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Veröffentlicht am 21.12.2020

Ein Krimi mit Parallelen zur Wirklichkeit

Dresden rechts außen
1

Die Autorin Beate Baum nimmt den/die Leser:in mit in eine erschreckend realitätsnahe Geschichte, in der es an Spannung und Gefahren ebenso wenig mangelt wie an Anspielungen auf die politischen Verhältnisse ...

Die Autorin Beate Baum nimmt den/die Leser:in mit in eine erschreckend realitätsnahe Geschichte, in der es an Spannung und Gefahren ebenso wenig mangelt wie an Anspielungen auf die politischen Verhältnisse in der sächsischen Landeshauptstadt.
Nach einer Kundgebung der Gruppierung Bedecha (Bewahrer des christlichen Abendlandes) zur Feier ihres Jahrestages und Gegendemonstrationen eskaliert die Situation auf den Straßen Dresdens. Als am nächsten Morgen ein Mitglied von Bedecha tot aufgefunden wird, gerät schnell ein Flüchtlingshelfer aus der linken Szene in Verdacht, den Mann umgebracht zu haben. Die beiden Journalisten Kirsten Bertram und Andreas Rönn sollen über die Demonstration und den Mordfall berichten. Doch bei ihren Recherchen in der linken und rechten Szene Dresdens stoßen sie auf zahlreiche Ungereimtheiten. Gemeinsam mit dem Privatdetektiv Dale Ingram versuchen sie den Fall aufzuklären, geraten dabei jedoch immer wieder in große Gefahr.
Das verheiratete Journalisten Ehepaar Kirsten Bertram und Andreas Rönn werden sehr sympathisch beschrieben. Beide halten an ihren Werten und moralischen Überzeugungen fest und setzen alles daran, den/die Täter:in einer gerechten Strafe zuzuführen. Kirsten ist eine gute Journalistin, die sich in ihre Storys hineinvertieft und konsequent umsetzt, was sie sich vorgenommen hat. Sie ist mutig und klug, agiert aber in brenzligen Situationen vorsichtiger und überlegter als ihr Mann Andreas, der meistens nur Andy genannt wird. Andy ist draufgängerisch und begibt sich selber bewusst in Gefahr. Er ist stur und lässt sich zumeist seine Pläne nicht ausreden, handelt impulsiv mit großer Bereitschaft zum Risiko, dennoch ist immer spürbar, dass er dies nur tut um der Werte und Überzeugungen willen, die ihm am Herzen liegen. Dale Ingram, Privatdetektiv aus New Jersey und Exfreund von Kirsten, kommt zurück nach Dresden und beteiligt sich an den Ermittlungen. Er agiert besonnener als Andreas und schätzt die Situationen aus professioneller Sicht ein. Dabei setzt er alles daran, Kirsten und Andy vor Angriffen zu schützten und den Fall aufzuklären, ohne dass sich die beiden unnötig in Gefahr bringen müssen.
Die Story ist mit vielen Parallelen zur Realität aufgebaut, sei es Bedecha, eine Organisation, die stark an PEGIDA erinnert, oder Parolen, die von der rechten Szene gebetsmühlenartig verbreitet oder lautstark artikuliert werden. Der schnelle und direkte Einstieg in das Geschehen nimmt die/den Leser:in sofort für Geschichte und die Stimmung des Buches, die von sehr viel Lokalkolorit lebt, ein. Der Schreibstil ist angenehm, die Geschichte wird flüssig erzählt.
Die Autorin hat die Einstellungsmuster und das Verhalten Rechter und besorgter Bürger:innen sehr gut recherchiert und auch die Verbindung der rechten Szene nach Amerika erscheint glaubwürdig . Man weiß und ahnt, von welchen realen Ereignissen einzelne Situationen inspiriert sind. Diese Realitätsnähe schafft eine beklemmende Atmosphäre. Beate Baum gelingt es, die Emotionen der Protagonist:innen sehr gut zu schildern und Unbehagen angesichts bestimmter Verhaltensmuster zu erzeugen. Einzelne Szenen versetzen die/den Leser:in eine schier unerträgliche Spannung und machen die Gefahren, in denen Kirsten und Andy übergangsweise schweben, äußerst glaubhaft. Wie es in den geschilderten Milieus zugeht, erfährt die/der Leser*in auf Schritt und Tritt hautnah mit den Romanprotagonist:innen.
So sehr sich der Spannungsbogen durch den Roman zieht und bis zum Schluss unklar bleibt, wer nun der/die Mörder:in ist, so früh ist schon vorhersehbar, wohin die sich die Handlung entwickeln wird. Durch die knappen Dialoge und schnellen, oft abrupten und willkürlichen Ortswechsel verlieren Gespräche und Handlung erheblich an Tiefgang. Wer sich dafür interessiert, wie die Ermittlungen und deren Ergebnisse aus Sicht der Polizei und Dale verlaufen, wird enttäuscht sein. Die Funktion und der Beitrag des Privatdetektivs zur Lösung des Falls werden nirgendwo klar herausgearbeitet.
Dennoch ist das Buch ein spannender und guter Krimi. Auch wenn es sich um einen fiktionalen Roman handelt, wird die Stimmung, die teilweise in Dresden seit 2015 herrscht, gut getroffen, insbesondere aber Einstellungen, Mentalitäten und Gewaltbereitschaft in der rechten Szene, die inzwischen tief in sog. Bürgerliche Kreise hineinreicht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2020

Ein gruselig angehauchter Fantasyroman

Todessamen
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Das Bucht ist ein spannender, in sich abgeschlossener Fantasy Roman, der Schmerz, Leid, Rache, Bosheit, aber auch Vergebung und Hoffnung thematisiert, also die Abgründe des Menschen genauso wie seine positiven ...

Das Bucht ist ein spannender, in sich abgeschlossener Fantasy Roman, der Schmerz, Leid, Rache, Bosheit, aber auch Vergebung und Hoffnung thematisiert, also die Abgründe des Menschen genauso wie seine positiven Seiten.
Nach dem Verlust ihrer Eltern wächst das Mädchen Jessica in einem Heim in Grubingen auf, einem Ort, der auf keiner Karte zu finden ist und tief im Wald verborgen liegt. Dort wird sie von anderen Kindern gequält und gemobbt, auch die Erzieher:innen tun nicht gerade alles, was zu Jessicas Wohle wäre. Sie zieht sich deshalb immer weiter in sich selbst und in ihre Fantasiewelt zurück. Allein Sam, mit den lila Augen, der nur in ihrer Imagination zu existieren scheint, ist ihr Freund. Doch nach einem dramatischen Ereignis weist sie ihn von sich und vergisst ihn.
Mithilfe des Sozialpädagogen Freddie findet sie zurück ins Leben, das sie von da an zurückgezogen mit einer einzigen Freundin, von der sie auch nicht gut behandelt wird, führt. Doch dann taucht plötzlich Sam, von dem sie glaubte, er würde nur in ihrer Vorstellung existieren, wieder auf und führt sie in das Wunderland, in das sich Jessica angeleitet durch das Buch „Alice im Wunderland“ hineingeträumt hatte. Doch hier tun sich Abgründe auf, mit denen Jessica niemals gerechnet hätte…
Jessica, oder kurz Jessie, wie sie genannt werden will, ist eine sympathische Hauptprotagonistin, die schwer unter dem Verlust ihrer Eltern und dem Mobbing in den darauffolgenden Jahren zu leiden hat. Manchmal sind ihre Gedanken etwas wirr und sprunghaft, weil sie überschießende Phantasie und Vorstellungskraft hat. Vor dem Hintergrund ihrer Kindheit und Jugend wirken diese Verhaltensweisen aber logisch und stringent.
Sam ist ihr bester und einziger Freund; er stand Jessie in ihrer Kindheit bis zu dem Zwischenfall in schweren Zeiten immer zur Seite stand und unterstützte sie dabei, sich gegen mobbenden Quälgeister zur Wehr zu setzen und zu verteidigen.
Insgesamt hat mir das Buch wirklich gut gefallen. Teilweise gehen Traum und Phantasie fließend in die Wirklichkeit über. Das ist einerseits verwirrend, machte andererseits den Reiz des Romans aus, das auf diese Weise Spannung erzeugt. Immer wieder sind Szenen so gruselig gestaltet, dass sie zart besaitete Leser:innen in Angst und Schrecken versetzen können. Rückblicke in die Kindheit runden das Gesamtbild der Protagonistin immer wieder ab und tragen dazu bei, ihre Gefühle besser einzuordnen und eine Entwicklung ihres Wesens festzustellen. Allerdings ist die Wendung, die die Geschichte nimmt, allzu vorhersehbar. Auch endet die Story für mich viel zu abrupt, ohne dass dadurch die Spannung verloren ginge.
„Todessamen“ von Nicole Siemer kann ich allen ans Herz legen, die gerne Fantasy Romane lesen, dabei aber nicht auf gruselige Elemente verzichten wollen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.12.2020

Vom Fremdsein in einem neuen Land

Fast ein neues Leben
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Als junges Mädchen ist sie mir ihren Eltern aus ihrem alten Land in das neue Land Deutschland gekommen. Dort steht sich vor der Aufgabe und unter dem Druck, sich an das neue Land, die Sprache, die Kultur, ...

Als junges Mädchen ist sie mir ihren Eltern aus ihrem alten Land in das neue Land Deutschland gekommen. Dort steht sich vor der Aufgabe und unter dem Druck, sich an das neue Land, die Sprache, die Kultur, den Alltag und die Menschen zu gewöhnen. Sie kommt in das neue Land, versucht sich anzupassen, ihre Herkunft zu verdrängen. Sie will nicht anders sein. Sie will dazugehören. Ihre alte Heimat will sie vergessen, doch immer wieder wird sie an diese erinnert und auf diese reduziert - als fremd und anders markiert -, so dass es ihr nicht gelingt, dieser Fremdheitserfahrung zu entkommen.

Das Buch umfasst 12 Erzählungen. Alle sind aus der Ich-Perspektive, aus der Sicht der Hauptprotagonistin geschrieben. In den relativ kurzen Erzählungen werden Erlebnisse aus verschiedenen Lebensabschnitten in nichtchronologischer Reihenfolge geschildert, sodass man zumeist das Alter der Protagonistin nur ungefähr erahnen kann. Allerdings spielen eigentlich alle in ihrer Kindheit und Jugend bzw. im Alter einer jungen Erwachsenen. Obwohl ihre Geschichte nicht fortlaufend erzählt wird, kann man dennoch eine Entwicklung der Hauptprotagonistin nachvollziehen.

Der Schreibstil ist nüchtern, gleichzeitig aber auch klar und eindrücklich und transportiert alle nötigen Gefühle. Manche Handlungen lassen sich nur erahnen, stets bleibt Interpretationsspielraum und der/die Leser:in muss selber nachdenken, die vorgelegten Puzzelteile selbst in die Hand nehmen und zusammensetzen, bis sich ein Bild ergibt. Das regt zur Auseinandersetzung und zum Nachdenken über die Inhalte der Erzählungen an.

Die behandelten Themen und Erfahrungen sind wahrscheinlich auf gleiche oder ähnliche Weise im Leben vieler Migrant:innen wiederzufinden. Vor allem der Wunsch, sich im neuen Land anzupassen, das alte Land und alles, was damit verbunden ist, vergessen zu wollen. Aus welchem Land die Protagonistin mit ihren Eltern nach Deutschland kommt, spielt dabei keine Rolle, denn das Erlebte ist austauschbar: Ausgrenzung, Fremdheit, als anders markiert zu werden, nicht dazugehörig zu sein, fehlendes Selbstvertrauen und mangelnde Identität, um sich zur eigenen Herkunft zu bekennen, stattdessen Scham, aber auch Themen wie Schmerz, Verrat, Verlust, Lüge, Betrug, Vertrauen, Sehnsucht und Schuld werden in den Erzählungen aufgegriffen, darüber hinaus Kriegstraumata in die Erzählungen eingebaut. Dabei ist die Protagonistin jedoch nicht immer selber frei von Vorurteilen gegenüber anderen und wird auch selber zur Täterin.

„Fast ein neues Leben“ ist ein eindrückliches Buch mit nachdenklichen und teils irritierenden Erzählungen, dem es gelingt, exemplarisch die Fremdheitserfahrungen vieler Migrant:innen aufzuzeigen, und das deutlich macht, welche Auswirkungen Krieg, Trauma, Ausgrenzung und einfach nur der Wunsch, dazu zu gehören, sich vollkommen einzufügen und alles, was einen Menschen einmal geprägt hat, zu vergessen, weil das der Anspruch zu sein scheint, haben können.

Die Erzählungen „Fast ein neues Leben“ sind ein Buch, das eine viel größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und in der gesellschaftlichen Debatte über Migration verdient hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.11.2020

Liebe und innere Dämonen

Wie die Stille vor dem Fall. Erstes Buch
4

Wie die Stille vor dem Fall- erstes Buch“ von Brittainy C. Cherry ist ein mitreißender, unglaublich emotionaler, tiefgründiger Liebesroman, dem es trotzdem nicht an Humor mangelt.

Schon viele Jahre kennen ...

Wie die Stille vor dem Fall- erstes Buch“ von Brittainy C. Cherry ist ein mitreißender, unglaublich emotionaler, tiefgründiger Liebesroman, dem es trotzdem nicht an Humor mangelt.

Schon viele Jahre kennen sich Landon und Shay Gable sich, und genauso lange sind sich die beiden in tiefem Hass verbunden. Dass sie die gleiche Freundesgruppe teilen, trägt dabei nicht gerade zum Abbau der Spannung zwischen den beiden bei. Auf einer Party schließen die beiden eine Wette ab, wer sich zu erst in den anderen verlieben wird. Sie lernen sich in der Folgezeit näher kennen, und aus der gegenseitigen Abneigung entwickelt sich langsam Liebe. Doch beide tragen Schmerz und Dämonen mit sich herum. Wird es ihnen gelingen trotz ihrer Probleme sich zu lieben, zu stärken und nicht gemeinsam zu zerbrechen?

Der Schreibstil von Brittainy C. Cherry ist angenehm zu lesen, emotionsgeladen und lässt den/ die Leser:in jedes einzelne Gefühl der Charaktere nachempfinden und spüren. Da das Buch aus den Sichten der beiden Hauptprotagonist:innen geschrieben ist, bekommt man tiefe Eindrücke in die Gefühlswelt der beiden und lernt sie sehr gut kennen.

Shay Gabels wirkt nach außen hin perfekt. Sie ist ein herzensguter Mensch, versteht sich mit jedem in der Schule, ist liebenswürdig, klug, brav, freundlich und charmant. Doch sie ist auch sehr ehrlich, mit sich selbst und anderen Menschen, mutig, loyal und gütig. Und wenn sie wirklich jemanden liebt, dann mit jeder einzelnen Faser ihres Körpers. Hinter ihrer perfekten Fassade verbergen sich doch so viele Dinge, die sie kaum jemanden offenbart. Probleme in ihrer Familie, der Druck, der auf ihr lastet, und Ängste, die sie spürt.
Landon – ist der Bad Boy schlechthin. Doch auch bei ihm trügt der äußere Schein. Die Leere in sich füllt er mit Drogen, und verspürt er etwas, ertränkt er seine Gefühle in Alkohol. Als Ablenkung von seinen wahren Gefühlen, seinen Schmerzen, seiner Trauer, von den Selbstzweifeln, die ihn plagen, von den Dämonen, die in ihm hausen. Doch neben seiner Einsamkeit, den Problemen, die er hat, und den körperlichen und seelischen Narben, die er trägt, ist er loyal, liebevoll, selbstlos und voller Hoffnung.

Auch wenn beide auf den ersten Blick vollkommen unterschiedlich wirken, er, der Bad Boy und Draufgänger, sie, das brave, perfekte Mädchen, eint die beiden mehr, als man glaubt.

Das Buch wirkt am Anfang wie eine typische Enemies to lover Geschichte, kombiniert mit einer Wette, doch es steckt so viel mehr darin. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich in einem angenehmen Tempo, wobei nichts überstürzt wird, und aus der ehemaligen Hass-Freundschaft entwickelt sich eine tiefe Liebe. Mutige Entscheidungen werden getroffen, Fehler getan, Fehler wieder gut gemacht. Dabei ist Nichts in der Handlung zu kitschig, übertrieben Klischeehaft oder an den Haaren herbeigezogen. Die Verhaltensweisen passen perfekt zu den Charakteren, kaum etwas ist unstimmig oder unpassend. Und es werden Werte vermittelt, Vorstellungen über Männer korrigiert und keine toxischen Vorstellungen von Maskulinität am Leben erhalten.

Das Buch hat mich irritiert, emotional tief bewegt, bisweilen in tiefe Niedergeschlagenheit versetzt, um mich dann wieder zu heilen. Ich habe gelacht, geweint und gelitten. Und trotzdem habe ich das Buch glücklich zugeschlagen. Weil es Hoffnung gibt, weil man sich Hilfe holen kann, es Unterstützung gibt, und weil es Menschen schildert, die einander bedingungslos lieben.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 21.11.2020

Ein lehrreicher Weckruf

Populismus leicht gemacht
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Das Buch ist ideal für alle, die keine trockene Abhandlung über Populismus lesen, sondern mit Humor die Charakteristika dieser Politikform nachvollziehen wollen.
Mit seinem Buch „Populismus leicht gemacht. ...

Das Buch ist ideal für alle, die keine trockene Abhandlung über Populismus lesen, sondern mit Humor die Charakteristika dieser Politikform nachvollziehen wollen.
Mit seinem Buch „Populismus leicht gemacht. Erfolgreich lernen von den großen Diktatoren der Geschichte“ hat der Historiker und Podcaster Ralf Grabusching, in Zeiten, wo erneut Populist:innen in Parlamente einziehen oder sogar Präsident werden, einen absoluten Treffer gelandet.
In 13 Kapiteln erläutert der Autor wesentliche Merkmale des Populismus und verdeutlicht diese an Beispielen von Rechts- und Linkspopulisten und Diktatoren aus dem letzten Jahrhundert, wie sie sich Feindbilder geschaffen haben, stets eine allgemeine Antihaltung einnahmen und Krise ausnutzten, um sich selber als Retter:in zu präsentieren. All diese Wege, die sich schon vor hundert Jahren Diktatoren und Populisten wie Hitler, Stalin, Mussolini, Hoax, Tito, Franco und viele weitere eingeschlagen haben, um an die Herrschaft zu kommen und diese zu stabilisieren, werden kurzweilig erläutert. Pro Kapitel wählt Grabusching zwei bis drei Beispiele aus der Geschichte und stellt dabei immer wieder Bezüge zur Gegenwart her. Wie Feindbilder erzeugt, aufgebauscht und gezielt eingesetzt werden, kennzeichnet nicht nur das letzte Jahrhundert, sondern ist auch in heutigen Gesellschaften von erschreckend großer Aktualität.
Mit Humor und einer lockeren Sprache, bei der ein:e fiktionale Leser:in angesprochen wird, gelingt es dem Autor, den/ die Leser:in zu unterhalten, aber gleichzeitig auch Wissen zu vermitteln. So habe ich viel über Diktatoren gelernt, von denen ich bis dahin noch nie etwas gehört hatte. Mit dem Bezug zur heutigen Zeit und zu Politiker:innen und Parteien wie Donald Trump in Amerika, der FPÖ in Österreich oder der AfD in Deutschland, zeigt Grabusching die sich wiederholenden Politikstile auf und führt dem Leser eindrücklich vor Augen, dass Populismus kein Phänomen der Gegenwart ist, sondern schon viel länger – sehr erfolgreich - Anwendung findet. Damit ist das Buch auch eine Warnung und ein Aufruf dazu, aufmerksam zu sein, Populismus zu erkennen und sich diesem entgegenzustellen. Denn wozu Populismus in seiner schlimmsten und grausamsten Form führen kann, haben gerade wir in Deutschland leider im letzten Jahrhundert allzu oft und allzu deutlich erfahren müssen. Auch wenn es dem Buch nicht an Humor und Unterhaltung fehlt, so hinterlässt die Lektüre ein mulmiges Gefühl, da man mit Erschrecken feststellen muss, dass das, was früherer Diktatoren sich zu Nutze gemacht haben, sich bei einer Partei zur täglichen Praxis gehört, die es bis in den deutschen Bundestag geschafft hat.
Es scheint, als hätten die Menschen nichts von den letzten Diktatoren gelernt.

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  • Erzählstil
  • Handlung
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