Cover-Bild Die Wahrheit über Ann
(3)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Nagel & Kimche
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Klassisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 24.02.2026
  • ISBN: 9783312014484
Julia Deck

Die Wahrheit über Ann

Roman | Das berührende Porträt einer liebevollen Mutter-Tochter-Beziehung | Ausgezeichnet mit dem Prix Médicis 2024
Sina de Malafosse (Übersetzer)

In den 1950er-Jahren wird die junge Ann in einer englischen Arbeiterfamilie groß, doch die Liebe zur Literatur ermöglicht ihr den sozialen Aufstieg und führt sie schließlich nach Paris. Die Literatur wird auch die verbindende Sprache zwischen Ann und ihrer Tochter Julia, die keine gemeinsame Muttersprache miteinander teilen. Julias Leben gerät unvermittelt ins Wanken, als sie Ann nach einem Schlaganfall findet. Für Mutter und Tochter beginnt ein langer Weg durch das Labyrinth der Pflegeeinrichtungen, gleichzeitig geht Julia den blinden Flecken in der Erzählung der eigenen Familiengeschichte nach und kommt einem lang gehüteten Geheimnis ihrer Mutter auf die Spur. Klar, lakonisch und liebevoll zugleich zeichnet Julia Deck das Bild einer Frau, die nach Selbstbestimmung strebt und erzählt einfühlsam von der so komplexen wie absoluten Liebe zwischen Mutter und Tochter.

Ausgezeichnet mit dem Prix Médicis 2024

»Julia Deck ist eine unglaubliche Schriftstellerin. Von einer unwahrscheinlichen Intelligenz, Wut und Liebe.« France Inter

»Eine Erzählung, die durch ihre Raffinesse und Brillanz besticht.« Le Nouvel Obs

»Ein sehr schöner Text voller Liebe, in dem der englische Humor nie weit weg ist, getragen von einem wunderschönen Schreibstil und zwei liebenswerten Heldinnen.« Le Parisien

»Ein Roman, der sich in eine Untersuchung verwandelt, in der sich die ganze literarische Meisterschaft von Julia Deck offenbart.« Les Inrockuptibles

»Julia Deck schafft mit diesem kühn konstruierten Roman eine bewegende Hommage an ihre Mutter.« Page des libraires

»Mit Eleganz, Witz und klarsichtigem Blick teilt Julia Deck mit uns eine existentielle Reise. Ein echter Erfolg!« Lire Magazine



Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.04.2026

Das komplexe Verhältnis zwischen Mutter und Tochter

0

Eine Tochter erzählt die Lebensgeschichte ihrer Mutter und vom beschwerlichen und berührenden Weg ans Ende ihres Lebens.


Dieses Buch handelt von Ann und ihrer Tochter Julia. In wechselnden Kapiteln ...

Eine Tochter erzählt die Lebensgeschichte ihrer Mutter und vom beschwerlichen und berührenden Weg ans Ende ihres Lebens.


Dieses Buch handelt von Ann und ihrer Tochter Julia. In wechselnden Kapiteln wird sowohl in der Gegenwart als auch aus der Vergangenheit erzählt. Anns Kindheit beginnt in England. Als sie ihre Tochter Julia zur Welt bringt, lebt sie schon lange in Frankreich. Die Rückblicke in Anns Vergangenheit werden vom Zeitgeschehen begleitet. Die Autorin baut immer wieder politische wie wirtschaftliche Entwicklungen zu den jeweiligen Zeitpunkten mit in die Geschichte ein. Das Hauptaugenmerk bezieht sich aber auf das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter.
In der Gegenwart erzählt Julia selbst, wie sie sich um ihre Mutter kümmert, die gerade einen Schlaganfall erlitten hat. Sie kämpft im Krankenhaus für eine angemessene Behandlung und versucht mit enormem Aufwand, einen Platz im Pflegeheim zu bekommen. Wie schwer es der Angehörigen in dieser Situation gemacht wird, spürt nicht nur Julia, sondern auch ich als Leser.
Ich habe mich für dieses Buch entschieden, weil mich die Beziehung zwischen Julia zu ihrer Mutter interessierte und weil ich unbedingt Julias langen Weg durch das Labyrinth der Pflegeeinrichtungen begleiten wollte, der mich stark an selbst erlebtes erinnerte. Ich war überrascht, wie sehr Julias Empfindungen während des Krankheitsverlaufs ihrer Mutter den meinen glichen. Ich ziehe meinen Hut vor Julias Durchhaltevermögen, die wirklich alles getan hat, um ihre Mutter bestmöglich versorgt zu sehen. Auf der anderen Seite stimmt es mich traurig, dass die Zustände im Gesundheitssystem überall ähnlich trostlos erscheinen, die Angehörigen machtlos sind und dass diesbezüglich überhaupt keine Besserung in Sicht ist. Vielmehr steuern wir noch schlechteren Umständen entgegen, die einem Angst machen, alt zu werden.
Die Autorin schreibt autofiktional vom Leben ihrer Mutter und ihrem eigenen. In der Ich-Perspektive beschreibt sie offen ihre Gefühle, während sie versucht mit der Krankheit der Mutter klarzukommen. Besonders berührt haben mich die Szenen, in denen ihre sonst so starke und beherrschte Mutter ihrer Hilflosigkeit völlig ausgeliefert war und wie sehr Julia selbst von diesem Anblick betroffen war. Die Autorin macht deutlich, wie schwer es ist mitanzusehen, wenn die sonst so starken Eltern plötzlich hilflos werden.
Spannend fand ich auch das gemischte Verhältnis von Julia zu ihrer Mutter. Um dieses zu verstehen, war es wichtig in die Vergangenheit abzutauchen. Während ich Ann beim Erwachsenwerden begleiten konnte, rückte Julia einer Vermutung immer näher. Sollte sie im Verlauf des Buches tatsächlich ein Familiengeheimnis aufdecken?
Julia fühlte sich nie genug geliebt von ihrer Mutter. Das Verhältnis zwischen den Beiden war nicht immer einfach. Als Außenstehende habe ich es vermutlich inniger empfunden als die Autorin selbst. Hier darf sich jeder selbst ein Urteil bilden. Eine Gemeinsamkeit jedoch hat Mutter und Tochter das Leben lang begleitet, die Liebe zur Literatur.
Interessant fand ich auch, wie deutlich die Entscheidungen der Eltern stets das zukünftige Verhalten der Kinder prägen.
Mit Sicherheit ein Roman, der Mütter und Töchter gleichermaßen berühren kann. Mir hat er, trotz der Schwere die mitschwingt, gut gefallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2026

Autofiktion

0

Die französische Autorin Julia Deck hat ein autofiktionales Buch über den schweren Schlaganfall ihrer 84jährigen Mutter und den Folgen geschrieben.
Da es zudem die Endphase der Pandemie im Jahr 2022 ist, ...

Die französische Autorin Julia Deck hat ein autofiktionales Buch über den schweren Schlaganfall ihrer 84jährigen Mutter und den Folgen geschrieben.
Da es zudem die Endphase der Pandemie im Jahr 2022 ist, wird es besonders schwer.
Julia Deck schildert detailreich die Behandlung und überwiegend fehlende Therapie, aber auch den Lebenswillen der schwer angeschlagenen Mutter.

Zwischen den Krankenhaus-Passagen gibt es Beschreibungen des Lebens ihrer Mutter Ann, die in Großbritannien geboren ist, als Erwachsene aber nach Frankreich zog. Dann gibt es auch ein Geheimnis um sie.
Schließlich nimmt auch Julia ihre Rolle in der Geschichte der Mutter ein.

Das Buch ist so gemacht, dass man als Leser Anteil nimmt, aber es bleibt realistisch und damit an manchen Stellen auch bitter. Ich schätze aber die Konsequenz und viele der Überlegungen der Autorin über die komplizierte Beziehung zur Mutter.

Julia Deck hat für dieses Buch sehr verdient den renommierten Prix Médicis gewonnen.

Veröffentlicht am 11.03.2026

Interessant, anspruchsvoll, berührend

0

Was für ein außergewöhnlicher Read! … über eine Mutter und ihre Tochter, Literatur, Herkunft(sfragen), Erinnerungen und Geheimnisse - und über die schwierige, manchmal schwierige Liebe zwischen zwei Menschen, ...

Was für ein außergewöhnlicher Read! … über eine Mutter und ihre Tochter, Literatur, Herkunft(sfragen), Erinnerungen und Geheimnisse - und über die schwierige, manchmal schwierige Liebe zwischen zwei Menschen, deren Leben untrennbar miteinander verwoben ist.

Im Zentrum steht ein Moment, der alles verändert: Die Erzählerin Julia findet ihre Mutter Ann nach einem Schlaganfall auf dem Badezimmerboden ihrer Wohnung in Paris. Stundenlang hat sie dort gelegen. Voller Selbstvorwürfe seziert Julia gedanklich ihre letzte vorherige Begegnung, ihren letzten Dialog, quält sich mit Fragen à la "Hätte ich nur dies statt jenem gesagt" … Es liest sich schonungslos realistisch und absolut herzzerreißend. Fortan wird es in ihrer beider Leben die Einteilung in ein 'Davor' und ein 'Danach' geben.

Es folgt eine Odyssee durch Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, medizinische Diagnosen, Bürokratie ... inmitten einer ohnehin weltverändernden Pandemie. Parallel dazu erleben wir als Lesende eine Reise zurück in Anns Vergangenheit - in die Geschichte einer Frau, die sich ihr Leben lang neu erfunden hat.

Ann wächst in den 1950er-Jahren in einer englischen Arbeiterfamilie auf. Doch ihre Leidenschaft für Literatur eröffnet ihr Möglichkeiten, die weit über ihre Herkunft hinausgehen. Sie verlässt England, geht nach Frankreich, baut sich ein neues Leben auf … und bleibt dennoch immer ein wenig fremd, überall und nirgends ganz zu Hause. Für ihre Tochter wird sie zugleich Vorbild, Rätsel und Herausforderung.

Was diesen Roman so besonders macht, ist seine Form. Gegenwart und Vergangenheit, Erinnerung und Vermutung, alles greift ineinander. Der Text bewegt sich zwischen persönlicher Chronik, literarischer Reflexion und einer Art behutsamer 'Ermittlungsarbeit': Gibt es eine Wahrheit über Ann, die bisher verborgen geblieben ist? Und was bedeutet Wahrheit überhaupt innerhalb einer Familie, deren Geschichte aus Erzählungen, ominösen Auslassungen und vielleicht auch aus Selbstschutz besteht?

Der Stil ist dabei bemerkenswert klar und präzise, Julia Deck schreibt ohne Pathos, aber mit einer packenden emotionalen Intensität, die sich gleichermaßen intensiv wie soft entfaltet. Besonders in den Passagen rund um den Krankenhausaufenthalt entsteht eine äußerst beklemmende Atmosphäre: die Fassungslosigkeit, das Warten, die Hilflosigkeit, die nüchterne Sprache der Medizin, die sich mit Erinnerungen und Selbstzweifeln mischt.

Immer wieder stellt der Roman auch größere Fragen - über das Verhältnis von Wahrheit und Fiktion, über das Schreiben selbst, und darüber, wie Geschichten innerhalb von Familien entstehen. Literatur ist hier nicht nur Thema, sondern auch Bindeglied zwischen Mutter und Tochter … vielleicht sogar als eine Art gemeinsame Sprache.

Gleichzeitig ist das Werk eine wunderschöne Hommage, denn trotz aller Zweifel, aller Spannungen und ungelösten Fragen spürt man auf jeder Seite die tiefe Zuneigung der Tochter zu ihrer Mutter. … Eine Bindung, die ich mir bei meiner eigenen Mutter immer vergeblich gewünscht habe. Dennoch wird diese Liebe ist nicht durch die rosarote Brille idealisiert: sie ist kompliziert, sie ist widersprüchlich, manchmal sogar schmerzhaft … und wirkt einfach rundum authentisch.

Besonders eindrucksvoll fand ich, wie der Roman das Porträt einer Frau zeichnet, die sich gegen gesellschaftliche Grenzen behauptet hat: eine Arbeiterstochter, die durch Bildung und Literatur ihren eigenen Weg findet. Ann erscheint dabei zugleich stark und verletzlich, entschlossen und rätselhaft. So entsteht ein Buch, das weit über eine persönliche Geschichte hinausgeht. Einziger Wermutstropfen: Eine gewisse Distanz zu den Figuren ließ sich trotz allen Mitgefühls nicht ganz abschütteln … aber das war okay, da es hier das große Ganze und die Erzählkunst der Autorin waren, die mir positiv in Erinnerung bleiben werden.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Ein stilles, kluges, stilistisch wundervoll geschriebenes und tief berührendes Buch voller Intelligenz und literarischer Feinheit, das ich gerne weiterempfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere