Cover-Bild Mai Juni Juli
16,99
inkl. MwSt
  • Verlag: OKTOPUS bei Kampa
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 17.03.2026
  • ISBN: 9783311706779
Hiltrud Baier

Mai Juni Juli

Linnea Lindblad führt ein Sternerestaurant in Göteborg, und seit sie in einer Kochshow auftritt, kennt ganz Schweden ihr Gesicht. Mit ihren achtunddreißig Jahren hat sie erreicht, wovon viele ein Leben lang träumen. Aber Linn ist müde, antriebslos – und beschließt, eine Auszeit zu nehmen. Kurzerhand trennt sie sich von ihrem Markenzeichen, dem langen Zopf, instruiert ihre Angestellten und fährt in einem alten Volvo bis nach Norrbotten an der norwegischen Grenze. Einen Ort, mit dem sie nur schöne Erinnerungen verbindet: Hier verbrachte sie den letzten Urlaub mit ihren Eltern. Linn erkundet die Gegend, joggt, schläft und kocht – endlich wieder nur für sich und nur mit dem, was der Wald um sie herum ihr bietet. Als sie die Dorfbewohner*innen kennenlernt, beginnt sie hier am Ende der Welt, wo niemand weiß, wer sie ist, zu begreifen, was ihr wirklich fehlt. Und dann bittet man sie, in einer Imbissbude auszuhelfen …

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2026

Suche nach Ruhe – dicht erzählt

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In „Mai Juni Juli“ erzählt Hiltrud Baier von Linn, einer Sterneköchin mit eigener erfolgreicher Kochshow im schwedischen Fernsehen. Eines Tages beschließt sie, dass sie eine Pause braucht, überlässt ihr ...

In „Mai Juni Juli“ erzählt Hiltrud Baier von Linn, einer Sterneköchin mit eigener erfolgreicher Kochshow im schwedischen Fernsehen. Eines Tages beschließt sie, dass sie eine Pause braucht, überlässt ihr Restaurant ihren Mitarbeitern und reist nach Lappland. Dort hat sie vor 25 Jahren den letzten Urlaub mit ihren Eltern verbracht. Während ihr Vater arbeitete, war sie mit ihrer Mutter auf einer kleinen Insel in einem See – wenige Monate später war ihre Mutter tot. Nun hofft Linn, diese Insel wiederzufinden.

Zunächst mietet sie sich eine Wohnung in Arjeplog – ein Ort, an dem sie niemand kennt und sie einfach nur eine 38-Jährige ist, die sich Zeit für sich nimmt. Um unerkannt zu bleiben, gibt sie sich als Lehrerin aus Malmö aus und stellt sich unter dem Namen Linda, kurz Li, vor.

Der Roman lebt vor allem von seiner Atmosphäre. Neben der eindrücklich beschriebenen Landschaft Lapplands sind es insbesondere die Menschen, die die Geschichte prägen. Sie begegnen Linn unvoreingenommen und freundlich, nehmen sie selbstverständlich in ihren Kreis auf, interessieren sich für sie, ohne sie zu bedrängen.

Die Geschichte ist vergleichsweise dicht erzählt, und auf den wenigen Seiten geschieht viel. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass einzelne Ereignisse oder Wendungen mehr Raum bekommen.

Die Suche nach der Insel bleibt im Hintergrund und bildet den Rahmen für Linns Aufenthalt.

Zugleich wird deutlich, dass Linn nicht ohne Grund Abstand sucht. Ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Vergangenheit wirkt nach und prägt ihr Verhalten bis in die Gegenwart. Besonders interessant ist, wie sie ausgerechnet in dieser Auszeit mit Situationen konfrontiert wird, die sie eigentlich vermeiden möchte.

Auffällig ist dabei der Kontrast zwischen Thema und Erzählweise: Während Linn nach Ruhe sucht, ist die Geschichte recht dicht erzählt und entwickelt sich stellenweise schneller, als man es erwarten würde.

Mich hat das Buch von der ersten Seite an gefesselt – eigentlich wollte ich nur kurz hineinlesen und habe es dann in einem Zug beendet. Vielleicht ist es gerade dieser Kontrast, der den Reiz ausmacht und dafür sorgt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

Insgesamt ein sehr lesenswerter Roman, der gerade durch seine Eigenheiten überzeugt.

Veröffentlicht am 25.03.2026

Auszeit

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Linn braucht eine Auszeit, Sie macht alles mit sich selber aus. Wenn etwas in ihrem Leben zur Katastrophe wird, zieht sie sich komplett zurück, wie in einem Schneckenhaus und lässt niemanden an sich heran. ...

Linn braucht eine Auszeit, Sie macht alles mit sich selber aus. Wenn etwas in ihrem Leben zur Katastrophe wird, zieht sie sich komplett zurück, wie in einem Schneckenhaus und lässt niemanden an sich heran. Sie überlässt ihr gut gehendes Sternerestaurant ihren Mitarbeitern und fährt in den Norden von Schweden. Hier will sie in der Einsamkeit Ruhe finden, vor allem Schlaf und mit ihrem Schicksal ins Reine kommen.
Sie beginnt ihr neues Leben mit einer Lüge über ihre Herkunft denn im Süden ist sie eine bekannte Persönlichkeit.
Der kleine Oskar kann ihre Mauern erklimmen, denn auch er kocht leidenschaftlich gern und hat jetzt schon einen absoluten Geschmackssinn. Sein Vater ist ähnlich gestrickt wie Linn, eine spannende Komposition genau wie Moltebeeren und Rentierfleisch.
Die Autorin beschreibt schwierige Gefühle mit einer Distanz die mir als Leserin diese auch erlaubt. Obwohl man von den Erlebnissen von Linn eher getriggert wird, liegt es an diesem Stil das man doch den Abstand wahren kann. Es ist eher ein verstehen, ein anderes ist es auch passiert, als das die ganze Trauer und Verzweiflung wieder hochkommt. Es ist der moderate Abstand zu vergangenen Geschehnissen die zwar vertraut aber doch nur einem selber gehören, Bei mir lösen Triggerwarnungen immer das Gefühl aus hier soll ein Buch interessant gemacht werden, hier sind keine darin und ich hätte sie auch nicht gebraucht denn niemand kann meine Gefühle einschätzen bloße Vermutungen sind eine Zumutung für mich als betroffene Person.
Hier hat das Feingefühl ohne irgendwelche Zuweisungen die Themen beherscht. Etwas was ich auch schon in anderen Büchern der Autorin so empfunden habe.