Profilbild von SimoneF

SimoneF

Lesejury Star
offline

SimoneF ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SimoneF über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.03.2026

Spannender Einblick in Cold-Case-Ermittlungen

Cold Cases
0

Helmut Eigner war über 30 Jahre Ermittler bei der Mordkommission in München und beschäftigte sich dort neben den aktuellen Fällen intensiv mit Altfällen, die bis in die 60er Jahre zurückreichten. In „Cold ...

Helmut Eigner war über 30 Jahre Ermittler bei der Mordkommission in München und beschäftigte sich dort neben den aktuellen Fällen intensiv mit Altfällen, die bis in die 60er Jahre zurückreichten. In „Cold Cases“ schildert er beispielhaft elf dieser Fälle und ermöglichst so einen spannenden und interessanten Einblick in die Ermittlungsarbeit. Nach jedem Fall folgt ein Kapitel „Cold Case Facts“, in dem Eigner noch näher auf spezifische Themen eingeht wie Aussonderungsfristen und Datenbanklöschungen, DNA-Analyse, rechtliche Hürden und die Veränderung der Ermittlungsmethoden im Laufe der Zeit.

Eigner zeigt eindrücklich, wie viel Durchhaltevermögen, Resilienz, Akribie und persönlicher Einsatz notwendig siind, um auch noch nach Jahrzehnten einen Fall zu lösen und den Täter zu überführen. Nicht immer ist der Einsatz jedoch von Erfolg gekrönt – manche Fälle bleiben ungeklärt oder die Indizien reichen für eine Anklage nicht aus. Cold Case Units und speziell auf Altfälle geschulte Ermittlerteams sind auch heutzutage nicht deutschlandweit Standard. Eigner erläutert, wie sich die noch relativ junge Disziplin der Cold Cases seit den 90ern verändert hat und wo noch Luft nach oben ist. Der erfahrende Kommissar verschweigt auch die Probleme des Rechtsystems nicht, die teilweise die Ermittlungsarbeit erschweren, und erklärt, was sich seiner Meinung nach ändern müsste.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2026

Ansprechende Story, aber sprachlich eine Enttäuschung

FREI – Bester Anfang (FREI 3)
0

„FREI – Bester Anfang“ ist der dritte Teil einer Reihe über eine fünfköpfige Teenie-Clique aus Rottloch. Nachdem in Band 1 und 2 Josh bzw. Nasrin im Mittelpunkt standen, wird der dritte Teil nun aus Korays ...

„FREI – Bester Anfang“ ist der dritte Teil einer Reihe über eine fünfköpfige Teenie-Clique aus Rottloch. Nachdem in Band 1 und 2 Josh bzw. Nasrin im Mittelpunkt standen, wird der dritte Teil nun aus Korays Perspektive erzählt. Koray lebt zusammen mit seiner Mutter bei seiner Oma. Er möchte unbedingt wissen, wer sein Vater ist, doch seine Mutter schweigt beharrlich. Zusammen mit Josh, Nasrin, Nico und Nina versucht er, das Geheimnis um seine Herkunft zu lösen.

Die Geschichte spielt in den Sommerferien, was mir sehr entgegen kam, da ich mit der reformpädagogischen Schule aus Band 2 wenig anfangen konnte. Korays Familiensituation ist schwierig. Die letzten Jahre hat er mit seiner Mutter in Dubai verbracht, doch nachdem ihre Influencer-Karriere fürs erste gescheitert ist, sind sie nach Rottloch zurückgekehrt, in den Geburtsort seiner Mutter. Diese ist erst Anfang dreißig, sehr mit sich selbst beschäftigt und nicht in der Lage, Koray Stabilität zu geben. Korays Wut und Enttäuschung sind nachvollziehbar, und seine Gefühls- und Gedankenwelt wird eindrücklich und glaubhaft beschrieben. Auch eine zarte queere Liebesgeschichte fügt sich gut in den Roman ein.

Josh, Nasrin und Nina bleiben diesmal eher im Hintergrund. Nico ging mir mit seiner prolligen Art ziemlich auf die Nerven, im echten Leben wäre mir schleierhaft, warum sich die anderem mit ihm abgeben. Band 2 hatte mich sprachlich enttäuscht, und ich war gespannt, ob der Nachfolger hier besser abschneiden würde. Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Der Satzbau ist sehr einfach und besteht im Wesentlichen aus Hauptsätzen, die mit „und“ verbunden werden. Hinzu kommt, dass sehr viele Sätze auf „…., und alles klar.“, „…., und keine Ahnung“, oder „…und was soll das?“ oder ähnlich enden. Das soll wohl Jugendsprache imitieren, allerdings kenne ich keine Jugendlichen, die so sprechen. Zudem nervt es beim Lesen. Auch „weil“ wird konsequent beiordnend mit Verbzweitstellung verwendet, wo das Sprachgefühl ein „denn“ erwarten würde. Gerade im Jugendbuchbereich lege ich Wert auf eine korrekte und abwechslungsreiche Sprache, so dass ich hierfür einen Stern abziehe.

Fazit: Ansprechende Story, aber sprachlich eine Enttäuschung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein tolles Nachschlagewerk!

Duden – Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?
0

Ich liebe Redensarten und Sprichwörter, und so war ich sehr neugierig auf dieses Buch. Über 700 Redensarten sind hier alphabetisch aufgeführt und kompakt erklärt. Unterhaltsam und mit feinem Humor erfährt ...

Ich liebe Redensarten und Sprichwörter, und so war ich sehr neugierig auf dieses Buch. Über 700 Redensarten sind hier alphabetisch aufgeführt und kompakt erklärt. Unterhaltsam und mit feinem Humor erfährt man so Spannendes und Überraschendes über deren Ursprünge und bekommt Lust, sich durch die Seiten zu schmökern. So eignet sich „Wer hat den Teufel an die Wand gemalt“ nicht nur als Nachschlagewerk, sondern lädt dazu ein, sich kreuz und quer von einer Wendung zur nächsten treiben zu lassen. Auch mein Sohn (12) hat dieses Buch schon für sich entdeckt, da er im Alltag immer wieder über Redensarten stolpert, deren Herkunft ihm unbekannt ist, so wie jüngst „gestiefelt und gespornt“. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass Menschen, die Deutsch als Fremdsprache sprechen, viel Freude daran haben könnten und den ein oder anderen Aha-Effekt erleben.
Rundum empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 14.03.2026

Ein außergewöhnlich schönes Kindersachbuch

Der Stoff, aus dem die Dinge sind
0

Was für ein wunderschönes, hochwertig gestaltetes Kinderbuch! Vom ersten Moment an hat mich „Der Stoff, aus dem die Dinge sind“ begeistert, da es sich wohltuend von der Masse an Sachbüchern abhebt. Gleich ...

Was für ein wunderschönes, hochwertig gestaltetes Kinderbuch! Vom ersten Moment an hat mich „Der Stoff, aus dem die Dinge sind“ begeistert, da es sich wohltuend von der Masse an Sachbüchern abhebt. Gleich auf dem ersten Blick fallen das große Format (ca. 22 cm x 30 cm) und die griffige Haptik des leicht genoppten Hardcovers mit der erhabenen Titelprägung auf. Im Inneren geht es außergewöhnlich weiter: Jonathan Drori stellt jeweils auf einer Doppelseite 30 Pflanzen vor. Neben allseits bekannten Gewächsen wie Tomaten, Kartoffel, Weizen und Buche sind auch exotische wie Alraune und Guttapercha darunter. Auf der rechten Seite ist stets eine detaillierte, fein ausgearbeitete Zeichnung der Pflanze sowie bestimmter Pflanzenteile wie Wurzeln, Blüten, Blätter, Samen oder Früchte abgebildet, die durch erläuternde kurze Texte optimal ergänzt wird. Besonders schön finde ich hier die zarte, an eine saubere Handschrift erinnernde Schriftart. Spannende Fakten rundum Historisches, Lebensraum und Verwendung sind auf der linken Seite zu finden. Hier gibt nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene teils Erstaunliches zu entdecken – wer hätte zB gedacht, dass Kork in der Raumfahrt eine Rolle spielt? Auch hier werden die Informationen wieder durch wunderschöne Zeichnungen ergänzt. Den Illustrator:innen Raxenne Maniquiz und Jiatong Liu gebührt hier ein ganz großes Lob!
Der Verlag empfiehlt „Der Stoff, aus dem die Dinge sind“ für Kinder ab 10 Jahren, aber ich könnte mir vorstellen, dass auch etwas jüngere Kinder bereits Freude an diesem Buch haben, insbesondere, wenn sie dabei von einem Erwachsenen begleitet werden.

Einen kleinen Wermutstropfen hat das Buch für mich allerdings: Es ist „Printed in China“, was für mich aus ökologischen Gründen nicht nachvollziehbar ist und zu einem Stern Abzug führt, auch wenn es inhaltlich keine Wünsche offen lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 13.03.2026

Eine herzerwärmende Geschichte

Eine Maus namens Merlin
0

Helen Cartwright ist 83 Jahre alt und nach über 60 Jahren in Australien wieder in ihren Heimatort in England zurückgekehrt. Mann und Sohn sind bereits verstorben, und auch Helen erwartet vom Leben nicht ...

Helen Cartwright ist 83 Jahre alt und nach über 60 Jahren in Australien wieder in ihren Heimatort in England zurückgekehrt. Mann und Sohn sind bereits verstorben, und auch Helen erwartet vom Leben nicht mehr viel außer einem baldigen Tod. Als sie eines Tages durch Zufall eine kleine Maus in ihr Haus aufnimmt, verändert diese ihr Leben auf ungeahnte Weise.

Der ruhige, präzise Schreibstil, der auch kleine Alltagsroutinen detailliert schildert, passt hervorragend zu Helens Leben, das zunächst strukturiert wird durch die Zubereitung von Tee und Fertiggerichten sowie das Radio- und Fernsehprogramm. Ich hatte Helen hierdurch genau vor Augen. Auch ihre mitunter etwas raue und direkte Art fand ich sehr stimmig. Je mehr sie sich mit der Maus und deren Bedürfnissen auseinandersetzt, desto stärker wendet sie dem Leben zu und tritt in Kontakt mit ihren Mitmenschen. Diese Veränderungen sind sehr glaubhaft, feinfühlig und berührend beschrieben. Besonders gut gefiel mir, dass Helens Figur dazu ermutigt, ältere Menschen näher kennenzulernen und ihre oft erstaunliche Lebensgeschichte zu würdigen.

Mir wird diese leise, nachdenkliche und fein beobachtete Geschichte sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere