Cover-Bild Die weite Leere
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Polar Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Kriminalromane und Mystery
  • Genre: Krimis & Thriller / Krimis & Thriller
  • Seitenzahl: 448
  • Ersterscheinung: 15.04.2021
  • ISBN: 9783948392161
J. Todd Scott

Die weite Leere

Wolfgang Franßen (Herausgeber), Harriet Fricke (Übersetzer)

Der siebzehnjährige Caleb Ross lebt seit dem Verschwinden seiner Mutter vor Monaten mit seinem autoritären Vater zusammen. Dem despotischen Sheriff von Big Bend County, den sie den „Richter“ nennen und dessen Brutalität und Rücksichtslosigkeit legendär ist. Er behauptet, seine Frau habe ihn wegen eines anderen Mannes verlassen. Sein Sohn jedoch ist sicher, dass seine Mutter ein gewaltsames Ende fand und sein Vater hinter all dem steckt. Als in der Nähe eines Grenzübergangs für illegale Einwanderer Skelettüberreste entdeckt werden, beginnt der frisch gebackene stellvertretende
Sheriff Chris Cherry, ein High-School-Football-Held, an seinem Chef zu zweifeln. Gemeinsam mit Caleb stellt er sich Murfee‘s dunkelstem Geheimnis, das zu demselben charismatischen und gefürchteten Verdächtigen führt: Calebs Vater und Chris‘ Chef.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.08.2025

Krimi in Westernmanier

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Big Bend County liegt dicht an der Grenze nach Mexiko illegale Einwanderer und Drogenschmuggel sind in der weiten Einöde an der Tagesordnung. Für Recht und Gesetz sorgt hier Sheriff Ross, von allen nur ...

Big Bend County liegt dicht an der Grenze nach Mexiko illegale Einwanderer und Drogenschmuggel sind in der weiten Einöde an der Tagesordnung. Für Recht und Gesetz sorgt hier Sheriff Ross, von allen nur der "Richter" genannt, nach aussen hin integer, eine Stütze der Gemeinde, immer um das Wohl der Bewohner seiner Stadt besorgt, aber hinter der Fassade despotisch, brutal, kalt und gefährlich. Wie gefährlich weiß vor allem sein Sohn Caleb. Der siebzehnjährige Einzelgänger lebt nach dem Verschwinden seiner Mutter allein mit seinem Vater, der die Rolle des besorgten, alleinerziehenden Vaters brilliant spielt, doch Caleb kennt die Warheit. Als der neue Deputy Cherry eine Leiche auf einer entlegenen Farm findet, steht für Caleb fest, es ist seine verschwundene Mutter, die ihn nämlich nicht, wie sein Vater allen glauben lassen will, verlassen hat, sondern von ihm ermordet wurde.

Mit diesem Szenario startet der Leser in die absolut erdrückende Atmosphäre des Buches. Schon recht schnell erkennt man, das der Titel "Die weite Leere" gleich in mehrerlei Beziehung absolut zutreffend ist, beschreibt er doch nicht nur treffend den sich über viele Quadratmeilen hin erstreckenden, menschenleeren und teils unwirtlichen Handlungsort, sondern vielmehr auch die Gefühlswelt der einzelnen Figuren. Allen voran natürlich Caleb, der unter der Gefühlskälte und Ablehnung seines Vaters und dem Verlust seiner Mutter leidet. Seine einzige Bezugsperson, die gleichaltrige America, Tochter mexikanischer Einwanderer, deren Bruder ebenfalls verschwunden ist. Chris Cherry, der neue Deputy, der nach dem verletzungsbedingten Ende seiner Footballkarriere in seine Heimatstadt Murfee zurückgekommen ist. Deputy Duane Dupree, rechte Hand des Sheriffs, der selbst immer mehr den Drogen verfällt. Anne, die neue Aushilfslehrerin, die gerade erst ihren Mann auf tragische Weise verloren hat und natürlich auch Sheriff "Juge" Ross selbst, der ganz im Gedenken an die "gute alte Zeit" nicht nur das Gesetz vertritt, sondern buchstäblich das Gesetz ist.

Der Autor erzählt seine vielschichtige Story abwechselnd aus der Sicht der einzelnen Figuren und lässt den Leser dabei tief in deren, teils abgründige Gedankenwelt eintauchen. Er verwebt geschickt Thematiken wie Rassismus, Drogenmissbrauch, Drogenhandel, Korruption, psychischen, physischen und sexuellen Missbrauch, illegale Einwanderung und natürlich Mord. Eingebettet in eine einzigartige, aber nicht gerade idyllische Landschaft erzeugt er so unglaublich starke, aber auch rohe, brutale und vor allem beklemmende und perspektivlose Bilder.

Man hat stellenweise das Gefühl, als wäre in der Kleinstadt Murfee die Zeit stehen geblieben. Der Autor setzt hier ganz bewusst auf Element, die man sonst in einem klassischen Western findet. Da gibt es den etwas naiven Neuling, der allen "wohlgemeinten" Hinweisen zum Trotz seinem Gerechtigkeitssinn folgt, den durchgeknallten Fiesling für die Drecksarbeit und die respektable Stütze der Gesellschaft, die alle Fäden in der Hand hält. Fast erwartet man einen Steppenläufer über die staubige Main Street rollen zu sehen, an deren einem Ende der Sheriff mit tief in die Stirn gezogenem Hut steht, wärend am anderen die Banditen in die Stadt reiten, nur das hier der Sheriff eben nicht der Gute ist. Die Geschichte entwickelt sich verhältnismäßig ruhig und langsam, unterbrochen von einigen Spannungsbögen, um dann unweigerlich auf das Finale zuzusteuern. Hier muss man als Leser vielleicht etwas Geduld aufbringen, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Mir hat dieser atmosphärisch dichte Krimi/Western richtig gut gefallen. Die Stimmung, die Figuren, die Story, es passt einfach alles zusammen ohne dabei in Klischees abzurutschen, man merkt, dass der Autor auf Grund seines beruflichen Hintergrunds genau weiß wovon er schreibt. Bin gespannt auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Intensiv und erbarmungslos

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Nachdem ich zuvor schon Teil 2 gelesen hatte, habe ich mich gefreut nun die Vorgeschichte lesen zu können und wie Chris Cherry zu Sheriff Cherry wurde. Anfangs haben mich die vielen Charakter wieder etwas ...

Nachdem ich zuvor schon Teil 2 gelesen hatte, habe ich mich gefreut nun die Vorgeschichte lesen zu können und wie Chris Cherry zu Sheriff Cherry wurde. Anfangs haben mich die vielen Charakter wieder etwas irritiert, aber dann bin ich sehr schnell ins Buch eingestiegen und konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Story erinnert wieder sehr stark an einen modernen Western Noir, und die Handlung war sehr charakter-basiert, aber auch mit action-geladenen Schießereien und Blutvergießen auf beiden Seiten. Bei fast allen Figuren verschwimmen die Grenzen zwischen schwarz und weiß, lediglich Chris Cherry wirkt wie der lonesome Cowboy der hartnäckig an das Recht glaubt und dieses nach bestem Gewissen verteidigt. Dass er dabei immer wieder selbst in die Schusslinie aus Gewalt und Korruption gerät, ist dabei unvermeidlich und konsequent. Am Schluss habe ich mich riesig gefreut, dass eine meiner weiblichen Hauptfiguren den Sprung in die Fortsetzung geschafft hat (was ich ja eigentlich schon wusste). Auch hier war es faszinierend den "Werdegang", vor allem aber die innere Stärke und Entschlossenheit dieser jungen Frau zu beobachten.
Fazit: intensiv und erbarmungslos erzählt der Autor einen modernen Western vor der immer noch wilden Kulisse von Texas.

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