„Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ ist eines der Bücher, die einen still begleiten - (m)ein Herzensbuch. Als ich „Vom kleinen Glück“ zum ersten Mal entdeckte, dachte ich für einen Moment, es sei ein neues Werk desselben Autors. Der Stil, das Cover, die liebevolle Gestaltung - alles erinnerte mich daran. Doch der Name auf dem Umschlag war ein anderer: Jake Biggin.
Zunächst wollte ich es nicht lesen, weil ich wusste, wie schwer es ist, an mein Lieblingsbuch in diesem Genre heranzureichen. Doch dann entschied ich mich um - ich wollte dem Buch eine Chance geben, in der Hoffnung, dass es ähnlich berührt und trotzdem etwas Eigenständiges erzählt.
Bereits die ersten Seiten von „Vom kleinen Glück“ treffen ins Herz. Die Begegnung zwischen Anna und Happy - einem kleinen Wesen voller Zuversicht - wirkt kindlich und poetisch zugleich.
„Hallo, Anna. Ich bin Happy. Können wir beste Freunde sein?“
„Ich weiß aber nicht, wie das geht.“
„Ich schon.“
Diese wenigen Sätze haben mich tief bewegt und brachen mir schier das Herz. Wie einsam muss ein Kind sein, das Freundschaft nicht kennt? Diese Szene spiegelt auf berührende Weise wider, wie bedeutend menschliche Nähe und emotionale Begleitung sind - gerade in der Kindheit.
Jake Biggin erzählt keine klassische lineare Geschichte. Ähnlich wie bei Charlie Mackesy sind die Seiten wie kleine Inseln: eigenständige Gedanken, die für sich stehen können, und dennoch in ihrer Gesamtheit ein rundes, warmes Bild ergeben. Man kann das Buch an beliebiger Stelle aufschlagen und wird immer etwas finden, das berührt oder zum Nachdenken anregt - ohne den roten Faden zu verlieren.
Obwohl das Werk auf den ersten Blick wie ein typisches „Freundschafts-Geschenkbuch“ wirkt, sehe ich es etwas anders. Für mich passt es besser zu einer Patenschaft, als symbolisches Geschenk zur Taufe oder für einen jungen Menschen auf dem Weg ins Leben. Es geht um mehr als nur Freundschaft: Es geht ums Wachsen, um Mut, um innere Stärke und das stille Vertrauen in sich selbst.
Die Zeichnungen sind schlicht, aber keineswegs belanglos. Biggins Stil ist reduziert, fast skizzenhaft - und dennoch voller Emotionen. Mit wenigen Strichen gelingt es ihm, Atmosphäre zu schaffen, Gefühle sichtbar zu machen und Charaktere mit Leben zu füllen. Gerade das Unperfekte, das Skizzenhafte, macht den Charme aus.
Wie schon Mackesy setzt auch Biggin auf Leichtigkeit und erreicht damit genau das, was ich mir gewünscht habe: kleine Erinnerungen im Alltag, dass man gut ist, wie man ist - gerade in schwierigen Momenten.
„Vom kleinen Glück“ ist kein Ersatz für „Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ - und will das auch nicht sein. Ich hätte mir dennoch gewünscht, dass es sich etwas mehr davon abhebt.
Trotzdem: Es ist eine sanfte Begleitung, ein kleiner Schatz für ruhige Stunden, für Menschen, die Trost oder einen liebevollen Impuls brauchen. Ein Buch, das sich wunderbar verschenken lässt - oder das man sich einfach selbst gönnt.
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