens
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In Martinville steht eines Morgens plötzlich ein kleines Bücherschränkchen, bewacht von einem getigerten Kater. Der 10-jährige Evan nimmt sich spontan zwei Bücher mit und entdeckt darin alte Ausleihkärtchen ...

In Martinville steht eines Morgens plötzlich ein kleines Bücherschränkchen, bewacht von einem getigerten Kater. Der 10-jährige Evan nimmt sich spontan zwei Bücher mit und entdeckt darin alte Ausleihkärtchen einer inzwischen längst verschwundenen Bibliothek. Je tiefer er und sein Freund Rafi der Geschichte der Bibliothek und der Bücher auf den Grund gehen, desto näher kommen sie einem Geheimnis, das Evans Leben auf ungeahnte Weise berührt.

Was für ein herrliches, warmherziges Buch! Mein Sohn (11) und ich waren hin und weg. Wunderbar leichtfüßig erzählt Rebecca Stead abwechselnd aus der Perspektive von Evan, dem Kater Mortimer und einer geisterhaften Bibliothekarin von Freundschaft und Zugehörigkeit, vom Loslassen und neu Anfangen und vom Zauber des Lesens. Wie ein Kater auf Samtpfoten schleicht sich die Geschichte mitten ins Herz und lässt einen mit einem Lächeln und einem warmen Gefühl zurück. Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Mika ermittelt wieder!

Mika Mysteries - Die Spur der Meisterdiebin
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Mein Sohn (knapp 12) und ich haben im Sommer Band 1 der Reihe verschlungen und waren total begeistert, so dass wir das Erscheinen von Band 2 herbeisehnten.

Die dreizehnjährige Mika lebt und arbeitet im ...

Mein Sohn (knapp 12) und ich haben im Sommer Band 1 der Reihe verschlungen und waren total begeistert, so dass wir das Erscheinen von Band 2 herbeisehnten.

Die dreizehnjährige Mika lebt und arbeitet im Jahr 1880 im Waisenhaus in Stockholm. Ihr fällt auf, dass sich ein paar Kinder seltsam verhalten und teils die Schule schwänzen. Da es in Stockholm zeitgleich eine Serie von Diebstählen gibt, ist Mika in Sorge, dass die Kinder darin verwickelt sein könnten, und stellt Nachforschungen an. Hierbei kommt sie einer geheimnisvollen Frau auf die Spur und gerät dabei unversehens selbst in Gefahr.


Schon in Band 1 hatten wir Mika und den rauen Kommissar Valdemar Hoff liebgewonnen. Das Setting ist wieder recht düster und insbesondere gegen Ende auch etwas blutig, so dass ich die Altersempfehlung von 10 Jahren aufwärts keinesfalls unterschreiten würde. Hunger, Armut, Hoffnungslosigkeit, (Polizei-)gewalt gegen Kinder, versuchter Mord werden thematisiert und sorgen für eine ernste Grundstimmung.

Sehr gut gefiel meinem Sohn und mir, dass es Johan Rundberg durch seinen dichten und präzisen Stil wieder gelingt, auf lediglich 192 Seiten eine komplexe und spannende Geschichte zu entwickeln, die die Atmosphäre um 1880 lebendig werden lässt. Auch die Einbindung der historischen Vega-Expedition unter Leitung von Nordenskiöld fanden wir spannend und sie regte uns dazu an, hierzu noch etwas zu googeln, ebenso zu Magatama-Perlen aus Japan. Die Geschichte rund um die Meisterdiebin erschien uns allerdings in der Rückschau recht konstruiert und an einigen Punkten unlogisch. Diese fielen auch meinem Sohn sofort auf und er kam direkt nach dem Ende des Buches von selbst darauf zu sprechen.

Da wir die Story in Band 2 leider nicht so überzeugend fanden wie bei „Der Ruf des Nachtraben“, vergeben wir diesmal 4 von 5 Sternen. Wir sind jedoch auf jeden Fall sehr gespannt, wie es mit Mika, Valdemar Hoff und den anderen weitergehen wird und freuen uns schon auf Band 3!

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Veröffentlicht am 15.01.2026

schräge Story mit lustigem Alpaka

Little Miss Frankenstein - Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!
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Nelly Frankenstein ist zwölf Jahre alt und lebt zusammen mit ihren Eltern im alten Spukschloss der Familie. Ihr Urururgroßvater ist der allseits bekannte Dr. Frankenstein, und angesichts dieser Bürde halten ...

Nelly Frankenstein ist zwölf Jahre alt und lebt zusammen mit ihren Eltern im alten Spukschloss der Familie. Ihr Urururgroßvater ist der allseits bekannte Dr. Frankenstein, und angesichts dieser Bürde halten sich Nellys Eltern von jeglichem Erfindertum fern und führen ein möglichst biederes Leben. Nelly hingegen möchte so gerne Erfinderin werden und probiert heimlich allerhand aus – was meistens in die Hose geht. Als sie eines Tages bei Gewitter ein totes Alpaka durch Blitzeinschlag wieder zum Leben erweckt und dieses anschließend sogar sprechen kann, gehen die Turbulenzen erst so richtig los, denn auch der Schloss-Geist mischt sich ein…

Die Geschichte ist in der Ich-Form aus Nellys Perspektive geschrieben, wobei immer wieder mehrseitige Tagebucheinträge eingestreut werden, in denen Nelly ihre (stets missglückten) Erfindungen beschreibt. Der locker-leichte, humorvolle Ton ist äußerst unterhaltsam, und besonders das reanimierte Alpaka Monserrat sorgt mit seinem schlagfertigen, etwas exaltierten Wesen für viele lustige Szenen, die meinem Sohn (11) sehr gut gefallen haben.

Als Mutter haben mich einige Punkte leider gestört. Zum einen finde ich es riskant, wenn sich Nelly bei einem starken Gewitter direkt unter einer Eiche aufhält, um das vermeintlich tote Alpaka für einen Blitzschlag passend zu „platzieren“. Zum anderen stochert Nelly bei einer ihrer Erfindungen mit einem Füller in der Steckdose herum, wodurch Rauch aus der Steckdose aufsteigt und ein Kurzschluss auftritt. Solche lebensgefährlichen Experimente haben meiner Meinung nach in einem Kinderbuch nichts verloren, und die Folgen könnten im echten Leben tödlich sein. Da Nelly nicht einmal einen elektrischen Schlag abbekommt, wird die Aktion auch noch verharmlost. Gegen Ende wird die Handlung zudem sehr schräg und teilweise absurd, was ich sehr schade fand. Insgesamt würde ich die Zielgruppe eher bei 8 Jahren aufwärts sehen, da die Geschichte für ältere Kinder schon zu einfach aufgebaut sein könnte.

Wer skurrile Figuren und Geschichten mag, wird an „Little Miss Frankenstein“ sicher seine Freude haben. Wir werden die Reihe aber eher nicht weiter verfolgen.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Gelungener Abschluss einer grandiosen Trilogie!

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Da ich die ersten beiden Bände der Familientrilogie, „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“, regelrecht verschlungen habe, war ich voller ...

Da ich die ersten beiden Bände der Familientrilogie, „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“, regelrecht verschlungen habe, war ich voller Vorfreude auf den dritten Band – und bin begeistert!

Der dritte Teil spielt auf zwei Zeitebenen. Die erste beginnt 1945 mit Kriegsende, als sich die 14-jährige Waise Marlen in einem Forsthaus in Güstrow in einer alten Kommode vor den Russen versteckt und dort ein Ölbild entdeckt, das sie an sich nimmt. Als Leser:in begleitet man Marlen durch die folgenden Jahre.

Die zweite Zeitebene spielt im Jahr 2023, sieben Jahre nach dem Ende des ersten Bandes. Hannah ist nun 34 Jahre alt und lebt mit ihrer besten Freundin Rubi in einer WG. Diese ist jedoch schwanger und zieht mit ihrem Freund in eine Kommune nach Brandenburg, und Hannah vermietet das freie Zimmer etwas unüberlegt an Justus, den Neffen einer Arbeitskollegin. Aus heiterem Himmel taucht außerdem plötzlich ihr leiblicher Vater auf, der bisher lediglich durch Abwesenheit glänzte, und bemüht sich um sie. Hannah ist überfordert. Warum hat er sich früher nie bei ihr gemeldet? Und welche Rolle spielten ihre Mutter Sylvia und ihre Großmutter Evelyn dabei?

Alena Schröder schreibt wieder so lebendig, abwechslungsreich und unterhaltsam, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Besonders liebe ich ihre herrlich pointierten und manchmal leicht überzeichneten Charaktere in den Nebenfiguren, wie etwa den Mitbewohner Justus, der ein wandelndes Berlin-Kreuzberg-Klischee ist. Das muss man sicherlich mögen, aber ich habe diese Abschnitte einfach genossen!

Anmerkung: Es ist grundsätzlich möglich, den dritten Teil als eigenständiges Buch zu lesen, aber ich würde dringend dazu raten, mindestens Band 1 vorher durchzuschmökern, um das volle Lesevergnügen zu haben und alle Zusammenhänge zu verstehen, da gerade diese beiden Bände eng miteinander zusammenhängen.

Alena Schröder wechselt in diesem Band besonders oft zwischen verschiedenen Perspektiven, auch Nebencharaktere erhalten ihre eigenen Kapitel. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob das nicht ein bisschen zu sehr in die Breite geht. Rückblickend hätte ich lieber auf zwei oder drei Blickwinkel verzichtet und wäre dafür noch tiefer in Marlens Leben eingetaucht. Insbesondere mit der merkwürdigen Haushälterin Burgel konnte ich wenig anfangen. Dies ist aber nur ein winziger Kritikpunkt, der für mich kaum ins Gewicht fällt, da mich beide Zeitstränge gefesselt haben und ich insbesondere auch den Schluss des Buches rundum gelungen und sehr berührend fand.

Der dritte Teil ist für mich der perfekte Abschluss einer sehr bewegenden Trilogie, die vier Frauengenerationen einer Familie zwischen 1922 und 2023 begleitet, und damit durch die deutsche Geschichte von der Weimarer Republik, der Zeit des Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg über die Bundesrepublik bzw. die DDR bis zur Wendezeit und in die Gegenwart. Am Ende war ich beinahe traurig, dass ich Senta, Evelyn, Sylvia und Hannah nun loslassen muss, so vertraut waren sie mir inzwischen geworden.

Von mir eine ganz große Leseempfehlung für die gesamte Trilogie!


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Veröffentlicht am 28.12.2025

sehr bewegend

Für immer
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Auch 10 Jahre nach der Tat von Rupperswil erinnere ich mich noch sehr gut an die damalige Berichterstattung, auch in den deutschen Medien, und an das Entsetzen und Grauen, das ich beim Lesen empfand. Mein ...

Auch 10 Jahre nach der Tat von Rupperswil erinnere ich mich noch sehr gut an die damalige Berichterstattung, auch in den deutschen Medien, und an das Entsetzen und Grauen, das ich beim Lesen empfand. Mein tiefstes Mitgefühl gilt den Angehörigen wie Herrn Metger, der mit „Für immer“ ein sehr bewegendes Buch geschrieben hat. Aus Respekt vor den Opfern spart Metger Details der Tat aus und gibt auch dem Täter nicht mehr Raum als unbedingt nötig, denn „Für immer“ ist den Menschen gewidmet, die er durch den Vierfachmord verloren hat: Seine Lebensgefährtin, seine beiden Ziehsöhne und die Freundin des älteren Ziehsohnes. Indem er die Erinnerung an sie lebendig hält, sorgt er dafür, dass sie niemals in Vergessenheit geraten. Darüber hinaus beschreibt Metger, wie er selbst den Tattag, die folgenden Wochen und Monate erlebt hat. Da er und seine frühere Familie zunächst selbst in Visier der Ermittler geraten sind, schildert er zudem, welch emotionaler Belastung auch diejenigen ausgesetzt sind, die unverschuldet unter Tatverdacht geraten. Nicht auszudenken, wie man damit umgehen sollte, wenn der Täter nicht gefasst worden wäre. Metgers Erfahrungen zeigen, dass die Angehörigen und Opfer von Gewaltverbrechen mit den physischen und psychischen Folgen oft alleingelassen werden und sich Polizei und Justiz auch in der Schweiz in erster Linie auf den bzw. die Täter fokussieren.
Mich hat dieses Buch sehr berührt, und ich wünsche Herrn Metger und allen Angehörigen weiterhin viel Kraft.

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