Abtreibung - Zwölf Frauen erzählen ihre Geschichte
Tabuthema Abtreibung.
Gesicherte Zahlen über Abtreibungen gibt es nicht, da kaum eine Betroffene darüber spricht, weder öffentlich, noch im Privaten. So bestimmen aggressiv geführte Debatten und eine unklare rechtliche Situation den gesellschaftlichen Umgang mit einem höchst persönlichen Thema. »(K)eine Mutter« erzählt die Geschichten von zwölf Frauen, die abgetrieben haben. Das Buch gibt ihnen Raum, zu berichten: Von den Umständen der Schwangerschaft, dem Grübeln und der schwierigen Suche nach Informationen und medizinischer Versorgung. Vom Moment der Entscheidung und davon, wie die Abtreibung ihre Beziehung zu sich selbst und zu ihrem Umfeld veränderte. Es sind Geschichten von Schmerz und Verzweiflung, von Selbstbehauptung und von Befreiung. Jeanne Diesteldorf hat abgetrieben und jahrelang darüber geschwiegen. Ihr außergewöhnliches Buch ist ein entschiedenes Plädoyer für das Recht am eigenen Körper.
Zwölf Frauen vereint Jeanne Diesteldorf in ihrem Buch. Sie alle eint der Umstand, dass sie einen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen haben. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten, denn jede von ihnen hat ...
Zwölf Frauen vereint Jeanne Diesteldorf in ihrem Buch. Sie alle eint der Umstand, dass sie einen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen haben. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten, denn jede von ihnen hat andere Erfahrungen in ihrer höchstpersönlichen Entscheidung gemacht. Einige von diesen Frauen haben heute Kinder, andere würden sich auch heute nach wie vor für ein Leben ohne Nachwuchs entscheiden. Unterschiedlich waren auch die Hürden, die sie überwinden mussten, um die ungewollten Schwangerschaften abzubrechen. Die Lebenserfahrungen dieser Frauen bereiten auf Fragen vor, die man sich noch gar nicht gestellt hat.
“(K)Eine Mutter” ist gerade im Hinblick auf die USA sehr aktuell, wo das Abtreibungsrecht im Juni 2022 gekippt wurde. Dieses Buch hat den Anspruch seinen Teil zur Enttabuisierung eines Themas beizutragen, das ein Grundrecht jeder Frau sein sollte. Die darin enthaltenen Geschichten jedoch zeigen, dass wir als Gesellschaft davon noch immer weit entfernt sind. Die Schwierigkeiten, die eine Frau hat, eine ungewollte Schwangerschaft und nachfolgende 18 Jahre Verantwortung zu beenden, sind zu hoch. Gerade, wenn man bedenkt, dass der Lösung des Problems ein Countdown von zwölf Wochen anhängt.
So gut ich es finde, dass dieses Buch sich der Thematik annimmt, war es mir noch differenziert genug. Beispielsweise waren nahezu alle (weißen, privilegierten) Frauen in diesem Buch Studentinnen, und als solche bekommt man von der Krankenkasse seinen Abbruch finanziert. Frauen anderer Kulturkreise und Frauen mit begrenzten Mitteln sind in diesem Buch gar nicht repräsentiert. Es fehlt ein wenig an der breiten Vielfältigkeit der weiblichen Seite Deutschlands auf den Seiten dieses ansonsten wirklich informativen und interessanten Sachbuchs.
Cn: Abtreibung
Jeder vierte Frau entscheidet sich einmal in ihrem Leben dafür abzutreiben. In Deutschland ist Abtreibung zwar straffrei, aber dennoch illegal und wird vor allem von Abtreibungsgegnerinnen ...
Cn: Abtreibung
Jeder vierte Frau entscheidet sich einmal in ihrem Leben dafür abzutreiben. In Deutschland ist Abtreibung zwar straffrei, aber dennoch illegal und wird vor allem von Abtreibungsgegnerinnen kriminalisiert. Die Debatte rund um Abtreibung ist emotional, oftmals sehr rau und wird von Politikerinnen, Aktivistinne, Abtreibungsgegnerinnen und Kirchenvertreterinnen dominiert. Die Perspektive von Personen, die sich selber für eine Abtreibung entschieden haben, bleibt dabei oftmals außen vor.
Diese Lücke will Jeanne Diestelfeld mit ihrem Buch „(K)eine Mutter“ schließen, in dem 12 Frauen ihre Geschichte erzählen. Offenlegen, warum sie abgetrieben haben, in welcher Lebenssituation sie sich befanden, welche Auswirkungen die Entscheidung auf ihre Partnerschaft, familiäre Situation und Freundinnenschaften hatten und wie es ihnen vor, während und nach des Abbruchs ging. Die Texte stellen eine Mischung aus Beschreibungen der Autorin und Zitaten der porträtierte Frauen dar, was dafür sorgt, dass die Texte sehr authentisch sind und ich das Gefühl hatte, bei den Gesprächen dabei gewesen zu sein.
Etwas, was das Buch auszeichnet sind die unterschiedlichen Perspektiven. Gute schlechte oder gar keine Betreuung, ein medikamentöser oder operativer Abbruch, das Gefühl der Befreiung oder des Bereuens, aber eines eint die Frauen, ihre Geschichten: die Erkenntnis, wie wichtig ein guter Zugang zu Informationen über Abtreibung ist, wie wichtig ist darüber zu sprechen, das Tabu zu brechen und das Recht über seinen eigenen Körper entscheiden zu können, ohne das Leute, vorschreiben, was man zutun hat.
Das Buch ist intensiv und ist mir sehr nah gegangen, dennoch habe ich die unterschiedlichen Perspektiven der Frauen, als sehr bereichernd empfunden. Für mich, aber auch für die Debatte rund um Abtreibung insgesamt. Man muss emotional dafür bereit sein, sich auf dieser Ebene damit zu beschäftigen, denn es geht nicht um wissenschaftliche Fakten, sondern Lebensrealitäten von Frauen hier in Deutschland, die sich zu einer Abtreibung entschlossen haben.
"(K)eine Mutter: Abtreibung - Zwölf Frauen erzählen ihre Geschichte" von Jeanne Diesteldorf ist ein wichtiges und (immer noch) aktuelles Buch. Denn Abtreibung ist nach wie vor ein Tabuthema. Kaum jemand ...
"(K)eine Mutter: Abtreibung - Zwölf Frauen erzählen ihre Geschichte" von Jeanne Diesteldorf ist ein wichtiges und (immer noch) aktuelles Buch. Denn Abtreibung ist nach wie vor ein Tabuthema. Kaum jemand spricht darüber, obwohl durchschnittlich jede vierte Frau im Leben einmal eine Schwangerschaft abbricht. Die Gründe hier sind so vielfältig wie die Frauen und ihr Leben es auch sind. Doch wenn es um das Thema Abtreibung geht, liegt das Hauptaugenmerk leider nicht bei den Frauen, wie es sein sollte. Stattdessen bestimmen vor allen diejenigen darüber, die persönlich nicht betroffen sind: meistens Männer, die die Gesetze machen.
Jeanne Diesteldorf lässt in diesem Buch 12 Frauen von ihren Erfahrungen erzählen. Es macht sprachlos und wütend, was alle auf verschiedene Weise erleben mussten bei dem verpflichtenden Beratungsgespräch, der Suche nach Ärzten, unsensiblen Pflegekräften, der Krankenkasse und so weiter. Man könnte glauben, wir leben noch im Mittelalter.
Ich bewundere den Mut dieser zwölf Frauen, so offen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Es ist unfassbar, dass Abtreibung immer noch so stigmatisiert und vor allem illegal ist. Hier muss dringend eine Veränderung her. Es darf nicht sein, dass Frauen heutzutage noch so behandelt werden, von Krankenkassen, Ärzt*innen, vor dem Gesetz und von der Gesellschaft.
Keine Frau trifft die Entscheidung zu einer Abtreibung leichtfertig. Niemand möchte das unbedingt erleben. Und niemand wird das ohne Notwendigkeit machen, nur weil es plötzlich nicht mehr illegal ist. Aber es muss Frauen möglich sein, sicher und ohne Bevormundung abtreiben zu können.
Mein einziger Kritikpunkt zu dieser Veröffentlichung ist, dass die 12 Frauen alle aus recht ähnlichen Verhältnissen stammen und alle in ziemlich ähnlichen Situationen waren. Hier hätte ich mir etwas mehr Vielfalt gewünscht (verschiedene Kulturen, verschiedene soziale Schichten, …). Daher 1 Stern Abzug. Ansonsten ein wirklich wichtiges, mutiges und sehr empfehlenswertes Buch!
"Für diejenigen, die unerwartet schwanger geworden sind, kommt es oft überraschend, dass sie im Rahmen ihrer Entscheidung bevormundet, teils schikaniert werden und sie sich am Ende dieser Erfahrung oft fremdbestimmt fühlen und schämen. Dabei könnten ihre Geschichten auch anders verlaufen. Doch nach wie vor schließt sich an die Erfahrung oft Schweigen an, Schuldgefühle oder stille Wut. Das macht es schwer, den Schwangerschaftsabbruch als normales Lebensereignis psychisch zu integrieren, und belastet manchmal noch viele Jahre später."
"Das finanzielle Risiko von Sex verbleibt damit bei denjenigen, die schwanger werden können. Im Zweifel müssen Sie die Kosten allein tragen. Solidarität kennt unser Gesundheitssystem an dieser Stelle nicht. Dabei sind wir alle in dieses Thema involviert und sollten als Gesellschaft endlich gemeinsam dafür einstehen, dass diejenigen, die schwanger werden können, immer eine Wahl haben und wir ihrer Entscheidung vertrauen."
"Wie gleichberechtigt ist unsere Gesellschaft, wenn sie noch immer Menschen für etwas Selbstverständliches stigmatisiert: über den eigenen Körper und das eigene Leben entscheiden zu wollen? Denn solch eine gesetzliche Regelung betrifft im deutschen Recht ausschließlich diejenigen, die schwanger werden können. Kein Cis-Mann muss jemals eine ähnliche Einschränkung über seine reproduktive Selbstbestimmung befürchten. Die aktuelle Gesetzeslage ermöglicht es in Deutschland, dass Schwangere gegen Ihren ausdrücklichen Willen dazu gezwungen werden, eine Schwangerschaft auszutragen."
"Sie versteht nicht, wer etwas davon hat, wenn Menschen Kinder kriegen, die in dem Moment kein Kind kriegen wollen. Da hat das Kind nix davon, da hat die Gesellschaft nix davon. Das fühlt sich dann an wie eine Bestrafung dafür, dass man Sex hatte. Warum ist es die Aufgabe und Verantwortung der Frau? Warum soll sie dann am Ende mit den Konsequenzen leben? Und warum sollen über diese Situation dann Leute entscheiden, die überhaupt nichts damit zu tun haben - mit der Frau, mit ihrem Leben, mit ihrem Körper und mit dem, was sie will? Die überhaupt nicht in diese Situation sind?"
"Sie will nicht die sein, die abgetrieben hat, als wäre es ein großer Makel. Genau so kommt es ihr oft vor in der öffentlichen Debatte und weil sie es selbst verschweigt. Es kommt ihr so vor, als wäre es etwas smSchwerwiegendes. Etwas, das an einem hängt und einen beschwert. Etwas, das nicht sein darf.
Aber wir müssen endlich anfangen, darüber zu sprechen. Es benennen, davon erzählen."
"Mein Abbruch war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe", sagt Janine überzeugt. Dennoch trauert sie. Oder gerade deswegen. Sie trauert, weil die Situation so war, wie sie war. Weil es so sein musste. "Ich hätte lieber keinen Abbruch gehabt. Dieses ganze Prozedere, diese Wartezeit und vor allem das Gefühl: eigentlich gehört mir mein Körper gar nicht richtig. Eigentlich gehört er halt dem Staat, und der ist weiß, männlich und heterosexuell."