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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.10.2021

Informativ und leicht verständlich

100 Karten über Sex
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Welche Vogelart kann beim Fliegen Sex haben? In welchen Ländern wird Sex zwischen Gleichgeschlechtlichen Paaren kriminalisiert und was sind die beliebtesten Sexstellungen in Deutschland? Antworten auf ...

Welche Vogelart kann beim Fliegen Sex haben? In welchen Ländern wird Sex zwischen Gleichgeschlechtlichen Paaren kriminalisiert und was sind die beliebtesten Sexstellungen in Deutschland? Antworten auf diese und viele andere Fragen lassen sich in „100 Karten über Sex“ finden. Wie der Titel schon sagt werden auf insgesamt 100 Karten etliche Themen behandelt, die mit Sex auf irgendeine Art und Weise zu tun haben. Dazu gehören Aufklärung, Sexuelle Belästigung, Geschlechtskrankheiten, Pornographie, Verhütung; Geschlechtsidentitäten und vieles mehr.
Die Grafiken sind alle leicht verständlich und die Seiten übersichtlich gestaltet. Kurze Texte liefern weitere Infos oder Erklärungen. Das Buch lässt sich einfach durchblättern und lädt dazu ein auf Seiten, die einem mehr interessieren zu verharren. Manche Fakten sind unterhaltsam und lassen schmunzeln, andere sind wieder ernster und zeigen, wie viel es auf dieser Welt noch zu tun gibt. Die Quellenangaben zu den jeweiligen Statistiken und Studien lassen sich am Ende des Buches finde. Teils beruhen die Informationen auf Studien andere Organisationen oder stammen aus der Recherche des Verlags.
Auch wenn versucht wird, durch das Gendern oder explizite Erklärungen, sowie Themenspezifische Karten, zu zeigen, dass es Geschlechter außer männlich und weiblich gibt, bewegen sich viele Studien jedoch leider genau in dieser binären Geschlechtervorstellung, was wohl daran liegt, dass in vielen Studien nur diese beiden Geschlechter erfragt/ befragt werden und nicht weiter differenziert wird.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gefallen, da es eine unglaubliche Informationsfülle bereit hält und für jede*n etwas dabei ist.

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Veröffentlicht am 03.10.2021

Sci-Fi für Jugendliche

The Upper World – Ein Hauch Zukunft
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Der in London lebende Teenager Esso hält sich eigentlich raus. Auch aus Gangkriegen, die die Nachbarschafft erschüttern Doch dann gerät er, ohne es zu wollen, mitten hinein. Bei einem Autounfall wird er ...

Der in London lebende Teenager Esso hält sich eigentlich raus. Auch aus Gangkriegen, die die Nachbarschafft erschüttern Doch dann gerät er, ohne es zu wollen, mitten hinein. Bei einem Autounfall wird er verletzt und verliert das Bewusstsein. Während dieser Bewusstlosigkeit sieht er die Zukunft und damit wie seinen Freunden und seiner Liebe Nadia großes Leid geschieht. 15 Jahre später lernt Rhia, die ihre Eltern nie richtig kannte und in einer Pflegefamilie aufwächst, ihren neuen Physiknachhilfe Lehrer kennen. Als sie herausfindet, dass er ihre Mutter kannte und ihre Hilfe benötigt, beginnt ein Abenteuer, das eng verbunden ist mit Mathematik.

In the Upper World von Femi Fadugba, spricht der Autor Themen an, die aus dem Leben jedes Teenagers stammen könnten. Die erste Liebe, streit mit den Eltern und Freundschaft. Doch auch gegenwärtige Ereignisse wie der Klimawandel oder Rassismus, den Schwarze tagtäglich auf der Straße begegnet lässt er nicht außen vor.
Esso ist ein Junge, mit dem man sich gut identifizieren kann. Er buhlt um das Interesse des Mädchens was er mag, ist neugierig und wissbegierig, gerät immer wieder in Ärger, streitet sich mit seiner Mutter und hat Probleme mit der Schule und den dort herrschenden Strukturen. Dazu kommen Gangs, mit denen er eigentlich nichts zu tun haben will, die aber dennoch das Leben an der Schule und im Viertel bestimmen.
Rhia lebt, nach dem sie von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gegeben wurde, zusammen mit ihrer Pflegeschwester Olivia bei einen Paar. Ihre große Leidenschaft ist Fußball und später immer mehr auch die Physik, die sie für sich, mit Hilfe von Esso, entdeckt.
Der Schreibstil ist sehr leicht und auch humorvoll, ähnlich wie bei Percy Jackson, was dazu führt, dass ich das Buch zügig lesen konnte. Auch die mathematische und physikalische Theorie wurde durch Vergleiche und Geschichte versucht demder Leserin leichter zugänglich zu machen und verständlich zu vermitteln. Letzteres ist jedoch leider nicht an allen Stellen gelungen, auch wenn ich es wirklich interessant fand. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Zukunft macht auf jeden Fall den Reiz der Erzählung aus, da ich mich durchgängig gefragt habe, ob es ihm wohl gelingen wird, die Vergangenheit zu ändern. Auf Gewisse Art, war die Geschichte insgesamt spannend. Aber es gab keine Stelle, an der ich so richtiges Nervenkitzel verspürt habe.
Dass der Autor philosophische Ideen , wie das Höhlengleichnis in die Geschichte eingebunden hat, fand ich sehr interessant, auch wenn ich bis jetzt nicht den Zusammenhang sehe, was natürlich auch einfach daran liegen kann, dass ich nicht tief genug in der Materie rund um Energie und Zeitreisen bin. Durch Zeichnungen und Skizzen werden immer wieder bestimmte Szenerien oder mathematische aufgaben veranschaulicht, was auf jeden Fall zum Verständnis beiträgt. Manche Sachen erschienen mir dennoch unlogisch, damit kann ich mich jetzt nicht auf die Physik im Buch beziehen, da ich davon zu wenig Ahnung habe, sondern meine explizit die Handlung. Auch das Ende war für mich etwas verwirrend. Hier hätte ich mir konkretere Aufklärung gewünscht.
Die beiden Handlungsstränge, Gegenwart und Zukunft, . Der Autor hätte, meiner Meinung nach, die Zukunft und gerade die Unterschiede zur Gegenwart noch besser herausarbeiten können.
Insgesamt stellt The upper world ein spannendes und unterhaltsames Jugendbuch dar, dass Physik geschickt in eine interessante Geschichte verpackt, die jedoch einige Schwächen aufweist.

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Veröffentlicht am 03.10.2021

Intim, schonungslos, schockierend- 50 Frauen* reden über Sex

Was wir lieben
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Das Sprechen über Sex stellt immer noch ein gesellschaftliches Tabu dar. Oft ist das Wissen oder eher die Vorstellung geprägt durch Pornos oder Halbwissen, was hinter vorgehaltener Hand flüsternd weiter ...

Das Sprechen über Sex stellt immer noch ein gesellschaftliches Tabu dar. Oft ist das Wissen oder eher die Vorstellung geprägt durch Pornos oder Halbwissen, was hinter vorgehaltener Hand flüsternd weiter gegeben wird. Auch Zuhause und in der Schule ist es ein Thema, was nur selten in voller Bandbreite besprochen.
Das Buch „Was wir lieben. 50 Frauen sprechen über Sex“ schließt damit eine Lücke und bietet statt trockener Theorie eine Sammlung von kurzen Erfahrungsberichten, deren Erzählerinnen so vielfältig sind wie ihr Sex. Es kommen Frauen vor die hetero, pan- oder bisexuell sind. Frauen die sich als cis, trans oder non- binary identifizieren, aus allen möglichen Ländern rund um den Globus stammen und sich auch hinsichtlich ihres Alters unterscheiden, da das Buch so aufgebaut ist, dass zu Beginn die jüngste Frau zu Wort kommt und zum Schluss die älteste.
Jede einzelne circa zwei Seiten lange Erzählung ist unglaublich intim. Offen erzählen die Frauen
über ihre Kindheit, wie sie aufgewachsen sind, ihren Körper und ihre Sexualität und über Missbrauch, den erschrecklich viele erlebt haben und damit, die traurige Realität wiederspiegeln. Durch die Vielfältigkeit der Erzählerinnen und der Berichte wird schnell deutlich, wie unglaublich viele Facetten Sex hat und dass es keinen „normalen“ Sex gibt, sondern jede Person individuelle Bedürfnisse hat und wie sich diese Bedürfnisse auch mit dem Alter verändern, die einen verschwinden und andere plötzlich wichtig werden. Das Buch zeigt, was Sex sein kann. Sex kann Schmerz bedeuten, sowohl psychischen, als auch physischen, Spaß, Nähe und vieles mehr. Einige der Berichte können schmerzhaft für dendie Leserin sein und triggern, da gerade Missbrauch ein sehr präsentes Thema ist. Dennoch geben die Geschichten Hoffnung und Mut, seinen eigenen Körper und Bedürfnisse zu entdecken und Sexualität auszuleben.
Bereichert werden die Berichte von wunderschönen Illustrationen, gemalt von Künstler
innen aus aller Welt, die die Inhalte der Berichte aufgreifen und grafisch umsetzten. Jede einzelne Geschichte, all dieser unterschiedlichen Frauen*, habe ich als unglaubliche Bereicherung wahrgenommen. Sie waren lehrreich und haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, auf seine eigenen Bedürfnisse und die Dinge, die man selber mag zu achten und diese offen zu kommunizieren.
So go, and let’s talk about Sex! ;)

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Veröffentlicht am 29.09.2021

Gute Ideen, aber einfach too much

The promises we made. Als wir uns wieder trafen
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Viele Jahre haben sich Dessie und Sam nicht mehr gesehen. Ihre junge Liebe wurde in einer einzigen, verhängnisvollen Partynacht zerstört. Mittlerweile sind beide erwachsen. Sam, der sich ein Hotelimperium ...

Viele Jahre haben sich Dessie und Sam nicht mehr gesehen. Ihre junge Liebe wurde in einer einzigen, verhängnisvollen Partynacht zerstört. Mittlerweile sind beide erwachsen. Sam, der sich ein Hotelimperium aufgebaut hat und aufgrund seiner iranischen Herkunft rassistischen Drohungen ausgesetzt ist, entschließt sich dazu, sich an eine Sicherheitsfirma zu wenden, bei der jedoch ausgerechnet Dessie angestellt ist. Sie wird Sams Bodyguard, beide kommen sich näher und merken, dass die damalige Anziehungskraft nicht verloren gegangen ist. Doch die Vergangenheit lässt beide nicht los.
Dessie ist eine unabhängige und selbstsichere Hauptprotagonistin. Sie ist stark und hat sich selber aus einer schweren Phase ihre Lebens herausgekämpft. Sie ist oft sehr ernst, hochintelligent und würde alles tun für die Menschen, die sie liebt. Schwer hat sie jedoch mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen und dem, was sie damals getan hat. Aufsteigende Erinnerungen lösen deshalb immer wieder heftige Panikattacken aus.
Sam ist aus dem Iran geflüchtet und in Schweden ohne Privilegien aufgewachsen. Motiviert durch seine Kindheit setzt er sich selber für eingewanderte Jugendliche, den Schutz der Umwelt und Chancengleichheit ein. Als (erfolgreicher) Mann iranischer Herkunft gerät er jedoch immer wieder in den Fokus von Rechtsextremisten und ist antiislamischem Rassismus und Ausländerfeindlichkeit ausgesetzt, was ihm sehr zu schaffen macht.
Die Autorin spricht in ihrem Buch Themen an, die mir bis jetzt selten oder gar nicht in einem Liebesroman begegnet sind. Dazu gehören Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Rassismus und auch Feminismus und Androzentrismus.
Der Schreibstil ist teilweise sehr ausschweifend und blumig, für mich jedoch leicht und angenehm lesbar. Manchmal ist er jedoch auch stockend und gerade in Gesprächen gibt es Sprünge, die einen aus dem Lesefluss bringen.
Die Vielfältigkeit der Themen hat mich von Beginn an begeistert; es hat mich sehr gefreut, dass so viele gesellschaftlich relevante Themen, die leider Alltag vieler Menschen sind, auch im New Adult Bereich immer mehr ankommen.
Dadurch, dass im ersten Abschnitt des Buches, sehr viele Handlungsstränge angelegt werden, hatte ich die Befürchtung, dass die Geschichte zu überladen wird. Das hat die Autorin relativ gut gelöst, indem nicht alles am Schluss aufgeklärt wird, sondern peu à peu im Lauf der Erzählung.
Schweden ist ein Land, das man gut aus Kriminalromanen kennt. Bei Simona Ahrnstedt ist das typisch schwedische Flair leider gar nicht wahrnehmbar, so dass die Geschichte auch in jedem beliebigen anderen Land hätte spielen können. Wie die schwedische Atmosphäre mich nicht erreichen konnte, so gelang es der Autorin auch nicht, mich jene Emotionen spüren zu lassen, die sie beim Leser wecken möchte. Die Gefühle und die Anziehungskraft zwischen Dessie und Sam werden so beschrieben, dass sie den Leser kaum berühren, geschweige denn ergreifen. Am Ende verliert die gesamte Story jeden Bezug zur Realität. Gerade der Höhepunkt wirkt konstruiert und an den Haaren herbeigezogen.
Die Idee der Geschichte und auch die vielen Themen haben mich sehr begeistert. Die Umsetzung ist für mich jedoch eine Enttäuschung, da es am Ende einfach too mich für ein Buch mit nicht mal 400 Seiten war.

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Veröffentlicht am 22.09.2021

Ein offenes Gespräch über Männlichkeit

Bock
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Wenn von Feminismus die Rede ist, verfallen Männer häufig in eine Abwehrhaltung und verkennen dabei, wie sehr das Patriachat auch das Leben von Männern prägt und beeinflusst. In ihrem Buch „Bock. Männer ...

Wenn von Feminismus die Rede ist, verfallen Männer häufig in eine Abwehrhaltung und verkennen dabei, wie sehr das Patriachat auch das Leben von Männern prägt und beeinflusst. In ihrem Buch „Bock. Männer und Sex“, beschäftigt sich die Autorin Katja Lewina, wie im Titel schon deutlich wird, nicht mit ihrem eigenen Geschlecht, sondern mit Männern und männlichen Stereotypen. Welche gesellschaftlichen Erwartungen werden an Männer gestellt? Welchen Normen unterliegen sie und wie sind die sozialisiert? Um diesen Fragen nachzugehen, sucht die Autorin selber das Gespräch mit Männern, die jeweils ihre völlig eigene Geschichte mitbringen, sei es durch ihre Herkunft, ihren Beruf oder ihre Sexualität, die über ihre persönlichen Erfahrungen berichten oder sich selber mit dem Thema bpsw. Aufgrund ihres Berufes beschäftigen.
Von der Geburt bis ins hohe Alter greift Katja Lewina eine große Vielzahl von Themen auf und setzt sich mit Stereotypen und Normen auseinander. Dazu gehören Rasur, Selbstbefriedigung, durch Sexualkontakte übertragbare Krankheiten, allgemein die gesellschaftlichen Idee, was als „richtige“ Männlichkeit zu gelten hat und vieles mehr. Männer berichten über ihre eigene Wahrnehmung und ihre Erfahrungen, reflektieren über ihr eigenes Verhalten und liefern einen Blickwinkel, der ihnen oft selbst nicht bewusst war. Dabei lernen sie selber, ihr erlerntes Rollenverhalten zu hinterfragen. Stereotype werden aufgebrochen, wiederlegt, und es wird deutlich, was vielen nicht klar zu sein scheint: Es gibt eben nicht die eine richtige und einzige Form oder den einen richtigen Ausdruck von Männlichkeit. Was Männer ausmacht, ist so vielfältig, wie Menschen vielfältig sind. Die auferlegten Stereotypen und Normen schränken ein und führen nur zu psychischen Problemen und Leid.
Dabei ist die Autorin schonungslos ehrlich, und man:frau spürt, dass sie auch selber durch die Gespräche mit den vielen , unterschiedlichen Männern einiges gelernt und selber reflektiert hat. Der Schreibstil ist an den meisten Stellen umgangssprachlich, Katja Lewina verwendet Begriffe, die dem Leser mitunter unpassend erscheinen, erreicht damit aber genau das, was sie erreichen will: sie bricht Tabus, lässt hinterfragen und regt zum Nachdenken an. Das passt zu ihr, und es passt zum Buch. Die Ergebnisse der Gespräche fließen an den genau richtigen Stellen in der Form von wörtlichen Zitaten ein und spiegeln sich auch in dem Rest des Buches wieder. Die persönlichen Erfahrungen und Erzählungen der Männer werden durch Studien oder die Expertise von Expert:innen wissenschaftlich untermauert. Die Quellen finden sich am Ende des Buches in einem Literaturverzeichnis.
Während des Lesens habe ich unzählige Klebezettel verbraucht und damit viele Sätze und teilweise ganze Absätze markiert, ein untrügliches Zeichen dafür, wie gut ich das Buch fand. Ich konnte selber unglaublich viel mitnehmen, und mir ist einiges nochmal selber bewusster geworden.
Lest dieses Buch! Es regt einen Diskurs an, der noch nicht überall in der Gesellschaft angekommen ist. Aber das Thema ist wichtig, und wir alle sollten darüber sprechen. Denn das Patriachat kann nur von allen gemeinsam besiegt werden.

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