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Veröffentlicht am 09.06.2026

spannendes Zeitreiseabenteuer im Land der Pharaonen

Jonathan Clock (Band 1) – Die Rache des Pharao
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Mein Sohn (12) und ich sind große Fans der Abenteuer-Express-Reihe von M.G. Leonard, und so wollten wir natürlich auch unbedingt „Jonathan Clock – Die Rache des Pharao“ lesen, den Auftakt zu einer spannenden ...

Mein Sohn (12) und ich sind große Fans der Abenteuer-Express-Reihe von M.G. Leonard, und so wollten wir natürlich auch unbedingt „Jonathan Clock – Die Rache des Pharao“ lesen, den Auftakt zu einer spannenden Zeitreise-Reihe.

Jonathan ist es gewohnt, ständig umzuziehen. Kaum sind seine Mutter Callidora und er irgendwo angekommen, geht es auch schon wieder weiter. Warum sie nie lange an einem Ort bleiben können, ist ihm nicht ganz klar, bis er eines Tages mit Callidora Hals über Kopf vor zwei beängstigenden Typen fliehen muss. Er erfährt, dass der Rat der Zeit hinter ihnen her ist und seine Mutter die seltene Gabe hat, Zeittüren zu öffnen und in andere Epochen zu reisen. Auf ihrer Flucht landen sie im Alten Ägypten zur Zeit Nofretetes. Doch der Rat ist ihnen dicht auf den Fersen und will ein sagenumwobenes Artefakt an sich bringen.

Die Geschichte wird von Anfang an lebendig, spannend und flott erzählt, doch es dauert etwas, bis die erste große Zeitreise ansteht. Da es sich um den ersten Band einer Reihe handelt, werden zunächst die Charaktere eingeführt, und man erfährt nach und nach mehr über den Rat und die Zeitreise-Gabe. In die Handlung im Alten Ägypten ist geschickt historisches Wissen mit eingeflochten, und insbesondere der Einbalsamierungsprozess hat meinen Sohn fasziniert.

Hervorheben möchte ich noch die zahlreichen schwarz-weißen Illustrationen von Manuel Šumberac. Diese passen mit ihrer leicht düsteren Atmosphäre wunderbar zum Text und lockern die Kapitel zusätzlich auf. Die Kapitellängen sind perfekt gewählt. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 10 Jahren, und wir schließen und dem an, sofern sich die jungen Leser:innen bereits für Gräber und Totenkult interessieren.
Am Ende des Buches bleiben noch einige Fragen offen, was die Details der Zeitreise-Gabe betrifft. Wir hoffen, darauf in Band 2 eine Antwort zu erhalten, und freuen uns schon auf die Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Zwischen Ebbe und Wut
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Emma und ihre Freunde Clarence, Sam, Élise und Victor brechen in den Ferien vor ihren Abi-Prüfungen zu einem einwöchigen Segeltörn auf. Bis auf Victor sind alle von Kindesbeinen an begeisterte Segler, ...

Emma und ihre Freunde Clarence, Sam, Élise und Victor brechen in den Ferien vor ihren Abi-Prüfungen zu einem einwöchigen Segeltörn auf. Bis auf Victor sind alle von Kindesbeinen an begeisterte Segler, und der Trip mit der 12-Meter-Jacht soll der Höhepunkt ihrer Jugend werden. Doch nach wenigen Tagen treibt Clarence tot im Wasser, und ein lebensgefährlicher Sturm zieht auf. Der Segeltrip wird zu einem Kampf auf Leben und Tod.

Der Roman beginnt mit Clarence Tod. Emma erzählt aus der Ich-Perspektive abwechselnd in der Gegenwart und in Rückblenden, so dass erst im Laufe der Zeit stückweise klar wird, wie Clarence gestorben ist. Das Ende hat mich nicht überrascht, da ich von Anfang an eine entsprechende Ahnung hatte.

Reichlich ungewöhnlich für ein Jugendbuch ist, dass die Protagonist:innen ziemlich unsympathisch sind, abgesehen von Victor. Sie wirken überheblich, bilden sich reichlich auf ihre Segelkünste ein und halten sich für unbesiegbar. Allen voran Clarence, der schon fast überzeichnet wirkt. Sam und Élise bleiben Randfiguren, seltsam blass und konturlos. Emma ist seit Jahren verliebt in ihren besten Freund Clarence, der dies genießt und auch ausnutzt. Ihre Beziehung ist exemplarisch für eine toxische Freundschaft. Victor ist der einzige, der Clarence seltsamem Charme nicht erliegt und sich nicht vereinnahmen lässt. Ihm hätte ich deutlich mehr Anteil im Roman gewünscht. Insgesamt ist die Figurenzeichnung leider recht platt geraten, hier wäre etwas Ambivalenz wünschenswert gewesen. Hierdurch konnte ich mit den Charakteren auch nicht mitfühlen, da mir ihr Schicksal im Wesentlichen gleichgültig bleib.

Da der Roman im Seglermilieu spielt, ist auch die Sprache reich an nautischem Fachvokabular, das man als Laie entweder nachschlagen oder sinnerfassend überlesen muss. Sprachlich hat mich der Roman leider nicht überzeugt, wobei ich nicht beurteilen kann, inwieweit das der Übersetzung geschuldet ist. Die Dialoge wirken nicht wie gesprochene Sprache Jugendlicher. Beispiel: Clarence: „[…] Ich war es, der euch auserwählt und uns außergewöhnlich gemacht hat.“ Sam: „Aber das sind wir, Clarence. Das Strahlen, die Energie, das sind wir. Wir alle zusammen.“ (Kap. 21).

Sehr gestört hat mich, dass die 17-jährigen Jugendlichen wiederholt Bier und Whisky trinken, letzteres explizit in Stresssituationen. Alkohol hat in einem Jugendbuch ab 14 Jahren nichts verloren, vor allem nicht als Problemlöser oder Mittel zur Entspannung.

Insgesamt hatte ich mir von „Ebbe und Wut“ deutlich mehr erwartet, insbesondere, da Marion Brunet 2025 mit der höchsten Jugendbuchauszeichnung, dem Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis, bedacht wurde.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

kunstvoll konstruierter Familienroman

Tata
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Agnes, eine gefeierte Regisseurin, erfährt 2010 mitten in einer Lebenskrise, dass ihre Tante Colette gestorben ist, bei der sie als Kind regelmäßig die Ferien verbrachte. Das ist höchst erstaunlich, denn ...

Agnes, eine gefeierte Regisseurin, erfährt 2010 mitten in einer Lebenskrise, dass ihre Tante Colette gestorben ist, bei der sie als Kind regelmäßig die Ferien verbrachte. Das ist höchst erstaunlich, denn Colette wurde bereits drei Jahre zuvor begraben. Agnes begibt sich nach Gueugnon, dem Wohnort ihrer Tante, und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. Sie trifft dabei alte Kindheitsfreunde wieder, Erinnerungen werden wach und schmerzhafte Geheimnisse treten zutage.

Valérie Perrin erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen, wobei sie mit feiner und dennoch kraftvoller Sprache verschiedene Handlungsfäden virtuos zu einem Netz webt. Beim Lesen ist Konzentration gefragt, um den Überblick zu behalten. Ich konnte mich sehr gut in Agnes und auch Colette einfühlen, die im Laufe des Romans immer mehr an Kontur gewinnt.

„Tata“ ist ein bewegender Familienroman, der seine Figuren in die Zeitgeschichte einbettet und zeigt, wie Muster über Generationen unbewusst weitergeben werden. Dabei ist er spannend wie eine Kriminalgeschichte. In seiner kunstvollen Konstruktion liegt für mich jedoch zugleich seine Schwäche: Die Geschichte wirkt überladen und büßt dadurch an Glaubwürdigkeit ein. Es drängt sich Eindruck auf, dass weniger mehr gewesen wäre. Auch die Geschlechter sind recht plakativ belegt: Männer sind nahezu alle entweder gewalttätig und bösartig oder schwach und lebensuntüchtig, während die Frauenfiguren aufopferungsvoll und altruistisch handeln, tatkräftig sind und die „Schwesternschaft“ hochhalten. Hier fehlt es mir etwas an Ambivalenz.

Trotz dieser Kritikpunkte hat mich „Tata“ sehr bewegt, und der Schreib- und Erzählstil der Autorin gefällt mir sehr. Ich werde mich sicher nach weiteren Romanen von Valérie Perrin umsehen und empfehle „Tata“ gerne weiter.

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Veröffentlicht am 26.05.2026

Grandiose Fortsetzung einer wundervollen Reihe

Die magische Bibliothek der Buks 3: Der Phantánasische Schlüssel
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Die Freude war bei meinem Sohn (12) und mir riesengroß, als die ursprünglich als Dilogie geplante Reihe rund um die Buchschutzgeister, die Buks, aufgrund des großen Erfolges durch einen dritten Band fortgesetzt ...

Die Freude war bei meinem Sohn (12) und mir riesengroß, als die ursprünglich als Dilogie geplante Reihe rund um die Buchschutzgeister, die Buks, aufgrund des großen Erfolges durch einen dritten Band fortgesetzt wurde. Wie bei den ersten Bänden auch, sind wir nur so durch die Seiten geflogen.

Finn und Geraldine reisen verbotenerweise auf eigene Faust in die Buchwelt und stecken auf einer Insel fest. Der gesamten Buchwelt und ihren Schutzgeistern droht Gefahr durch einen alten Feind, der sich mit dem geheimen Orden der Athanæer zusammenschließt, um mit Hilfe des mächtigen Phantánasischen Schlüssels Phantásien endgültig zu zerstören. In der Bibliothek der Buks wird derweil ein neuer Buksling geboren, und die Weissagung des Oraclineums zu seiner Geburt klingt beunruhigend…

Wie schon bei den Bänden 1 und 2 zeichnet sich auch Band 3 durch rasche Wechsel zwischen verschiedenen Handlungsschauplätzen und Erzählperspektiven aus, die für viel Spannung, Tempo und Abwechslung sorgen. Nina George und Jens J. Kramer zünden wieder ein wahres Feuerwerk an Kreativität und verbinden die Zauberin Circe aus Homers Odyssee mit Phantásien, einem mystischen Geheimorden, den Buks, französischen Literaturklassikern und Bikern à la Easy Rider. Finn, Nola, Mira, Thommy und Geraldine wachsen an den Aufgaben, die sie, teils auf sich alleine gestellt, bewältigen müssen. Sie gewinnen an Selbstvertrauen, lernen aus ihren Fehlern und finden den Mut, ihren eigenen Weg zu gehen. Das Autorenduo zeigt eindrucksvoll, dass die mühsam errungene geistige Freiheit ein wertvolles Gut ist, das jederzeit wieder bedroht sein kann und verteidigt werden muss. Angesichts aktueller Entwicklungen wie den Book Bans in Schulen und öffentlichen Bibliotheken der USA leider ein realistisches Szenario.

Aber auch der Humor kommt in Band 3 nicht zu kurz, und viele Szenen rund um die Buks sind einfach urkomisch und haben uns zum Lachen gebracht. Meine Lieblingsfigur ist nach wie vor Lagerfeldi Buk mit seinen an das reale Vorbild angelehnten Sprüchen, aber auch die Dialoge der anderen Buks sind herrlich. Überhaupt lieben mein Sohn und ich den Erzähl- und Sprachstil, der nicht nur lebendig und abwechslungsreich ist, sondern vor Wortwitz sprüht.

Wir hoffen sehr, dass es noch einen vierten Band geben wird – ein paar Fragen sind ja noch offen, so dass ein Hintertürchen für eine Fortführung der Geschichte bleibt.

Nina George und Jens J. Kramer reihen sich für uns mit der „Magischen Bibliothek der Buks“ ein den Olymp der ganz großen Kinderbuchautor:innen. Diese Reihe hat definitiv das Potential, zu einem Kinderbuch-Klassiker zu werden! Wir können alle drei Bände nur wärmstens weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Ich habe mit Amedeo mitgeatmet!

Wir gehen mal los
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Angesichts des unscheinbaren Titels „Wir gehen mal los“ wäre dieses Buch beinahe an mir vorbeigegangen – und damit auch eine sehr eindrückliche und berührende Geschichte. „Respira con me“ ist der Originaltitel, ...

Angesichts des unscheinbaren Titels „Wir gehen mal los“ wäre dieses Buch beinahe an mir vorbeigegangen – und damit auch eine sehr eindrückliche und berührende Geschichte. „Respira con me“ ist der Originaltitel, und „Atme mit mir“ hätte auch im Deutschen sehr gut gepasst. Amedeo hat sich nach dem plötzlichen Tod der Mutter völlig zurückgezogen, die Augen hinter einem Vorhang aus Haaren verborgen, auf den Ohren Kopfhörer, aus denen der Heavy-Metal-Song „Just breathe“ tönt. Er hält sich vom Leben, von seinen Mitmenschen fern, kämpft mit Angstzuständen und reduziert sein Dasein auf das Minimum: Atmen, weiteratmen. Als sein Vater ihn zu einer Bergtour nötigt, sträubt er sich innerlich dagegen, ignoriert das angestrengte Geplauder des Vaters bei Aufstieg und bemüht sich, seine Höhenangst unter Kontrolle zu halten. Doch dann passiert etwas, das Amedeo zwingt, sich mit der Realität zu konfrontieren, eine Entscheidung zu treffen und seine Ängste zu überwinden.

Raffaella Romagnolo gelingt es, mit präzisen, leisen Worten Amedeos Gefühlswelt spürbar zu machen. Auch die Hilflosigkeit des Vaters und die Unfähigkeit der beiden, miteinander zu kommunizieren und ihren Schmerz zu teilen, wird deutlich. Wie sie in Amedeos Gedanken Gegenwart und Erinnerungen miteinander verwebt, ist grandios. Ich habe in jedem Satz mit Amedeo mitgefühlt, mit ihm mitgeatmet und bin mit ihm Schritt für Schritt mitgegangen. Besonders beeindruckt hat mich, wie in Rückblicken auf den Schulalltag deutlich wird, dass Amedeo, hinter seiner Haarlocke verborgen, seine Umwelt durchaus sehr sensibel wahrnimmt und, durch die Beobachtung seiner Mitschülerin Lucilla Colombo, einen differenzierten Blick auf seine Klassenkameraden entwickelt.

Ich möchte dieser Roman nicht nur Erwachsenen, sondern auch Jugendlichen ab ca. 16 Jahren wärmstens empfehlen.

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