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Veröffentlicht am 28.01.2026

Lest dieses Buch!

Das Gewicht unserer Körper
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Mehrgewichtige werden mit Spott und Häme überzogen, beleidigt, nicht ernst genommen, sowie, und das ist fast das schlimmste, sogar von der Medizin diskriminiert. Die Autorinnen, Adipositasspezialistinnen, ...

Mehrgewichtige werden mit Spott und Häme überzogen, beleidigt, nicht ernst genommen, sowie, und das ist fast das schlimmste, sogar von der Medizin diskriminiert. Die Autorinnen, Adipositasspezialistinnen, haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem entgegenzusteuern, so soll auch dieses Buch aufzeigen, einordnen und sichtbarmachen, vor allem auch medizinisches Personal jedweder Art und Entscheidungsträger:innen zum Umdenken anregen.

Die Autorinnen sind aus Österreich und sprechen hier für das österreichische Gesundheitswesen, aber, soweit ich das sehe und recherchiert habe, kann man das im wesentlichen auch auf Deutschland übertragen. Alles andere ist sowieso leider nicht auf ein Land begrenzt.

Sehr gut hat mir der Einstieg gefallen, hier geht es unter anderem um die Venus von Willendorf und die Deutungen ihrer Darstellung. Jede:r von uns hat sicher zumindest einmal ein Bild von ihr gesehen, und vielleicht auch über sie nachgedacht. Für ein Buch dieses Themas ist das ein würdiger Einstieg, der direkt die Richtung vorgibt.

Die beiden Autorinnen sprechen aus ihrer eigenen Erfahrung, bringen Beispiele an, aber zitieren auch Quellen. Sie berichten von Therapien und Medikamenten, aber auch von Hindernissen, die Mehrgewichtigen immer wieder in den Weg gelegt werden. Sie stellen klar, dass man immer auch die Hintergründe der einzelnen Person sehen muss, und dass Beleidigungen und Nichternstnehmen schwerwiegende negative Konsequenzen haben können.

Wenn zum Beispiel nicht auf das Problem eingegangen wird, weswegen jemand in die ärztliche Sprechstunde kommt, sondern als allererstes das Gewicht angesprochen wird, egal, ob es überhaupt der Auslöser des Problems sein könnte, ist das für den:die Patient:in unter Umständen lebensgefährlich, denn es fehlt an adäquater Behandlung und es kann dazu führen, dass keine Praxis mehr aufgesucht wird.

Und selbst, wenn auf das Problem eingegangen wird, kann es sein, dass die Therapie nicht auf eine:n mehrgewichtige:n Patient:in angepasst ist. Oder, dass diese gar von der Krankenkasse als Lifestyle-Therapie angesehen und nicht übernommen wird. Was das mit Menschen macht, die solche Kosten nicht übernehmen können, kann man sich denken.

Übrigens ist lange nicht jeder übergewichtige Mensch krank oder unsportlich, und nicht jeder nichtmehrgewichtige Mensch gesund oder sportlich. Das ist ein rein gesellschaftliches Konstrukt, dass zum Beispiel Gesundheit am Gewicht abzulesen ist, leider scheinen darauf auch nicht wenige aus dem medizinischen Bereich hereinzufallen.

Ich würde mir wünschen, dass viele dieses Buch in die Hand nehmen und ihre eigene Einstellung zum Thema überdenken. Vielleicht bringt ja sogar meine Rezension schon manche:n zum Nachdenken. Für alle mehrgewichtigen Menschen wünsche ich mir, dass sie ernst genommen werden, egal in welchem Zusammenhang, und dass sie die Hilfe erhalten, die sie brauchen. Also: Lest dieses Buch!

Veröffentlicht am 26.01.2026

Ein wunderschöner Roman, wunderbar erzählt

Mr. Saitos reisendes Kino
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Mit „Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt“ (Pos. 44) beginnt der Roman, und dieser erste Satz hat mich direkt gepackt und in den Roman gezogen. Dann berichtet die Ich-Erzählerin ...

Mit „Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt“ (Pos. 44) beginnt der Roman, und dieser erste Satz hat mich direkt gepackt und in den Roman gezogen. Dann berichtet die Ich-Erzählerin Carmelita, Lita genannt, allerdings zunächst über ihre Mutter Fabiola, die 1910 neugeboren vor dem Kloster Santa Magdalena ausgesetzt und von den Nonnen groß gezogen wurde. Fabiola ist bald nicht mehr zu halten, sie liebt Schuhe und das Tangotanzen, und wird jung Mutter. 1937 ist Fabiola gezwungen aus Argentinien zu flüchten und landet mit Lita auf der kleinen kanadischen Insel Upper Puffin Island im Seemannsheim der Familie McGregor.

Lita freundet sich mit Oona, der tauben Tochter der Familie, an, die beiden gehen bald zusammen durch dick und dünn, müssen aber lange fürchten, dass Fabiola die Insel verlassen will. Und dann tritt Mr. Saito mit seinem Wanderkino in Litas Leben.

Die Autorin malt regelrecht Bilder mit einer wunderbaren, poetischen, manchmal auch sehr humorvollen Sprache, die das Lesen zu einem Fest macht. Dazu liefert sie einzigartige Charaktere, die man, zumindest zum größten Teil, schnell liebgewinnt. Bei mir wurden wieder einmal sehr viele Emotionen geweckt, ich habe gelacht, gekichert, geweint, mich geärgert, gestaunt, gehofft – man findet hier Tragisches und Dramatisches, aber auch Lustiges und Skurriles, Hoffnung, Freude und Trauer, sowie ziemlich viel Humor.

Das Meer kommt auf Upper Puffin Island in sieben Wellen, „sechs mittlere und die siebte mit einem gewaltigen Tosen“ (Pos. 951), und so wird auch diese Geschichte erzählt, als Liebesgeschichte in sieben Wellen (so das vorangestellte Motto des Romans). Liebesgeschichte sollte man hier nicht zu eng sehen, Liebe gibt es hier auf vielfältige Weise.

Für mich war dieser Roman mit seiner mal poetischen, mal humorvollen Sprache, und den liebenswerten Charakteren eine wunderschöne und emotionale Lektüre, die ich unbedingt weiterempfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2026

Es bleibt spannend, phantasievoll und komplex

Götter des Wyrdwood
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Der Waldläufer Cahan Du-Nahere und die Geistliche Udinny haben das Kind der Leoric, der Vorsteherin des Dorfes Haran, zurückgebracht, und würden nun gerne ihr Leben geruhsam weiterleben. Doch vor allem ...

Der Waldläufer Cahan Du-Nahere und die Geistliche Udinny haben das Kind der Leoric, der Vorsteherin des Dorfes Haran, zurückgebracht, und würden nun gerne ihr Leben geruhsam weiterleben. Doch vor allem Cahan hat sich Feinde gemacht, die sich nun rächen wollen, und auch die Bewohner:innen Harans geraten in große Gefahr.

Im Original besteht die Reihe aus drei Bänden, für die deutsche Übersetzung wurde der erste Band in zwei Bände aufgeteilt. „Götter des Wyrdwood“ ist somit der zweite Teil des ersten Trilogiebandes. Ich hoffe sehr, dass auch die zwei weiteren Originalbände ins Deutsche übersetzt werden, bisher, Januar 2026, ist allerdings noch nichts angekündigt worden.

Schon im „Wächter des Wyrdwood“ konnte man erkennen, dass die Geschichte sehr komplex und nicht immer einfach zu lesen ist. Es gibt viele Wörter und Begriffe, die uns fremd sind, und leider weder ein Personenverzeichnis noch ein Glossar. Für mich wird der Roman dadurch zusätzlich interessant, zumal man vieles aus dem Kontext verstehen kann, man muss sich halt ein bisschen Zeit nehmen und aufmerksam lesen.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, so dass man auch Einblick in Geschehnisse auf Seiten der Antagonist:innen bekommt. Außerdem gibt es kleinere Rückblenden in Cahans Vergangenheit. Da sich dieses Mal viel in dem Dorf Haran abspielt, lernt man einige Bewohner:innen näher kennen. Diese hatten sich bisher immer eher abwertend Cahan gegenüber verhalten, der außerhalb des Dorfes lebt, doch auf die eine oder andere Art muss sich das nun ändern, da sie alle in Gefahr kommen. Natürlich gibt es auch wieder Szenen, die im Wald spielen, und auch hier gibt es Charaktere, die wichtig werden. Auch Venn, dey man bereits aus dem Vorgängerband kennt, hat eine wichtige Rolle. Cahan mochte ich weiterhin sehr gerne, in diesem Band musste ich ziemlich mit ihm mitleiden.

Am Ende gibt es ein paar Überraschungen, wobei ich eine davon schon habe kommen sehen, die eine spannende Überleitung zum nächsten Band bilden. Ich hoffe sehr, dass dieser auch auf Deutsch erscheinen wird!

„Götter des Wyrdwood“ bietet wieder spannende Unterhaltung und eine sehr phantasievolle aber auch komplexe Geschichte, die etwas Aufmerksamkeit erfordert, diese aber absolut wert ist. Genrefans sollten sich das nicht entgehen lassen.

Veröffentlicht am 23.01.2026

Ist der Danehof doch noch nicht Geschichte?

Oxen. Interregnum
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Eigentlich dachten Margarethe Franck und Niels Oxen das Thema Danehof sei endlich abgeschlossen, doch dann schockiert sie Axel Mossman, Interregnums-Chef des PET, des polizeilichen Nachrichtendienstes ...

Eigentlich dachten Margarethe Franck und Niels Oxen das Thema Danehof sei endlich abgeschlossen, doch dann schockiert sie Axel Mossman, Interregnums-Chef des PET, des polizeilichen Nachrichtendienstes Dänemarks, damit, dass sich der Danehof offenbar neu aufstellt. Man beschließt, das im Auge zu behalten. Dann gibt es einen Todesfall, der damit in Zusammenhang stehen könnte.

Doch der Fall ist noch viel komplexer als zunächst erwartet. Aber nur die Leser:innen können das zunächst ahnen, sie sind den Protagonist:innen an Wissen voraus. Erzählt wird nämlich wieder aus verschiedenen Perspektiven, dazu zählen natürlich die drei bereits erwähnten Charaktere, die man bereits aus den Vorgängerbänden kennt, und die schon gut aufeinander eingespielt sind. Hier tritt nun ein neuer Charakter neben sie, die Polizistin Dajana Djukić, die in einem anderen Todesfall ermittelt, der Bezug zu den Ermittlungen haben könnte, die Franck, Oxen und Mossman anstellen.

Weitere Perspektiven betreffen die Antagnost:innen, die zum Teil natürlich zunächst nicht namentlich genannt werden. Diese sind zwar rarer gesät, machen die Geschichte aber noch ein Stück spannender.

Ich habe bisher erst einen der Bände aus der Oxen-Reihe gelesen, nämlich den direkten Vorgänger zu Interregnum. Schon dort sind mir die drei Protagonist:innen ans Herz gewachsen, was sich hier nicht geändert hat. Wir treffen auch auf weitere schon bekannte Charaktere, wie Sally Finnsen und Mossmans Neffe Christian Sonne, die aber hier untergeordnetere Rollen haben. Auch Djukić mochte ich schnell, sie ist klug und eine echte Bereicherung. Mal sehen, ob das nun der letzte Band der Reihe war, falls nicht, hoffe ich, Djukić wiederzutreffen.

Neben den Ermittlungen gibt es auch private Einblicke, vor allem bei Oxen, der mittlerweile ein entspanntes und enges Verhältnis zu seinem Sohn Magnus hat. Magnus spielt in diesem Roman eine besondere Rolle. Auch über Franck erfährt man ein bisschen mehr.

Die Ermittlungen sind komplex, immer wieder gibt es neue Entwicklungen, aber auch hin und wieder Rückschläge. Die Zeit ist knapp, denn es wird undercover ermittelt, und das ist nur problemlos möglich, solange Mossman kommissarischer Leiter des PET ist.

Der siebte Band der Oxen-Reihe ist wieder sehr spannend. Man kann die Bände durchaus unabhängig voneinander lesen, auch ich kenne bisher erst einen weiteren. Man erfährt immer genug, um verstehen zu können, worum es geht, wird aber natürlich auch neugierig auf die Vorgänger. Wer gerne politische Thriller mit viel Spannung und interessanten Charakteren liest, sollte zugreifen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2026

Ein kluges Buch, das viele Menschen lesen sollten

Verbinden statt spalten
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Polarisierung scheint derzeit in und ein gern genutztes Werkzeug von Politikern und Medien zu sein. Einher geht das mit Behauptungen und Polemik und oft genug auch mit Lügen und Fakes.

Gilda Sahebi ist ...

Polarisierung scheint derzeit in und ein gern genutztes Werkzeug von Politikern und Medien zu sein. Einher geht das mit Behauptungen und Polemik und oft genug auch mit Lügen und Fakes.

Gilda Sahebi ist Ärztin, Politikwissenschaftlerin und Journalistin, und ihre klugen Reels verfolge ich schon länger auf Instagram. Immer wieder gelingt es ihr, Behauptungen und Erzählungen richtig einzuordnen. Nun hat sie also ein ganzes Buch darüber geschrieben, und wie kann es anders sein, ist es ein kluges Buch, dem man viele Leser:innen wünscht.

Denn es bietet viel zum Nachdenken, erklärt, ordnet ein, stellt richtig und zeigt auf, dass vieles gar nicht so ist, wie es dargestellt wird. Doch, wie Gilda Sahebi mehrmals schreibt, schlagen leider Narrative oft Fakten, und wer einmal tief in die Erzählungen eingetaucht ist, findet oft schwer wieder heraus. Es werden Fallbeispiele benannt, und alles ist natürlich mit Quellen belegt.

Es ist tröstlich, zu erfahren, dass, wie Studien zeigen, wir gar nicht so gespalten sind, wie es dargestellt wird, dass uns mehr eint als trennt, und dass es möglich wäre, sich mehr zu verbinden statt sich spalten zu lassen. Ein bisschen Optimismus tut in dieser Zeit ganz gut, auch wenn es nicht leicht sein wird …

Gilda Sahebi hat ein kluges Buch geschrieben, das viele lesen sollten. Es zeigt auf, wie man versucht, uns zu manipulieren, verbreitet aber auch einen gewissen Optimismus. Es liegt an uns, wie wir mit dem umgehen, was man uns erzählt. Dieses Buch kann uns dabei helfen.